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Quercus (coccifera) calliprinos Webb. bewachsenen Kalkberge, und wird nur dann mit Vortheil gejagt, wenn es in die höhern Regionen der schüttern Bestände von Pinus halepensis Mill. auf Beute ausgeht. Diese Thiere erreichen die Grösse und Länge eines Tigers, sie sind schön gefleckt, aber gefährlich zu jagen; junge Thiere gerathen manchmal in Gefangenschaft und werden den Vorständen der Provinz zu Geschenken gemacht. Der Schakal ist in dieser Gegend ausserordentlich häufig; er begleitet die Reisenden während der Nacht mit seinem widerwärtigen Geschrei, welches aus allen Winkeln der Thäler und Schluchten vernommen werden kann. In den Weingärten werden zur Lesezeit oft Dachse erlegt; die Eichenhaine und mit Gesträuch durchzogenen Thäler bewohnt das syrische Eichhörnchen und ein dem ägyptischen ähnlicher, langohriger Hase. Bemerkbar ist die Armuth an kleinern Thieren; ja selbst von essbaren Vögeln kommt nur das Steinhuhn vor, dem Falken und Adler häufig nachstellen. Die in der Höhe von 4500 Fuss anfangende dunkelbewaldete Bergregion, so wie das über derselben sich erhebende Alpenland wird hauptsächlich von den kleinasiatischen Steinböcken, Aegoceros Aegagrus Wag. (türkisch Gejik), bewohnt. Diese Thiere trifft man während des ganzen Sommers zu 5—8 in Gesellschaft, und die jüngern 3-5jährigen, weniger scheu, ziehen sich nicht selten durch die Ceder- und Tannenwälder bis in die Nähe der Landschaft von Güllek herab. Die ausgewachsenen Männchen, so wie die Mutter mit diesjährigen Jungen sucht man in dem Waldgebirge vergeblich. Der mächtige, von so vielen Wänden durchschnittene und theilweise unzugängliche Hochalpenstock giebt ihnen einen gesicherten Aufenthalt während des Sommers. Jäger, denen es darum zu thun war, ein altes 10 jähriges Thier zu erbeuten, haben nach einer Mühe von 5. Tagen ihren Zweck nicht erreicht, und obwohl sie sechs alte Männchen vereinzelt angetroffen haben, so konnten sie sich ihnen auf keinen Fall bis auf Schussweite nähern. Die Steinböcke sind ungemein scheue, flüchtige Thiere, und geschieht es auch nicht selten, dass man sie durch Umgehen auf Schussweite bekommt, so gehören doch dazu immer rüstigere Alpenjäger, um eine ergiebige Jagd zu unternehmen. Wenn im Spätherbst die Spitzen tief vom Schnee bedeckt werden, so zieht das ganze Wild in die Cederwälder und nährt sich da von den jüngern Zweigen derselben, sowie auch vom dürren Eichenlaub und den häufigen Eicheln. In dieser Jahreszeit sucht der, den ganzen Sommer hindurch einsam lebende Bock eine Gefährtin, und ist am wenigsten scheu. Die Weibchen bleiben 5 bis 6 Monate trächtig und werfen dann 1 oder 2 Junge. Die Jäger pflegen nach der Ueppigkeit des Wuchses der Hörner zu erkennen, ob ein erlegter Steinbock als einzelner oder als Zwilling geworfen worden ist. Das junge Thier, kaum geboren, braucht nur 2 bis 3 Tage, um so stark zu werden, dass es der Mutter über die steilsten Wände nachklettern kann. Die Geburtszeit fällt in den April und Mai, also wenn noch keine Schaafheerden und Hirten, wegen der in den Cedernwäldern noch aufgethürmten Schneemassen, das eigentliche Alpenland betreten können. Die zeitig im Frühjahr geborenen Thiere sollen sich besonders durch ihr Gedeihen auszeichnen. Will man junge Steinböcke einfangen, so müssen die Voranstalten dazu schon im März getroffen werden. Eine Anzahl junger, zum erstenmal trächtiger Ziegen sind anzuschaffen, besonders gut zu pflegen und wo möglich solche auszuwählen, deren Wurfzeit in dieselbe Periode mit jener der Steinböcke fällt. Den Bergbewohnern sind die warmen, hohen Alpenthäler und Lehnen, in deren Bereich Steinböcke vorzüglich gerne werfen, bekannt. Sobald es also möglich ist, gehen sie um Ende April in jene Höhen, beobachten die trächtigen Thiere durch 10 bis 14 Tage und merken besonders an jenen Orten auf, wo die trächtigen Thiere sich meist aufzuhalten pflegen. Entdecken sie, dass ein Thier sein Junges geworfen habe, so nähern sie sich am zweiten oder dritten Tage der Stelle und können ganz unversehrt das Junge erhaschen. Durch eine der jungen, zum erstenmal trächtig gewesenen Ziegen wird dem jungen, nach dem Thale gebrachten Steinbock seine Mutter ersetzt. Die Euter werden, damit sie nicht zu viel Milch geben, in zwei von Leder gemachte Säckchen, die dem Euter des Steinbocks ganz ähnlich sind, so eingebunden, dass das junge Thier nur einen Theil der Ziegenmilch geniesst, während der andere Theil zwischen dem Säckchen aus dem wirklichen Euter weicht.

Im Hause des Chefs von Bulghar Dagh, Hassan Aga Kaleh Agassi, sind mehrere Steinböcke vor Jahren auf diese Art mit eingebundenem Euter erzogen worden, wobei sich die Officiere der in den Engpässen stationirten Armeeabtheilung des Ibrahim Pascha ein Vergnügen daraus machten, lebend solche Thiere zu besitzen. Noch vor wenigen Jahren befand sich bei Hassan Aga ein ausgewachsener Bock in seinem Garten, der aber boshaft wurde, einst seinen heranwachsenden hoffnungsvollen Sohn zu Boden stürzte und ihn bald erschlagen hätte, wenn nicht zufällig ein Diener mit einem starken Stocke und erhobenen Geschrei das Thier von seinem Vorhaben abgehalten hätte. Die Jagd auf Steinböcke kann man dann als ein Vergnügen ansehen, wenn man sie neben dem Botanisiren betreibt, sonst aber ist sie zeitraubend und mühsam; denn um Steinböcke zu finden, muss man es sich nicht verdriessen lassen, die Alpen tagelang vergeblich zu durchstreifen. Die mit den Berggegenden ganz vorzüglich vertrauten Jäger kennen gewisse Plätze, an denen sich fast immer einige aufzuhalten pflegen. Sie nennen sie Dusla (Sulzen), die aus einem grauen Erdreich bestehen, welches stark salzhaltig ist. Bei der Excursion nach den Cydnusquellen, die vom 18. bis zum 24. September dauerte, und während der sich mir fünf Jäger aus freien Stücken anschlossen, sind sieben Steinböcke erlegt worden, und zwar am zweiten Tage beim Eintritt ins Alpenland drei Stück, worunter ein fünfjähriges üppig gewachsenes Männchen. Bei dieser Gelegenheit ist viel über Steinböcke gesprochen und mancherlei Nachricht über Lebensart, Aufenthalt und Verbreitung eingezogen worden. Die Jagd auf diese Thiere wird von den Bewohnern der Alpendörfer nach eingeführter Ernte und für den Winter bestelltem Haushalte fleissig betrieben. Der Gewinn ist kein bedeutender. Die Hörner werden dort bloss zu Pulverbüchsen verarbeitet, die Haut, als Teppich für das Gebet verwendet, erhält sich aber immer, wenn sie von einem im Winter erlegten Thiere herstammt, in einem Preise von 5 bis 8 A. C.-M., da sie stark in der Ebene gesucht wird. Das Fleisch verzehren die Jäger noch gewöhnlich während der Jagd. Es ist also nur der besondere Hang, sich solchen Mühseligkeiten auszusetzen, um den Ruf zu besitzen, eine bedeutende Anzahl Steinböcke erlegt zu haben. Es giebt in Anascha einen Jäger, der 135 Steinböcke erlegt haben soll; von einem zweiten wurde mehr als die doppelte Summe angegeben, dieser lebte aber nur der Jagd. Mit Hunden die Thiere zu verfolgen, kann nur dann einen Vortheil bieten, wenn die Steinböcke entfernter von den Felsen angegriffen werden, Vor drei Jahren hat sich ein Steinbock zu der Ziegenheerde Hassan Aga's verirrt; die Hunde umringten ihn; er flüchtete auf einen Felsen und wurde bis zum Morgen von denselben umlagert, wo der Hirte das 15jährige Thier von seltner Grösse erlegte. Auch erzählt man, dass junge Steinböcke sich unter Schafheerden mengten und so, den Hirten plötzlich angefallen, lebend gefangen worden sind. Die Grösse der alten 10- bis 15jährigen Thiere ist der Fleischmasse nach mit jenem eines Hirsches zu vergleichen und hat dann die Länge von mehr als 6 Fuss. Das Fleisch ist vom 3 - bis 6jährigen Thiere weich, und in Würfelstücken am Ladstock über Kohlen geröstet, ein zu dem eiskalten Wasser trefflich schmeckendes Gericht.

Ausser dem Aasgeier, Vultur fulvus, dem eben so grossen Bartgeier und der höchst selten vorkommenden Genetta sarmatica Suele lebt in zahlreicher Gesellschaft mit den Steinböcken auf dem Taurus der ausgezeichnete Tetraogallus Caucasicus (Ur Keklik), ein blumenund kräutergeniessender Vogel von der Grösse eines Auerhahnes, im höchsten Alpenlande. Obwohl er häufig vorkommt, ist es doch sehr schwer, sich den von ihm bewohnten Felsenwänden zu nahen. Sein Gesang ist ein helles, die Ohren angenehm berührendes Rufen; seine

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Färbung meist schwarz und isabellgelb. In der Region der felsigen Baumgrenze sind nach eingezogenen Nachrichten wilde Schafe (Muffelon's) erlegt worden, doch erscheinen sie nur spärlich. Die Alpendohlen gehören zu den häufigsten Vögeln der höher gelegenen Thäler, ebenso auch Schneefinken.

Der Bär, Ursus syriacus Ehrb. (Aaje), gehört zu den seltnern Erscheinungen; dennoch beunruhigt er vielfach die Heerden und da er sich in unzugänglichen Felsenschluchten zu verkriechen pflegt, so ist es sehr schwer, seinem Verstecke beizukommen. Er liebt es, die Weingärten, Bienenstöcke und Schafheerden zu plündern, woran ihn die trefflichen Hunde nur zu oft hindern. Ein den Schafheerden nicht minder gefährliches Thier, die oberste felsige Waldregion bewohnend, ist der schwarzohrige Luchs (Gurg), dessen Felle, als das kostbarste Pelzwerk, sehr hoch bezahlt werden.

Es sollte scheinen, dass so weite, dicht bewaldete Berglehnen von Ceder- und Silbertannen auch eine bedeutende Anzahl Vögel besitzen; doch so wie ausser dem syrischen Eichkätzchen nur selten andere kleine Thiere angetroffen werden, sind auch ausser dem Steinhuhn, drei Spechtarten, zwei Drossel- und zwei Meisenarten selten andere kleine Vögel zu sehen. Diese Armuth, sowohl an Individuen als an Arten, ist wohl durch den Wassermangel während der heissen Monate zu erklären.

VI.

Geschichtliche und geographische Notizen über

Californien.

Erster Artikel.

(Hierzu eine Karte Taf. III.)

Californien bildet den ersten Kern zu einem angelsächsischen Reiche am grossen Weltmeere, und offenbar ist diesem Lande eine grosse Zukunft beschieden. Seit dreihundert Jahren kennt man seine Gestade, vor etwa neunzig Jahren erhielt es die ersten weissen Ansiedler, aber erst vor kaum einem Jahrzehnt ist es für den Weltverkehr erschlossen worden.

Wir dürfen die Staatenbildung, das Wachsthum und die Entwickelung der Gemeinwesen in Nordamerika nicht nach europäischem Massstabe beurtheilen, weil auf der anderen Seite des Weltmeeres sich Alles in neuer und eigenartiger Weise ansetzt und entfaltet. Der Boden, auf welchem die Menschen sich bewegen und ihre Evolutionen machen, ist ein ganz anderer, als in unserem alten Erdtheile, und bedingt eine verschiedene Anwendung der Kräfte; in Amerika lebt sich ein jedes Individuum von vorne herein ganz anders aus. Die Vereinigten Staaten sind erst vor etwa drei Menschenaltern selbstständig geworden, ihr Staatenbund ist noch weit jünger; und doch haben sie in dieser kurzen Spanne Zeit, man möchte sagen, ein Jahrtausend durchgemacht. So rasch und im Sturm und doch so sicher und zuversichtlich auf sich selbst hat kein Volk gelebt, und dieses ist noch dazu ein Volk, das neu aus aller Welt Enden zusammengewehet wurde. Die Amalgamirung verschiedener Elemente ist wunderbar schnell vor sich gegangen; und während in England Normannen und Sachsen Jahrhunderte lang wie Schichten neben und auf einander lagerten, die Waliser noch heute keltisch geblieben sind, und während in Frankreich bis jetzt der Baske wie der Bretagner, der Flaming wie der Elsasser seine alte Nationalität bewahrt hat, verschwinden die Millionen Einwanderer in den Vereinigten Staaten, wenn nicht in der zweiten, doch schon in der dritten Generation in dem, was wir der Kürze halber als Yankeethum bezeichnen wollen. Ihre Volksthümlichkeit geht im englischen Amerikanerthum auf, und lässt die Sprache des alten Mutterlandes fallen. Was ist denn noch Französisches übrig geblieben im alten Louisiana, überhaupt am Mississippi, und was von den Spaniern in Florida? Nur in Pennsylvanien haben die deutschen Bauern sich zäh gehalten, aber nur indem sie sich absperrten und lediglich auf den Ackerbau beschränkten. Aber auch für sie kommt die Zeit, in welcher ihr ohnehin schon vielfach verkümmertes Deutschthum verschwindet. Es treibt bei ihnen keine frischen Wurzeln mehr; die geistige Befruchtung fehlt.

Das „Immer Vorwärts“, das go ahead, lässt keine Ruhe zu; Alles geht mit Windeseile; unser Begriff von Behagen, Beschaulichkeit und Umsicht fehlt dem Amerikaner. Er greift immer in die Zukunft hinaus und hinüber, er kann und mag nicht langsam zuwarten und will Schwierigkeiten und Probleme unverzüglich lösen. Gefahren vermeidet er nicht, sondern er stürmt ihnen entgegen, um sie zu beseitigen; er packt den Stier bei den Hörnern und sieht zu, wie weit er damit kommt. Bis jetzt hat er stets ein beispielloses Glück gehabt und blickt mit Befriedigung auf Alles, was er ruckweise, meist unter heftigen Geburtswehen, aber allemal rasch erreichte. Binnen sechszig Jahren haben die Vereinigten Staaten eine Kauffahrteiflotte auf Meere, Seen und Ströme gebracht, deren Tonnengehalt jene Grossbritanniens nun schon überflügelt; sie sind eine Handelsmacht ersten Ranges, ein grosses Agriculturland, das jährlich mehr als 3 Millionen Ballen Wolle

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