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geschmückt war. Nur das Grabmal der Stifter stand noch nicht in der Kapelle, denn in dasselbe ist die Zahl 1425 eingemeiselt.

Dieses Grabmal, welches bis 1889 im Chore der Kapelle stand, war ,hoch aufgebaut wie ein Tisch", d. h. es war ein 75 Ctmtr. hoher mit einer Platte von Salzburger Marmor bedeckter Sarkophag. Es ist jetzt abgebrochen, und die Platte dem Begehren der Goldschmiede entsprechend, im Augsburger Dome aufgestellt, wo seit der Zeit der Reformation auch die von den Gründern gestifteten Seelenmessen gelesen werden. Auf dieser Platte waren zu Füssen desh. Jakobus und der h. Helena die Stifter Conrad und Afra Hirn in erhabener Arbeit dargestellt, und die Umschrift lautete: „Hir leit Chonrat Hiren und sein Husfra, Stifter der Kapellen, die Bard vollpracht am nächsten Sonntag vor Pfingsten 1425 Jahr.“ Mit der, vielleicht durch die Pest verzögerten, Herstellung der kunsthistorisch bedeutsamen Grabplatte war also die ganze Kapelle vollendet.

Conrad Hirn starb zwischen 1425 und 1428, seine Ehefrau Afra zwischen 1437 und 1439. Letztere hatte aber schon 1429 die Meister der Goldschmiede in Augsburg zu Pflegern der Kapelle eingesetzt, dem Schutzpatron der Goldschmiede St. Eloys einen Altar in der Kapelle errichtet, und den Meistern dieses Handwerks den Gebrauch ihrer Kapelle zu Trauergottesdiensten für ihre Angehörigen gestattet. Im Jahre 1496 legten die Goldschmiede ein Grab für ihre Handwerksgenossen in der Kapelle an. In einen Grabstein in der Mitte der Kapelle war in Form eines Tellers eine metallene Scheibe eingelassen, welche das Zeichen der Zunft, einen Kelch, und die Umschrift trug: ,,das Handwerk der Goldschmiede 1496."

In derselben Zeit, in welcher diese Gruft gegraben wurde, scheint die Kapelle, welche ausser dem Chor nur den Raum zweier Gewölbbogen umfasste, der Länge nach um 2 weitere Bogen erweitert und neu bemalt worden zu sein. Urkunden über diese bauliche Veränderung sind allerdings nicht vorhanden; aber das ist nicht verwunderlich, da möglicherweise (s. Paul v. Stetten p. 224) schon 1631 ein Teil der auf das Carmeliterkloster bezüglichen Akten dem Provincial der reformirten Carmeliter übergeben wurde, und die Aktenstücke, welche auf die Goldschmiedskapelle Bezug hatten, schon in den Jahren 1747-1751 in den verschiedenen Archiven der Stadt auf Betreiben des Rates gesucht und nicht mehr aufgefunden worden sind. Das lässt sich ja auch durch die öftere Aenderung des Besitzrechtes der St. Annakirche wohl erklären. In der Truhe der Gold

sehmiede aber befanden sich schon 1702 nur mehr 13 Urkunden,
darunter das Testament und der Stiftsbrief der Afra Hirn v. J. 1429,

ferner 2 Briefe katholischer Würdenträger wegen eines Gottesdienstes

in der Kapelle, und ausserdem nur Kaufbriefe. Die Geschichte des

Baues, der Bemalung, der Erweiterung und der nochmaligen Ueber-

malung der Kapelle wird also wohl nie aus Aktenstücken beschrieben

werden können. Und während im Chorfenster, an jedem Gewölb-

bogen, am Thore and an den Pfeilern der Kapelle sich die Wappen

der Stifter fanden, war alle Mühe vergebens, irgendwo den Namen

oder das Zeichen eines der Meister, welche an der Kapelle arbeiteten,

zu entdecken.

Der stiftungsgemässe Gottesdienst wurde bis zur Zeit der

Reformation in der Kapelle gehalten. Als im J. 1534 der Convent
der Carmeliter, welche grösstenteils dem evang. Bekenntnis beitraten,
sich auflöste, fielen natürlich auch die gestifteten Messen aus.

Schon vor 1572 das Jahr ist nicht näher bestimmbar
war das letzte Gewölbe durch eine Scheidemauer von der Kapelle
abgetrennt, und unter demselben ein Eingang vom „Leichhofe“ aus
in die St. Annakirche hergestellt worden.

Im J. 1580 hatten die Kirchenpfleger dieser Pfarrei von den

Vorgehern der Goldschmiede die Einwilligung erwirkt, eine Ver-

bindungstüre vom St. Annachor in die Kapelle brechen und letztere

für den evangel. Gottesdienst verwendbar machen zu dürfen. Das

Abkommen scheint aber nicht die Genehmigung der Stadtverwaltung

gefunden zu haben.

Aber jedenfalls wurde 1641 der kath. Gottesdienst in der

Kapelle wieder eingerichtet, und bis 1649, bis zum Vollzuge der

Bestimmungen des westphälischen Friedens, nach Inhalt der Stiftung,

in der Kapelle gehalten. Seit 1649 wurde sie für den Gottesdienst

nicht mehr benützt.

Die kirchliche Ausstattung, die beiden Altäre waren seitdem

im Laufe der Zeit verschwunden, auch der zinnerne Sarg, in welchem
fast 2 Jahrhunderte lang auf hölzernem Gestelle die Gebeine des
1632 hier verstorbenen jungen Pfalzgrafen Johann Friedrich ruhten,
war entfernt worden. Nur ein kleiner Raum unter dem Chorgewölbe
war frei, der ganze hintere Raum der Kapelle war mit Gestellen
ausgefüllt, auf welchen die Akten der prot. Kirchenpflege und das
sogenannte Wesensarchiv aufbewahrt wurden. Da kaufte im Jahre
1889 die prot. Kirchenverwaltung St. Anna die Kapelle, deren
baulicher Zustand kostspielige Reparaturen nötig gemacht hätte, der

Goldschmiedsinnung ab und unterzog sie einer gründlichen Reparatur, um sie zu gottesdienstlichen Zwecken wieder verwendbar zu machen.

2. Die Entdeckung der Bilder. Als die Kirchenverwaltung in den Besitz der Kapelle trat, als die Holzgitter und Gestelle, der Sarkophag unter dem Chore und die Empore an der hinteren Wand entfernt waren, schien der gewonnene Raum für die beabsichtigten kirchlichen Zwecke nicht sehr geeignet. Ausser dem Chorgewölbe waren nur 3 Gewölbbogen vorhanden, und diesen Raum verengten noch zwei mächtige Strebepfeiler der Chorwand der St. Annakirche, in welche die Kapelle eingebaut war. Als aber diese Pfeiler, welche an ihrem Fuss etwa 1 Mtr. Breite und 2 Mtr. Tiefe batten, durch starke eiserne Träger, die man über den Bodenraum der Kapelle laufen liess, abgetragen waren, und als durch die Entfernung der hinteren Kapellenwand ein weiterer Bogen, unter welchem seither ein Eingang in die St. Annakirche geführt hatte, in den Kapellenraum hereingezogen worden war, fand sich eine Bodenfläche von 22 Mtr. Länge und 51/, Mtr. Breite, auf welcher leicht etwa 250 Sitzplätze angebracht werden konnten.

Nun wurden die kleinen Fenster der Langwand in gothischer Form vergrössert, wurde die vom sogenannten Leuthofe (Leichhofe) aus in den Chor der Kapelle führende Thüre vermauert, das alte Dach der Kapelle vollständig erneuert, jede schadhafte Mauerstelle ausgebessert, und die Renovierung schien in kurzer Frist vollendet, als man bei dem Suchen nach Bildern in der That unter der ziemlich hoch, also oft aufgetragenen Tünche auf Bilder stiess.

Der erste Versuch war unter dem zweiten Gewölbbogen des Schiffes an der Seite gemacht worden, welche zugleich die Chorwand der St. Annakirche bildet. Bei der Entfernung der oberen Kalkschicht kam man zunächst auf farbige Töne, welche sich jedoch teilweise mit der Kalkschicht ablösten, so dass man bei aller Sorgfalt der Abnahme eine zusammenhängende Gestalt nicht erhalten konnte. Aber nun zeigten sich unter diesen Farben hinter einer weiteren Uebertünchung noch weitere Malereien, und diese waren mit dem stuckartig behandelten und marmorharten Grunde, auf den sie gemalt waren, so fest verbunden, dass es möglich war, die dicke Uebertünchung ohne Gefahr für die Bilder abzunehmen. Es zeigte sich bald, dass die Wand unter diesem Bogen mit 4, durch einfache, weisse Streifen und rote Striche von einander getrennten Bildern, bemalt mar; drei

unten in einer Reihe, eines über denselben in der Bogenrundung. Das mittelste Bild der unteren Reihe, welches zuerst blosgelegt wurde, stellte die Geiselung Christi dar: Christus, an eine rote Marmorsäule gebunden, wird von 3 Kriegsknechten misshandelt und von einem Juden mit erhobener Faust bedroht.

Da die Contouren ebenso wie die Farben sehr gut erhalten waren, und die Malweise offenbar auf einen tüchtigen Meister der Kölner Schule raten liess, die Bilder also zweifellos kunsthistorischen Wert hatten, wurde der Rat verschiedener sachverständiger Herren aus München erholt, und da deren Urteil dahin ging, dass die Bilder jedenfalls blosgelegt und restaurirt werden sollten, begann man mit der Arbeit. Es handelte sich vor allem darum, einen Künstler zu finden, in dessen Hand man mit vollem Vertrauen die Restaurierungsarbeiten legen konnte. Ein solcher fand sich in der Person des Historienmalers Leopold Weinmayer von München, welcher schon die aus derselben Schule stammenden Wandgemälde in der Deutschherrnfeste zuMarienburg, und kürzlich erst das Deckenbild des Ulmer Münsters rühmlichst wiederhergestellt hatte.

Er erklärte die gegen Wasser völlig unempfindlichen Bilder für Temperamalereien aus der Zeit der Kölner Schule, spätestens 1420 gemalt, und begann sofort, sie mit einfacher Tempera, Eidotter mit sehr geringem Oelzusatz, wieder aufzufrischen und herzustellen. Es war ihm als Bedingung gestellt, dass die Bilder möglichst gut erhalten, keinesfalls übermalt, sondern mit Sorgfalt von den Kalkresten thunlichst gereinigt, an den schadhaften Stellen leicht übertupft, kurz in ihrem Charakter unbedingt bewahrt werden müssten. Bei etwa sich ergebenden grösseren Schäden müsste allerdings das Fehlende im Stile des Ganzen eingemalt und für jene Mauerfläche, welcher der zweifellos bemalt gewesene Kirchenpfeiler losgebrochen war, eine neue Composition im Geiste und Tone der alten Bilder in Vorlage gebracht werden. Ersteres war nötig bei dem Bilde in der Seitenwand des Chores, welches ein breiterer Wasserriss durchzog, und an einem Bilde an der gegenüberstehenden Kapellenwand; die Composition eines neuen Bildes aber schien um so leichter ausführbar, als am Rande jener Wandfläche noch ein sitzender Pilatus und ein Kriegsknecht mit einem Bande in der Hand, welches das Wort „Crucifige“ zeigte, gut erhalten, das Bild also nur zu ergänzen war.

Während die Restaurierung im Gange war, wurde allmählich im Laufe eines Sommers und Winters von allen Wänden und von

von

der ganzen Gewölbdecke die Tünche entfernt. Man fand nun, dass die ganze Kapelle mit Tempera bemalt gewesen war, und gewann immer mehr die Ueberzeugung, dass es möglich sei, nicht nur die eigentlichen Bilder, sondern auch die dieselben umrahmenden Flächen an den Wänden und im Gewölbe wieder herzustellen, wie sie ursprünglich gewesen waren. Denn wenngleich die erste Malerei durchweg zunächst mit einer dünnen, aber ausserordentlich festklebenden Leimfarbe überstrichen worden war, ja wenn einzelne damals schon vorhandene Mauerschäden teilweise mit glashart gewordenem Gips, teilweise sogar mit einer Art hydraulischen Kalkes ausgebessert waren, so gelang es doch grosser Geduld und Vorsicht, auch diese Stellen soweit frei zu legen, dass die Contouren ebenso wie die Farben deutlich genug erkennbar blieben, um jede Einzelheit in der ursprünglichen Form und Farbe wieder auszuführen. Gleicherweise hatten sich Form, Farbe und Malweise aller dekorativen Linien, Marmorierungen, Tapetenmuster etc. wieder sicher feststellen lassen. Die Figuren auf den Bildern selbst aber waren bis auf wenige Ausnahmen so gut erhalten, dass z. B. auf dem schon erwähnten erstentdeckten vierteiligen Gemälde unter 28 Köpfen nur bei Einem das Antlitz beschädigt, Gestalt und Gewandung aber bei allen unverletzt war.

3. Die Erklärung der Verschiedenheit der aufgefundenen

Bilder. Bei der Abnahme der Tünche zeigte sich klar, dass die Kapelle Anfangs ausser dem Chorgewölbe nur noch 2 Bogen im Schiffe hatte, zwei andere Bogen aber in späterer Zeit angebaut worden sind. Zeugnis dafür sind zunächst die Gewölbrippen. Sie bestanden im alteren Teile aus gelbweisslichem Sandstein, in jüngeren Teile aus gebrannten Backsteinen, welche nach einer den Gesimsformen der Hausteine ähnlichen, aber nicht gleichmässigen Schablone gefertigt sind. Zeugnis dafür ist ferner der Umstand, dass auf den Wandflächen unter den zwei letzten Bogenwölbungen die vorhin geschilderte Malerei vollständig fehlt. Denn die Bilder, welche hier blosgelegt wurden, weisen nach Composition und Zeichnung der Figuren auf eine viel spätere Zeit hin, auf eine Zeit, in welcher die Malkunst die engen Pfade der Kölner Schule längst verlassen hatte und sich an die Darstellung bewegter Volksmassen wohl wagen durfte.

Hatte doch seit 1460 in Augsburg der ältere Holbein neben seinem Schwiegervater Thomas Burgkmeier gemalt, gegen Ende

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