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als Formularium 1). Im Einzelnen sei auf die Darstellung des Herausgebers verwiesen ).

6.

Das Formularium Barberinianum.

Eine wohl noch in den letzten Jahren Innocenz' VI. angelegte Sammlung von sehr hohem Werte befindet sich in der Barberini-Abteilung der Vat. Bibliothek in Cod. lat. 1533. Diese Handschrift enthält fol. I-XXVII das älteste uns erhaltene Formularium für die poenitentiarii minores, auf das wir später zu sprechen kommen. Darauf folgt eine Sammlung von Briefen mit zum Teil bekannten, zum Teil neuen Materien unter der Überschrift: «Secuntur forme sub sigillo cardinalis », also ein Formular des Kardinalgrosspönitentiars. Die meisten Briefe beginnen mit dem Namen des Ausstellers.

Zahlreiche Stücke gehören noch den Kardinälen Berengarius Fredoli und Gaucelmus Johannis an, deren Namen uns aus dem Formelbuch Benedikts XII. bekannt sind. Dazu kommen neue Briefe von Stephanus Alberti, Aegidius Albornoz und Franciscus de Aptis. Von letzterem (≈ 1361) rühren die meisten her. Einige dieser Briefe sind datiert 3). An einer

1) Lecacheux charakterisiert dasselbe (S. 40): « Nous n'avons pas ici le registre, dans lequel les notaires d'Albornoz transcrivaient au fur et à mesure de leur expédition les lettres émanant de la pénitencerie apostolique, mais plutôt une sorte de formulaire, rédigé à la hâte et d'une seule main, dans des circonstances qu'il semble assez facile de déterminer ». Neben Fällen ganz allgemeiner Art sind auch für jene Zeit ganz charakteristische angeführt, die aber in den jüngeren Formularien fehlen. So beispielsweise das von L. S. 43 vollständig wiedergegebene Schreiben, ebenso eine Absolution solcher, die durch eine Sentenz des päpstlichen Legaten Bertrand exkommuniziert waren; ebenso die Absolution des Jean d'Armagnac wegen Ermordung eines Priors, wobei aber das gewöhnliche Schema eingehalten ist. Bezüglich des formelhaften Charakters der Sammlung vgl. L. S. 40 u. 41. Zu beachten ist besonders, dass in den meisten Fällen die Namen der Adressaten fehlen und die Briefe nicht chronologisch geordnet sind.

2) Einige Briefe von Albornoz stehen auch im Formularium Barberinianum, so f. 28, 29, 60, 67.

3) F. 43 (Inn. VII): 7 id. maii a. II; f. 51v: 3 non. iun. a. VII; f. 70°: 17 kal. iun. a. VIII; in einigen Fällen fungiert er als Vertreter des Kardinals

Stelle ist eine « Forma de matrimonio sub bulla Clementis VI ». eingetragen 1). Für die ganze Serie sind ausführliche Rubriken vorangestellt. Nach der inhaltlichen Seite finden sich hier neben verschiedenen Modifikationen älterer Formeln neue, besonders die kirchenpolitischen Vorgänge nach Benedikt XII. charakterisierende Stücke ), die Erteilung des Confessionale in verschiedenen Formen, auch in articulo mortis» und sogar einmal « in vita »") durch den Grosspönitentiar, ein Schreiben nach der neuen Konstitution Clemens' VI. « super III. et IV. gradibus», einige besonders gravierende Fälle von Ordinationen durch exkommunizierte Bischöfe ').

Zu den in den Rubriken verzeichneten Briefen kommen noch zum Teil von derselben, zum Teil von einer anderen Hand herrührende Nachträge. Erstere haben zumeist den Grosspönitentiar Franciscus zum Aussteller, letztere den Kardinal Johannes de Crosso, Grosspönitentiar Gregors XI. Die letzte Nummer bricht ohne Fortsetzung ab. Diesem foliierten Teil geht ein nicht foliierter voran, von derselben Hand herrührend, mit Aufzeichnungen « de matrimonio » und « de sacrilegio »; es folgen drei weitere Briefe des Grosspönitentiars Franciscus, die Fakultäten der Pönitentiare in der Summa Nicolaus' IV., wovon jedoch die letzte fehlt, ein Verzeichnis der Festtage der Pönitentiarie und eine Sammlung juristischer Regeln für die Pönitentiare ").

Der Hauptwert dieser Handschrift liegt darin, dass sie das Formularium der poenitentiarii minores, von dem in den Statuten der folgenden Zeit die Rede ist, und eine grosse Anzahl von Briefen enthält, die als eine den Verhältnissen entsprechende Erweiterung des Formulars Benedikts XII. zu betrachten sind, ohne dass jedoch bei ihrer Niederschrift auf eine bestimmte Anordnung Rücksicht genommen wurde. Dabei muss

Aegidius Albornoz (auctoritate... pape, cuius penitentiarie in absentia....... d. Egidii... ep. Sabinen. maioris penitentiarii curam gerimus).

1) Einmal fol. 42 eine Supplik.

*) Prozess Clemens VI. gegen den Erzbischof von Mailand und die Prozesse Ad reprimendas ».

) Im Einzelnen werden diese weiter unten besprochen.

) F. 61v der Erzbischof Heinrich von Mainz.

5) Vgl. T. II. S. 4S.

es auffallen, dass von Berengarius Fredoli, dem Vorgänger des Grosspönitentiars Benedikts XII., Gaucelmus, mehrere Briefe 1) angeführt sind, die in dem neu redigierten Formelbuch Benedikts fehlen. Dasselbe gilt von einzelnen Schreiben des Gaucelmus selbst. Daraus geht hervor, dass wir in dem Formularium Barb. eine selbständige Sammlung von Briefen vor uns haben, die aber doch mittelbar mit denen der vorausgehenden und folgenden Zeit zusammenhängt.

7.

Die Sammlung Walters von Strassburg.

Die umfangreichsten und wertvollsten Aufzeichnungen über die Pönitentiarie enthält die Sammlung, die unter Urban VI. von dem deutschen Korrektor in der Pönitentiarie, Walter von Strassburg, zusammgestellt wurde und für die ganze folgende Zeit bis tief in das 15. Jahrhundert hinein die Grundlage für die Pönitentiarie bildete.

Über das Leben des Autors haben wir nur spärliche Notizen. Er nennt sich wiederholt Walterus de Argentina alias de Mundrachingen. Als « Mundrachingensis » ohne die Hinzufügung << de Argentina» bezeichnet ihn auch Clemens VII. in zwei Briefen. Hiernach stammt er aus Munderkingen in Schwaben; welches Verhältnis er zu Strassburg hatte und wann er an die Kurie kam, ist nicht bekannt 2). Er bekleidete hier nach dem Formelbuch die Stelle eines Scriptors der Pönitentiarie, wurde dann noch Korrektor und vertrat interimistisch auch einmal den Grosspönitentiar. Urban VI. hatte im August 1378 den Erzbischof Johannes von Corfu zum << regens officii peniten

1) fol. 4.5-50,

) Folgendes Schreiben, das mir Dr. Rieder nachträglich aus seinen Konstanzer Regesten (Nr. 1865) gütigst übermittelte, lässt ersehen, dass er Walter Murner hiess, ein Beneficium an St. Thomas in Strassburg und ein Kanonikat in Beromünster 1375 besass. Von der Pönitentiarie ist noch nicht die Rede: « Waltero Murner de Mundrachingen alias de Argentina, canonico

tiarie» gemacht. Hierzu heisst es in dem Formular: «<Item extunc inantea Valtherus de Argentina [et] alii novi scriptores penitentiarie per dictum d. n. papam positi et deputati scripserunt litteras prefate penitentiarie ». Er selbst nennt sich <scriptor et corrector litterarum penitentiarie » und berichtet, dass er einer von den wenigen gewesen sei, die Clemens VII. nicht sich angeschlossen hätten. Der avignonesische Papst scheint ihn als einen mächtigen Gegner am Hofe Urbans VI. angesehen zu haben. In einem Schreiben vom 12. Juli 1380 an den Bischof von Brixen führt er bitter Klage darüber, dass Walter von Mundrachingen, Kanonikus von Brixen, auf die Seite Urbans VI. getreten sei und ihm noch anhänge in officio correctorie litterarum sue ficte ac pretense penitentiarie ». Der Bischof möge die Sache untersuchen und Walter, falls sie sich als richtig herausstelle, seines Kanɔnikats entsetzen 1). Wie aus einem weiteren noch viel schärfer gehaltenen Schreiben Clemens' VII. an den Propst von St. Michael in Beromünster hervorgeht, hatte er ferner ein Kanonikat daselbst 2). Am 21. November 1380 richtete Clemens an den Kardinallegaten Guillermus die Aufforderung, gegen Walter einzuschreiten 3). Dieser beharrte aber bei der römischen Oboedienz; er hatte von Urban VI. am 13. April 1387 den Auftrag erhalten, in Abwesenheit des Kardinalgrosspönitentiars Lucas gemeinschaftlich mit dem Bischof Petrus von Orvieto die Pönitentiarie zu leiten +). Am 3. Juli 1391 erteilte ihm Bonifaz IX. die

Dudum siquidem tibi de per

ecclesie Beronen. Vite ac morum honestas petuo beneficio sine cura summissaria nuncupat in ecclesia S. Thome Argentin. duxerimus providendum, volentes, quod, quamprimum vigore aliarum litterarum, per qua canonicatum ecclesie Brixinen. obtinens prebendam inibi exspectabas, prebendam predictam fores assecutus, canonicatum et prebendam ecclesis Beronen. dimittere tenereris. Nos igitur tibi, qui in iure canonico studere intendis, concedimus, quod predictos canonicatum et prebendam ecclesie Beronen., quorum fructus VIII m. arg. secundum tax. decime ut asseris non excedunt, etiam postquam dictam prebendam in ecclesia Brixinen. fueris assecutus, possis licite retinere. Dat. apud Pontemsorgic X kal. oct., a. V. (Reg. Avin. 197 f. 220, 1375 Sept. 22).

') Reg. Avin. 224 f. 440.

) Reg. Avin. 222 f. 544. Vgl. auch oben.

) Vgl. T. II S. 104.

*) S. unten S. 94.

Dispens zum Genusse seiner Pfründen « in absentia » auf sieben Jahre 1) und zugleich das Recht der Resignation und Permutation in der üblichen Form 2). Am 18. Mai 3) 1391 erhielt er von dem gleichen Papste die Dispens, noch neben seiner Propstei) in Brixen eine Dignität oder eine Pfarrpfründe zu haben und dieselben eventuell mit anderen zu vertauschen. Wie aus einem Schreiben Innocenz' VII. vom 11. November 1404 hervorgeht, hatte er in dem Gesuch um diese Dispens verschwiegen, dass er schon mehrere Kanonikate und Präbenden in Konstanz, Basel, an St. Paul in Lüttich und in Beromünster mit einem Klosterlehen besass. Trotzdem liess er sich, nachdem er die Dispens von Bonifaz IX. erlangt hatte, die Pfarrei von Hainberg in der Diözese Passau, auf die ihn Herzog Albrecht von Österreich präsentierte, und drei Klosterlehen in Konstanz übertragen. Da er sich infolgedessen Infamie und Inhabilität zugezogen, wandte er sich anlässlich einer neuen Bewerbung um zwei Kanonikate in Basel und Zürich um Dispens an Innocenz VII., der seine Supplik mit folgenden Worten genehmigte 5): << Nos igitur volentes te, qui etiam litterarum penitentiarie nostre scriptor et corrector existis, cui hodie de Basilien. predicte necnon de ss. Felicis et Regule prepositure Thuricen. dicte Constantien. dioc. canonicatibus sub expectatione prebendarum ac officii sine cura alterius earumdem ecclesiarum per alias nostras litteras gratiose duximus providendum, premissorum obsequiorum et meritorum tuorum intuitu favoribus prosequi gratiosis huiusmodi supplicationibus inclinati, omnem inhabilitatis et infamie maculam sive notam per te premissorum occasione contractam auctoritate apostolica tenore presentium penitus abolemus teque in statum pristinum necnon ad preposituram et ecclesiam parrochialem ac Brixinensis et

1) Reg, Lat. 10 f. 267v.
9) Reg. Lat. 14 f. 200.
3) Reg. Lat. 17 f. 219.

') Von Clemens VII. wird er als canonicus bezeichnet. Lang, Acta Salzburgo-Aquilejensia, enthält hierüber nichts und erwähnt Walter nur zum Jahre 1390 (S. 755), insofern damals Bischof Johann von Gurk durch ihn ein Servitium an die Kammer entrichtete.

5) Reg. Lat. 122 A f. 57v.

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