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einer historischen Entwickelung

des wahren

Ursprungs des Wechselrechts

ein Beytrag

zur Geschichte des Handels des Mittelalters.

Nebst einer Sammlung

alter und neuer bisher in Teutschland wenig bekannter
insonderheit italienischer, spanischer, portugisischer und
englischer Wechselgefeße, und einiger anderen Urkunden
mit nöthigen Uebersehungen.

Von

Georg Friedrich von Martens.

Gattingen,

bey Johann Christian Dieterich.

J X 6 2 89 B5M37 1966

Nachdruck

Verlag Sauer und Auvermann Frankfurt/M.

1966

Druck J. G. Bläschke Darmstadt

Vorerinnerung.

D

ie Geschichte des Wechselrechts ist so innig in die Ge. schichte des Handels und Münzwesens des Mittelal= ters verwebt, Þaß sie schon in dieser Rücksicht einer ausführ. lichen Entwickelung wohl würdig ist; fast alle diejenigen die vom Wechselrecht überhaupt gehandelt haben, sind mehr oder weniger in die Lintersuchung des Ursprungs des Wech. felrechts hineingegangen, ohne daß gleichwohl einer unter ihnen der Sache völlig auf den Grund gekommen wäre, ob. gleich Hr. Prof. Büsch in seiner Abhandlung über den Ursprung des Wechselrechts a), seine Vorgänger weit hinter sich gelassen hat, und ich es gern und mit Dankbarkeit bekenne, daß ich manche in dieser schäßbaren Schrift oft nur hinge. worfene Gedanken benußt habe, um weitere Nachforschun. gen anzustellen, die mich aber zum Theil auf andere Resule tate geführet haben. Die Verschiedenheit und Unbestimme. heit in den Meinungen vitler Gelehrten über den Ursprung des Wechselrechts rühret wohl allerdings zum Theil daher, daß man nicht richtig genug die Frage festgefeht hat, auf die es eigentlich bey der Untersuchung ankommt.

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a) Büsch und Ebelings Handlungsbibliothek 1. B. 3. St. S. 377.

Einige hingen sich mehr an das Wort als an die Sache, und wo fie cambium und campfor fanden, da nah, men sie unsre Wechsel und Wechselred,t_an.

Andre vermischten Wechselrecht und Wechselgescåfft, und glaubten schon Spuren des Wechselrechts bey den Rdmern zu finden, weil diese, wie alle Völker die einigen Han. del trieben, schon mit den Affignationen bekannt waren und Cicero als er feinen Schn nach Athen schicken wollte sich erkundigte, ob er das Geld baar mitnehmen müsse, oder ob es durch Verwechselung übermacht werden könne.

Andre haben in den litterarum obligationibus der Römer unser Wechselrecht gesucht, ohne zu bedenken, daß weder der alte noch der neue contractus chirographarius der Römer die schnelle Execution mit sich führte, welche gleichwohl einen wesentlichen Punct des Wechselrechts ausmacht.

Andre, und deren find bis auf die neueren Zeiten viele gewesen b), haben die Juden ben ihrer Vertreibung aus Frankreich für Erfinder der Wechsel angegeben ohne einmahl zu bestimmen, ob dies bəy der isten. 2ten oder zten Vertreibung derselben mithin im 7ten, 12ten oder 14ten Jahrhundert erfolget sen, und ohne, wie Herr Prof Busch sehr richtig bemerkt hat, zu bedenken, daß doch diese armen bedrängten Leute es wohl am wenigsten in ihrer Geralt ge habt haben, für ihre Forderungen mit denen sie oft kaum öffentlich auftreten durften, eine schnellere Execution zu be mürken, als die bey andren Forderungen der Art damahls gewöhnlich war.

Andre

b) Selbst ARNOULD in seinem Werk de la balance du commerce de la France Paris 1791 hångt T.1. p. 11 noch an diese irrige Idee, auch der sonst so gründliche CAPMANY in orin dobre d commercio de Barcelona kann sich von diesem Vorurtheil nicht los, winden.

Andre haben die lombarden oder Florentiner c) für Erfinder der Wechsel gehalten, aber ohne diese unbestimmte Idee näher zu entwickeln, und ohne Wechsel und Wechsel= recht gehörig zu unterscheiden.

Einige der neueren haben einen andren Weg gewählt, und mehr auf die Analogie des Rechts, oder auf die in der Natur der Sache beruhenden Gründe für die Strenge des Wechselrechts Rücksicht genommen.

Herr Leisewik d) glaubt, daß der Ursprung des Wechselrechts nicht sowohl in der Geschichte des Handels als in der Geschichte des Rechts aufzusuchen sen, und hat in Beziehung auf die mancherley im Mittelalter in Teutschland und Italien üblichen Executiv- und andren accessori schen Clauseln deren manche durch spätere Geseze verworfen sind, die Wechselclausel für einen übriggebliebenen Zweig eines ausgestorbenen großen Geschlechts erklåret. Diese finnreiche Auflösung aber scheint mir nicht genügend, denn fie erkläret nicht, wann und warum dem einzigen Wort Wechsel auch nur die Kraft der gemeinen sonst ausführlich ausgedrückten Executivclausel bergelegt seyn sollte. Auch kann ich mich überhaupt davon nicht überzeugen, daß der Ursprung dieses wichtigen Handelsinstituts mehr in der Rechts als in der Handelsgeschichte aufzusuchen sen. Ich glaube vielmehr die Geschichte des Handels, und insonder.

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c) VILLANI in seiner Storia univerfale hat einmah! im vorbeygebn gefagt, die Florentiner håtten die Wechsel erfunden; dies wiederholt mit Beziehung auf ihn Ruris in seiner hiftoire de Lyon. Aus diesem hat es Dupuy nachaefagt, aus diesem HEINECCIUS und MANNI, leßterer in seiner Abhandlung de Florentinorum inventis; auf beide bezieht sich wiederum Salvetti in feinen antiq. Florentinis. So giebt ein Saß eines einzigen Schriftstellers Stoff zu vielen Allegationen, wenn er durch viele Schriften nachgebe, tet wird, ohne daß man dadurch der Wahrheit um einen Schritt nåher gekommen wäre, gesezt auch daß VILLAN! Recht hatte.

Abhandlung über den Ursprung des Wechselrechts in v. Sel chow Jurist. Bibliothek Ch. V. S. 730.

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