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Zur Biographie des Chorherrn Ludwig Helmlin.

Mitgeteilt von Prof. K. A. Kopp.

Vorbemerkung.

Im XXXI. Band des Geschichtsfreund (S. 336 ff.) hat Chorherr Ign. Vital Herzog sel. eine Biographie des Ludwig Helmlin, gewesenen Chorherrn und Custos zu Beromünster (1596-1640), veröffentlicht. Dazu bilden die nachstehend abgedruckten zwei Aktenstücke eine Ergänzung. Zum bessern Verständnis derselben mögen einige orientierende Bemerkungen Voraufgeschickt werden.

1. Ludwig Helmlin hat, wie das sein Biograph (a. a. O. S. 342 ff.) berichtet, zwei Jerusalem-Fahrten unternommen. Von der ersten liegen keine nähern Nachrichten vor, wohl aber von der zweiten (1639), auf welcher Helmlin im Mittelmeer, an der Südküste von Morea, den Tod fand. Die in türkische Gefangenschaft geratenen Begleiter Helmlins berichten nämlich über ihre Notlage an Propst und Kapitel von Beromünster und schildern anlässlich ihre Reiseerlebnisse von Rom bis Jerusalem und von dort bis zum Eintritt der Katastrophe. Dass aber auch ein Bericht der Fahrt von Beromünster bis Rom und zwar aus der Feder Helmlins selbst vorhanden sei, war dem Biographen Herzog entgangen. Nicht lange nach dem Erscheinen seiner Arbeit (1878) entdeckte Herr Leutpriester Estermann zufällig die Kopie des fraglichen Briefes Helmlin's an Propst und Kapitel in Birchers Annalen, worauf dann bei Neuordnung des Stiftsarchivs durch Canonicus J. Bölsterli (1886) auch das Original, von dem unten der genaue Abdruck folgt, zum Vorschein kam.

2. Custos Helmlin, der im Rufe eines tüchtigen Kanzelredners stand, hielt am 10. Heumonat 1623 an der Jahrzeitfeier der Sempacher Schlacht auf der Wahlstatt daselbst die

Predigt. Sein Biograph Herzog bemerkt (S. 341, Note), dass er zur Zeit Gelegenheit hatte, das Original dieser Predigt, das sich in St. Urban befand, einzusehen. Er nahm auch eine Kopie derselben und gedachte sie mit der Zeit" im Geschichtsfreund mitzuteilen. Leider hat er sein Vorhaben nicht ausgeführt (er starb 1882). Unsere persönliche Nachfrage bei dessen Erben ergab, dass besagte Kopie nur noch zum Teil vorhanden und kaum Hoffnung ist, das Fehlende je wieder aufzufinden. Sie war auf zwei oder drei in gr. Oktav gefaltete aber nicht ineinander gelegte Bogen geschrieben, von denen nur noch der erste das Exordium und den ersten Punkt der Ausführung teilweise enthaltend vorhanden ist. Indes ist auch das Fragment, welches uns der Neffe des Biographen, Herr Kaplan Ig. V. Herzog (jetzt Canonicus zu Beromünster), gütigst zur Disposition stellte, wohl wert, im Geschichtsfreund Platz zu finden als charakteristisches Denkmal damaliger

religiös-patriotischer Predigtweise.

I.

Reverendissime etc. Admodum Reverendi Nobiles et Clarissimi.. Domini mei observandissimi.

Debitae observantiae officium, quo D. D. V. Vstris arctissime devincivi, jure exigit, ut iisdem suscepti itineris successum exponam. Paucorum itaque dierum intervallo . quamvis Mediolani unum, ac deinde Bononiae ac Florentiae alterum insumpserimus. tempestate tranquilla ac aestu temperato, sed itinere per aspera et salebrosa Hetruriae montana supra fidem difficili ad sacrum Pentecostes diem salvis sociis meis, incolumis ego Romam appuli; ubi hactenus |. diutius quidem quam volebamus. commorati, locis sacris visitandis, viribus restaurandis, ac parandis ad ulterius iter necessariis, tempus et operam impendimus; praesertim et de licentia terram sanctam adeundi a Summo Pontifice impetranda . quod ex aliqua parte difficultate quadam non caruit. | laboravimus. Qua obtenta et

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cunctis ad profectionem dispositis, crastina | . deo auspicante . | discessum paramus, primumque navigio aliquot milliaribus per Tyberim, ac deinceps maritima littora legendo Neapolim ac Messinam in Sicilia cogitamus, ubi conscensa Triremi, in consortio trium patrum Hispanorum e divi Francisci de observantia familia, quos Rmus P. Generalis itineris comites nobis adjungit, ad Miletanam insulam, atque hinc per Cyprum ad Tripolim Palaestinae aut Alexandriam Aegypti, pro navigii occasione aut ventorum ratione navigare intendimus. Quoad bellicos motus ac discordiam inter Turcas ac Venetorum Rempublicam, quamvis Italiam peragrando complura perceperimus quae ab instituto deterrere nos viderentur, Romae tamen nemo est qui susceptum iter idcirco intermittendum arbitretur, immo universi. quantum tanta rerum, temporum, locorum et hominum varietas permittit

omnimodam securitatem spondere videntur. Ego itaque cum sociis mihi amantissimis, plenus fiducia et ingenti impulsus desiderio adorandi in loco ubi steterunt pedes salvatoris mei, ac venerandi sacra redemptionis nostrae vestigia, itineri me committo; et . ut Apostolicis verbis utar. | alligatus ego spiritu vado Hierosolymam, quae ibi mihi eventura sint ignorans : Pericula certe et difficultates terra marique tum ex infidelium ac perversorum hominum malitia, tum ex tempestatum ac turbinum injuria praesagit animus quam plurimas et maximas; quas tamen divinae supremi Numinis providentiae innixus, ejusdemque eternae voluntati totum memet committens, facile perrupturum spero, si praesertim D. Dn V. Vum sacratissimae preces. in quibus potissimam salutis meae spem repono quasque sive vivam sive moriar humillimis votis unice desidero accesserint. Certe D. Dn V. Vm venerandam memoriam. quamvis immensis terrarum et marium spatiis disjungamur . | excidere et debita observantia et fraterna quae animo meo radicitus inhaeret caritas, nunquam patietur. Nova in urbe

nulla sunt, nisi quae ex Germania afferuntur, D. D. V. Vris quam mihi notiora. Atque hisce singularum manus venerabundus exosculor; ipsarumque favori ac protectioni paternae

me ac domesticam meam familiam enixe commendans, ipsisque ac Ecclesiae sibi commissae optatissimam felicitatem a benig nissimo Deo efflagitans.

Romae ulto Junii, Ao 1639.

Reverendissae et Adm. R. R.
D. Dn. V. Vrum.

Humillimus et syncerissimus

servus et confr.

Luds. Helmlin.

(Reverendisso. et Illustri Dmino Praeposito etc. nec non Adm. Rev. Nobilibus et Clariss. D. Dominis Canonicis Jnsignis Colleg. Ecclae. Beronensis.. Dominis meis observandissimis.)

II.

Catholische Predig1) und goutherzige Ermahnung an ein Lobliche Eydtgenossenschaft, gehalten den 10ten Julii A. 1623. An dem Jahrzyt der Schlacht zuo Sempach, in der Capellen uff der Wahlstatt daselbsten.

Regnum de gente in gentem transfertur propter injustitias et injurias et contumelias et diversos dolos. Eccl: 10.

1) Das erste Blatt enthält folgenden, vermuthlich vom Kopisten herrührenden Titel: Concio vere aurea, et utinam non demum Vatidica et fatalis non consideranti Libertati Helveticae tam charae et carè partae perorata Sempachii ad Confoederatos ab Illustri et Reverendissimo et Doctis. simo Dno. Dno. Ludovico Helmlin, Ecclesiaste divino Enthusiasmate plenissimo. Vtinam : Helvetii: saperent et intelligerent, ac Novissima sua providerent! 10ma Julii Ao. 1628. Oberhalb dieses Titels steht: Copiert von Jgn. Vital Herzog von Münster, Vikar in Wohlhusen Ao. 1826 und sein Eigenthum; darunter von derselben Hand die Glosse: Concionis Ao 1895 Sempachii eructae Lector Recensione facile carebit. Nota Amanuensis. Nach dem Verzeichnis der geistlichen Redner an der Sempacher Schlachtjahrzeit (Geschichtsfrd XV. 88) predigte im Jahre 1825 Leutpriester

Thaddins Müller von Lazern.

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Ein Rych wird übersetzt von einem Volk uff das ander von wegen der Ungerechtigkeiten, und Unbill, und Schmachreden, und wegen unterschiedlichen Betrugen. Eccl: 10.

Zuoglych wie der Allmechtige Gott gros sich erzeiget in grossen, allso erzeiget er sich auch wunderbarlich in kleineren und minderen Dingen: dannehero hat er nit allein diesem ganzen Universo und dieser grossen Machina und Gebeüw der ganzen Welt assigniert und fürgeschrieben Ihren Termin Zihl und End, in welchen sye solle anfangen, zuonemmen, in Ihrem Stand und Wesen verblyben, und nochmahlen wiederumb abnemmen und zuo Grund gehen: Sondern er hat solches auch gethan gegen allen Völkheren, Geschlechteren und Menschen, in allen menschlichen Dingen, dass dieselbige glyförmig sollen haben. ihren Termin und Zyhl Ihres nowachsens, verblybenden Wesens und Undergangs: Also dass wir oftermalen sehendt dass ein Geschlecht und Stammen von geringen Lüthen uffkombt, zuonimmt, zuo höchstem ruohm gelangt, ein Wyl verblybt und endtlichen wie es zuogenommen wiederumb also abnimmt undt verschwindet. Solches aber erscheint sich insonderheit und wird verspürt in der wunderbarlichen Mutation und Verenderung der Könygrichen Republicen und gemeinen Nutzen; dessen da ein Byspyl und Exempel syn können die mächtige, gewaltige Republicen der Troianern, Atheniensern, Macedoniern, Lacedaemoniern, Römern, und anderer, welche da uss geringem Anfang erwachsen, zuogenommen, zuo höchster Glory und Ansehen gelangt, und endtlichen wiederumb abgenommen und also zuo nüthen gangen, dass kum mehr der Namen selbiger überig verblyben. Allso hat auch by kurzverschiner Zit das Königrich Lusitania oder Portugal hefftig zuogenommen, und mit höchster Verwunderung menigklichens zuo gröstem Ansehen erwachsen und nochmahlen bald widerumb in Abgang kommen.1) Ja unser Republic hochloblicher Eidtgenossenschaft was schlechten anfangs hatt sye nit genommen? wie ist sye nit durch schweys und bluot unserer tapferen Voreltern zuo höchstem Ansehen, ruohm

1) Im Jahre 1581 verlor Portugal seine Selbständigkeit an Spa durch die Waffen Philipps II. Die spanische Herrschaft dauerte bis

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