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Um religiöse Streitigkeiten zu vermeiden, erkannten der Generalvikar, das Domstift, der Landeshauptmann und die late aller sieben Zehnden, dass die Neugläubigen zum alten Glauben sich bekehren und den Vorschriften der katholischen Kirche nachzuleben hätten; Uebertreter sollten von den geistlichen und weltlichen Behörden an Leib und Gut bestraft werden. Wollte aber einer durchaus seinen religiösen Ansichten nicht entsagen, so musste er innert zehn Tagen fortziehen, wenn er fremd war; war er ein Landeskind, so wurde ihm eine Frist von zwei Monaten zugestanden. Jedes Vergehen gegen die Verordnungen von Visp im Jahre 1592, sowie gegen den Abschied vom vorigen Sommer in Sitten (20. August 1603) zog sich schwere Ahndung zu; alle andern Abschiede über Religiosachen wurden widerrufen. Fortan durfte kein Protestant in den Landrat oder in eine Gesandtschaft gewählt werden. Der Bisch! bezw. sein Statthalter wurden angewiesen, keinen Andersgliobigen zum Notar anzunehmen oder zu bestätigen, vielmehr allen nichtkatholischen Beamten und geschwornen Schreibern Ant und Feder zu nehmen. Kinder gebot man ferner dürfen bei sechsig Pfund Busse nicht in protestantische Schulen gegeben werden; ist es geschehen, so soll man sie heimberufen und in katholische Anstalten verbringen. In eine gleiche Summe ver fällt derjenige, der an verbotenen Tagen Fleisch isst. Kam er nicht zahlen, so sühnt er mit einem Ohre oder kommt ats Halseisen.1)

Soweit decken sich diese Verfügungen im wesentliches mit den Artikeln der Gomser, ja sogar jene alte Bestimmung wurde herübergenommen, dass der ganze Zehnden vor Gericht zu erscheinen habe, wenn ein Katholik von einem Neugläubigen wegen Glaubenssachen belangt würde.) Hin und wieder ist ein Punkt schärfer ausgedrückt oder eine allzu schroffe Forderna! etwas gemildert.

1) Absch V, 1, Nr. 526 (S. 686-688).

2) a. a. O.

Doch der Landrat ging noch weiter. Er verbot allen Bücherkrämern bei Strafe der Konfiskation, ketzerische Bücher in die Landschaft zu bringen; taten sie es trotzdem, so wurden sie, ausser dem Verlust ihrer Waare, noch drei Stunden ans Halseisen geschlossen. Die Kirchendiener und Richter mussten die Bücher untersuchen. Dem bischöflichen Statthalter, dem Abt von St. Maurice und den übrigen geistlichen und weltlichen Räten wurde der Auftrag, namens ihrer Gemeinden die Priester zur Besserung ihres verwerflichen Lebens anzuhalten. Alt-Landeshauptmann Gilg Jossen und der Landschreiber Jakob Guntren, die beim Volk als verdächtig galten, wurden bis auf weiteres aller ihrer Aemter enthoben; weder im Landrate noch in sonstigen Ratsversammlungen durften sie inskünftig sitzen und niemals zu einer Gesandtschaft verwendet werden. An die ihretwegen gehabten Kosten wurde Jossen eine Zahlung von zweihundert,1) Guntren eine solche von hundert Silberkronen auferlegt.2) Die übrigen Protestanten mussten fünfzehnhundert und der reiche Kaufmann und Bürger der Stadt Sitten, Hans Kommunis, zweihundert Kronen entrichten. Diese Gelder wurden in bestimmten Teilen dem Bischof, dem Domstift und den sieben. Zehnden zugewiesen.")

Um zur Durchführung all dieser Satzungen befähigt zu sein, verlangten die obern Zehnden, dass die Stadt Sitten gehalten werde, auf die erste Mahnung das ihnen gehörende Geschütz herausgeben. Zuletzt verstanden sich die Räte noch zu dem Versprechen, den Kapuzinern in allen Zehnden Zutritt zu erwirken und nahmen die Ermahnung des bischöflichen Statthalters, den neuen Kalender einzuführen, in den Abschied.')

Beschlüsse von höchster Tragweite! Gelang es, ihnen Achtung zu verschaffen, so war die protestantische Bewegung

1) Gilg Jossen wurde auf sein flehentliches Anhalten vom Laudrate im Juni 1604 wieder zu Gnaden aufgenommen. Vergl. Furrer I, 315. 2) An Guntrens Stelle wurde alt-Landvogt zu St. Maurice, Sebastian Zuber, zum einstweiligen Landschreiber erwählt. Absch. V, 1, Nr. 426 a (S. 686).

3) Absch. V, 1, Nr. 526.

4) a. a. O.

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im Wallis überwunden. Und merkwürdig! Fast all das war Postulate, welche die katholischen Orte vormals gestellt hatte, ja sie mochten nicht einmal in dieser scharfen Fassung ve gebracht sein. Gleichwohl hatten sie niemals Anklang gefunden; erst vor Jahresfrist war ihr Begehren in unfreundlich herben Ausdrücken abgelehnt worden, und noch kürzlich hatte der Landrat auf das Drängen der Orte eine unmutige Antwort. Ein halbes Jahr später und dieselbe Behörde war ihren Wünschen in weitgehendster Weise entgegengekommen!

Deutlich und in bestimmten Umrissen tritt uns der Anteil der Gomser an diesen Vorgängen entgegen. Dies Volk, eingedenk seiner alten Sinnesweise, die ihm den Namen des katholischen") eingetragen hat, eröffnet dem religiösen Feinde seine unversöhnliche Abneigung in einer Reihe von Sätzen, deren Aehnlichkeit mit den hier aufgestellten keinen Zweifel zulässt. Und als der Gegner, den die öfters eingeschärften, aber stets unwirksamen Sentenzen keck gemacht, den Willen des katholischen Volkes vornehm beiseite setzt, wirft sich Goms in sein Streitgewand, und sein mazzeähnlicher Aufbruch erwirkt seinen Forderungen gemeine Gültigkeit.

Nicht zu unterschätzen ist dabei das Verdienst der VII Orte. Sie waren es, die zuerst und eindringlich der Wiederher stellung der Glaubenseinheit das Wort redeten. Ihr entschlo senes, kräftiges Eingreifen hatte im Sommer zuvor das kathelische Bewusstsein im Volke geweckt und ihnen sein volles Vertrauen erworben. Ohne die Gewissheit, an den katholischen Orten einen starken Rückhalt zu besitzen, hätte Goms kaun den Mut gehabt, so gebietend, und nicht die Kraft, so nachdrucksvoll aufzutreten.

Das dritte Moment, das wesentlich zum Gelingen des Tages von Visp beitrug, war die aktive Teilnahme des Abte Adrian in St. Maurice an den Vorgängen dieser Zeit. Scho früher haben wir ihn getroffen, wie er sich direkt ans Vok

1) Ch. L. de Bons, Armoiries et Sceaux du Canton du Valls. Mitteil. d. antiquar. Gesellsch. Zürich. XIII. Heft 1. S 81.

wandte, um dem gefährlichen Anwachsen der Protestanten Einhalt zu gebieten.1) Als sein Oheim, der Bischof Hildebrand, mehr und mehr einer hilflosen körperlichen Schwäche entgegenging, konnte Adrian bei seiner Vertrautheit mit den Geschäften für die Stelle eines Statthalters nicht übersehen werden. SeineWahl zum Generalvikar war denn auch Ende Januar oder Anfangs Februar erfolgt.2) Als solcher hatte er den Landrat nach Visp berufen. Der Bewegung in Goms scheint er nicht fremd gewesen zu sein, wenigstens treffen wir ihn am 17. März inmitten des aufgeregten Volkes.3) Welcher Art aber seine Tätigkeit war, ist uns nicht bekannt; wahrscheinlich galt sie der Beruhigung der Menge.

1) Siehe oben S. 77.

2) Relation Burnis a. a. O.

3) Mitteilung Uris an Luzern. 22. März 1604.- L, W.-A. III.

III. Abschnitt.

Das spanische Bündnis.

1604.

Alarmierende Gerüchte über das Widerstreben der Protestant

gegen die in Visp gefassten Beschlüsse.

Bildung bewaffneter Scharer in den obersten Zehnden, um diesen Widerstand zu brechen. Die IV Städte verwenden sich bei den katholischen Orten für die bedrohtes Glaubensgenossen im Wallis. Die Protestanten erklären ihre Ar erkennung der Visper Beschlüsse. Unruhe in den VII Orten ob des fortwährenden Rüstungen Berns; ihre entschiedene Sprache gegen Bern auf der Tagsatzung zu Baden (Mai 1604). Ernente Beschwerda über den Walliser Klerus gelangen an die VII Orte. - Die Orte sinnes auf Mittel zur Abhilfe. Nochmalige Werbung des Grafen Fuentes un ein Bündnis mit den Wallisern. - Sein Erfolg in den obern Zehnden.Berns energische Stellungnahme dagegen. - Lamberger verficht in Wallis das spanische Interesse. Caumartin, der Vertreter der fran zösischen Gesandtschaft, vermag die Absichten Spaniens nicht zu vereitel. Die vier obern Zehnden erklären sich für das Bündnis (August 1604) Heftiger Unwille darüber in den untern Zehnden; Erlach bietet der selben seine Unterstützung an. - Vergleichung von Aigle (September 1604). Doppelzüngiges Verhalten Berns bei diesem Geschäfte.Zerfall der spanischen Partei im Wallis. - Lamberger wird wegen seiner Spanien geleisteten Dienste vom französischen Botschafter verfolgt; sen

Verhängnisvolle Wirkung der spanischen Bündniswerbung die religiösen Verhältnisse im Wallis.- Tod Hildebrands (Dezember 1604)

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Es war vorauszusehen, dass die Vollstreckung der Visper Beschlüsse bei den Evangelischen auf zähe Gegnerschaft stosse werde. In ihrer Erbitterung mochten Einzelne sich in diesem Sinne vernehmen lassen. Ihre Aeusserungen drangen -es scheint - zu den Ohren der noch immer nicht beruhigten Gomser und sofort griffen diese von neuem zu den Waffen. In den ersten Tagen des April zogen die Leute von Grengiols

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