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Die Clödener Propstei, die eine der bestdotierten Stellen des Kurkreises war, nahm eine zu angesehene Stellung ein, als daß man jetzt, wo man sie schon der bisher auf sie gewiesenen Pfarreien beraubte, sie auch noch unter die Inspektion eines anderen Pfarrers hätte stellen. mögen: man ordnete darum den Propst von Clöden direkt dem Pfarrer von Wittenberg, dem Superintendens generalis des Kurkreises, unter. Bei der Neuordnung der Superintendenturen bei Gelegenheit der dritten allgemeinen Kirchen visitation des Jahres 1555 hat man dann freilich diese Exemtion von Clöden aufgehoben und den Clödener Propst angewiesen, sich ebenso wie die Pfarrer von Schweinitz, Prettin und Lochau zum Pfarrer von Jessen zu halten. Aber schon bei der nächstfolgenden Kirchen visitation 1575 ist diese Unterordnung Clödens unter die Superintendentur Jessen wieder aufgehoben und dem Propste von Clöden wieder seine Selbständigkeit zurückgegeben, ja, man hat 1575 sogar, um dieser Selbständigkeit den Schein eines Titels zu geben, eine Art Superintendentur Clöden errichtet, indem man von den vor der Reformation zur Propstei gehörigen Parochien diejenige, deren Patron der Propst selbst war, Rade, zu Clöden wies. Und diese Zwergsuperintendentur, in welche in der Folgezeit eine Reihe von bedeutenden, um die Kirche des Kurfürstentums wohlverdienten Männern, meist ehemalige Dozenten der Universität Wittenberg, berufen sind, hat ihre Selbständigkeit bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sich bewahrt; erst dann ist Clöden und Rade zu der Superintendentur Jessen oder vielmehr, da 1840 die Superintendentur mit dem Pfarramt in Prettin verbunden worden war, zu der Superintendentur Prettin gewiesen worden. Im folgenden ist aber auf die Sonderstellung Clödens und Rades keine weitere Rücksicht genommen: die diese beiden Parochien betreffenden Visitations - Registraturen sind vielmehr den Registraturen der Ephorie Prettin, zu denen sie jetzt gehören, der alphabetischen Folge gemäß einverleibt worden.

Der Abdruck der Visitations-Registraturen erfolgt nach denselben Gesichtspunkten, welche in den vorhergehenden Teilen beobachtet sind. Es sei hier nur auf eins hingewiesen. Eine besondere Schwierigkeit bei der Veröffentlichung von Geschichtsquellen, wie die vorliegenden, bieten die Namen von Personen, welche oft, besonders in der Aufzeichnung der Pfarr- und Küstereieinkommen, zugleich mit dem Dezem o.ä., welchen sie zu leisten haben, registriert sind. Für die Allgemeinheit haben diese Namen wenig Wert. Und doch habe ich geglaubt, sie nicht unterdrücken zu sollen. Denn für die Förderung der Ortsgeschichte und dieser zu dienen ist ja die hauptsächliche Absicht dieser Publikation - sind sie von großem Werte. Sie geben die Möglichkeit, die Kirchenbücher, welche nur in seltenen Fällen aus den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, meist erst aus der Zeit nach dem großen Kriege erhalten sind, weiter zurückzuführen bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Und ich unterlasse nicht, darauf aufmerksam zu machen, daß die Reihenfolge, in welcher die Namen der

Parochianen aufgezeichnet sind, zumeist der Reihenfolge der Wirtschaften und Gehöfte in den einzelnen Ortschaften folgt, und daß die Angaben über die Größe des Dezems auf die Größe der Wirtschaften einen Rückschluß gestattet. Die hier aufgezeichneten Namen werden verglichen werden müssen mit den Namen der Amts-, Erb- und Lehenbücher. Und durch solche Vergleichung wird sich in den meisten Ortschaften, wenn nicht in allen (die Städte ausgenommen), der Besitz der einzelnen Gehöfte bis 1575 und 1555 ziemlich lückenlos feststellen lassen. Ich habe der Raumersparnis wegen diese Angaben der Namen in Anmerkungen verwiesen, gebe aber der Hoffnung Ausdruck, daß von Lokalgeschichtsforschern gerade dieses hier gebotene Material besonderer Beachtung gewürdigt werden möge. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens bemerkt, daß die Namen, welche die ersten vier Registraturen enthalten, mit einiger Vorsicht benutzt werden müssen. Denn diese Registraturen sind von der Hand von Schreibern angefertigt, welche des öfteren nachweislich Namen in den ihnen vorgelegten Listen falsch gelesen oder bei den vor ihren Ohren geführten Verhandlungen irrig aufgefaßt haben. Deshalb sind die in diesen Registraturen gebotenen Namen mit denen zu vergleichen, welche in den späteren Aufzeichnungen der mit den Verhältnissen persönlich vertrauten Amtspersonen enthalten sind.

Von allgemeinen Anordnungen und Berichten der Visitatoren, welche bei der Anordnung dieser Publikation an den einzelnen Orten nicht mitgeteilt werden konnten, seien hier die folgenden angegeben.

In Weimar, Ges. Arch. Reg. Ji, No. 2115, finden sich ,,Kanzleinotizen über die Pfarrverhältnisse zu Locha, Beiern, Buckau etc.“ aus den Verhandlungen über die Bewidmung der Pfarren aus dem Jahre 1545 oder 1546. Sie lauten:

Amt Lochau.

Locha: Pfarrer satis habet, vorerbnis non placet gar, sonder eine hufen zu vorerben, pauen sollen die pauren.

Beiern Die 10 fl. alter zulagen sol ime pleiben; einen prunen zu pauen; ein ider hufener sol ime ierlich ein fuder holz furen, welchs ime aus u. g. h. haiden gegeben werden solle.

Buckau: 10 fl. alte zulage sal ime pleiben, eine hufen sol vorerbt werden uts.

Zulsdorff: Sal nach tode des itzigen pfarrers gegen Buckau geschlagen werden, alsdan fallen die 10 fl. zulage, dan auch die pfarguter zu vorerben. Der custer sol pleiben und etzwas davon bekommen. 5 fl. naue zulage, pis er stirbt.

Döbricha: Sol der gemein kein zins geben.

Arnsnest: Sollen pauen di pauern; 5 fl. nauer zulage.

Lebin, Axin: Ist eine pfar, sal also pleiben, di 200 fl. endlaffen (?) geld sal auch gewidembt werden.

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Ebenso findet sich in Weimar a. a. O., Reg. Ji, No. 2897, eine Verfügung des Kurfürsten an den Rentmeister zu Sachsen und Meißen, Jacob von Koseritz, Torgau, ohne Datum (1546), über die den Pfarrern. und Kirchendienern von den geistlichen Gütern zu gebenden erblichen Zulagen. Danach sollen erhalten: 5 fl. der Pfarrer zu Arnsnest, 15 fl. der Pfarrer zu Hertzberg, 10 fl. und 10 Schfl. Korn der (!) Diakonus zu Hertzberg, 6 fl., 2 rindschälige Bäume der Diakonus zu Pretin, 5 fl. der Pfarrer zu Schonewalde, 5 fl., 4 rindschälige Bäume der Pfarrer zu Patin, 6 fl. der Pfarrer zu Peichaw (verschrieben für Bethaw), 8 fl. der Pfarrer zu Stoltzenhain, je 6 fl. die Pfarrer zu Holzdorff, Alsdorff, Rehefeld, 4 rindschälige Bäume der Pfarrer zur Schweinitz, ebensoviel der zu Pretin, 6 solcher Bäume der Pfarrer zum Jessen, 4 der Diakonus daselbst, 3 der Pfarrer zu Axin, je 4 die Pfarrer zu Plossigk und zu Raden, item dem Pfarrer zu Beiern so viel Fuder Holz, als er Hufner zu Pfarrkindern hat. Dazu ist folgende Bemerkung gemacht: Hieruber ist nachbenanten Pfarn und Kirchendienern alte Zulagen vorordent und bis auf unser Widerrufen zugelegt gewesen, welche wir itzo auch erblich gewidembt, nemlichen 10 fl. dem Pfarrer zu Baiern, 10 fl. dem Pfarher zu Dobrichaw, 10 fl. dem Pfarrer zu Arnsnest, 4 rintschellige Beume dem Pfarrer zu Prettin, 4 rintschellige Beume dem Diacon zu Prettin. Ferner uf ir lebenlang zugelegt: dem itzigen Pfarrer zu Zulsdorf 10 fl., dem Pfarrer zu Buckaw 10 fl., die zurückfallen, wan der Pfarrer zu Zolsdorf stirbet, uf (den Fall) die Pfarr dohin geschlagen wirdet, 10 fl. dem itzigen alten Pfarrer zu Wercha.

Aus den Akten der Lokalvisitationen sind vier allgemeine Berichte der visitierenden Superintendenten mitzuteilen.

Bei der ersten Spezialvisitation des Jahres 1577 schließt der Pfarrer und Superintendent zu Herzberg seinen Bericht mit den Worten (Magdeburg, St. Arch. A 50, XI No. 69, Bl. 88 a fg.): zu gedenken, das in allen Dorfern fast durchaus die Kirchoff sehr ubel vormachet sein, das Pferd und Schweine hinauf laufen.

Und dem angefügten ordentlichen Vorzeichnus aller Kirchen- und Schueldiener in der Superattendenz Hertzbergk, wo ein ider studieret hat, wie lange er im Ampte gewesen und wie alt er ist, auch wie viel Communicanten in idem Kirchspiel befunden und wer die Pfarr zu verleihen hat" (a. a. O). Bl. 89–98), hat er die Bemerkung beigefügt: zu gedenken, das alle Custodes in der Superattendenz Hertzbergk Handwerksleute sein, sonsten konte sich keiner behelfen mit Weib und Kindern wegen des geringen Einkommens. Schulmeister zu Schonewalde hat kein Handwerk.

Zum Schlusse seines Verzeichnisses teilt er seine Pfarrer in drei Classes ein, zu deren erster er 3, zweiter 7 und dritter 3 rechnet, aber hinzufügt: haben alle gute Geschickligkeit und Übunge zu predigen.

Die insgesamt bei der Visitation der Pfarreien aufgegangenen Unkosten gibt er mit 4 fl. 10 gr. an. Er bemerkt dazu: nicht visitiert

Sterbens halber sind der Pfarrherr zu Arnsnesta, Dorf Dubro und Filial Wiperßdorff, gen Knippelsdorff gehorig.

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Derselbe Superintendent fügt seinem Referate über die dritte Lokalvisitation (Frühjahr 1579, Magdeburg, St. Arch. A 50, XI No. 73, Bl. 292 a) bei einen Bericht auf etliche Articul, so in gehaltenen Synodum des 78. Jars hat sollen uberschickt werden, aber vorblieben etc." In diesem Berichte sagt er vom Pfarrer von Altherzberg: sein furnemst Studium zu Wittenberg ist gewesen Theologia, in artibus (hat er) nicht vi studieret, wartet seines Amts fleißig und hat eine feine Ausrede zu Predigt.

Vom Pfarrer zu Beiern sagt er: hat Armuts halben nicht lange zu Wittembergk studieret, hat sein fundament in latina lingua gelernet und theologiae sich befleißigt, ist in seinem Amte fleißig, hat eine gute Sprache und ziemliche Geschicklichkeit.

Vom Pfarrer zu Dobrichaw: hat in guten Partikularschulen als Braunschweig etc. und zu Wittenberg eine Zeitlang studiert, in artibus nicht viel, wartet seines Amts fleißig, und haben seine Zuhörer an seinen Predigten nur Gefallen.

Ferner hat der Superintendent einen besonderen Bericht über das im Frühjahr 1579 von ihm mit den Geistlichen seiner Inspektion gehaltene Examen eingereicht (a. a. O. Bl. 288). „De peccato originali, de libero arbitrio, de iustitia fidei coram Deo, de bonis operibus, de evangelio et lege, de tertio usu legis, de coena dni, de persona Christi, de Christi descensu ad inferna, de adiaphoris, de praedestinatione, von diesen Articuln sind alle Pastores der Superattendenz Hertzbergk in specie vleissig befraget und examinieret worden, einer vor, der ander nach Mittage, und befunden, wie folget.

Pastor zu Arntznest hat von allen Articuln zimlichen Bericht und Antwort geben.

Pastor zu Dubro, weil er nicht lange im Ambt gewesen, hat er wenig Sprüche gewust anzuzeigen, diese Articul zu beweisen, sonderlich de pecc. orig. etc., von den andern hat er geantwort, das sein Vleis zu spuren.

Pastor zu Wildenau hat auf alle Articul zimlich geantwurt, aber die Sprüche der heiligen Schrift sind ihm nicht wol bekand gewesen. Pastor zu Knuppelsdorff hat guten Bericht von allen Articuln geben.

Pastor zu Aldenhertzbergk hat von allen Articuln zimlich geantwortet; denn er in artibus nicht viel studieret, neben der Dialectica zu Wittenberg die Predigten vleissig gehort.

Pastor zu Schonewaldo von allen Articuln aus gutem Grunde geantwort.

Pastor zu Alsdorff als ein iunger Man hat von allen Articuln auch zimlichen Bescheid geben, ist aber wenig belesen.

Pastor zu Kleine Rösen hat aus den Schriften Hern D. Mart. Luth. und Hern Phil. Mel. geantwort, das Vis. mit ihm zufrieden.

Pastor zu Beiern, der Armut halben zu Wittenberg nicht hat konnen lange bleiben, hat von allen Articuln der Schrift gemeß geantwort.

Pastor zu Rehfelt ist belesen, hat wol geantwort.

Pastor zu Dobrichaw, weil er uber 11, Jar zu Wittenberg nicht hat sein konnen, ist er gen Ubigaw gezogen, sich doselbst im Predigen geubet, hat treulich geantwort, in artibus wenig studiret.

Pastor zu Zulsdorff hat von allen Articuln der h. Schrift gemeß geantwort.

Pastor zu Buckaw hat guten Bericht aus Gottes Wort von allen Articuln geben.

Habe nicht gemerket noch befunden, das einer unter ihnen der Sacramentirer oder anderer Rotten und Secten falscher Lere anhengig.

Anlangende ihre Predigten, welche zu Hertzbergk vor der ganzen Gemeine geschehen, bezeugen (sie), das sie alle verstendlich und deutlich gepredigt, und hat ein ieder seine sondere Gaben, Geschickligkeit und Ubunge, idoch einer mehr denn der andere."

Der Superintendent von Jessen gibt zu seinem Bericht über die dritte Lokalvisitation Frühjahr 1579 folgende Generalia" (Magdeburg, St. Arch. A 50, XI No. 73, Bl. 348 fg):

1. Ist allenthalben die Klage in Stedten und Dorfern, das die Leute unvleissig zur Vesper und Wochenpredigt kommen; etliche warten ihrer Arbeit, sonderlich uf den Dörfern, weil sie die andern Tage mit Frondienste sehr beschweret werden; etliche viel ligen in Bierheusern, und helfen des Visitatoris Straf wenig. Richter und Burgermeister sagen, auch sie konnen die Leute nicht zwingen.

2. Klagen die Pastores uf den Dörfern, das sie von den Pauren sehr beschweret werden mit ihren Gehegen und Dorffrieden, zeigen an, das ob sie die ihren schon vest und wol verwahren, wirds ihnen doch wider eingerissen, komen hieruber in Schaden, weil sie nicht alzeit darbei sein konnen, sondern ihrer Studia abwarten mussen, bitten umb Schutz.

3. Felt in genere Klage fur, das rustici ihren pastoribus und custodi(bus) ihr Zehenden, Korn, Brot etc. boslich unrein, klein und zu unrechter Zeit erlegen, mussens oft von Haus zu Haus holen, und do ihnen auferlegt, solchs laut der General(ien) uf einen gewissen Tag etc. auszubringen, wollen sie etlich schfl. korn oder gr. zu vertrinken haben, und ist der Pfar und Diener Einkommen one dis gering.

4. Allenthalben vast in Stedten und Dörfern werden die gemeine Kasten mit den gemeinen Gebeuden alleine beschweret und ganz erschepft, und wöllen die Gemeinden uber die Fuhren, die sie mit Beschwerunge thun, hieruber nichts auslegen; (wäre nötig,) das aus dem churfurstlich Sechsischen Synodo diese Anordnunge geschehe, damit hinfort und allwege aus den Kasten der Uberschuß alleine hierzu gebraucht, das ander aber allen den eingepfarten Gemeinden auszubringen und zu tragen auferlegt werden.

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