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geführt werden könne. Er brach mit 33 Begleitern und mehr als 100 Maulthieren von Puebla am oberen Arkansas auf, wurde durch seine Führer irre geleitet und gerieth in der Sierra de San Juan in eine entsetzliche Lage. Ein Drittel seiner Begleiter kam um; er selbst erreichte mit äusserster Noth Santa Fé, wohin er nichts als das nackte Leben rettete. Ohne alle Zweifel gehört Oberst Fremont zu den ausgezeichnetsten Reisenden aller Zeiten ').

Im Frühlinge des Jahres 1846 befand sich Fremont mit etwa 60 Begleitern in der Nähe von Monterey. Der Befehlshaber dieser Stadt, Juan de Castro, verbot ihm ein weiteres Vordringen und gab den Fremden die Weisung, das Land zu verlassen. Des Ingenieurs Bemühungen, jenen Creolen von der Harmlosigkeit seiner Zwecke zu überzeugen, waren dem äusseren Anschein zufolge nicht vergeblich; der amerikanische Consul Larkin ermittelte jedoch, dass der Commandant seinem Landsmanne eine Falle legen wollte und einen Verrath beabsichtigte. Nun pflanzte Fremont die nordamerikanische Flagge auf und erklärte, dass er sich bis auf den letzten Mann vertheidigen werde. Dieser Entschluss bewies den Mexicanern, dass sie einen muthigen und streitbaren Gegner vor sich hatten; er konnte unbelästigt abziehen, sie stachelten aber die Indianer gegen die Reisenden auf und liessen ihnen den Weg verlegen, während sie zugleich umfassende Vorkehrungen trafen, sämmtliche fremde Ansiedler mit einem Schlage aus Californien zu vertreiben. Die Verhältnisse waren der Art, dass nur eine kühne That den Plan der Mexicaner vereiteln und Rettung bringen konnte. Fremont, dessen gesammte Mannschaft sich auf 62 Köpfe belief, erklärte auf eigene Hand den Krieg. Am 15. Juni wurde der Militärposten Sonoma von Nordamerikanern überrumpelt, welche dort 9 Stück Geschütz und 250 Musketen erbeuteten. Sie hatten die Flagge mit dem Zeichen des Bären aufgehisst und ein Neu- Engländer, Wilhelm Ide, übernahm den Befehl in der „Festung“. Eine Proclamation, welche er am 18. Juli erliess, ist sehr bezeichnend. Er verspricht zunächst allen Californiern Sicherheit für Leben und Eigenthum. Die Absicht des OberBefehlshabers ist, sich und seine Waffengefährten zu vertheidigen. Sie sind in dies Land gekommen, nachdem man ihnen Ländereien versprochen hatte, und darauf hin wollten sie sich mit ihren Familien an

') Notes of Travel in California; comprising the Prominent Geographical, Agricultural, Geological and Mineralogical Features of the Country. Also the Route from Fort Learenworth in Missouri to San Diego in California, including Parts of the Arkansas, del Norte and Gila Rivers. From the Official Reports of Col. Fremont and Major Emory. New York 1849. Das Buch enthält Fremonts Geographical Vemoir upon Upper California, Major Emory's Narrative und Fremonts Reisen von 1842 bis 1844. Der Bericht über die vierte Expedition ist mir noch nicht zu Hländen gekommen.

siedeln. Man hatte ihnen eine republicanische Regierung versprochen. Als sie aber in Californien angekommen waren, verweigerte man ihnen das Recht, von ihren Freunden Land zu kaufen oder zu pachten. Statt ihnen Theilnahme an einer republicanischen Regierung zu gestatten oder ihnen vermittelst einer solchen Schutz angedeihen zu lassen, wurden sie durch Militärdespotismus unterdrückt. Ja die hohen Beamten, welche diese Despotie ausübten, drohten in einer Proclamation, sie auszurotten, wenn sie nicht das Land räumen und ihre Waffen, ihr Lastvieh, überhaupt ihr Eigenthum bier zurücklassen würden. So wären sie vertheidigungslos und eine sichere Beute der Indianer geworden. Es ist nun der unwandelbare Vorsatz der tapfern Männer, welche mich zu ihrem Befehlshaber ernannt haben, eine Regierung zu stürzen, welche das Eigenthum der Missionen nahm, um sich zu bereichern; welche das arbeitende Volk von Californien zu Grunde gerichtet und schändlich bedrückt hat; auch legte sie ungeheure Eingangszölle auf die Waaren, welche in's Land kamen.“ Ide erklärt dann, dass fortan eine wahrhaft republicanische Regierung die Verwaltung des Landes führen werde ').

Inzwischen war Fremont in das Thal des San Sacramento marschirt, um dort Verstärkungen an sich zu ziehen; denn vorzugsweise in jener Gegend hatten die Amerikaner sich niedergelassen. Es gelang ihm, nachdem eine Anzahl von Squatters sich um seine Bärenfahne geschaart batten, das von Castro bedrohte Sonoma zu entsetzen. Sodann wurde Californien für unabhängig erklärt. Das Alles geschah von Seiten der Amerikaner, ohne dass sie Kunde vom Ausbruche des Krieges zwischen Mexico und den Vereinigten Staaten gehabt hätten. Als aber Commodore Sloat im Juli mit einem amerikanischen Geschwader ankam und Monterey besetzte, als gleich nachher Commodore Stockton den Oberbefehl übernahm, begriffen sie, dass ihre Sache gewonnen sei. Die Eroberung Californiens nahm nur wenige Monate in Anspruch, und der Widerstand der Creolen und Mexicaner wurde ohne erhebliche Anstrengungen beseitigt. Im Februar 1848 trat Mexico durch den Friedensvertrag von Guadelupe Hidalgo das Land an die Amerikaner ab. Die Grenzlinie zwischen beiden Staaten bildete fortan der Rio grande bis zum 32° N. Br.; von dort lief sie westwärts der Südgrenze NeuMexico's entlang, bis sie den Gila erreicht, verfolgte denselben bis zur Mündung ir. den Colorado, und berührte eine Legua südlich von San Diego den stillen Ocean. Die Schifffahrt auf dem Colorado von der Mündung des Gila bis zum californischen Meerbusen ist für beide

) The Annals of San Francisco etc. by Frank Soulé, John H. Gihon and James Nisbet. New York 1855. S. 92.

Theile frei, nicht minder jene auf dem Golfe selbst. Die Vereinigten Staaten befanden sich somit im Besitze von Texas, Neu-Mexico, Utah und Ober-Californien, und zahlten für alle diese Länder an Mexico eine Summe von 15 Millionen Dollars.

Californien war nun nordamerikanisch,' und die Einwanderung strömte dem Lande in erhöhetem Masse zu, bevor noch Gold gefunden worden war. Der fruchtbare Boden und die ausgedehnten Weidegründe lockten den Ackerbauer, die sicheren Häfen und die vorzügliche Handelslage zogen den Kaufmann an, und 1848 war die Zahl der Fremden bereits auf 15,000 Köpfe angewachsen. Als dann im Anfange des genannten Jahres das edle Metall entdeckt ward und die Nachhaltigkeit der Schätze keinem Zweifel unterlag, lenkte sich eine neue Völkerwanderung nach dem westlichen Dorado, welches zu Ende des Jahres 1852 schon von mehr als 300,000 Seelen bevölkert war; diese Ziffer ist zu Anfang 1856 auf etwa eine halbe Million gestiegen. Zuerst waren Mexicaner aus Sonora eingeströmt; gleich nach ihnen kamen amerikanische Ansiedler aus Oregon, und Kanackas, Eingeborene der Sandwich-Inseln; Tausende von Anwohnern der Südsee, insbesondere an Bergbau gewöhnte Peruaner und Chilenen, fanden sich gleichfalls ein; Europäer und Abenteurer aus den atlantischen Staaten kamen theils über die Felsengebirge und die Sierra Nevada, oder über Panamá, oder endlich auf dem Wege um das Cap Horn; endlich stellte auch Australien sein Contingent, und zuletzt erschienen Chinesen zu Tausenden. Dazu rechne man die eingeborenen Creolen, die Indianer aus verschiedenen Stämmen, selbst vom Nutka-Sunde her, die Neger, Mulatten und Mestizen, und man wird gestehen, dass ein bunteres Gewirr verschiedener Rassen und Volksthümlichkeiten nicht zu denken ist. Ein ähnliches Schauspiel, wie Californien es auch in ethnologischer Beziehung darbot, hatte die Geschichte nie zuvor gekannt.

Wie sollte sich das Alles zurecht rücken, wie irgend eine Ordnung in dieses Chaos kommen? Eine monarchische Gewalt, welche den Ausschlag hätte geben können, war nicht vorhanden, die Gesellschaft in dem neuen Lande ohne allen inneren Zusammenhang; zehn verschiedene Sprachen schwirrten durcheinander, Alles war atomistisch zerklüftet, das Individuum kümmerte sich lediglich um sich selber und ging seinem Vortheil, seinen Neigungen und Leidenschaften nach. Nicht mit Cnrecht ist Californien mit einem grossen Kessel verglichen worden, in welchem Substanzen aller Art durcheinander brodelten. Es war vollkommen in der Ordnung, dass der Schaum und Schmuz oben auf kam und zumeist sichtbar wurde; es war aber

icht minder erklärlich, dass man sich bemühte, ihn zu entfernen. Es würde in jedem alten europäischen Staate Mühe kosten, hunderttausend Abenteurer aus

allen fünf Erdtheilen in Band und Zaum zu halten, obwohl man über Polizei und bewaffnete Macht verfügt; in Californien war es doppelt schwierig, dem Gesetze Geltung zu verschaffen. Zwei Jahre lang wurde das Land von der Bundesregierung in unbegreiflicher Weise vernachlässigt und sich selber überlassen. Glücklicher Weise überwog bald die Zahl der eigentlichen Amerikaner, welche hierher gekommen waren, um sich dauernd niederzulassen, nicht um Raubbau auf Gold zu treiben, alle übrigen Nationalitäten; auch Handwerker und Kaufleute aus Deutschland und Frankreich hatten sich in Menge eingefunden; endlich wirkte selbst das Gold zur Aufrechterhaltung der Gesetze, denn wer etwas besass, wollte das gleichviel ob leicht oder mühsam erworbene Metall behalten; auch um mehr gewinnen zu können, verlangte er Schutz für seine Person. So ist es erklärlich, dass Richter Lynch aushalf, wenn die Behörden zu schwach oder zu pflichtvergessen waren, um dem Verbrecher Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Man übte prompte Justiz und erreichte seinen Zweck. In San Francisco bildeten sich Ueberwachungs- und Sicherheitsausschüsse, um Räuber, Mörder und Brandstifter zu bestrafen, und die Spieler, überhaupt die Abenteurer aller Art in Schranken zu halten. Das gelang. Als späterhin die politische Corruption um sich frass, die verschiedenen Parteien zu unwürdigen und ungesetzlichen Mitteln griffen, um ihren Anhängern einträgliche Stellen zu verschaffen und um die öffentlichen Gelder zu plündern, als sie sogar das Palladium der Nordamerikaner, die Stimmurne, nicht heilig hielten und die Resultate derselben verfälschten; als in Folge derartigen Betruges die höchsten Aemter und die Richterbänke mit ungeeigneten Männern besetzt waren, erhoben sich in der Mitte 1854 die rechtlichen Leute abermals, bildeten in allen grösseren Städten Vigilanz-Committeen, hingen Mörder an den Galgen, verbannten die gefährlichsten Menschen aus dem Lande, und bildeten ,die bewaffnete Macht der Ordnung“; sie machten eine Revolution im Interesse der Ruhe, des Friedens und der Gesetze". Das Alles ist eigenmächtig, das ganze Verfahren erscheint gewaltthätig; aber es ist ein Erzeugniss der Nothwendigkeit, es geschieht in einem Lande, das noch immer als eine Ausnahme dasteht.

Alles wohl erwogen, muss man sich wundern, dass überhaupt so rasch die Verhältnisse in Californien, dem Schauplatze, auf welchem ein äusserst buntes Menschengewirr sich tummelte, eine im Allgemeinen geregelte Gestalt annahmen. Der Instinkt der Yankee's zeigte sich dabei in sehr vortheilhafter Weise. Sie traten zusammen, um

Vulkan zu stopfen“. Als der Congress in Washington säumig war, gaben sie sich selber eine Verfassung. In San Francisco, Sonoma und Sacramento wählten die Bürger gesetzgebende Versammlungen, denen

sie provisorisch die höchste Gewalt übertrugen; gleich nachher wählte man im Lande 48 Bevollmächtigte, welche im September 1849 zusammentraten, um eine Verfassung zu entwerfen. Unter diesen Delegaten befanden sich auch Creolen, Deutsche und Engländer. Die Versammlung berieth zu Monterey vom 4. September bis zum 13. October die Verfassung unter dem Vorsitze eines baumlangen Kentuckiers, Robert Semple, der das erste Zeitungsblatt in Californien gedruckt hatte; die Sclaverei wurde ausgeschlossen. Am Schlusse der Berathung feuerte man 31 Kanonenschüsse ab; Californien hatte seinen Stern dem sternenbesäeten Banner der grossen Union hinzugefügt. Der Bundescongress genehmigte im September 1850 die Aufnahme nach langen und heftigen Erörterungen, und Californien schickt seitdem Senatoren und Repräsentanten nach Washington.

VII.

Die Provinz Catamarca in der argentinischen

Conföderation.

(Schluss.)

Bodenbeschaffenheit und Cultur. Sollen wir in Bezug auf Cultur- und Vegetationsverhältnisse das Charakteristische der Provinz Catamarca in Kürze hervorheben, so möchten wir sagen, dass sie vorzugsweise ein Land der Obstbaumzucht ist. Sie ist dem Wendekreise nahe genug, um die edlern Früchte des Südens zu zeitigen, und besitzt in ihren höher gelegenen Theilen auch die für die Fruchtbäume Mittel - Europa's geeignete Temperatur: die Pflege des Obstbaums bildet daher eine Hauptbeschäftigung eines grossen Theils der Bevölkerung und eine wichtige Grundlage des Handelsverkehrs und einiger Industriezweige. Ungefähr eben so bedeutend ist die Viehzucht, sowol in den Llanos wie auf den Alpen. Der Ackerbau scheint dagegen in Folge der Trockenheit der Luft keiner allgemeinen Ausdehnung fähig zu sein, obgleich der jungfräuliche Boden an sich meistens sehr fruchtbar ist und, wo er bewässert werden kann, an Mais und Weizen achtzig- bis hundertfältig tragen soll; die Jagd liefert nur in den nördlichen und westlichen Departements einen Ertrag; von der Fischerei kann bei dem Mangel an Flüssen und Seen natürlich gar nicht die

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