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Ereignisse niedergeschriebener Aufzeichnungen ist. Hierin liegt ihr Werth und ihre Schwäche, wie bei allen Arbeiten dieser Art. Für die Auswahl, Fassung und Ausdehnung der einzelnen Notizen war natürlich das Interesse des Schreibers das bestimmende. Wie ich schon oben bemerkte, hatte glücklicherweise Bertrand Sinn und Interesse für gar vieles. Daher die bunte Mannigfaltigkeit seiner Denkwürdigkeiten.

Natürlich ist für ihn seine Familie, seine Vaterstadt und seine Heimat der Mittelpunkt, wie seines Lebens und Schaffens, so auch seines Schreibens. Ueber die sein häusliches Leben betreffenden Notizen habe ich bereits oben1 das Nöthige mitgetheilt.

Eine andere Klasse gleichfalls in gewissem Sinne persönlicher Notizen, die allerdings kaum in irgend einem mittelalterlichen Chronisten fehlen, betrifft eine Menge auffallender Erscheinungen, welche den neugierigen Blick des Schreibers auf sich zogen. In erster Linie eine Menge von Naturereignissen : ausserordentlicher Regen, Schnee, Kälte und Trockenheit, Sonnenund Mondfinsternisse und andere astronomische Erscheinungen 2; dann der Löwe von Arles, die kirchlichen und bürgerlichen Festlichkeiten, die Reuerin, der er einen so herzlichen Segenswunsch in die Zelle nachruft, in welche dieselbe sich verschloss 3.

Zahlreich sind auch die Aufzeichnungen, welche sich auf das öffentliche Leben Arles' und der Provence beziehen. Daher ist die Chronik für ihre Geschichte eine Quelle ersten Ranges, zumal da für sie in dieser Zeit keine andere Arbeit vorliegt, welche sie entwerthete. Allerdings ist für die Jahre 1380 bis 1388 das erst vor kurzem veröffentlichte Tagebuch Jean Le Fèvre's, des Kanzlers der Könige Ludwig I. und II. und Bischofs von Chartres, unvergleichlich reichhaltiger und wichtiger; dennoch bietet selbst für diese Zeit Bertrand gar manche nicht unwichtige Ergänzungen. Ausser diesem Tagebuch verdient neben Bertrand auch der Parvus Thalamus von Montpellier + Be

1 S. oben S. 414 f.

2 Zur Controlirung der zahlreichen Sonnen- und Mondfinsternisse verweise ich auf Oppolzer, Canon der Finsternisse, Wien 1877 (Bd. LII der Denkschr. d. Wiener Akademie), als auf das bequemste und exacteste Hilfsbuch. 3 S. oben S. 380. 4 S. oben S. 340, Anm. c.

achtung, nicht nur wegen der nahen Beziehungen der Provence zum Languedoc, sondern auch wegen der Aehnlichkeit, welche der Thalamus als städtische Chronik mit der Arbeit Bertrands hat. Nur wenig fügt dieser letztern der Mönch von St. Denis bei, fast nichts Froissart und Juvénal des Ursins. Verhältnissmässig ausführlich berichtet Bertrand über die langjährigen Unruhen, welche Raimund de Turenne in der Provence verursachte. Allerdings berührt sein Bericht 1 vorzüglich den Leidensantheil, welcher in dieser traurigen Zeit auf Arles entfiel, bietet uns aber gerade deswegen ein anschauliches Bild der traurigen Lage dieses geplagten Landes.

Diese Bedeutung Bertrands für die Geschichtschreibung seiner Heimatprovinz ist auch jetzt noch in derselben wohl bekannt. Dies beweisen unter anderem die weihevollen Seiten, welche dem schlichten Chronisten F. Mistral, jetzt wohl der bedeutendste Dichter des einst so liederreichen Landes, in seiner geschätztesten Dichtung, der Nerto 2, gewidmet hat.

Da die Grafen der Provence in jener Zeit zugleich Könige von Neapel waren, wenn auch zeitweise mehr dem Namen nach als in der That, so hat unsere Chronik auch für die neapolitanische Geschichte ihren Werth. Allerdings liegt uns für die Zeit bis 1396 das sehr schätzenswerthe 'Chronicon Siculum incerti authoris' 3 vor, und für die ganze von Bertrand behandelte Periode haben wir die Diurnali del Duca di Monteleone 4, die leider bisher nur in unzulänglichen Ausgaben vorliegen. Offenbar enthalten diese Diurnali schätzenswerthe Elemente, bedürfen aber in Anbetracht der Ueberarbeitungen der Controle. Zu diesen beiden Quellen bietet nun Bertrand manche Ergänzungen und mehrfache Bekräftigungen. Besonders zahlreich sind die Beiträge zur Feststellung des Itinerars König Ludwigs II. von Anjou, des Vorkämpfers der französischen Herrschaft in Italien.

1 Er wurde von Valois bereits gut verwerthet; s. oben S. 344, Anm. c.
2 Paris 1884.
3 3 Vgl. oben S. 321, Anm. b.

4 Vgl. oben S. 357, Anm. a, und Capasso, Le fonti della storia delle Provincie Napolitane dal 568 al 1500, im Archivio storico per le Provincie Napolitane I (1876), 597–601.

420 Franz Ehrle, Die Chronik des Garoscus de Ulmoisca Veteri etc.

Mit Aragonien trat die Provence in unserer Periode in nähere Verbindung zunächst durch die Erhebung Peters von Luna (Benedicts XIII.) zum Haupte der avignonesischen Obedienz, sodann durch die Vermählung König Ludwigs II. mit einer Prinzessin des königlichen Hauses jenes Landes. In betreff dieser Vermählung und ihrer Folgen finden sich hier einige Ergänzungen zu Çurita, dessen Annalen für diese Periode noch immer die Grundlage unserer Kenntniss der Geschichte dieses Landes sind.

Ungleich wichtiger ist der Gewinn, welcher sich für die Geschichte Benedicts XIII. aus dieser Chronik ergibt. Er war es vorzüglich, welcher mich zu diesem Neudruck bestimmte. Für den Besuch König Martins in Avignon, für die Belagerung Benedicts im päpstlichen Palaste, für das Erscheinen der aragonesischen Flotte in der Rhone, für das Itinerar Benedicts nach seiner Flucht nach Château Rénard, für die Belagerung Rodrigo's de Luna ist von allen bisher bekannten chronistischen Aufzeichnungen die Bertrands die reichhaltigste und zuverlässigste 1.

1 Berichtigung: S. 335, Z. 31: 1384.

Franz Ehrle S. J.

Der Cardinal Peter de Foix der Aeltere, die Acten seiner Legation in Aragonien und sein Testament.

Kaum für irgend eine Provinz Frankreichs ist in den letzten Jahren eine solche Reihe von gediegenen Veröffentlichungen zur Beleuchtung ihrer geschichtlichen Vergangenheit erschienen wie für das Gebiet der ehemaligen Grafen von Foix. Flourac 1, Cadier und ganz besonders Courteault 3 haben die hervorragende Stellung, welche die Herren dieses Gebietes einnahmen, und den bedeutsamen Einfluss, welchen sie zumal im Lauf des 15. Jahrhunderts auf die Geschicke der angrenzenden Länder ausübten, in helle Beleuchtung gerückt. Die Rivalitäten der ihr Gebiet umgrenzenden Könige von Frankreich und England, Aragonien, Castilien und Navarra theils mit feiner, eigennütziger Politik, theils durch unerschrockene Tapferkeit ausbeutend, gelang es ihnen, ihren territorialen Besitz bedeutend auszudehnen und sich im südlichen Frankreich eine massgebende Stellung zu sichern.

Zur Zeit seines höchsten Glanzes finden wir unter den Mitgliedern des hohen Hauses einen Kirchenfürsten, der in seiner

1 Jean Ier comte de Foix, vicomte souverain de Béarn, lieutenant du Roi en Languedoc. Étude historique sur le Sud-Ouest de la France pendant le premier tiers du XVe siècle. Paris 1884.

2 Les États de Béarn depuis leurs origines jusqu'au commencement du

seizième siècle. Paris 1888.

3 Gaston IV, comte de Foix, vicomte souverain de Béarn, prince en Navarre 1423–1472. Étude historique sur le midi de la France et le nord de l'Espagne au XVe siècle. Toulouse 1895. - Derselbe veröffentlichte: Leseur, G., Histoire de Gaston IV, comte de Foix. Chronique française inédite du quinzième siècle (publiée pour la Soc. de l'histoire de France). Paris 1893-1895, 2 vols. Endlich verdanken wir ihm und F. Pasquier: Esquerrier et Miégeville, Chroniques romanes des comtes de Foix. Foix 1895.

Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte. VII.

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Sphäre ein halbes Jahrhundert lang eine kaum minder hervorragende Stellung einnahm als sein Bruder Johann I. und sein Neffe Gaston IV. auf dem politischen Gebiete. Es war der Cardinal Peter de Foix der Aeltere. Obgleich Flourac und Courteault nur einen Theil der Geschichte dieses Mannes kannten, betonten sie doch mit Nachdruck, dass er eine Erscheinung sei, welche schon längst eine eingehendere Erforschung und Darstellung verdient hätte.

Es ist nicht meine Absicht, hier eine solche Darstellung zu liefern; ich möchte für dieselbe nur den Boden ebnen und ein paar brauchbare Steine zurechtlegen. Trotzdem will ich, bevor ich auf die beiden oben angekündigten Actenstücke eingehe, kurz einige Hauptdaten im Leben dieses hervorragenden Mannes feststellen, da selbst die wenigen Angaben der oben genannten Geschichtschreiber des Hauses von Foix erhebliche Irrthümer enthalten.

Der alte Stamm der Grafen von Foix erlosch mit Gaston III. im Jahre 1391. Das Erbe ging durch Gastons Schwester zunächst an den Grafen Matthäus von Castelbon, und als auch er 1398 kinderlos starb, ebenfalls durch dessen Schwester an Archambaud de Grailly (1398-1412), welcher somit als Graf von Foix und Vicomte von Béarn auch Herr der schönen Gebiete wurde, welche sich sowohl von der aragonesischen als von der französischen Seite an diesen Hauptbesitz angelagert hatten. Allerdings musste sich Archambaud sein Erbe in einer Reihe harter Kriegsjahre erkämpfen, verstand es aber zugleich, durch die Vermählung seines erstgeborenen Sohnes Johann I. (1412-1423) mit der ältesten Tochter des Königs Karl III. von Navarra seiner Familie Aussichten auf eine Königskrone zu eröffnen.

Aus dem Testamente Archambauds 1, welches vom Jahre 1402 datirt ist, ersehen wir, dass Peter, mit dem wir uns hier beschäftigen, der vierte seiner fünf Söhne (Johann, Gaston, Archambaud, Peter, Matthäus) war. Derselbe nahm in noch sehr jugendlichem Alter im Convent von Morlaas 2 bei Pau,

1 S. dasselbe bei Courteault p. 229.

2 Dies hören wir von Peter selber in seinem Testament.

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