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Ausgeschlossen ist das gewiss nicht. Der neue Titel hätte den Vorzug gehabt, dass er nicht, wie der Königstitel, an überlieferte, verfassungsmässig beschränkte Rechte gebunden gewesen wäre, sondern zur Schaffung einer neuen, grösseren, monarchischen Gewalt leicht hätte helfen können 1). Andrerseits aber kam es Cromwell ja gerade darauf an, seine Stellung durch Anknüpfung an die alte, geheiligte Tradition zu festigen, und das konnte er nur durch den königlichen, nicht durch den kaiserlichen Titel. Wer immer den Gedanken zuerst gefasst hat dass der Kaisertitel unter dem Protektorate ernsthaft in Frage kam, ist nicht wohl zu bezweifeln 2). << Es liegt guter Grund vor, zu glauben, dass mit der Herstellung des ersten Grossen Siegels des Protektorates so lange gezögert wurde, weil es noch ungewiss war, ob der neue Titel König oder Kaiser sein würde » 3).

Nur einmal noch, soweit ich sehe, findet sich im Zeitalter der Stuarts ein Spielen denn mehr war es diesmal nicht mit dem Kaisertitel. Ein Spielen, das wie die Farce nach der Tragödie anmutet: aus dem letzten Jahre der Stuartschen Herrlichkeit, 1688, gibt es eine, aus dem folgenden gar zwei Medaillen, auf denen Jakob II. als «Kaiser von Britannien » erscheint 4). So wenig wie bei der Denkmünze seines Grossvaters kann ich bei dieser angeben, ob es sich um amtliche cder um private Prägung handelt. Ausgeschlossen ist jedenfalls auch hier nicht amtlicher Ursprung der Medaillen. Das Adjektiv imperial findet sich auch unter den beiden letzten Stuarts auf englischem Throne 5), und der Mann, der auf der

de' suoi partiali fece proporre ultimamente che la convenienza unita alla dignità della natione richiedeva che fosse cambiato titolo et riassunto quello di re o d'imperatore Staat-archiv in Venedig, Senato Secreta, Dispacci Francia 117 (Pauluzzis Depeschen sind versehentlich unter " Francia" eingereiht). Vgl. M. Brosch, Zur Geschichte der puritanischen Revolution, Histor. Zeitschrift LI 29.

1) Vgl. darüber Sam. R. Gardiner. History of the Commonwealth and Protectorate III (1903) 304, 305.

2) Gegenüber Broschs zu weit gehender Skepsis, die Pauluzzi «fabulieren» verwirft, verweise ich auf Gardiner.

3) Gardiner a. a. O. S. 304.

') Hawkins, Medallic Illustrations I 630. 652. 654.

) Vgl. etwa Campana de Cavelli, Les derniers Stuarts à S. Germain

Flucht aus seinem Königreich das Grosse Siegel des Landes in die Themse warf, um so dem Räuber seiner Krone das Symbol der Regierungsgewalt zu entziehen, war wohl auch im Stande, gegen die Entsetzung von der königlichen Gewalt durch Prägung von Kaisermedaillen zu demonstrieren.

Der Geschichtschreiber der Kaiseridee wird in grösserem Zusammenhang auch so bescheidene Beiträge verwerten können wie die hier gebotenen 1). Er wird weitere Symptome für das Vorhandensein des imperialistischen Gedankens in England aus der poetischen und wissenschaftlichen Litteratur der Zeit entnehmen. Shakespeare nennt Königin Elisabeth «unsere gnädige Kaiserin »), der Historiker John Speed (1552-1629) spricht 3) von dem geeinten Britannien als « Great Britain's Empire » im Gegensatz zu den « Kingdoms » der Zeit vor 1603, und ein so nüchterner Kritiker und kühler Politiker wie John Selden, der grösste Gelehrte im England seiner Zeit, suchte für sein Werk über die « Ehren titel » aus den Urkunden der englischen Geschichte vom frühen Mittelalter bis auf Königin Elisabeth zusammen, was er an Belegen für den britischen Kaisertitel finden konnte, als den stolzen Ausdruck altüberkommener nationaler Unabhängigkeit ').

en-Laye I (1871), Documents 265: couronne Impériale de ce Royaume (1679). II 53: Krönung Mariens, der Gemahlin Jakobs II., mit une couronne impériale en or. Vgl. II 63. Jakobs II. Toleranzerklärung vom 4. 14. Apr. 1687 beginnt: It having pleased Almighty God not only to bring Us to the Imperial Crown of these Kingdoms... etc. London Gazette 1687 April 4-7.

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') Eine Lücke in den Forschungen Freemans und Hardegens wird dadurch z. T. ausgefüllt.

9) In Henry V.» spricht der Chor zu Beginn des 5. Aktes von the general of our gracious empress; gemeint ist Lord Essex, con Elisabeth damals (1599) zum Statthalter von Irland ernannt hatte. Sidney Lee, The last years of Elizabeth, in « The Cambridge Modern History » III (1904) 338.

3) Siehe seine « Historie of Great Britaine... unto the Raigne of King James » und sein « Theatre of the Empire of Great Britaine ». In der Widmung des ersten Werkes erhält Jakob I. den Titel « Mehrer des Reichs» (Inlarger and Uniter of the British Empire) und Imperiall Majesty.

*) «Titles of Honour» (vgl. oben S. 232 Anmerk. 1) col. 127. 128. 142: no argument so really justifies the supreme title of emperor in our sovereigns as their own independent right; cf. col. 131.

EINE RELATION DES WIENER NUNTIUS

ÜBER SEINE VERHANDLUNGEN

MIT LEIBNIZ (1700).

VON PHILIPP HILTEBRANDT.

Der folgende Bericht, den der Wiener Nuntius Da Via, Erzbischof von Rimini, am 18. Dezember 1700 nach Rom einsandte, ist leider das einzige Schriftstück, das ich bisher im vatikanischen Archive über die kirchenpolitische Tätigkeit des grossen Philosophen zu finden vermochte. Allem Anschein nach war Leibniz selbst damals noch kaum in Rom bekannt, denn der Nuntius, der bereits seit 8 Jahren im Norden weilte und als Begründer der Bibliothek zu Rimini sicherlich auch litterarische Interessen hatte, führt ihn in seinem Schreiben noch immer als einen « gewissen Baron von Leibnitz, Rat des Herzogs von Braunschweig» ein, der ihn drei oder vier Mal aufgesucht habe. Von den früheren Unionsbestrebungen des Philosophen weiss Da Via so gut wie nichts zu berichten, obwohl er als Nuntius von Köln und von Wien in der Frage der neunten Kurwürde viel Gelegenheit hatte, sich mit den Verhältnissen am hannöverschen Hofe zu beschäftigen. Die Besprechungen Da Vias mit Leibniz waren durch den Bischof von Neustadt, den Nachfolger Spinolas, vermittelt worden, der seit Jahren mit dem Hofe von Hannover und mit dem Abte Molanus von Loccum über eine Union verhandelte. Nach der Erzählung des Nuntius wären sie in folgender Weise verlaufen 1). Leibniz schlug eine Union nach dem Vorbilde derjenigen der katholischen Kirche mit den ihr unierten Griechen vor. Die

1) Siehe Aktenbeilage 1.

lutherische Landeskirche sollte in ihrem praktischen Bestande, was Abendmahl unter beiderlei Gestalt, Priesterehe, Gerichtsbarkeit der Laien über den Klerus und die anderen Gebräuche der hannöverschen Landeskirche anlangt, erhalten bleiben. Dafür wollte er auf dem Gebiete des Dogmas den Primat des Papstes und die kirchliche Tradition anerkennen und die Lehren der katholischen Kirche im Punkte der Rechtfertigung, der Verwaltung der Sakramente und in fast allen anderen Streitfragen zwischen Katholiken und Protestanten zulassen 1). Berichtet Da Via richtig, so wäre also

1) Viel geringer waren die Konzessionen, die die Protestanten nach einem Berichte des Bischofs von Neustadt im Jahre 1699 zu machen bereit waren. Ein Auszug aus dieser Relation des Bischofs befindet sich im Archive der Congregatio de Propaganda Fide (Germania e missioni settentrionali dal 1622 al 1688 Vol. I fol. 346) und hat folgenden Wortlaut: È stata data relatione alla Santità di Nostro Signore, che nell'impero molti capi principali de Protestanti di molte città sono entrati in trattato della loro conversione, et essendosi portato il prelato zelante in quelle parti con un religioso teologo di molta stima a tutte sue spese si fece un congresso, e volendo il teologo incominciare con loro la disputa sopra le materie controverse essi risposero, che non volevano disputare, perchè si era riconosciuto, che quelle dispute erano sempre state inutili, et il prelato consapevole di questa verità fece desistere, e si venne al punto della conversione, per la quale gl'eretici domandano alla Santa Sede la deputatione di persone religiose e discrete o secolari, secondo che si giudicarà espediente, affinchè con quelli possa secretamente trattarsi la materia con sodisfatione e profitto. Si desidera, che li deputati siano prattichi e ben affetti della Germania, non odiosi o sospetti ai Protestanti, e che non faccino altro che sentire li deputati delle provincie Protestanti, esaminare e discutere su le loro domande, cooperare in spianare le difficoltà e ristretto e maturato ciascun punto riferirlo gl'uni e gl'altri deputati a i suoi superiori, senza che li deputati cattolici habbino autorità di accordare, se non quanto se li prescriverà da Sua Santità. Acciò che il negocio camini bene e con segretezza, si potrebbe deputare persone di quelle parti e che i congressi non si faccino nella città, ma in alcune ville, esibendo il prelato una sua molto a proposito e non discara a i Protestanti, nella quale il prelato soministrarà de proprio le commodità et il vitto. Hanno estrinsecata qualche loro pretensione di retenere la communione sub utraque specie, senza negare per buona la communione sub una, ritenere i loro preti coniugati et altre cose, quali credono potersi concedere, come a i Greci nel concilio Fiorentino et a i Boemi, e vicendevolmente di riconoscere nel papa il primato e renderli la veneratione di primario vescovo e capo ministeriale della chiesa cattolica, con amettere la subordinatione dei preti a vescovi e dei vescovi agli arcivescovi ecc. - Fu rimostrato

Leibniz bereit gewesen die Hauptlebren der Reformation preiszugeben. Ja er liess sich vom Nuntius noch weitere Zugeständnisse entlocken. In der entscheidenden Frage der Annahme der Tridentiner Beschlüsse wollte er schliesslich die Lehren des gegen die Protestanten gehaltenen Konzils anerkennen, wenn dafür die Katholiken den Protestanten, wie einst den Griechen zu Florenz, ein neues Konzil zu gemeinsamen Beratungen bewilligen würden. In den Riten und der Kirchendisziplin erklärte er sich schliesslich mit den Privilegien der gallikanischen Kirche auf diesem Gebiete zufrieden, und als dem Nuntius dies alles nicht genügte, bat er endlich nur noch um ein friedliches Religionsgespräch, auf dem man über die Union verhandeln und «vernünftigere » Vorschläge machen könne. Nach alle dem erscheint Leibniz als Protestant in einem wenig günstigen Lichte. Fast unverständlich aber wird seine Haltung, wenn wir seine Politik betrachten, die er damals in der Frage der protestantischen Erbfolge in England am hannöverschen Hofe verfolgte. Im Gegensatz zu seiner religiös ähnlich gesinnten Freundin, der Kurfürstin Sophie 1), war er in diesem Punkte

dal prelato, che, se essi Protestanti volevano ritornare al grembo di santa chiesa, non dovevano ostinarsi in quelle loro pretensioni. Risposero, che, se havessero una tal opinione, non havrebbero ricercata al prelato et anche all'im peratore l'opportunità di trattare sopra la loro conversione nè si prendessero l'incommodo di condursi al congresso. Il prelato attesta d'haver veduti i fogli sottoscritti dai capi Protestanti con la deputatione di due e facoltà di trattare, et in altri fogli parimente sottoscritti, ne quali si contengono le loro pretensioni. 1) Wie sehr man noch Jahre nachher am hannöverschen Hofe stuartisch gesinnt war, zeigt folgender Bericht über den Aufenthalt des bekannten Jesuitenpaters Vota in Hannover (Vatik. Archiv. Nunz. di Colonia 92. Vom Nuntius am 26. Juni 1707 an den Kardinalstaatssekretär eingesandt): Dici non potest, quanta nominis sui (Votas) fama Hannoveram universam compleverit; iam aliquoties praedicantes aliosque Lutheranos egregie contusos in ruborem dedit. aggressi eum fuerant ante pentecosten collatis viribus ministri Calvinistae terni ex totidem scilicet nationibus, unus Germanus, alter Gallus, tertius Anglus, sed tam infeliciter, ut serenissimus elector tacere eos iusserit et patri victoriam tribuerit verbis apertis. Accurrit ad nuntium disputationis inchoatae [sic] serenissima electrix, quae reformata est, tumque forte in horto ambulabat, sed sero nimis, nam ministri omnes dicto citius disparuerant. Cum nuper cum serenissimis de Angliae successione sermonem sereret, serenissima electrix acceptum manu patrem (Vota) seduxit in conclave suum intimum, ibique digito in Iacobi principis Walliae effigiem intento « En, inquit, pater, verum et legitimum Angliae haeredem, quidquid alii dicant». Alias cum

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