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Zitaten zu schliessen, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Pönitentiar bei St. Peter war. Seine Arbeit zerfällt in 43 Titel; sie behandelt den gesamten Geschäftskreis dieser Behörde und ihrer Beamten und verbreitet sich in ausführlicher Weise über den Umfang und Inhalt ihrer Kompetenzen. Dem Ganzen ist ein Index beigegeben. Darauf folgt in dem gleichen Manuskripte eine weitere Abhandlung in 11 Titeln « De absolutione a censuris, de dispensationibus » und verschiedene andere Materien, die auf die Pönitentiarie Bezug haben. Das Werk dürfte bei einer Darstellung der Organisation dieser Behörde in jener Zeit nicht übersehen werden.

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Nur wenig weiss De Luca, der übrigens von den Späteren häufig zitiert worden ist, in seiner Relatio Romanae curiae forensis iurisque tribunalium et congregationum » 1) über die Pönitentiarie zu berichten. Discursus XII dieses Teiles handelt nämlich «De cardinali poenitentiario et de eius tribunali poenitentiariae ». De Luca schöpft aus Vestrius. Wesentlich Neues bringt er nicht.

Eine lediglich dem praktischen Gebrauche dienende « Manuductio ad praxim executionis litterarum sacrae poenitentiariae » hat Tiburtius Navar2), Pönitentiar am Lateran, geschrieben. Unter den drei Hauptabschnitten « De formulis votorum, de dispensationibus matrimonialibus, de formulis absolutionum, dispensationum, rehabilitationum et fructuum condonatione » führt der Verfasser seine Leser an der Hand der damals gebräuchlichen Formeln in die Praxis der Pönitentiarie ein. Vorangehen vier Kapitel über den « modus legendi » und « exequendi litteras sacrae poenitentiariae ».

Bestechend wirkt auf den ersten Blick der Abschnitt « De sacra poenitentiaria» in K. Plettenberg S. J. « Notitia congregationum et tribunalium curiae Romanae » 3). Die beiden ersten Kapitel behandeln die Vollmachten des Grosspönitentiars und die Organisation sowie die Stellung der einzelnen Beamten. Hier ist für jene Zeit das Wesentliche kurz und klar zusammengestellt. Die historischen Notizen sind jedoch wertlos. Im 6.

1) Bd. 15 seines Theatrum veritatis, p. II, Romae 1673.

") Romae 1688; 1714.

3) Hildesii, typis J. Leonardi Schlegelii, 1693.

Kapitel folgt ein « Methodus recurrendi ad s. poenitentiariam eiusque litteras legendi, intelligendi et exequendi pro casibus, quorum absolutio seu dispensatio ab hoc sacro tribunali impetratur». Da es sich aber im Wesentlichen nur um einen Auszug aus M. P. Leos Praxis handelt, soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden 1).

Ein Werk grösseren Stils gedachte, wie schon der Titel verrät, P. Syrus, Pönitentiar am Lateran, zu veröffentlichen in seiner << Dilucidatio facultatum minorum poenitentiariorum basilicarum Urbis et praxis executionum ad litteras et rescripta sacrae poenitentiariae cum instructione poenitentiariorum ordinariorum et extraordinariorum praesertim pro futuris anno iubilaei sanctissimo d. n. Innocentio XII pont. max. dicata et elaborata » 2). Das dickleibige Buch, das mit einem Abschnitte << de origine poenitentiarii » eingeleitet wird, ist geschichtlich bedeutungslos 3), mag aber mit seinen zahlreichen « Dubia de censuris concessis, de censuris in bulla coenae concessis, de aliis censuris, de votis» und seinen «formulae executionum pro votis, pro matrimonialibus, pro absolutionibus a censuris, pro dispensationibus ab irregularitatibus » und deren Detailbehandlung den Liebhabern der Kasuistik von damals reiche Befriedigung gebɔten haben. Am Schlusse sind « Admonitiones desumptae ex d. Gregorio papa etiam poenitentibus utiles » angefügt.

Eine wissenschaftliche Abhandlung, in der der Versuch gemacht ist, die Pönitentiarie in ihrer Genesis und Entwicklung zu beleuchten, schrieb erstmals Vincentius Petra. Sein Werk führt den Titel « De sacra poenitentiaria apostolica » 4) und ist Clemens XI. gewidmet. Der Verfasser wollte, da ihm keine der damals vorliegenden Arbeiten vollständig erschien, « ex variis scriptorum rudimentis eiusdem sacrosancti fori primordia, progressus et instituta frustatim quodammodo inquirere ac in

1) S. 194-198 enthält eine Zusammenstellung von Abkürzungen der in den Pönitent:ariebriefen gebräuchlichen Termini.

*) Romae, typis rev. camerae apost. 1699.

3) Beachtenswert ist allenfalls S. 4 die Erwähnung der Bulle « Ex debitɔ pastoralis » Leos X.

*) Romae 1712.

unum redigere »1). Petra hat nun tatsächlich sich bemüht, den einzelnen Fragen nachzugehen und sie in ihrer Entwicklung zu verfolgen. Wenn er nun auch in seinen Ausführungen, die zahlreiche Zitate aus der Litteratur der patristischen Zeit und des Mittelalters enthalten, vielfach unkritisch zu Werke geht und mit dem ganzen Ballast von Verweisen oft recht wenig beweist, so ist er doch seinen Vorgängern weit überlegen und unzweifelhaft zu einer tieferen Erfassung seines Gegenstandes durchgedrungen. Seine Kenntnis des Corpus iuris canonici und der kanonistischen Litteratur liess ihn nicht übersehen, dass die Päpste Clemens IV. und Clemens V. der Pönitentiarie gedachten, dass ferner Alvarius Pelagius in seinem « Planctus ecclesiae» und Zabarella in seinen Glossen zu der Clementine << Ne Romani >> einzelne Bemerkungen hierüber hinterlassen haben. Ebenso wie Coccinus kannte auch er ein Formular der Pönitentiarie, und zwar ein Exemplar aus der Bibliothek der Sapienz zu Rom, aus dem er reichlich schöpfen konnte. Daraus stammt seine Kenntnis der Bulle « In agro Dominico» Benedikts XII., der kurze Bericht über den Kardinalgrosspönitentiar Matthaeus de Aquasparta und dessen Bittgesuch an Nicolaus IV., seine Angaben über die Vollmachten der einfachen Pönitentiare beim Tode des Papstes und vor allem seine Kenntnis der Statuten Eugens IV. und seines Grosspönitentiars Jordanus de Ursinis ). Aus dem übrigen von ihm benutzten Quellenmaterial selen hervorgehoben: Eine Entscheidung der Congregregatio concilii vom 21. April 1587, die Konstitutionen « Ut bonus pater » Pius' V. (1569) und « Romanus pontifex » Innocenz' XII. (1692). Am Schlusse des ganzen Werkes folgen auf den wertvollen « Discursus pro emin. do cardinali maiori poenitentiario» die Listen sämtlicher Beamten der Pönitentiarie von Pius V. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts.

Die Arbeit des Vincentius Petra ist um so wertvoller, als nach ihm keine ähnliche mehr erschienen ist. Sie dient noch heute trotz der neuen Erlasse der späteren Päpste, insbesondere Benedikts XIV., den Beamten der Pönitentiarie als wissenschaftliche Grundlage.

1) Prooemium, S. 3.

") S. 130.

Aus der Zeit Innocenz XIII. (1721-24) ist uns eine ungedruckte Abhandlung erhalten, die den Scriptor der Pönitentiarie Lorenzo Sbatti zum Verfasser hat, und zwar im Cod. Vat. lat. 8538. Der Titel lautet: « Pratica e notizie della sagra penitenzieria apostolica secondo la riforma di s. Pio V ed Innocenzo XII ». Das Werk war auf vier Bücher berechnet. Das erste liegt in der erwähnten Handschrift vor und handelt über die Beamten der Pönitentiarie. Sbatti stützte sich hauptsächlich auf die damals gedruckte Litteratur.

Ebenso wie Corradus hatte sich auch Vincentius de Justis in seinem «Tractatus de dispensationibus matrimonialibus in tres libros digest us » 1) mit den Dispensationen der Pönitentiarie zu befassen. Er behandelt diesen Gegenstand im 8. Kapitel des 1. Buches unter dem Titel « De dispensationibus matrimonialibus, quae super occultis impedimentis a praetorio sacrae poenitentiariae emanant. » Seine Darlegungen, fussend auf den Konstitutionen Pius' V. und Urbans VIII., sind zwar historisch unkritisch, orientieren aber gut über die damaligen Kompetenzen dieser Behörde und enthalten weit mehr als der Titel erschliessen lässt, so unter anderem eine Übersicht über die Organisation der Pönitentiarie 2).

Im gleichen Jahre erschienen die « Institutiones canonicae, civiles et criminales cum recentiori praxi Romanac curiae » des Petrus Antonius Danieli). Unter Titel XIII giebt der Verfasser eine Abhandlung «de maiori poenitentiario »). Er erwähnt zwar die Verfügungen Pius' IV. (In sublimi), Pius' V. (In omnibus), Urbans VIII. (Regimini), Innocenz' XII. (Romanus pontifex) und Clemens' XII. (Apostolatus officium), hält sich aber an die neuen Bestimmungen Benedikts XIV. Besonderen Wert können seine Darlegungen nicht beanspruchen

.

Moroni hat den Versuch gemacht, eine Liste der Grosspönitentiare vom 13. Jahrhundert an zusammenzustellen '); nicht neu, wohl aber wertvoll sind seine Angaben über die Zahl der

1) Venetiis 1759,

*) Einzelne Aufzeichnungen enthält auch Cod. Vat. lat. $311, s. 18. *) Tom. IV, Romae 1759.

*) S. 124-126.

*) Dizionario, vol. 51 (In Venezia 1851) S. 61 f

einfachen Pönitentiare und deren Regelung durch Martin V. und Nicolaus V., die er dem unmittelbar aus den Registern schöpfenden Marini') entnommen hat.

Von einzelnen kurzen Darstellungen in grösseren kirchenrechtlichen Handbüchern seien erwähnt die betreffenden Abschnitte bei Philipps VI (Regensburg 1864) S. 150 ff., Hinschius I (Berlin 1869) S. 427 ff. §. 50, Scherer I (Gratz 1886) S. 498 f. Etwas ausführlicher behandelt diese Materie J. K. Bangen, Die römische Kurie (Münster 1854) S. 418 ff. §. 114-116 und Anhang II, S. 557-567. Dies für die damalige Zeit vorzüglich orientierende, wenn auch geschichtlich mangelhafte Werk diente meist den Arbeiten der folgenden Zeit als Grundlage. Kurz und treffend hat dann in der jüngsten Zeit J. B. Sägmüller, Die Tätigkeit und Stellung der Kardinäle (Freiburg 1896) S. 105 die Pönitentiarie behandelt.

Einen neuen Anstoss gab, wie auf vielen anderen Gebieten, so auch für die Erforschung der Geschichte der apostolischen Pönitentiarie H. Denifle 2), indem er die älteste Taxrolle dieser Behörde mit einem Wiederabdruck der Bulle « In agro Dominico > Benedikts XII. aus den Vat. Registern bzw. einem Kodex der Stadtbibliothek von Tours veröffentlichte. Denifle hat durch diese Publikation den Aufstellungen Wokers über die Taxliste die Spitze abgebrochen.

Eine neue Ergänzung des Materials brachte der um die Geschichte seines Ordens und die Kirchengeschichte des Mittelalters überhaupt hochverdiente apostolische Pönitentiar P. Konrad Eubel, indem er den Registerband des Kardinalpönitentiars Bentevenga, eine Sammlung von Pönitentiariebriefen von 1279

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1) Degli archiatri Pontifici II (In Roma 1784) 144: Prima di Clemente V era il numero degli scrittori della penitenzieria incerto e fu allora solamente fissato a 12... Non ostante però tal decreto collo andar degli anni costero si moltiplicarono a tanto, che Martino V ordinò, che a soli 24 fosse il lor corpo ridotto (Reg. in Arch. Dat. A. V, t. I, p. 218). Nicc lò V desideroso di mantener questo numero ed obbligato d'altra parte per sue buone ragioni a riconoscerne otto di que', che durante il suo breve antipapato avea Felice V nominati, fece la bolla, che cita ora Call'sto e che trovasi nel suo registro alla pag. 276 del tomo 25; (der von Martin V. erwähnte Band existiert nicht mehr).

2) Die älteste Taxrolle der päpstlichen Pönitentiarie, Arch. IV. 201 ff.

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