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straturnotizen. Wir haben hier wieder ähnliche Fälle wie bei den Minuten der Sekretäre. Diese Vermerke samt der Taxe sind nachträglich von einer Hand, wohl der des Registrators, geschrieben worden. In Fällen, wo der Recipe - Vermerk fehlt, ist nicht selten von der gleichen Hand angegeben, wer die Reinschrift hergestellt hat. So beispielsweise Iohannes Caponis scripsit, pro Deo; einmal sogar G. Blaverii scripsit, 16 gross. Besonders charakteristisch ist die ausdrückliche Kennzeichnung einzelner Briefe als Litterae de iustitia.

d) Da in den Briefen selbst das jeweilige Mandat des Papstes für den Legaten zitiert wird, ist häufig auf der Rückseite entweder ein Regest hierüber angeführt oder das Datum vermerkt, beispielsweise Tenor bulle fuit de potestate conferendi beneficia capellanorum et clericorum cedentium et decedentium. Dat. Avynione XV. kal. oct. pontif. d... Innocentii pape VI. anno VI. Über Doppelausfertigungen orientiert folgende Notiz: Cum ista minuta fuerunt facta duo paria litterarum de collatione beneficiorum s. Petri de Ornege et s. Leonardi de Veyga Compostellan. dioc. In den meisten Fällen steht in dorso von der gleichen Hand, aber auch der des Schreibers, die Adresse.

An der Spitze der Legatenkanzlei stand der Kanzler (cancellarius). Seiner wird in Vermerken gedacht, wie Sine petitione de mandato d. cancellarii. Als Kanzler fand ich genannt zum Jahre 1361 Petrus abbas mon. 8. Benigni de Divione Legionen.; zum Jahre 1372 [Garinus] episcopus Carnotensis 1).

Auf Grund der hier ausführlich besprochenen Minuten des Kardinals Guido wird es nun nicht mehr schwierig sein, wenigstens für das 14. Jahrhundert die Originale von Legatenurkunden' richtig zu beurteilen; zugleich werfen aber diese ein helles Licht auf die Praxis in der päpstlichen Kanzlei, der sie unzweifelhaft völlig nachgebildet sind. Was Schmitz für das endende 15. Jahrhundert feststellen konnte, wird nun auch durch die Konzepte des Kardinals Guido für viel frühere Zeit bestätigt.

1) In einer Littera de tabellionatus officio zum Jahre 1372 heisst es nämlich Tibi, qui per... d. episcopum Carnoten. cancellarium nostrum, cui tuam examinationem commisimus, repertus fuisti ydoneus et in suis manibus prestilisti postmodum in forma in suprascriptis litteris apostolicis annotata iura

mentum.

ITALIENISCHE SCHLENDERTAGE HERZOG

ERNSTS VON BAYERN,

VORNEHMLICH AUF GRUND DER KORRESPONDENZ

CAMILLO CAPILUPI'S MIT ROM (1575).
VON KARL SCHELLHASS.

VORBEMERKUNG.

Zweimal traf Herzog Ernst von Bayern, der jüngste Sohn des Wittelsbachers Albrecht V., der spätere Erzbischof von Köln, auf italienischem Boden in entscheidender Stunde den Mantuaner Camillo Capilupi, den in päpstlichen und mantuanischen Diensten tätigen, 1531 geborenen Diplomaten und Literaten 1). Das erste Mal sah er ihn im Mai 1574 in Viterbo. Als Abgesandter Gregors begrüsste Capilupi damals den auf dem Wege nach Rom befindlichen Prinzen, der trotz seiner zwanzig Jahre schon Bischof von Hildesheim und Administrator des Bistums Freising war und nunmehr auf seinen und des Papstes Wunsch unter den Augen Seiner Heiligkeit den Abschluss seiner Erziehung erhalten sollte. 16 Monate später, im August 1575, trat ihm Capilupi in einer neuen päpstlichen Mission entgegen: er sollte den Jüngling, der durch seine Lebenshaltung in der ewigen Stadt die anfänglichen Bedenken des Vaters gegen eine Romreise seines Sohnes nur gerechtfertigt hatte und nach der Entdeckung eines nächtlichen Ausfluges flüchtig gegangen war, wieder nach Rom zurückführen.

1) Siehe über ihn G. B. Intra, Di Camillo Capilupi e dei suoi scritti (Arch. stor. Lomb. 2. Ser. 10, 1893, 693 ff.), und H. Biaudet, Le Saint-Siège et la Suède durant la seconde moitié du 16e siècle. Études politiques I (1570-1576), Paris Plon 1907, 391 ff.

In ihren grossen Umrissen sind all diese Ereignisse längst bekannt: Max Lossen hat in seiner Geschichte des Kölnischen Krieges auch den römischen Aufenthalt des jungen Ernst mit ausgezeichneter Gründlichkeit behandelt 1). Tiefer einblicken als es ihm möglich war kann man aber nun mit Hülfe der Korrespondenz Capilupis, die dieser im August und September 1575 mit dem Staatssekretär des Papstes, dem Kardinal von Como 2), und seinem Oheim, dem Bischof von Fano Ippolito Capilupi 3), führte, in die mit der Rückbringung Ernsts nach Rom verbundenen Schwierigkeiten. Auf diesen Schreiben, die eine wertvolle Ergänzung in dem Briefwechsel Comos mit dem in Bayern weilenden Nuntius Portia finden (sie liegen zu ihrer grösseren Hälfte im vatikanischen Archiv, zu ihrer kleineren in Mantua )), baut sich vor Allem die nachfolgende Darstellung auf, die der in ihr handelnd auftretenden Persönlichkeiten wegen nicht nur den Kulturhistoriker interessieren

') In Bd. 1 S. 334 ff.

*) Siehe über ihn P. O. v. Törne, Ptolémée Gallio cardinal de Côme. Paris Picard 1907.

3) Siehe über ihn G. B. Intra, Di Ippolito Capilupi e del suo tempo (in dem S. 325 Anm. 1 genannten Bande 10 S. 76 ff.), und Biaudet a. a. O. S. 391 Anm. 1.

4) Im Archiv Capilupi fanden sich meist sehr anschaulich gehaltene Briefe Camillos an seinen Oheim, den Bischof Ippolito von Fano. Eigenhändige Abschriften von diesen fertigte für mich vor drei Jahren der inzwischen verstorbene Marchese Alberto an. Seiner sei hier in Dankbarkeit gedacht. Comos Weisungen an Capilupi liegen abgesehen von seinen Zeilen v m 10. August, deren Kopie Germ. Vol. 79 bewahrt (vgl. N. B III 5 S. 124 Anm. 4), im Konzept in Prencipi Vol. 181 des vatikanischen Archivs; die Berichte des Mantuaners an den Kardinal sind im Original Prencipi Vol. 39. Zu bedauern ist, dass bisher die Antworten Fanos und auch die Korrespondenz Capilupis mit dem Beichtvater des Papstes, Pater Toledo, fehlen. Auf letztere, die uns erst recht mit der an der Kurie herrschenden Stimmung bekannt machen würde, bezieht sich des öfteren Camillo Fano und Como und auch Como Camillo gegenüber. Wegen der Korrespondenz Comos mit Nuntius Portia siehe N. B. III 5 Nrr. 35. 39. 44 und 49. Einzusehen waren auch Comos Briefe an den Nuntius in Neapel (Nap. Vol. 320 des vatikanischen Archivs Konz.) und dessen Antworten (Nap. Vol. 4 a. a. O. Or.). Einige wertvolle Notizen über Ernst verdanke ich der Güte von L. Cardauns. Sie finden sich in den Berichten des florentinischen Gesandten zu Rom und in den Depeschen des römischen Agenten Francesco Babbi an den Grossherzog (erstere Florenz St.-A. Archivio Mediceo 3482 im Konzept, letztere a. a. O. 3600 im Or.).

wird. Sie will ein Bild jener Tage heraufrufen, die von der Flucht Ernsts bis zu seiner Rückkehr in die ewige Stadt in den ersten Oktobertagen verstrichen. Eine Heranziehung der Lossenschen Regestensammlung war diesem Zwecke aufs äusserste dienlich 1).

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In der letzten Juli-Nacht (es war ein Sonntag) des Jahres 1575 war Herzog Ernst, der seit mehreren Wochen auf Anordnung des Papstes sein Schlafzimmer für sich allein hatte, auf einer Strickleiter aus dem Fenster gestiegen. Sein Ausgang wurde bemerkt. Es wurde Lärm geschlagen. Als der Prinz früh Morgens auf demselben Weg heimkehren wollte, fand er die Strickleiter abgeschnitten und erfuhr, dass seine beiden geistlichen Gouverneure, der bayrische Gesandte Andreas Fabricius und Gerolamo Portia, der Vetter des in Süddeutschland weilenden. Nuntius Bartolomeo, von Allem unterrichtet seien. In übernächtiger Stimmung wohl suchte er darauf mit dem Genossen fröhlicher Stunden, dem jungen Senesen Camillo Baldi 2), das Weite.

Als der Vorfall am Montag Morgen dem Papste gemeldet wurde, untersagte er vor Allem jede briefliche Mitteilung von dem Geschehenen nach auswärts; er wünschte Geheimhaltung, bis man über Ernsts Aufenthalt unterrichtet sei. Er mochte sich in gewisser Weise verantwortlich fühlen, da sein Beichtvater Toledo, dem von Gregor seit dem Frühjahr 1575 und schon vor der Übersiedelung Ernsts aus dem Vatikan in eine Sommerwohnung bei S. Marco eine Art Oberleitung über den Prinzen eingeräumt worden war 3), das allzu straffe Regiment der beiden Gouverneure gelockert hatte. Peinlich musste ihm auch die Erinnerung an den jungen Karl Friedrich von Cleve sein, der im Februar krank aus Neapel zurückgekehrt und am

1) Auch an dieser Stelle muss ich dankbar hervorheben, mit welcher Liberalität mir die Münchener Historische Kommission einen Einblick in den Nachlass des vortrefflichen Historikers gestattete.

*) Baldi, der schon im Sommer 1574 in Tivoli auf Ernst verderblich eingewirkt hatte (Lossen S. 341), war sein Begleiter; vgl. hierzu Lossen S. 351. Die im Staatsarchiv Siena liegenden Carte Baldi geben über diesen Camillo keinen Aufschluss.

*) Vgl. Lossen S. 346 f. und wegen der Sommerwohnung S. 347 Anm. 1.

9. Februar in Rom gestorben war 1) und nun mit dem Bayern den Beweis zu liefern schien, dass römische Luft für deutsche Fürstensöhne nicht tauge. Den Bestrebungen der Kurie, vertraute Beziehungen zu Deutschland und seinen Fürstenhäusern anzuknüpfen, waren solche Vorgänge doch sehr hinderlich.

Bei der Ausschau nach dem Vermissten ergab sich, dass er bis zu der etwa 8 Miglien (c. 21/2 Stunden) entfernten Poststation nach Neapel zu Fuss gegangen war. Dort hatte er Pferde vom Postmeister bekommen: den Ärmsten liess man dafür am 6. Morgens foltern 2). Die Pferdespuren wiesen südwärts nach Sermoneta hin. Ihnen nachzugehen und den Jüngling heimzubringen, damit betraute Gregor, dem am 2. Morgens Zeilen des Kardinals von Sermoneta über Ernsts Auftauchen in Cisterna (nicht unweit von Cori) diese Tatsache bestätigt hatten, am 2. in der Frühe seinen Kämmerer Camillo Capilupi. Auf ihn, der den Prinzen schon einmal nach Rom geleitet habe, mag der Oheim Ippolito Capilupi, der frühere Nuntius in Venedig, der im Jahre 1567 auf sein Bistum Fano verzichtet hatte und seitdem als grosser Herr in engster Berührung mit den politischen und literarischen Ereignissen an der Kurie lebte,die Aufmerksamkeit gelenkt haben 3). Seine Instruktion bestand offenbar vornehmlich in der Weisung, dass er mit aller Güte und mit schönen Worten den Flüchtigen zur Rückkehr bewegen und durchaus keinen Zweifel an dem unveränderten Wohlwollen des Papstes aufkommen lassen solle. Und weiter war zu betonen, dass Gregor um so mehr sein Verschwinden schmerze, je geringfügiger der Anlass zu dem Allen sei. Mit Zeilen Comos vom 2. August, die in diesem Sinne auf Ernst einzu

1) Vgl. N. B. III 4 S. 417-420.

) Quello che (la posta) tiene, questa mattina ha tocche 3 strappate di corda in publico per havere dati i cavalli a uno che di notte andò li a piedi, schrieb. der Agent Babbi am 6. August an den Grossherzog. Mit den Strappate di corda wird die Schnurfo'ter gemeint sein (vgl. E. Schäfer, Beiträge zur Geschichte des spanischen Protestantismus und der Inquisition im 16. Jahrhundert Bd. 1, Gütersloh 1902, S. 141: Mitteilung von L. Cardauns).

3) Bestimmend war wohl auch, dass Capilupi Ende 1574 in Neapel als Agent des Papstes mit Erfolg in die Streitigkeiten um den Nachlass der Bona Sforza eingegriffen und ein der Infantin Anna von Polen günstiges Urteil durch Einwirkung auf den damaligen Vizekönig (bis Juli 1575) Granvella herbeigeführt hatte (vgl. Biaudet S. 397 f.).

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