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Ein ΛΟΓΟΣ ΣΥΣΤΑΤΙΚΟΣ.

Von

Bruno Keil (Korresp. Mitgl.).

Vorgelegt von F. Leo am 25. Januar 1913.

Das 35. Stück in der Sammlung der Julianbriefe1) trägt zwar im Vossianus, der einzig in Betracht kommenden Handschrift, die Überschrift Ἰουλιανὸς 'Αργείοις, aber Form wie Inhalt lassen Zweifel darüber entstehen, ob in ihm wirklich ein Brief oder nicht vielmehr eine Rede zu erkennen ist. Hertlein hat dem Stücke daher den Titel Ανεπίγραφος ὑπὲρ Αργείων vorgesetzt, während Hercher es unbezeichnet ließ. Weder jene ausgesprochene Kritik des einen, noch diese stillschweigende des anderen Herausgebers hat jedoch verhindern können, daß das Schriftstück weiterhin als Zeugnis für die julianische Zeit in Anspruch genommen und historisch verwertet worden ist). Allein jenem Zweifel einmal verfallen, ist es zugleich dem Verdachte ausgesetzt, ein Fremdkörper in der Briefsammlung zu sein, die ja reichlich mit Briefen nichtjulianischer Provenienz durchsetzt ist3); dann muß das Schriftstück so lange als zeitlos betrachtet werden, wie nicht der Beweis erbracht wird, daß es derselben Zeit wie die Umgebung, in die die Überlieferung es

1) Die Zählung nach Hertlein; bei Hercher N. 34.

2) So von J. G. Droysen, Hermes 1879 XIV 4 und von F. Cauer, Realenzykl. II 743. Wunderlich bei seiner Titelgebung 'Aventуpáçov Hertlein zu p. 530, 6: 'mihi evttua Iulianus scripsisse videtur'.

3) Vgl. Bidet-Cumont, Recherches sur la tradition manuscrite des Lettres de l'empereur Julien (Bruxelles 1898) p. 19 ff. 100. Die Stellung des Briefes in den Handschriften gibt übrigens zu Verdacht keinen Anlaß.

Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Phil.-hist. Klasse. 1913. Heft 1.

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gesetzt hat, wirklich angehört. Keiner von denen, die sein Zeugnis anriefen, hat diesen Beweis geliefert, überhaupt auch nur die Frage nach dem Alter des Dokumentes gestellt: sie soll hier erörtert werden. Die nicht unwichtigen sachlichen Angaben, die es enthält, die Sache selbst, auf die es sich bezieht, endlich das Dokument als literarisches Erzeugnis an sich rechtfertigen eine Sonderbesprechung.

Inhalt und Aufbau.

I. Пpooípov 526, 2-23: Alte wie neue Geschichte geben der Stadt Argos den Anspruch auf Achtung: Führerin im troischen Kriege, dann der dem ältesten der Herakliden zugefallene Losteil, wußte sich Argos durch seine Tapferkeit gegen Sparta zu behaupten; an den Großtaten Philipps und Alexanders hat es als Heimat ihrer Ahnen seinen Anteil; die Römer haben es bislang mit schonender Achtung behandelt, indem sie ihm Freiheit und Rechte gleich andern Griechengemeinden beließen.

II. Пpódeos in Form einer (Teil-)dýnos 527, 1-7: Im Gegensatz hierzu steht das Verhalten der Korinther: sie zwingen seit sechs Jahren das ihnen von Rom 'zugekommene' Argos, Beisteuer (ovvtéλsta) zur Begehung korinthischer Spiele zu entrichten. III. Argumentation 527, 8 (rap)-529, 21: Es ist

a) unlogisch (лç—εbλoyov), 527, 8—16, daß Olympia und Delphi von dieser Beisteuer befreit bleiben, Argos diese ihm zustehende Freiheit verlieren soll, wo es wie sie die Lasten eines panhellenischen Festes zu tragen hat.

b) unverständlich (πρὸς δὲ τούτοις . . . πῶς-εἰκός) 527, 16-25, daß Argos, welches vier Feste in vier Jahren zu bestreiten hat, zu jener Beisteuer herangezogen wird, wo Olympia und Delphi mit je nur einem Feste im gleichen Zeitraum frei bleiben. c) ungerecht und gesetzwidrig (adına nai napávoμa) 527, 25—528,13, daß die Argiver gerade zu dem Fest der Korinther beisteuern sollen, denn

a) die Beisteuer dient nicht den alten hellenischen Agonen, sondern den unhellenischen Tierkämpfen;

B) die Korinther sind reicher als die Argiver.

d) ungehörig (vgl. проσýоν=прéπоν), 528, 13-19, daß Nachbaren so handeln;

e) unwürdig (πότερον—καλῶς ἔχειν), 528, 20-529, 12, daß die Korinther die Satzungen des alten Griechenlands beiseite schieben, um eine neue Ordnung zum Schaden der Nachbaren auszunutzen, dies umsomehr als

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- Αὔξησις in Form einer Fortsetzung der διήγησις, 529, 12-21 ihr Rechtstitel jung und nur durch die Saumseligkeit des Rechtsvertreters von Argos, der zur rechten Zeit Appellation einzulegen unterließ, und durch die Befangenheit des Richters erreicht worden ist.

IV. Zvμßovλý (Empfehlung) 529, 22-531, 3: So sind hier als Abgesandte zwei unpolitische, aber vaterlandsliebende Bürger von Argos, Lamprias und Diogenes, erschienen, um die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Verfahrens vor einem wohlwollenden Richter in dieser Sache zu erbitten, die durch Unterlassung rechtzeitiger Appellation ihre endgiltige Entscheidung zu ungunsten der Argiver gefunden hat.

Λύσις κατ ̓ ἀντιπαράστασιν der zu erwartenden ἀντίθεσις (ἄτοπον δὲ οὐχ χρὴ νομίζειν) durch das ἐκβησόμενον (u. S. 37, 1) 531, 4-17: Diese Bitte ist nicht für widersinnig zu halten: unrechten Spruch mag der Einzelne, um für das kurze Menschenleben Ruhe zu haben, hinnehmen; zwischen den unvergänglichen Städten muß er dauernden Haß entzünden. V. 'Eniλoyos 531, 17f.: Ich habe gesprochen, entscheide.

Der Sachverhalt.

Das Rechtsverhältnis zwischen Korinth und Argos, welches die Grundlage des Konfliktes zwischen den beiden Gemeinden bildet, bedarf zunächst der Klärung. 527, 1 Κορίνθιοι δὲ νῦν αὐτὴν προσγε νομένην αὐτοῖς—οὕτω γὰρ εἰπεῖν εὐπρεπέστερον—ἀπὸ τῆς βασιλευούσης πόλεως . . . συντελεῖν αὑτοῖς ἀναγκάζουσι: Argos hat also Abgaben an Korinth zu zahlen auf Grund einer bestimmten Abhängigkeit, in die es durch die römische Verwaltung zu Korinth versetzt ist.

An eine Degradierung zu einer zópy von Korinth ist nicht zu denken: politische Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Kommune Argos gegenüber Korinth ist die Voraussetzung der ganzen Argumentation der Schrift, die sogleich mit Ὑπὲρ τῆς ̓Αργείων Tóλe anhebt. Es handelt sich also nur um eine finanzielle Abhängigkeit, in die Argos versetzt worden ist, um den Korinthern die Mittel zu glänzenderer Ausstattung ihrer Feste zu gewähren. Das folgt direkt aus den Worten des Verfassers, nur daß er natürlich parteiisch entstellend behauptet, der Zuschuß werde allein für die un griechischen Tierhetzen gebraucht: 527, 23 óráɣeodai xai apòs ἑτέρων συντέλειαν . . . ἄλλως τε οὐδὲ πρὸς Ἑλληνικὴν οὐδὲ παλαιὰν πανήγυριν; οὐ γὰρ ἐς χορηγίαν ἀγώνων γυμνικῶν ἢ μουσικῶν οἱ Κορίνθιοι τῶν πολλῶν δέονται χρημάτων, ἐπὶ δὲ τὰ κυνηγέσια τὰ πολλάκις ἐν τοῖς θεάτροις ἐπιτελούμενα ἄρκτους καὶ παρδάλεις ὠνοῦνται. Der Verfasser

verrät auch gleich darauf, daß nicht allein Argos zu dieser Beisteuer herangezogen werde: 528, 7 πολλῶν πόλεων, ὡς εἰκός, αὐτοῖς εἰς τοῦτο συναιρομένων, ὠνουμένων ') τὴν τέρψιν τοῦ φρονήματος, d. h.: 'es ist nur natürlich, daß andere, um schönere Spiele zu sehen zu bekommen, ihre Selbstachtung verschachern; mit dem Prestige von Argos verträgt sich das nicht' (Ζ. 12 δόξης ἀνάξια πείσονται). Es liegt also hier zu Gunsten von Korinth eine Ordnung vor, analog der, die Mommsen für Rhodos und für Stratonikeia und ihren Steuerkreis nachgewiesen, für Sparta vermutet hat. Rom überwies einer föderierten Stadt eine Anzahl von tributpflichtigen römischen Untertanengemeinden zur ganzen oder teilweisen Zahlung der dem römischen Staate geschuldeten Abgaben an jene Bundesstadt 2). Nur analog habe ich die hier vorliegenden Abhängigkeitsverhältnisse genannt, weil Korinth zur Zeit dieser Vorgänge schon römische Kolonie war (529, 6), dagegen die von Mommsen beigebrachten Fälle auf bloße Bundesstädte gehen. Allein die staatsrechtliche Stellung der bevorzugten Gemeinde macht keinen Unterschied, da es sich nur um eine finanzielle Attribuirung von Ortschaften handelt, deren politische oder kommunale Rechtsstellung durch jene Zuweisung in keiner Weise betroffen wurde. Tatsächlich erstrecken sich die argivischen Beschwerden einzig auf die Heranziehung zur ouvréλsta, in der sie neben der Abhängigkeit von Rom eine weitere beschränkende Unfreiheit sehen: die Worte 528, 9 'Αργείοι . . . ξενικῇ θέᾳ καὶ παρ ̓ ἄλλοις ἐπιδουλεύειν finden geradezu ihre Erklärung durch die von Mommsen aus Dios Rhodiakos herangezogene Stelle *): (Καύνιοι) οἵ γε δουλεύουσι οὐχ ὑμῖν (den Rhodiern)

1) Überliefert ist konstruktionslos dvouvτat; Reiskes Einschub von ŵy davor stellt keine Verbindung her, da der Plural beziehungslos bleibt. o ist durch den Hiat ausgeschlossen; oneр hülfe darüber hinweg, aber das Relativ verwischt die Schärfe des Ausdrucks. Durch das drei Zeilen vorhergehende dvouvτat ist wohl die vielleicht abgekürzt geschriebene Partizipialform verlesen worden; vgl. übrigens 531, 7. Horkels (Quaest. Iulianeae, Diss. Berl. 1841 p. 46) von Hertlein zur Hälfte angenommene Tilgung der Worte ὠνοῦνται φρονήματος wird durch den Gegensatz Z. 12 dótŋs dváz als falsch erwiesen. Vgl. Plut. praec. rp. ger. 29 (822 A) ἀναλωμάτων μεγάλων ὠνούμενον τὴν δόξαν; an unserer Stelle geht ἀναλωμάτων direkt vorauf; ich bemerke dies wegen der starken, S. 12 notierten, Übereinstimmung zwischen beiden Schriften.

2) Mommsen, Röm. Staatsr. III 771 f. 668, 2. In diesen Zusammenhang dürfte auch рòs tỷ Kрáyч σuvtéλeta, Dittenberger IO. 565, zu rücken sein, besonders wegen der Worte πληρώσαντα καὶ εἰς τὸ ἱερώτατον ταμεῖον τοὺς ἱεροὺς φόρους.

3) Dio Prus. XXXI 125 (I 256, 3 Arn.). Nichts bietet für diese Verhältnisse die Korinthische Rede bei Dio XXXVII, die nach Emperius und E. Maass jetzt allgemein dem Favorin zugesprochen zu werden scheint, wogegen die Geel'sche

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