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Ich werde in einem der nächsten Hefte dieser Zeitschrift bei der Besprechung der Burton'schen Reise nach Harar noch einmal Gelegenheit finden, auf den für die Geschichte des Islam wichtigen Theil dieses vorzüglichen arabischen Reisewerks im Zusammenhang zurückzukommen; im Uebrigen haben wir jedenfalls von dem Muth and dem Wissen des ausgezeichneten englischen Offiziers noch das Bedeutendste zu erwarten.

Richard Gosche.

Sitzung der geographischen Gesellschaft zu Berlin

vom 9. August 1856.

Der Vorsitzende, Herr Prof. Dove, überreichte der Gesellschaft folgende im Laufe des Monats eingegangene Geschenke: 1) Annales de l'observatoire physique central de Russie, publiées par A. T. Kupffer. St. Pétersbourg 1853. 3 vols. 4. 2) Bulletin de la Société de Géographie, rédigé par M. Alfred Maury et M. V. A. Maltebrun. IVa Série. T. XI. Mai et Juin. Paris 1856. 3) Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, herausgegeben von Dr. T. E. Gumprecht. Bd. VI. Heft 6. Berlin 1856. 4) Mittheilungen über wichtige neue Erforschungen auf dem Gesammtgebiete der Geographie von Dr. A. Petermann. VI. Gotha 1856. 5) The Journal of the Royal Geographical Society of London. Vol. 25. London 1856. 6) Proceedings of the Royal Goographical Society. April and Mai. 1856. 7) Notizblatt des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissenschaften zu Darmstadt. 2. Jahrg. Nr. 21 — 40. Darmstadt 1856. 8) Magnetische und meteorologische Beobachtungen zu Prag. Auf öffentliche Kosten herausgegeben von Dr. J. G. Böhm und Fr. Karlinski. Vierzehnter Jahrgang. 1853. Prag 1856. 9) Vergleichende chemische Untersuchungen der Wasser des Caspischen Meeres, C'riniaund Van-Sees, von H. Abich. St. Petersburg 1856. 10) Ueber eine neue Formel zum Höhenmessen mit dem Barometer, vom Generalmajor Baeyer. 11) La rotation souterraine de la masse ignée, ses causes et ses conséquences. Par Karl Schröder. Paris 1856. 12) Brockhaus' Reise-Atlas. Entworfen und gezeichnet von Henry Lange. Leipzig 1856. 13) El Araucano, Nummer vom 3. Mai 1856, enthaltend: Informe de Francisco Fonck y Fernando Hers sobre la espedicion a Naguelhuapi. (S. Miscellen). 14) Beilage zu Nr. 144 der Augsb. Allgem. Zeitung vom 23. Mai 1856, enthaltend eine Recension der Schrift von Schmidt über den Mond, von Wolfers. 15) Kupferne Medaille für Wilhelm Haidinger, k. k. Sectionsrath und Director der k. k. geologischen Reichsanstalt, demselben in Golde, 50 Ducaten an Gewicht, von seinen Freunden am 29. April 1856 überreicht (Geschenk der k. k. geologischen Reichsanstalt).

Herr Prof. Dove machte Mittheilungen aus der unter Nummer 9 erwähnten Schrift Abich’s über den Salzgehalt des Caspischen Meeres, des Urmia - und VanSees. Sie sind in diesem Hefte unter „Neuere Literatur“ veröffentlicht.

Herr Prof. Wolfers sprach über die Schriften J. F. Jul. Schmidt's: „Der Mond. Ein Ueberblick über den gegenwärtigen Umfang und Standpunkt unserer Kenntnisse von der Oberflächengestaltung und Physik dieses Weltkörpers. Nebst 2 farbigen Steindrucktafeln und mehreren in den Text gedruckten Holzschnitten. Leipzig, bei Barth, 1856,“ und „Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniss vom 28. Juli 1851 zu Rastenburg in Ostprenssen. Bonn 1852.“ Die Oberfläche des Mondes wurde zuerst von Lohrmann in Dresden abgebildet; Bär und Mädler setzten in der Mappa selenographica das Werk fort. Die erwähnte Schrift enthält zwei lithographirte Darstellungen von einzelnen Theilen der Mondoberfläche, und Ansichten von Durchschnitten einzelner Krater auf der Erde (Vesuv, Pik Fon Teneriffa, Krater in der Eifel) und einiger Ringgebirge auf dem Monde. Aus einer beigefügten tabellarischen Uebersicht der Durchmesser und der Tiefe der grössesten Krater auf der Erde und der Mond - Ringgebirge theilte der Vortragende einige Angaben mit, und sprach dann über die röthlichen Hervorragungen am Mondrande, die bei totalen Sonnenfinsternissen schon im Jahre 1733, dann genauer 1851 beobachtet wurden. – Der Vorsitzende, Herr Prof. Dove, bemerkte, bei einer Vergleichung der Höhe von Gebirgen auf der Erde und von Mondgebirgen müsse man wohl im Auge behalten, dass unsere Berghöhen nach der Erhebung über den Meeresspiegel, nicht nach der Erhebung über den tief. sten Punkt des Meeres angegeben würden.

Demnächst sprach Herr Dr. Gosche über Burton's Reisen. So weit der Vortrag Arabien betrifft, ist er in diesem Hefte unter „Neuere Literatur“ mitgetheilt; der Abschnitt über das Somali - Land wird weiter ausgeführt in einem der nächsten Hefte veröffentlicht werden.

Herr Prof. Walter referirte den Inhalt einer gegen die Neger-Emancipation gerichteten Streitschrift Duttenhofer's aus Nördlingen, der längere Zeit in Surinam gelebt hat. Duttenhofer hat die seltsame Ueberzeugung, es sei vom physiologischen und anatomischen Standpunkt erwiesen, dass die Neger eine besondere Menschenspecies wären; amerikanische Schriftsteller wären auch in Bezug auf die geistigen Fähigkeiten zu demselben Resultat gelangt; den Negern gehe z. B. dic Gabe, zu zeichnen, ab. Diese Thatsache wolle D. auch vom sittlichen Standpunkte beweisen, indem er behaupte, die Neger würden sich nie auf die sittliche Stufe der Weissen erheben können; in ihrer Heimat fehlten ihnen Ideen und Geschichte; in Amerika seien sie nach der Emancipation Herumtreiber geworden. Eine wirkliche Emancipation derselben sei also eine Unmöglichkeit; sie scheitere an der angeborenen Inferiorität dieser Race; und den Sklavenhandel könne man durchaus nicht als ein Unglück betrachten, da er die Neger in eine Stellung bringe, in welcher sie desjenigen Grades von Cultur, dessen sie überhaupt fähig wären, theilhaftig würden, während sie in Afrika in fortwährender Wildheit verblieben. Es sei auch ein Irrthum, die Emancipation der Neger von Seiten Englands als einen philanthropischen Act zu betrachten; er habe vielmehr ganz selbstsüchtige Motive gehabt; England habe sich nämlich davon überzeugt, dass der Schwerpunkt seiner Colonialmacht nicht mehr nach Amerika, sondern nach Indien falle, und sich deshalb entschlossen, unter dem Vorwande der Menschenfreundlichkeit seine eigenen amerikanischen Colonien zu Grunde zu richten, um auch den viel wichtigeren von anderen Völkern in Amerika colonisirten Ländern eine tödtliche Wunde beizubringen. Der Erfolg habe dieser boshaften Berechnung auch entsprochen: die Colonien wären wirklich ruinirt; Demerara habe z. B. vor der Emancipation 104 Millionen Pfund Zucker, 9 Mill. Pfund Kaffee, 14 Mill. Pfund Baumwolle producirt, jetzt producire es nur 60 Mill. Pfa. Zucker, 91,000 Pfa. Kaffee und gar keine Baumwolle. Ueberall habe sich gezeigt, dass die Neger nur im Zustande der Hörigkeit zu einer gewissen Thätigkeit angehalten werden könnten. Auch sei der Sklavenhandel in Wahrheit nicht verhindert; in New. York würden noch jährlich 13 Sklavenschiffe ausgerüstet; der Unterschied liege nur darin, dass der Handel jetzt mit grösserer Grausamkeit verknüpft sei; und dieser Umstand lehre, dass man ihn überhaupt nicht unterdrücken könne und solle. Ein helles Streiflicht auf die sittliche Unfähigkeit der Neger werfe der Umstand, dass das Christenthum, obgleich es in einigen Theilen Afrika's schon seit dem 4. Jahrhundert bekannt sei, dort ungeachtet der grössesten Thätigkeit und Selbstverleugnung der Missionäre keine Ausdehnung habe gewinnen können; der Islam sei hier viel glücklicher gewesen. Der Vortragende spricht die Ansicht aus, dass eine unbefangene Discussion dieser Fragen in England und Nordamerika, wo starke materielle Interessen in's Spiel kämen, kaum stattfinden könne, und dass deshalb Deutschland vorzüglich berufen scheine, sie nach allen Richtungen zu erörtern. Zu diesem Behuf empfiehlt er die Gründung einer ethnologischen Gesellschaft. (Vgl. o. Miscellen.)

Herr Geh. Reg.-R. Dieterici sprach, unter Anknüpfung an zwei Karten des verstorbenen Dr. Stolle, über die Zuckerproduction, die ungeachtet der Sklavenemancipation in dem Zeitraum von 1828 bis 1851 sich von 8 Mill. Centnern auf 25 Mill. Centner vermehrt habe; im Jahre 1852 seien 29,450,000 Centner producirt worden, mit Einschluss von 3} Mill. Centn. Rübenzucker. Eine gleiche Zunahme zeige die Consumtion; Nordamerika verbrauche gegenwärtig 6 Mill., Europa wohl 15 Mill. Centner. Hierin liege ein deutlicher Beweis des rasch fortschreitenden Wohlstandes.

Zum Schluss machte Herr Prof. Koch eine Mittheilung über Dr. Barth's grosses Reisewerk, dessen Karten und Abbildungen er in Gotha kennen zu lernen Gelegenheit hatte; er giebt hinsichtlich dieser Illustrationen der deutschen Ausgabe vor der englischen den Vorzug. Auch eine neue Karte des Thüringer Waldes von Petermann, welche die Abstufung des Terrains sehr deutlich darstelle, erwähnte der Redner mit vorzüglichem Lobe.

Nachrichten.

Ein Schreiben Dr. Barth's aus London vom 12. August 1856, welches Se. Excell. Herr A. v. Humboldt die Gewogenheit hatte uns mitzutheilen, bringt die erfreuliche Bestätigung der schon in mehreren Blättern veröffentlichten Nachricht von der glücklichen Ankunft Livingston's in Tete. Vor Jahresfrist ebenfalls unter dem 12. August hatte der kühne Reisende aus Naliek, im Lande der Borotse, unter 14° 30' S. Br. und 24° 0. L., Nachricht von sich gegeben und seinen Entschluss kundgethan, den Zambesi abwärts zu schiffen. Aber im December war er noch nicht in Quilimane eingetroffen, von wo das britische Schiff Frolic ihn nach dem Cap bringen sollte. Jetzt erwartet Mistress Livingston, die in London lebt, den eifrigen Forscher innerhalb weniger Wochen, so dass wir hoffen dürfen, bald Genaueres über seine Reisen zu erfahren. Von Dr. Vogel sind nähere Nachrichten über seine letzte interessante Reise noch nicht eingetroffen; wahrscheinlich liegt die Schuld der Verzögerung an der Cholera, die in Murzuk geherrscht und die von Bornu erwarteten Karavanen zurückgehalten hat.

VIII.

Die jütsche Haide.

Von Professor G. Forchhammer.

(Aus dem Dänischen.) ')

Ein grosser Theil der cimbrischen Halbinsel und des zunächst angrenzenden Theils von Norddeutschland charakterisirt sich durch eine ganz eigenthümliche Natur. Wir bezeichnen diese als Haide und nehmen insgemein an, dass das Haidekraut sowie einige andere ähnliche Gewächse diesen Gegenden ihr Gepräge verleihen. Da man indess dem Haidekraut überall in Schweden sowie im Harz begegnet, ohne dass irgend Grund vorhanden wäre, die betreffenden Gegenden als Haiden zu bezeichnen, so dürfte das für die letzteren eigentlich Charakteristische im Fehlen der Baumvegetation zugleich mit dem Auftreten des geselligen Haidekrauts zu suchen sein.

Wenn wir uns von dem fruchtbaren östlichen Lehmgürtel mit seiDen Hügeln und Thälern, seinen reichen Kornfeldern und kräftigen Buchenwaldungen gegen Westen wenden, so erreichen wir bald die Haide. Dieser östliche Haidestrich ist eben so hügelig, als der noch östlichere fruchtbare Lehmgürtel, doch besteht der Boden bis zu einer unergründlichen Tiefe aus Sand. Wohl finden sich hier noch Buchenwaldungen, doch ohne schlanke Stämme und ohne eigentlich gutes Ge

) Diese Abhandlung ist der in Copenhagen erscheinenden „Dansk Maanedsskrift“, redigirt und herausgegeben von Dr. M. G. G. Steenstrup, dem Bruder des bekannten Professors Jap. Steenstrup, entnommen. Dansk Maanedsskrift“ ist die Nachfolgerin der früher von dem verstorbenen Prof. Schouw herausgegebenen „Dansk Tidsskrift“ und hat die Tendenz der letzteren beibehalten, nämlich ein vermittelndes Organ zwischen der Wissenschaft und dem gebildeten Publikum zu sein. Diese populäre Richtung der D. M. erklärt es, dass einzelne Punkte in der Abhandlung ausführlicher besprochen werden, als unsere Leser es wünschen mögen. Aber die Beseitigung dieser Erläuterungen würde den Fluss der Darstellung auf unvortheilhafte Weise unterbrochen und unseren Lesern interessante Einzelnheiten über die Naturverhältnisse der cimbrischen Halbinsel sowie die eciellen Ansichten des Herrn Verfassers über dieselben vorenthalten haben, so dass wir es vorziehen, den Artikel, bis auf eine, unten bezeichnete Stelle, unverkürzt wieder zu geben. Der Uebers. Zeitschr. f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. I.

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deihen eine Folge der Armuth des Bodens an Thon und noch mehr an Kalk. Der Weizen ist verschwunden, an seine Stelle ist Roggen getreten, die Kornart, welche hier am besten fortkommt. Das Haidekraut wird hier hoch; es erreicht in dem tiefen Sandboden, der seiner nährenden Bestandtheile doch nicht ganz beraubt ist, den höchsten Grad seiner Entwickelung, indem es zu Büschen von 2 bis 3 Fuss Höhe emporschiesst. Die Farbe des Sandes, aus dem der Boden besteht, ist bald mehr gelblich in Folge beigemengten Eisens, – bald mehr grau von beigemengten pflanzlichen Stoffen. Die Tiefe, bis zu welcher sich der Sand ohne Unterbrechung erstreckt, ist sehr bedeutend, stellenweise 100 Fuls, ohne dass zwischenliegende Thon- oder Mergelschichten vorhanden wären. Das Wasser sinkt daher auch, von keiner schwer durchdringbaren Schicht aufgehalten, tief in diesen porösen Boden ein.

Dieser Haidestrich erstreckt sich von den Gegenden um den Liimfjord herum in grösserer oder geringerer Breite durch die ganze Halbinsel hinab, auch ein nicht unbedeutender Theil des Herzogthums Lauenburg trägt denselben Charakter '): Ursprünglich war dieser Haidestrich von Waldungen bedeckt, die in jener längst verschwundenen Periode hauptsächlich aus Föhren bestanden. Später scheint besonders die Eiche in diesen Gegenden heimisch gewesen zu sein, und noch finden sich hie und da kleine Ueberbleibsel der vormaligen weit ausgedehnten Eichenwaldungen. Doch wurde der grösste Theil dieses Landstriches schon in sehr früher Zeit zu Ackerland verwendet, wozu theils der Werth der hier wachsenden Bäume, theils die Leichtigkeit der Bearbeitung des sandigen Bodens, selbst mit weniger vollkommenen Ackergeräthschaften, Anlass gegeben haben mögen. Mit Rücksicht auf die Gegenwart ist es indess zu beklagen, dass die Verhältnisse so waren, wie wir sie so eben angedeutet; einerseits enthält nämlich die sandige Erde an sich wenig Pflanzennahrung, und der Dünger, den der Landmann auf den Acker bringt, übt nur einen sehr vorübergehenden Einfluss, da der Boden leicht durchdringlich und arm an Bestandtheilen ist, welche die pflanzennährenden Stoffe binden könnten; andererseits befinden sich die Schichten, welche zu einer natürlichen Verbesserung des Bodens dienen könnten, in einer praktisch nicht erreichbaren Tiefe. Es sind deshalb hier wenig Aussichten für eine gründliche und nachhaltige Verbesserung des Bodens vorhanden, und wir dürfen kaum erwarten, dass dieser Gürtel in der Steigerung der Production mit den übrigen Gegenden des Landes Schritt halten wird.

*) Um bestimmte Stellen zu bezeichnen, an denen die Haide in der angegebenen Form auftritt, will ich hier einen Theil der Umgegend von Viborg, Rye mit dem Ilimmelberge und die westlichen Umgebungen des Plöner-See's antühren.

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