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That zeigt Ustjansk am Ufer des Eismeeres eine Juliwärme von go über dem Frostpunkte, während die Temperatur des wärmsten Monats in dem Parry'schen Archipel überall zwischen 11° und 41° fällt, also im Mittel auf 2° angenommen werden kann. So niedrige SommerTemperaturen finden sich nur an der Ostküste von Novaja Zemlya, in Matoshkin Schar und der Karischen Pforte, aber verhältnissmässig auf einem sehr beschränkten Terrain, wenn wir aus den Gesammttemperaturen der entsprechenden Breitenkreise die Gestalt der Isanomalen bestimmen. Das Gebiet der zu niedrigen Juliwärme umfasst nämlich auf der amerikanischen Seite Grönland und die ganze Umgebung der Hudsonsbay, während das Taimyrland schon durch höhere Sommerwärme jenen kalten Raum bei Novaja Zemlya nach Osten hin abgrenzt. Kann man daher den Polarländern Nord-Amerika's im Buffon'schen Sinne ein excessives Klima nicht absprechen, da der Unterschied des kältesten und wärmsten Monats im Mittel dort 30° beträgt, während in Island der wärmste Monat nur 12° über dem kältesten sich erhebt und in Norwegen dieser Unterschied nur wenig grösser ist, so kommt ihnen doch ein continentales Klima keineswegs zu, da sowohl die Winter, als auch die Sommer zu kalt sind.

Dass bei der zerstörenden Kraft, welche Winde, Meeresströmungen, Ebbe und Fluth auf die Eisdecke des Polarmeeres üben, es zu allen Zeiten des Jahres eisfreie Stellen im Polarmeere geben könne, wird man zugestehen dürfen, wenn es auch äusserst unwahrscheinlich ist, dass sie sich stets an derselben Stelle befinden; dass es aber umgekehrt Stellen gebe, welche nur in den seltensten Fällen eisfrei sind, ist von vorn herein nicht unwahrscheinlich, denn das an einer Stelle gebildete Eis wird, von Strömungen ergriffen, nach anderen fortgeführt, und diesem Fortführen können an bestimmten Punkten schwer zu überwindende Hindernisse entgegentreten.

Für die Wärme der über dem Meere ruhenden Luftsäule wird es gleichgültig sein, ob die Eisdecke des Meeres eine an Ort und Stelle gebildete sei, oder aus Schollen bestehe, die sich zusammengeschoben haben. Sowohl für die directe Bildung des Eises, als auch für die Anhäufung zusammengeschobener Eismassen sind aber die günstigsten Bedingungen vorhanden, wo durch viele zusammengedrängte Inseln für diese Bildung eine ausgedehnte Küstenentwickelung gegeben ist und wo ausserdem die trennenden Meeresarme nicht weit genug sind, um den in's Treiben gerathenen Massen einen freien Abzug zu gestatten. Das die Nordküsten Amerika's bespülende Polarmeer hängt nun in der mittleren Breite von 75° vermittelst mehrerer im Allgemeinen von Ost nach West gerichteter Strassen, wovon der Jones - Sund und der Lancaster-Sund die hauptsächlichsten sind, mit der Baffinsbay zusammen. Die Configuration des unter der Länge von 80° W. Gr. beginnenden und, so viel wir bis jetzt wissen, bis 125° fortsetzenden Parry’schen Archipels bietet das Eigenthümliche einer grossen Anzahl durch verhältnissmässig enge Strassen geschiedener Inseln dar, in welche ausserdem das Meer in einer grossen Menge von Meerbusen tief einbuchtet. Wenn nun bei zunehmender Mittagshöhe der Sonne sich das Eis des Polarmeeres in Bewegung setzt, so werden im Durchzug durch diese nach der Baffinsbay führenden Strassen die Eismassen sich stets von Neuem aufstauen. Hierin liegt der Grund, dass das Kältemaximum der atmosphärischen Temperatur im Frühling und Sommer auf diese Gegenden fällt, welche, da sie auch im Winter die niedrigsten in Nord - Asien beobachteten Wärmegrade fast erreichen, einen grossen Theil des Jahres hindurch einen Kältepol darstellen. Ganz anders ist es in Asien. Allerdings erniedrigt die zusammenhängende Masse des Landes die Wintertemperatur hier zu dem niedrigsten Monatsmittel im Januar, welches überhaupt bekannt ist, in Jakutsk nämlich, da aber der Abfluss der Eismassen hier seitlich ungehindert erfolgt, westlich zwischen Spitzbergen und Novaja Zemlya, durch Matoshkin Schar und die karische Pforte, östlich nach der Behringsstrasse hin, so tritt der mit der zunehmenden Mittagshöhe der Sonne über der continentalen Landmasse sich entwickelnden Wärme hier kein solches Hemmniss entgegen, wie in Nord - Amerika. Der im Winter auf den Continent fallende Kältepol weicht daher im Sommer weit von den Küsten zurück und macht Isothermen Platz, welche sich dann in Nord-Amerika in viel niederen Breiten finden.

Die niedrige Temperatur der Baffinsbay erklärt sich daraus, dass sie den Abfluss des amerikanischen Polarmeeres bildet. Dieser Abfluss erfolgt aus dem Lancastersund nach Süden an der Westküste der Baffinsbay durch einen Strom, der sich an der Nordspitze von Labrador mit dem aus der Hudsonsstrasse vereinigt, während an der Küste von Grönland ein Strom von Cap Farewell nach Norden hinaufgeht, worauf Capt. Irminger in einem besonderen Aufsatze ,den arctiske Strömning“ ') aufmerksam gemacht hat, mit dessen Darstellung die in der von Schott entworfenen Current Chart of Baffins Bay from the log book of the Advance and the private Journal of Dr. Kane ?) übereinstimmt. Durch diese Strömungen findet allerdings die Erscheinung eine Erklärung, dass die grönländische Küste eine verhältnissmässig viel höhere Temperatur hat, als die gegenüberliegende des Baffinslandes; wäre aber in den Meeresströmungen allein die Ursache der Temperatur der Küsten zu suchen, so müsste die Ostseite Grönlands eine niedrigere

) Nyt Archiv for Soevaesenet q. y. 1854.

2) The U. S. Grinnell Expedition in Search of Sir John Franklin. London 1854. Zeitschr. f, allg. Erdk, Nene Folge. Bd. I.

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Temperatur haben, als die Westküste desselben, da bei jener Küste die arktische Strömung vorbeigeht, welche besonders im Mai und Juni von Spitzbergen herab Polareis nach Süden führt und, nachdem sie einen Nebenarm bei Cap Farewell in die Baffinsbay abgesendet, in gerader Richtung fortgehend sich bei Neufundland mit der Strömung vereinigt, welche aus der Hudsonsbay herabkommt. Aber man muss bedenken, dass besonders im Winter die Luft über dem atlantischen, durch den Golfstrom erwärmten Ocean eine Temperatur annimmt, deren Höhe den auffallendsten Contrast gegen die eisige Luft der Baffinsbay bildet. Grönland ist die Vermittelung dieser Extreme, wenn man ein mit Schnee und Eis bedecktes Hochland, welches die Scheidewand zwischen solchen Gegensätzen bildet, so nennen kann. Die S. 22 der Tafeln gegebenen Stationen von Grönland liegen sämmtlich an der Westküste, von der Ostküste fehlen alle Bestimmungen, aber die zahlreichen Beobachtungen, welche Scoresby in den „Arctic Regions“ niedergelegt hat, und einige der nach Spitzbergen unternommenen Expeditionen, sowie die 15 jährige Beobachtungsreihe von Reykiavig in Island gestatten, die Gestalt der Isothermen auf der Ostseite Grönlands bis in die Nähe der Küste zu verfolgen, während die Beobachtungen der Missionare in Labrador ihre Fortsetzung in der Baffinsbay von der Westküste Grönlands an bestimmen. Im grossen Ganzen zeigt sich dann auf der dem atlantischen Ocean zugewendeten Seite besonders im Winter eine so viel höhere Temperatur, dass dagegen die Einbiegungen der Isothermen, welche bei dem Betreten der Küste in dem Verlauf dieser Linien möglicher Weise eintreten können, als unbedeutend erscheinen und daher auch bei dem Entwurf der von mir veröffentlichten Isothermkarten unberücksichtigt geblieben sind, da nach meiner Ansicht eine Darstellung so verwickelter Erscheinungen eben nur so weit gehen darf, als die wirklich vorhandenen Beobachtungsdaten gestatten.

Die Temperaturverhältnisse von Grönland und Island bilden daher für sich ein besonderes System, welches sich sowohl von dem sie begrenzenden europäischen, als von dem amerikanischen unterscheidet. In Beziehung auf die Temperaturvertheilung im Jahre zerfallen näralich die nördlichen Gegenden Asiens, Europa's und Amerika's in fünf verschiedene Systeme: 1) in Europa sind die Winter sehr mild und die Sommer ebenfalls

wärmer, als ihrer entsprechenden geographischen Breite zukommt; 2) in Nord - Asien sind die Winter ungewöhnlich kalt, ebenso die

Sommer zu warm; Asien stellt also das eigentlich continentale

Klima dar; 3) an dem schmalen Küstensaume von Nord - Amerika jenseits der

Rocky - Mountains sind die Sommer kühl, während die Winter

mild sind, also ausgesprochenes Seeklima; 4) die nordamerikanischen Polarländer und die ganze Umgebung der

Hudsonsbay bis zum Gebiet der grossen Süsswasserseen haben zu kalte Winter und zu kühle Sommer, während das Innere der Vereinigten Staaten bis zu den Felsgebirgen hin sich mehr dem Charakter des continentalen Klima's nähert, aber nur in einem vom mexicanischen Meerbusen an von S.O. nach N.W. sich erstrekkenden Streifen, der nach Norden zu immer schmäler wird und dessen östliche Grenze ohngefähr durch die bis zum grossen Bä

rensee fortlaufende Kette von Süsswasserseen bezeichnet wird. 5) Grönland und Island, welche mit kühlen Sommern und relativ

milderen Wintern wiederum den Charakter des Seeklima's zeigen, welches sich in Island am entschiedensten ausspricht.

Nimmt man von allen nördlicher als 63° Breite am Meere gelegenen Stationen von Island durch Nord - Amerika hindurch bis zum Kotzebuesunde das Mittel, und es sind 25 solcher Stationen, so findet, sich für den Januar die Temperatur -21.84, für den Februar – 22.27. Dieser verspätete Eintritt der grössten Winterkälte ist fast in allen Beschreibungen der Polarexpeditionen hervorgehoben, da die Hoffnung, die Gewalt der Winterkälte endlich gebrochen zu sehen, sich stets vereitelt zeigte. Der Grund der Erscheinung ist ein doppelter. Da nämlich die Erdoberfläche ununterbrochen Wärme nach dem Himmelsraume ausstrahlt, und nur Wärme empfängt, wenn die Sonne über den Horizont hinaufsteigt, so muss, da am Pol der Erde das ganze Jahr in zwei Hälften zerfällt, in deren einer, wenn die Sonne unter dem Horizont weilt, die Erde nur Wärme abgiebt, ohne welche zu empfangen, die niedrigste Temperatur ohne andere mitwirkende Ursachen an das Ende dieser langen Nacht, d. h. in die Mitte des März fallen. Je höher die geographische Breite eines Ortes ist, desto mehr wird sich daher der Eintritt des Maximums der Winterkälte überhaupt verspäten. Verwandelt sich aber eine bei höherer Wärme flüssige Grundfläche unter dem Einflusse einer andauernden Kälte in eine feste Eisdecke, so wird der die Extreme abgleichende Einfluss der flüssigen Grundfläche verschwinden. Daher zeigen am Meere gelegene Orte unter gleicher Breite diese Verspätung entschiedener, wenn nämlich die Temperatur sich so weit erniedrigt, dass das Wasser zufriert. Natürlich aber wird ein so lange anhaltender Winter stets mehrere Maxima der Kälte zeigen und Belcher ') glaubt für den Parry'schen Archipel den

') The last of the Arctic voyages of H. M. Ship Assistance.

Eintritt dieser Maxima auf den 1. – 10. November, den 20.-25. December und 10. — 15. März setzen zu können.

Der Einfluss einer ihren Agregatzustand ändernden Grundfläche ist bei abgeschlossenen Süsswasserseen noch auffallender, als bei dem Meere. Bei beiden findet das Herabsinken der an der Oberfläche erkalteten und dadurch schwerer gewordenen Wassertropfen, das Hinaufsteigen wärmerer aus der Tiefe an die Stelle jener in gleicher Weise statt. Aber das zu Boden gesunkene Meerwasser fliesst in der Tiefe nach wärmeren Gegenden ab, wie die in den tropischen Meeren beobachtete grosse Wärmeabnahme des Wassers nach der Tiefe zeigt, wie ausserdem die gegen die Strömung des Golfstromes nach Süden schwimmenden Eisberge beweisen, die also unten in eine arktische Strömung eingesenkt sein müssen. Dieses seitliche Abfliessen wird in nach Süden abgeschlossenen Meeresbecken, wie die Hudsonsbay und die Ostsee, unbedeutend, welche eben deswegen besonders im Frühling auf ihre Südküsten abkühlend wirken; es wird in ganz abgeschlossenen Wasserbecken vollkommen verhindert. Da ausserdem Süsswasser bei 3 Grad über dem Frostpunkt am dichtesten ist, so hört schon bei dieser Temperatur das Herabsinken des kälter werdenden Wassers auf, ein Süsswasserspiegel verliert also da schon seinen abgleichenden Einfluss, der bei Meerwasser bis unter Null stattfindet, da es sich bis zum Frostpunkt ununterbrochen zusammenzieht, bei welchem ausserdem die Bildung einer festen Eisdecke durch die Ebbe und Fluth wesentlich gehindert wird. Diesem Umstande habe ich schon früher die vorher unbeachtete Thatsache zugeschrieben, dass in der Nähe der grossen ca. nadischen Seen ebenfalls der Eintritt der grösseren Winterkälte sich verspätet. Man braucht nur S. 42 der Tafeln die Stationen von dem nach allen Seiten von diesen Seen umgebenen Michigan zu betrachten, um sich zu überzeugen, dass hier auf allen Stationen, selbst bei Fort Brady, im 31 jährigen Mittel, der Februar kälter ist, als der Ja

Für den Staat New-York habe ich von 62 Stationen und den Zeitraum von 1833 — 1844 die mittlere Wärme für die halben Monate berechnet und gefunden '), dass hier der kälteste Zeitraum des Jahres die erste Hälfte des Februars ist und dieses Resultat ist durch Sa. bine für Toronto ?) und durch die oben angeführte Arbeit von Hough über die Beobachtungen des Staates New-York bestätigt worden, denn hier zeigt sich, dass unter 62 Stationen bei 60 die niedrigste Temperatur in den halbmonatlichen Mitteln in den Februar fällt.

nuar.

) De media ventorum directione annuisque ejus mutationibus. 1850. 4. p. 6.

2) On the periodic and non periodic variations of the Temperature at Toronto in Canada. 1853.

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