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von Berchtesgaden auf Grund eines Legates der Gräfin Irmgard durch den Grafen Berengar von Sulzbach und seinen Halbbruder Cuno von Horburg ein kleines Stift gegründet und mit 4 Klerikern aus Rottenbuch unter Leitung des Eberwin besetzt. In den Jahren 1102(-1105) übereignete er die für die Neugründung bestimmten Allode durch Cuno von Horburg und Eberwin dem apostolischen Stuhle und erhielt am 7. April 1102(-1105) als Gegenurkunde ein Mandat Paschals II. In dem rauhen Gebirgslande verloren die Kanoniker jedoch bald den Mut und siedelten nach dem in der Ebene gelegenen Baumburg über, als Graf Berengar dort auf Grund eines Legates seiner Gattin Adelheid ein neues Chorherrenstift begründet hatte. Eberwin übernahm die Leitung von Baumburg und erwirkte, vielleicht im Jahre 1107, auch für dieses Stift ein Privileg Paschals II. Allein Graf Berengar gab Berchtesgaden nicht auf und erreichte schließlich, daß Eberwin ins Gebirge zurückkehrte. Wann das geschah, wissen wir nicht. Im Jahre 1121 war er jedenfalls wieder Propst in Berchtesgaden, da er am 9. Mai dieses Jahres ein Privileg Calixts II. für dieses Stift erwirkte 1). 1142 ist er als Propst von Berchtesgaden gestorben. Die Baumburger Kanoniker wehrten sich nach Kräften gegen die Trennung und griffen, als der Erzbischof 1136 gegen sie entschied, zu jenen Mitteln verfälschender Darstellung der Vergangenheit, die wir oben kennen lernten. Genützt hat es ihnen nichts; sehr bald hat Berchtesgaden das rivalisierende Stift an Bedeutung überholt, und zwar gerade durch die Ausnutzung der Schätze jenes Bodens, der einst den ersten Kanonikern so unwirtlich erschien, daß sie drauf und dran waren, ihn gänzlich zu verlassen.

Deutlich sehen wir auch in diesem Falle, wie es zur Verfälschung des Papstprivilegs kam; man brauchte in Baumburg die höhere Autorität der Kurie gegenüber der richterlichen Entscheidung des Erzbischofs Conrad. Das Urteil dieser inferior dignitas, wie der Baumburger Autor sich respektlos ausdrückt, weckte das Verlangen nach dem Besitz

1) S. 60 n. 2.

eines günstigen päpstlichen Privilegs, und da man es nicht besaß, so verschaffte man es sich durch die Fälschung.

Von weit geringerer Bedeutung sind die übrigen Salzburger Fälschungen. Ich möchte sie hier aber doch nicht übergehen, weil auch sie uns einen Einblick in die Bedingungen vermitteln, unter denen man in der Salzburger Provinz auf den Gedanken eines Anschlusses an die Kurie kam. d) Au und Gars. Diese beiden Klöster waren ursprünglich Salzburgische Zellen für die Bewirtschaftung der getreidereichen Innebene, in der sie lagen 1), und gewannen größere Bedeutung erst nach der Einführung der Augustinerregel durch Erzbischof Conrad I. (s. oben S. 35). Auch zwischen ihnen brachen Streitigkeiten aus, zwar, wie gesagt, nicht von so einschneidender Bedeutung wie bei Berchtesgaden und Baumburg, aber ihnen insofern doch vergleichbar, als mißliebige erzbischöfliche Entscheidungen hier wie dort das Verlangen nach einem päpstlichen Privileg hervorriefen. Zunächst

stritten sich die feindlichen Brüder um die Kapelle in dem getreidereichen Pürten, und schon in diesem Falle ließen sich die Kanoniker von Au eine gewisse Unredlichkeit zuschulden kommen, als sie ein päpstliches Privileg zu ihren Gunsten erwirkten, das ihnen auf Grund einer falschen Darstellung der Sachlage die Kapelle bestätigte. Ursprünglich gehörte nämlich die Kapelle zweifelsohne dem Stifte Gars 2). Aber Propst Lothar von Au machte sich die ungünstige Lage des Stiftes, in die es durch den kaiserlichen Gegenpropst Egenolf geraten war, zunutze, um sie sich mit Hilfe des Erzbischofs Adalbert anzueignen, und als Erzbischof Conrad sie nach dem Friedensschluß von Venedig an Gars zurückgab, erwirkte er von Alexander III. am 7. Februar 1178 ein Privileg, in dem unter den Besitzungen von Au auch die Kapelle bestätigt wurde 3). Wiederum führte also der Gegensatz zu

1) Vgl. dazu auch Fastlinger, Die wirtschaftliche Bedeutung der Bayrischen Klöster in der Zeit der Agilulfinger (Freiburg i. Br. 1902) S. 86f.

2) Für diese Darstellung der Sachlage ist der Bericht in dem Mandat Celestins III. von 1196 Dez. 11 für Gars (S. 80 n. 5) zu vergleichen. 3) S. 82 n. 2.

einer bischöflichen Entscheidung zur Anlehnung an die Kurie. Seitdem aber folgte eine päpstliche Urkunde der anderen: Gars ließ sich die Kapelle sofort von Lucius III.1) und bald darauf von Clemens III.2) bestätigen; Celestin III. sprach sie anfangs wieder Au zu3), delegierte dann aber auf die Appellation von Gars hin Richter, deren Entscheidung zugunsten von Gars ausfiel, und bestätigte deren Urteil 4). Innocenz III. befahl eine neue Untersuchung 5), und erst im Jahre 1203 fiel die endgültige Entscheidung des Erzbischofs Eberhard II. zugunsten von Au, während Gars anderweitig entschädigt wurde 6). Die Machenschaften der Kanoniker von Au führten also schließlich doch zum Ziele.

In demselben Alexanderprivileg von 1178 ließen sich die Kanoniker von Au auch die Pfarrkirche zu Gars bestätigen. Im Original des Privilegs ist allerdings dieser Name nicht zu finden, aber das rührt daher, weil dort an die Stelle von Gars nachträglich der Name Farchheim eingesetzt ist, und zwar von einer Hand, die kurz zuvor an Stelle eines anderen Namens (Arnowe) das Wort Ampfing setzte. Diese Beobachtung läßt sich am Original nur insoweit machen, als wir dort die Tatsache der Rasur und der nachträglichen Einfügung jener Worte feststellen können; wir besitzen aber eine Kopie des Privilegs aus dem Ende des 12. Jahrhunderts"), in der wir die ursprünglichen Namen Arnowe und

1) S. 80 n. 2 (1185 Okt. 28).

2) S. 80 n. 3 (1189 Sept. 12). 3) Mandat von 1196 Dez. 11 (S. 80 n. 5).

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4) Sowohl die Sentenz der iudices delegati als ihre Supplik an Celestin III. sind im Original erhalten, die Sentenz in Kurialminuskel, die Supplik auf dem Rücken der Sentenz in gewöhnlicher Minuskel geschrieben. Vielleicht darf der Erfolg von Gars mit der Fälschung auf den Namen Conrads III. von Salzburg (Meiller Reg. n. 23) in Zusammenhang gebracht werden, die laut gütiger Mitteilung des Herrn Dr. Martin von demselben Fälscher herrührt, der auch die Urkunde Eugens III. für das Domkapitel fälschte. In dieser Fälschung wird nämlich Pürten dem Stifte Gars bestätigt.

5) Am 14. März 1203, Original im Reichsarchiv zu München (Gars, Fasc. 2). *) Am 22. Mai (Mon. Boica I 66 n. 6 = Meiller Reg. S. 181 n. 46). 7) Die Kopie weicht an einigen Stellen von dem Original ab; so ist in der Adresse s. Mariae durch s. Felicitatis ersetzt, offenbar in dem Bestreben, die Adresse dieses Hauptprivilegs mit der in den Urkunden des Klosters gebräuchlicheren Bezeichnung des Stiftes in Einklang zu bringen;

Garze finden. Nun war das praedium Arnowe 1) alter Besitz von Au2), aber die Pfarrkirche in Gars hat dem Stifte ebensowenig gehört wie ursprünglich die Kapelle in Pürten; ihre Bestätigung ist also ähnlich zu beurteilen wie die Bestätigung von Pürten. Später haben die Kanoniker von Au die Namen im Original getilgt und dafür Ampfing, um das sie, wie es scheint, mit dem Erzstifte stritten 3), und Farchheim, das einst ein Graf Walther dem Stifte Gars geschenkt hatte 4), eingesetzt. Die näheren Umstände entziehen sich aber unserer Kenntnis.

e) Raitenhaslach.

Um eine ebenso geringe Interpolation handelt es sich auch bei einer Verfälschung im Privileg Eugens III. für das Salzburgische Cisterzienserkloster Raitenhaslach. Wir besitzen hier eine Originalnachbildung aus dem 12. Jahrhundert und Abschriften in den Kopiaren des Klosters. Nun heißt es in der Originalnachbildung: In Ratisponensi episcopatu praedium in loco qui Moseful vocatur, sicut a nobili viro Wolfero, uxore quoque et filiis suis cum capella vobis concessum est, während in den beiden ältesten Kopiaren an Stelle von cum capella das Wort rationabiliter steht. Selbstverständlich ist dies der echte Text, weil er der Formel entspricht und weil die umgekehrte Korrektur nicht verständlich wäre. Die Worte cum capella sind also nachträglich eingefügt, um den Anspruch durch die Autorität des Papstprivilegs zu decken. „Mosfol“ oder

denn in den Traditionsurkunden des Stiftes heißt es stets: ad altare s. Felicitatis, während dagegen die Schenkungen für Gars ad altare s. Mariae gemacht wurden. Die Datierung, welche die Mon. Boica bieten, die zu der Annahme eines zweiten Alexanderprivilegs für Au führte (JL. 12818 und 13022), findet sich in der Kopie nicht. Es liegt also kein Grund vor, die Kopie mit Jaffé - Löwenfeld für ein zweites Alexanderprivileg zu erklären.

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1) Arnowe Oberornau, Amtsgericht Haag; vgl. Petz-Grauert-Mayerhofer, Drei Bayerische Traditionsbücher S. 171.

2) Vgl. die Traditionsurkunde von Au, ebenda S. 101 n. 69.

3) Das darf man wohl aus der Urkunde des Erzbischofs Conrad von 1165/66 Juli 29 schließen (Meiller, Reg. S. 110 n. 16).

4) Vgl. die Traditionsurkunde von Gars von ca. 1128 (Drei bayerische Traditionsbücher S. 49 n. 10).

„Mosvogel" an der Rott gehörte zu den Besitzungen, mit denen die Gründer Wolfker und Hemma ihre Gründung ausgestattet hatten 1). Dieses praedium lag in der Diözese Regensburg, und wir wissen von seiner weiteren Geschichte wenigstens so viel, daß die in der Diözese Regensburg gelegenen Güter des Klosters zwischen 1147-52 Gegenstand eines Prozesses zwischen dem Kloster und dem Bischof von Regensburg waren. Der Prozeß wurde eingeleitet durch ein (bislang unbekanntes) Mandat Eugens III. vom 1. Febr. 11472), in dem der Papst dem Bischof Heinrich von Regensburg untersagte, von den Gütern, welche die Mönche von Raitenhaslach in seiner Diözese besäßen, Zehnten zu erheben; da aber in dem gleichzeitigen Privileg nur von einem in der Diözese Regensburg gelegenen praedium die Rede ist, dem zu „Mosevogel", so wird sich das päpstliche Verbot vorzüglich auf dieses Gut beziehen 3). Nun handelt es sich aber in der Interpolation gar nicht um das praedium, sondern um die capella. Folglich muß sich der weitere Verlauf des Prozesses nicht mehr auf die Gutszehnten, sondern auf die Gutskapelle erstreckt haben. Und das ist in der Tat aus einer Urkunde des Bischofs Heinrich von Regensburg vom 26. Mai 1152) zu ersehen. Sie beurkundet einen Vertrag zwischen Bischof und Kloster über die Zehnten und Kapellen des Klosters im allgemeinen, ohne daß des Gutes Mosevogel ausdrücklich gedacht wird. Der Bischof gesteht den Mönchen infolge des päpstlichen Befehles Zehntfreiheit zu, außerdem aber die „Kapellen, quas iure fundi... possidetis“ und die approbatio sacerdotis; die decimae, sepulturae, baptismus

1) Vgl. die Bestätigungsurkunde des Erzbischofs Conrad von 1146 Juni 5 (Mon. Boica III 105 n. 3) und die Vita Chuonradi c. 21 (Mon. Germ. Script. XI 75).

2) S. 86 n. 3 (gedr. Teil III); es wurde gleichzeitig mit dem Eugenprivileg ausgefertigt.

3) So deutete schon der Schreiber des ältesten Kopiars von Raitenhaslach aus dem Ende des 12. Jahrhunderts den Inhalt des Schreibens; denn er gab dem Mandat die Überschrift: De decimis in Mosevolgen.

4) Mon. Boica III 110 n. 7; Ried, Cod. dipl. Ratisbon. I 222 n. 241; Meiller, Reg. S. 68 n. 61; das Original befindet sich im Reichsarchiv zu München.

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