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Pastor ist die Zeit über M. Augustin Kuno (Kuhno) aus Torgau, wo sein Vater ehemals Baccalaureus an der Schule war, 1578: 37 Jahre alt. Er hat 6 Jahre die Fürstenschule in Grimma besucht, dann 6 Jahre in Leipzig studiert. Angestellt ist er zuerst in Prettin als Schulmeister, welches Amt er 6 Jahre versehen hat, darauf ist er 4 Jahre Pfarrer in Finsterwalde gewesen, und nun ist er (1578: vor 3 Jahren) hier Nachfolger seines verstorbenen Vaters Valentin Kuno im Pfarramt geworden. Der Diakonus Johannes Sartorius aus Herzberg hat in particularibus in Dresden und Herzberg und darauf 3 Jahre in Wittenberg studiert, ist anfänglich 31 Jahre Pfarrer in Hohenstein i. d. Mark gewesen, in seiner hiesigen Stellung aber 1577: 12 Jahre; 36 Jahre alt.

Der Ludirektor M. Georg Wendt aus Schmiedeberg hat 6 Jahre in Wittenberg studiert und ist 1577 nun 612 Jahre hier und 30 Jahre alt, ein in graeca, latina und hebraica lingua gelehrter Mann.

Als Kantor ist 1577 Andreas Schultze (ohne nähere Angaben) genannt. Derselbe muß aber bald nach der Visitation dieses Jahres fortgekommen sein, denn 1578 wird genannt Andreas Schrotter (Schröter) aus Zerbst, 1551 geboren, der 6 Jahre in Wittenberg studiert hat und nun 1 Jahr hier ist. Er wird als wohl studiert bezeichnet.

Der Organist und Jungfrauschulmeister Augustin Ritter von Liebenwerda, 1545 geboren, ist, nachdem er vorher 21 Jahre Organist in Schilda und 32 Jahre Organist und Jungfrauschulmeister in Dahlen gewesen war, 1578: 10 Jahre hier als Organist und 9 Jahre als Jungfrauschulmeister tätig. Er hat, wie dabei bemerkt ist, von der Orgel 30 fl. und von der Jungfrauschule außer dem Schulgelde 6 fl. und 5 Gnadenbäume.

1577

(Sonntag nach Martini, Visitator Pfarrer Euchler-Schweinitz,
der die Kirchen- und Schuldiener Mittwoch nach Andreae zu

sich nach Schweinitz hat kommen lassen).

Die Kirchen- und Schuldiener haben gutes Lob, nur dem Diakonus wird von einem Bauern vorgeworfen, er habe seiner Frau unsittliche Anträge gemacht und sie, weil sie ihm nicht zu Willen war, 11/2 Jahre nicht zum heiligen Abendmahl gelassen (da dieser Anschuldigung keine Folge gegeben ist, muß bei der Untersuchung, von der nichts in den Akten steht, ihre Grundlosigkeit sich herausgestellt haben), und gegen den Kantor wird allgemein der Vorwurf des Unfleißes, Trunkes, heftigen Schlagens etc. erhoben: er ist denn auch (s. oben) unmittelbar nach der Visitation seines Amtes entlassen.

Der Pfarrer predigt Sonntags über das Evangelium und in der Woche am Montag und Freitag über Psalmen und Episteln Pauli, der Diakonus am Sonntag über den Katechismus und am Mittwoch über die Epistel. Der Katechismus wird zwar in der Woche von beiden Seelsorgern abwechselnd gepredigt, aber nur in der Fastenzeit getrieben“, und zwar wird er dabei durchaus Dienstags und Donnerstags um

4 Uhr von Wort zu Wort gelesen, dazu die Kinder und das Gesinde fleißig kommen und werden etzliche gefragt, etzliche in der Beichte. examiniert das Gesindeexamen, das nicht gehalten wird, soll eingeführt werden.

Lichtenberg und Hohendorf müssen ihr Pfarrrecht in der Stadt suchen, Labrun allein hat eigene Kirche und wird von beiden Seelsorgern alle 14 Tage mit Predigt und Seelsorge versehen. Auch wird daselbst alle 14 Tage am Mittwoch der Katechismus gepredigt. Ebendies geschieht in Hohendorf allwöchentlich am Donnerstag. In Lichtenberg geschieht dagegen dies nicht, die Leute daselbst bitten aber der sehr jungen Kinder und der alten Leute wegen um eine solche Katechismus - Predigt: diese Bitte wird von der Synode zurückgewiesen (1578 desgleichen).

Die Kirchenrechnung wird alljährlich Reminiscere vor Rat und Pfarrer gehalten; wenn dabei Mangel vorfällt, so werden alsdann die Schlüssel von den drei Vorstehern genommen und andere gewählt. Dem Rat, dem Pfarrer und den Schuldienern wird jährlich „davon“ eine Mahlzeit gegeben, bei der für Essen und Trinken 112 Rtlr. berechnet werden. (Im Extrakt XI 68 I, 73 ist dafür gesagt: bei der Kirchrechnung wird den Kirchen- und Schuldienern vom Rat eine Mahlzeit gegeben, für die gemeiniglich 11, Rtlr. berechnet werden.) Eine Schulordnung ist nicht mitgeteilt.

Der Kaplan klagt über einen Bauer in Hohendorf, den er wegen Verlassens seiner Ehefrau angeredet hat und der ihn darauf mit einem Brotmesser überlaufen hat und willens gewesen ist, ihn zu erstechen : der Schösser soll die Sache untersuchen.

Zur Reparatur der Kirche in Prettin, die ganz dachlos ist, bedarf es Kalk und Holz; die Gemeinde bittet um Überlassung von beidem teils gegen Zahlung, teils aus Gnaden.

1578 (14. Oktober).

Die Artikel des Synodi sind dem Pfarrer und seinen Pfarrkindern injungiert, dazu der Extrakt aus der ersten Spezialvisitation.

Zu Prettin sind fünf Windmühlen und drei Schiffsmühlen, von letzteren eine neu; diese haben zur Besoldung des Pfarrers nichts gegeben, auch nichts zur Kirche beigetragen: es soll Erkundigung eingezogen werden, ob die Schiffsmühlen Bürgern gehören oder Bauern, die sonst ihren Dezem und Gebühr dem Pfarrer geben, auch ob fortgesetzt Leute auf ihnen wohnen, derentwegen der Pfarrer mehr Mühe hätte.

Dem Pfarrer ist vor einem Jahre eine Inventarienkuh gestorben, er wollte lieber das ganze Inventarium los sein und von sich schieben, daß sie dasselbige Vieh zu Gelde machten und in den gemeinen Kasten legten und seinem Nachfolger dieses Geld zustellten und ihm auch Vieh kauften: er soll seine Sachen beim Konsistorium suchen, welches nach Gelegenheit des Orts wohl zu sprechen wird wissen.

Über die Knabenschule ist jetzt berichtet: es sind gar iunge Knaben, lernen den Catechismum Lutheri deutsch und lateinisch, evangelium dominicale, disticha Catonis und die declinationes und coniugationes nominum et verborum, wie denn dieselben auch aus solchen lectionibus examiniret worden in dieser Visitation.

Was die Jungfrauschule anbelangt, so wird berichtet: die 5 fl. zu dieser Schule hat der gemeine Kasten wieder zu sich genommen, weil sie viel zu bauen und auszugeben haben, auch das Hospital versorgen müssen; der Jungfrauschulmeister, der zugleich Organist ist, ist, da ihm an etlichen Äckern Erstattung geschehen ist, damit zufrieden: bleibt dabei.

Des Custodis Ampt muß der Kantor mit bestellen.

Rat und Vorsteher bitten um etliche Gnadenbäume zur Heizung von Kirche und Hospital, die Gemeinde zu Labrun desgleichen zur Erbauung ihrer baufälligen Kirche, Pfarrer, Schulmeister und Kantor bitten um Gewährung oder Erhöhung von Feuerholz: sollen beim Kurfürsten supplizieren.

1579 (6. Mai).

Der Pfarrer hat vom Vater her eine feine Bibliothek, auch hat die Kirche viel schöner Bücher in ihrer Liberei. Der Pfarrer benutzt die so ihm gebotene Gelegenheit zum Studium; er liest neben seiner Biblia tomos Lutheri, scripta patrum und was sonst nützlich ist. Er verrichtet sein Amt mit Fleiß und besonderem Ruhme seiner Kirchen. Auch an dem Diakonus hat die Gemeinde herzliches Gefallen. Pfarrer und Diakonus sind in Lehre und Leben einig.

Sie haben alle Bürger samt ihrem Gesinde im Katechismus examiniert und finden ziemliche Geschicklichkeit, doch die etwas grob befunden, haben sie aufgezeichnet und zu großem Fleiße vermahnet: sollen auch solch Examen in den drei Dörfern vornehmen.

Die Schule bessert sich merklich, was in der Visitation und Kirche gespüret ist. Der Kantor beklagt sich, daß er für seine große Mühe und Arbeit mit Läuten und Zeiger-Stellen vom Rate keine Zusteuer erlangen kann; auch klagen die drei Schulpersonen, Schulmeister, Kantor und Organist, darüber, daß sie von den Hochzeiten, wozu doch geläutet, auch die Brautmesse gesungen werden muß, nichts außer einer Suppe, welche oft sehr gering ist, erhalten; weil ihre Besoldung ohnedies gering, ein Rat 1 n.ẞ oder mehr vom Zeigerstellen wohl geben könnte und es ein unerhört Ding ist, daß von Hochzeiten nichts sollt gefallen, bitten sie in höchster Demut, die Herren wollten ihrer eingedenk sein. Auch bitten sie, da weder Schulmeister und Kantor, noch die Knaben in der Schule eigenes Feuerholz haben und weder Rat noch Gemeine noch Gotteskasten eigene Holzung besitzen, daß ihnen 12 rindschälige Bäume aus der Lochischen Heide gegeben werden, wie vor alters laut der Visitation Registratur, so bei Zeiten des Herrn Lutheri Leben sind gehalten worden (im Herbst wiederholt):

sie

mögen hierum supplizieren, inzwischen aber soll der Superintendent anordnen, daß ein jeder Knabe ein Scheit zum Feuerholz in die Schule trage.

Zur Reparatur des Kirchdachs, das so zerfallen ist, daß, wenn es nicht dieses Jahr gebessert wird, befürchtet werden muß, daß das Kirchengewölbe ganz verderbt und eingewaschen werde, wird der Kurfürst um eine Rute Kalkstein und 200 Stämme aus der Lochischen Heide gebeten: „,in gnedigster Erwegung, das diese Kirch und derselben Stiftunge von ihrer churfurstlichen Gnaden hochstloblichen Vorfahren Churfurst Rudolffen und derselben Mutter Frauen Agatha ist erbauet und fundiret worden, welchen zu Ehren, furnemlich aber zu Beforderung des heiligen Ministerii diese Kirchen billig in beulichem Wesen zu erhalten ist, sonderlich weil dessen Orts Kasten Vermogen ganz gering und diese noch andere Unkosten nicht tragen kan" (im Herbst wiederholt): soll ihr Gesuch dem Kurfürsten vorgetragen werden.

Weil auch durch die vorigen Gebeude dieser Kasten ganz erschöpfet, indem dieses Kirchspiel hierzu ganz nichts gegeben hat, sondern der Kasten alles allein hat tragen müssen, will von Nöten sein, daß derhalben aus dem churfürstlich sächs. Synodo oder dem Consistorio Bevebl ergehe, darin hinfür und alle Wege aus dem Kasten der iährliche Überschuß allein hierzu genommen, das andere aber alles die Eingepfarrten sämptlich, beide in Stadt und Dörfern, auszubringen sollen schuldig und vorpflicht sein (im Herbst wiederholt): soll also vermöge der Generalartikel gehalten werden.

Rat und Kastenvorsteher bitten um Erlaubnis, einen Teil des großen Raumes auf dem Pfarrhofe, der unbebaut ist und vom Pfarrer nicht gebraucht werden kann, ihm vielmehr schädlich ist, den umliegenden Nachbarn nach Schatzung eines Schossers oder sonst unparteiischen Mannes verkaufen zu können, um mit dem Erlös die baufällige Scheune und Ställe zu bessern, auch könnte ein ewiger leidlicher Zins darauf gelegt werden.

Ferner erklären die Vorsteher es für nötig, weil die alten Fundationsbriefe Herzog Rudolfs, Wenzels und dessen Gemahls und Mutter nicht mehr leserlich seien, sie sämtlich abschreiben und in ein Buch verfassen zu lassen, welches durch Pfarrer und Stadtschreiber auf des Kastens Unkosten geschehen könnte.

Die Peter- und die Urban-Breite auf Coßwicker Flur, die vor alters zur Kirche Coßwigk gehört haben, welche mit dem Dorfe nach Prettin geschlagen ist, maßen sich die Besitzer der übrigen Coẞwicker Hufen, die sogen. Coßwicker Hüfner, an, vermieten sie und versaufen den Erlös; die Vorsteher beantragen, daß diese Breiten, die nach alten und neuen Visitationsordnungen zur Kirche Prettin gehörten, ihr durch Befehl des Synodus wiedergegeben würden.

Ferner klagen der Rat und die Vorsteher, daß sie nach der alten Fundation der Weinstiftung nicht mehr einzufordern haben, als 21⁄2 sexagenas, das ist, wie sie es verstehen und bisher bekommen, 50 gr. oder

212 a. ẞ, da sie doch oft mehr als 8 fl. für Wein allein ausgeben müssen, so daß ihre Kirche in großes Abnehmen kommen müsse; sie erbitten eine Veränderung der bisherigen Bestimmungen durch die Synode, daß jede Kirche sich selbst Wein kaufe oder daß eine Linderung getroffen werde, damit ihr armer Kasten nicht ganz erschöpft werde, auch bitten sie, sie zu berichten, was denn eigentlich der valor der in den Fundationsbriefen genannten Münzen: sexagena, marca etc. sei: alle diese von den Vorstehern vorgebrachten Artikel sind an das Konsistorium gewiesen, daß dieses sie mit den Kirchvätern verhandele.

Die Pfarrbauern zu Lebbin, Kenitzsch und Labrun weigern sich ihrer Dienste für den Pfarrer, weil sie oft und vielmals vom Schosser in die Ämter getrieben werden; es ist nötig, daß aus dem Synodo dem Amtsschösser zur Schweinitz und Annaburg ernstlich befohlen werde, die Dienstbauern dahin zu halten, daß solche sämtlich den Pfarrern auch ihre gehörenden Dienste leisten: Generale.

Die 5 fl. 5 gr., welche das Gotteshaus zu Prettin aus dem Hause Lichtenburg jährlich zu haben gehabt, hat der Jägermeister Hanß von Seebach für sich in die Tranksteuer genommen und nach Leipzig gewiesen; die Synode wird gebeten, zur Verhütung unnötiger Unkosten für den Kasten anzuordnen, daß dieses Geld auf das Amt Schweinitz geschlagen werde und so von dem aus Prettin fälligen Kuchengelde abgezogen und innebehalten werden könne. Ferner wird die Synode gebeten, veranlassen zu wollen, daß Kuhne und Jorge von Weltwitz zu Lennewitz (für je 100 fl., wovon jährlich 5 a. ẞ Präsenzgeld), Hanß von Dehnstedt zu Schonewalde (für 50 fl. mit 211⁄2 fl. jährlichen Zinses) und Wolfs von Canitz Erben zu Treben (für 100 fl. mit 10 fl. Zins) neue Schuldverschreibungen mit der Gunst des Kurfürsten und der Mitbelehnten ausbringen. Ebenso stellen die Kastenvorsteher an die Synode das Ansehen, den Kollegiat zu Leipzig Donat Zolner, der ihrem Mitbürger Ambrosius Reichart 100 fl. schuldig ist, die dieser der Kirche testiert hat, zur Zahlung dieser Schuld zu treiben, daß die Summe zum Kirchbau verwendet werden könne. Endlich sollen die Verordneten der Synode einen kurfürstlichen Befehl ausbringen, daß Philipp Drachstedt in Halle, der der Kirche 50 fl. schuldet, wofür er zwar seinen vor Jessen gelegenen Weinberg eingesetzt hat, die er aber säumig verzinst, Kapital nebst Zinsen bezahle: - die Regierung soll dem armen Kasten

helfen.

Hurerei und Unzucht ist an diesem Orte bei den Knechten und Mägden sehr eingerissen, sind etliche zur Schweinitz gefänglich eingezogen, etliche vors Konsistorium gewiesen, viel Knechte entlaufen: ein General.

Zwei alte verlebte Matronen müssen ermahnt werden, sich fleißiger zu Gottes Wort und dem hochwürdigen Sakrament zu halten.

Die Inventariumskühe hat der Pfarrer mit Wissen des Superinten denten, Bürgermeisters und der Vorsteher bei gewissen Leuten ausgetau.

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