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deren Durchbohrung man noch einmal auf eine Sandschicht stösst, mit hinlänglichem Druck, um das Wasser über die Erdoberfläche emporzuheben.

Es sind dies Fragen von allgemeiner Bedeutsamkeit und es verdient gewiss die wärmste Anerkennung, dass die Regierung sich der Aufgabe unterzogen hat, nähere Kenntniss über diese für den Anbau der Haiden so wichtigen Verhältnisse zu erlangen. Sind die örtlichen Verhältnisse einmal bekannt, so wird die Praxis diesen unter den trockenen jūtschen Haiden befindlichen Wasserreichthum sich schon zu Nutzen zu machen wissen. Sehr erwünscht würde es, wie schon erwähnt, sein, wenn sich das Wasser durch eigenen Druck an die Oberfläche erhöbe und die Benutzung desselben mithin keine anderen Kosten mit sich führte, als die, welche eine Brunnengrabung oder Bohrung bis in die Tiefe der grossen, unter dem Mergel befindlichen Sandschicht verursacht. Wenn sich indefs die Verhältnisse auch nicht vollkommen so günstig herausstellen sollten, so ist die Frage doch immer einer Untersuchung werth: ob es nicht thunlich sein sollte, durch wohlfeile künstliche Mittel das Wasser aus diesem unerschöpflichen unterirdischen Behälter an den Tag zu schaffen, um es dann zur Ueberrieselung der Haiden und zu ihrer Umgestaltung in Wiesen und Triften zu verwenden. Giebt es doch hier zu Lande so manche Gegenden, in denen man Windmühlen der einfachsten Bauart anwendet, um niedrig gelegene feuchte Stellen mittelst Pumpen zu entwässern und so den Planzenwuchs zu befördern. Wie sollte es dann auf grössere Schwierigkeiten stossen, umgekehrt Wasser aufzupumpen zur Wässerung trokkener Gegenden?

Uebrigens sehe ich mich nicht im Stande, die für diesen Fall entscheidenden Fragen rücksichtlich der hieraus erwachsenden Unkosten genügend zu beantworten und muss dieselben daher den Praktikern zur Entscheidung anheimstellen.

IX.

Ueber Huc und Gabet's Reisen in Ost-Asien.

Vom Dir. Prof. Dr. Meinicke.

Vor einigen Jahren erschien in Paris das Werk des Missionars der Congregation des h. Lazarus Huc, Souvenir d'un voyage dans la Tartarie, le Tibet et la Chine pendant les années 1844, 1845 et 1846, das 1855 Andree in einer deutschen Bearbeitung (Huc und Gabet, Wanderungen durch die Mongolei nach Tibet zur Hauptstadt des Tale Lama) herausgegeben hat. Es ist die Schilderung einer Missionsreise, welche die beiden katholischen Missionare Huc und Gabet im Interesse ihrer Kirche durch das östliche Asien unternommen haben. Wissenschaftlichen Werth besitzt das Buch leider keinen; es lässt sich nicht entfernt mit ähnlichen Werken protestantischer Missionare (wie den Arbeiten von Ellis, Williams, Gützlaff u. s. w.) vergleichen. Allein wenn man erwägt, dass in den ganzen weiten Landstrichen zwischen der Ostküste Asiens und dem Uferlande des Amu und Sir, den Ebenen Sibiriens und den Schneebergen des Himalaya, die einzige Route zwischen Kjachta und Peking ausgenommen, kein anderer Punkt in neuerer Zeit von Europäern gesehen und geschildert ist, so muss das schon der Darstellung einer Reise durch einen grossen Theil Ost-Asiens von der Ostküste des Continents bis Lhassa in Tibet Interesse verleihen, wenn sie auch durch ihren Werth den Geographen ein grosses einzuflössen nicht eben vermag, mindestens so lange wir nicht gründlichere Schilderungen von diesen so wenig bekannten Gebieten erhalten.

Am ausführlichsten sind übrigens in dem erwähnten Werke die Schilderungen der Sitten und Einrichtungen der Völker, deren Gebiete die Missionare durchzogen; sie preisen und rühmen die Tibetaner und vor Allem die Mongolen, sie erheben sie hoch über die Chinesen, allein, wie ich glaube, nicht ohne einige Einseitigkeit. Gegen diese ethnographischen Mittheilungen stehen die Bemerkungen über die Natur und Beschaffenheit der durchreisten Landstriche sehr zurück; dennoch sind diese gerade bei dem gänzlichen Mangel an Berichten der Europäer über das Innere von Ost - Asien vorzugsweise interessant, und ich beabsichtige, sie in einer kurzen Uebersicht zusammen zu stellen und mit den fast nur aus den Nachrichten chinesischer Schriftsteller gezogenen Resultaten zu vergleichen, die sich in den ersten Theilen von Ritters klassischem Werke enthalten finden.

Der Ort, von dem die beiden Geistlichen aufbrachen, He schüy oder das Thal der schwarzen Gewässer, eine der kleinen christlichen Gemeinden, der sie als Lehrer vorgesetzt waren, liegt schon ausserhalb der grossen Mauer, wahrscheinlich im nördlichen Theile der chinesischen Statthalterschaft Tschingte (s. Ritter Asien I, 139), ohne Zweifel im Gebiet des oberen Sira-Muren und, wie der Anfang des Reiseberichts zeigt, da, wo die Hochebenen der Mongolei sich gegen Osten z'ım innersten Winkel des gelben Meeres herabzusenken beginnen. Von He schūy begaben sie sich nach dem wahrscheinlich in der Nähe liegenden Pie lie ken, um sich für die Reise daselbst vorzubereiten; dieser Ort gehört zu dem mongolischen Bezirk Uniot, der erst seit zwei Jahrhunderten von den Chinesen colonisirt nnd durch ihre Thätigkeit seiner Wälder beraubt ist, was nach den etwas sonderbar klingenden Angaben einen höchst traurigen Einfluss auf das Klima des Landes ausgeübt haben soll. Doch sind diese Gegenden, die nördlich von den grossen, für die Jagden der chinesischen Kaiser reservirten Waldungen liegen müssen, noch angebaut, denn erst 2 deutsche Meilen von Pie lie keu betraten die Reisenden das offene Steppenland, das die Chinesen Tsaoti (Grasland) nennen. In diesem überstiegen sie einen hohen Berg, an dessen Abhange im Thale eines prächtigen Flusses die letzte chinesische Wohnung, der Gasthof Yan pa eul, lag; hier legten sie die chinesischen Kleider ab und betraten das Gebiet der Mongolen, deren Tracht und Lebensweise sie annahmen, um desto unbemerkter reisen zu können.

Der Weg führte von Yan pa eul das Gebirge Sain ula (oder das gute Gebirge) hinauf auf steilem, rauhem Wege voller Felsblöcke. Nach 3 Stunden erreichte man die Höhe, eine nach West eine Tagereise breite Hochfläche, die sich hauptsächlich von Nord nach Süd ausdehnt und sicher als der Rand des Hochlandes der Mongolei mit seinen dürren Grassteppen gegen die bewaldeten, anbaufähigen und gut bewässerten Abhänge im Osten zu betrachten ist. Die Passage dieses Gebirges ist der Kälte, wilden Thiere und Räuber halber sehr gefürchtet; die Reisenden kamen erst am zweiten Tage, nachdem sie auf dem höchsten Punkte des Passes ein Obo (s. Ritter II, 223) gefunden hatten, gegen Westen herab in ein tiefes Thal, mit welchem die mongolische Provinz Geschekten beginnt, ein hügeliges, wohl bewässertes Land mit guten Weidestellen, das nur sparsam angebaut ist und blofs Hafer giebt; es soll auch reiche Gold- und Silberminen haben, deren Bearbeitung aber streng untersagt ist. In dieser Provinz liegt der neuerdings aus einem grossen Lamakloster erwachsene chinesische Ort Altan some (der goldene Tempel), von dem eine grosse Strasse durch die Mongolei zum Flusse Kerulan und nach Nertschinsk führt. Nach zwei Tagen hatten die Reisenden Geschekten durchschnitten und erreichten die mongolische Provinz Tschakar (oder Grenzland, s. Ritter 2, 401), in welcher sie am sechsten Tage nach ihrer Abreise von Pie lie keu nach Tolonnor (die sieben Seen) kamen, einer schon von Timkowsky (s. Ritter 2. 367) erwähnten Stadt, die bei den Chinesen Lamamiao (Lamakloster), auf den neueren Karten mit einem im Lande nicht bekannten Namen Dschonaiman sume (achthundert Klöster) genannt wird. Es ist dies eine der unter den Mongolen entstandenen Colonien der Chinesen, die sich um Lamaklöster gebildet haben, und deren Hauptbedeutung in der Vermittelung des Verkehrs der Chinesen mit den Mongolen und in der Verbreitung chinesischer Bildung unter diesen be

steht; sie ist noch ausgezeichnet durch ihre Giessereien von Erzbildsäulen für die buddhistischen Tempel und nimmt am Handel mit den Russen in Kjachta Theil.

Am 1. October 1844 verliessen Huc und Gabet Tolonnor, setzten ihre Reise gegen West nach Kukuhote (dem Khukhu Khotun bei Ritter) ') fort und erreichten am sechsten Tage Schaborteh. Die Gegend um Tolonnor ist dürr, sandig und wasserarm; sie bringt höchstens einige Gemüse hervor. Sobald man die schmutzigen Strassen der Stadt verlassen hatte, stiefs man auf Hügel von beweglichem Triebsande; später wurde der Boden fester und zeigte Spuren von Vegetation, und in einer Schlucht lagerten die Reisenden an einem Teiche, dessen Wasser stark nach Schwefel roch. Am folgenden Tage setzten sie die Reise durch die öde Grassteppe fort und lagerten in dieser ohne Schutz, von einem heftigen Sturme aufgehalten. Dann führte der Weg zwei Tage lang durch das Gebiet des rothen Banners der Tschakar (s. Ritter 2, 401), eines der acht, in welche dieser militärisch organisirte Mongolenstamm zerfällt; eine weite Ebene mit festerem, nicht unfruchtbarem Boden, der angebaut werden könnte, wenn den Bewohnern der Anbau nicht untersagt wäre, ziemlich gut bewässert durch Teiche und mit üppiger Vegetation bedeckt, belebt von Zelten und Heerden der Mongolen. Nachdem sie dies Gebiet durchschnitten, wurde das Land wieder dürrer; am Abend des fünften Tages nach der Abreise von Tolonnor lagerten sie bei den drei Seen, Teichen mit brakischem Wasser, deren Umgebung mit Salpeter bedeckt ist. Da die Lebensmittel fast aufgezehrt waren, benutzten sie die Nähe der Handelsstadt Schaborteh, einer der chinesischen Colonien im Mongolenlande, die aus dem Verkehr zwischen beiden Völkern entstanden sind, und machten einen Umweg, um diese zu erreichen und das Nöthige einzukaufen.

Von Schaborteh nun führte der Weg zwei Tage lang durch die öde Steppe, am dritten erreichten die Reisenden in derselben grosse Ruinen einer längst verlassenen Stadt, wie deren in diesen Gegenden auch von anderen Schriftstellern (s. z. B. Ritter 1, 232) erwähnt sind, und die ohne Zweifel aus der Zeit der Mongolenherrschaft des 13 ten Jahrhunderts stammen. Bald darauf kamen sie auf die grosse Karawanenstrasse, die von Peking nach Kjachta führt und bei den Mongolen Kutscheuh dscham (Strasse der Fürstentochter) heisst, weil sie ursprünglich für eine an einen Mongolenfürsten vermählte chinesische

) Die Mongolen selbst schreiben Köke Khotan. Die übrigen im Text vorkommenden mongolischen Namen lauten in getreuer Reproduction der mongolischen Schreibart Schira Müren, Ssain Oola, Keschikten, Kerülen, Tschakhar, Tümed, Köke Nôr, Dolôn Nôr, Ongnijut oder Ongnighut. „Weg der Fürstentochter“ ist Güngdschü (chines. Kong-tschu) dsam. Aber sagbon (contr. sôn) naiman sume sind nur 108 Tempel.

D. R.

Prinzessin angelegt sein soll; es ist die bekannte, von Timkowsky so genau beschriebene Strasse, und der von unseren Reisenden erreichte Punkt sicher die von Timkowsky am 8. November 1820 erwähnte Localität (s. Ritter 2, 367). Am zweiten Tage darauf verliessen sie Tschakar und betraten den District Efeh, der früher zu Tschakar gehörte, vom Kaiser Kienlong aber davon getrennt ist, um einem Mongolenfürsten, seinem Schwiegersohne, eine selbstständige Herrschaft zu schaffen. Nachdem sie in Efeh zwei Tage lang gewandert waren, hörte die offene kahle Steppe plötzlich auf; es erhob sich ein Gebirge, mit Tannen und Birken besetzt und von schönen Thälern durchschnitten, in deren einem sie am Abend des folgenden Tages in der Nähe von Tschortschi lagerten, einem der grossen Lamaklöster, die bei der Staatsregierung in besonderer Gunst stehen. Die folgenden Tage führte der Weg fortwährend durch das schöne, mit Tannen bedeckte Bergland voll anmuthiger, gut bewässerter Thäler; über den Zusammenhang dieser, Efeh von Tumet trennenden Berggegenden mit denjenigen, die sich östlicher gegen den Rand des Hochlandes, wo es sich zum Tieflande von Nord-China herabzusenken beginnt, erheben, wie mit dem Inschan im Westen, erfahren wir nichts. Nachdem sie einige Tage lang durch das Gebirge gezogen, trafen sie wieder eine Ebene und die Grenze des Districts West-Tumet, das zum Unterschied von dem auf der Ostseite von Tschakar liegenden Ost-Tumet so benannt wird. Dies ist ein sehr fruchtbares, gut bewässertes Land, das alle Getreidearten reichlich hervorbringt, voll wohlhabender, von Bäumen umgebener Dörfer, deren mongolische Bewohner Ackerbauer sind und die Sitten und Cultur, manche selbst die Sprache der Chinesen angenommen haben. Nach drei Tagen erreichten die Geistlichen dann Kukuhote (oder die blaue Stadt), die die Chinesen Kuihoatscheu nennen.

Seitdem der Jesuit Gerbillon 1696 diese Stadt besuchte und schilderte (Ritter 1, 230), hat sich ihr Zustand sehr geändert. Sie besteht jetzt aus zwei eine halbe Stunde von einander entfernten, von Feldern und Gärten umgebenen Städten, deren östliche, die Neustadt, schön gebaut und von hohen Wällen umschlossen, das aus 10,000 Mann bestehende Heer, das die Grenze zu beschützen dient, enthält; die Altstadt wird von ausgedehnten Vorstädten umgeben und ist ein sehr belebter, volkreicher Ort, dessen chinesische Bewohner mit den Mongolen der Steppe starken Verkehr treiben. Sie hat 5 grosse und 15 kleinere Klöster, in denen zusammen mindestens 20,000 Mönche leben. Von Kukuhote setzten Huc und Gabet die Reise weiter fort durch ein Land, das an Fruchtbarkeit und Cultur ganz dem übrigen West-Tumet glich, und erreichten nach zwei Tagen die Stadt Tschagankuren am Hoangho, den sie, um in das Land der Ortus zu kommen, zu überschreiten hatten. Zeitschr, f. allg. Erdk. Neue Folge, Bd. I.

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