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starker Schnee fiel; dies erleichterte den Uebergang über das im Osten sich erhebende Hochgebirge, dessen Gipfel eine breite Hochfläche bildet voller Schnee und Eis; von dieser stiegen sie herab nach dem Posten Ngendatschaï und hatten alsdann noch drei Tage auf den furchtbarsten Gebirgswegen zurückzulegen, bis sie die Stadt Tsiamdo, die Hauptstadt der Provinz Kham, erreichten (den 20. April). Sie liegt in einem Thale, von hohen Bergen umgeben, zwischen den beiden Flüssen Omtschu und Dsatschu, die sich bald darauf vereinigen und den Yalong kiang bilden, welcher Fluss gewöhnlich für den oberen Lauf des grossen Stromes von Kambodscha gilt, allein wahrscheinlich der in den Bramaputra fallende Dihong ist. Die Stadt ist volkreich, doch im Verfall, der sandige Boden der Umgegend giebt blos Gerste. In dem grossen Kloster dabei residirt der Lama Hotuktu, der als der weltliche Beherrscher der Provinz Kham angesehen wir

Die Gegend, welche die Reisenden östlich von Tsiamdo durchschnitten, ist der im Westen von dieser Stadt sehr ähnlich, doch zeigten sich hier bis zum Kinschakiang die Gebirgsbewohner gegen die Forderungen ihrer chinesischen Begleiter weniger gefügig und lieferten die Lastthiere nicht mehr umsonst. Die erste Tagereise führte über hohe Berge, zwischen denen tiefe Thäler liegen, nach Paotun; von da ab sieht man nichts als wilde, fast nackte Kalksteinberge, oft mit schneeweissem Marmor, während westlicher blos Granit sich findet. Von Paotun kamen sie über den Posten Bagung nach dem kleinen, mit Wäldern von Cypressen und Stechpalmen umgebenen Dorfe Wangtsa und dann nach Gaya, das in einem gut angebauten Thale liegt. Nicht fern davon ist Angti, wo sie ein starker Schneesturm fünf Tage lang aufhielt; dann überstiegen sie das Gebirge Angti und erreichten die Stadt Djaya, die Residenz eines kleinen Gebirgsfürsten, wie deren in diesen Bergen mehrere sind, der mit dem Hotuktu von Tsiamdo in Krieg lag. Von Djaya aus war der Weg weniger beschwerlich und die Dörfer zahlreich. Sie erreichten über Adzuthang das kleine Dorf Schepankeu (Chypan Kcou Klapr.) oder Schieferthal, in dessen Nähe viele Thonschieferbrüche sind; der Bach des Thales führt Goldsand. Von dort kamen sie nach Kiangtsa, wo sie zum ersten Mal ein milderes Klima trafen; hier hatten nur noch die Bergspitzen Schnee, die Abhänge sind weniger steil, die Thäler fruchtbar und mit reicher und üppiger Vegetation bedeckt, - es war klar, dass man sich einem wirthlicheren Lande näherte. Vier Tagereisen weiter erreichten sie den Kinschakiang (Goldsandstrom), wie hier der Yangtsekiang heisst; er flofs in schmalem Bett zwischen steilen Bergwänden mit heftiger, Eisschollen führender Strömung; sie folgten ihm eine halbe Tagereise abwärts und schifften dann zur Station Tschupalung hinüber. Von da überstiegen sie den rothen Berg und übersahen von seinem Gipfel die reizende Ebene von Bathang, die gegen die Gebirgswüsten umher den schärfsten Gegensatz bildet.

Es ist eine grosse Ebene mit so mildem Klima, dass IIuc sagt, er babe hier seit zwei Jahren zum ersten Male Schweiss gefühlt und Wärme ohne Hilfe des Feuers empfunden, dabei mit so fruchtbarem Boden, dass er jährlich zwei Ernten (Reis und alle Cerealien) und alle Früchte der gemässigten Zone im Ueberfluss giebt. Die Stadt ist volkreich, die Einwohner Tibetaner, obschon die Grenze der Provinz Ssetschuen hier schon auf dem Westufer des Kinschakiang liegt; diese tibetischen Districte stehen unter besonderen, dem Kaiser zinspflichtigen Häuptlingen. Unter den Tibetanern leben aber hier, wie schon in Kiangtsa, viele chinesische Colonisten, welche hauptsächlich die Landbauer sind. Aber diese reizende Ebene ist nur eine Oase in den Gebirgswüsten. Von der Stadt aus reichte sie nur eine Tagereise weit; dann führte der Weg durch eine Schlucht auf eine mit Schnee bedeckte Hochfläche, und über diese kamen die Reisenden unter eisigen Regengüssen nach Taso (Tasothang Klapr.). Von da ging der Weg durch den schönsten Kiefernwald, den sie noch in Tibet gesehen, nach Samba (Lyteng samba Klapr.), das in einer hübschen, gut bewässerten Gegend liegt, und drei Tage später erreichten sie die Stadt Lithang (Kupferebene) am Abhange eines Hügels in einer grossen, allein nicht fruchtbaren ene, in der man blos Gerste baut. Von da bis zur Stadt Tatsienlu sind acht Tagereisen; das Land ist hier so gebirgig und wild, wie gegen Lhassa hin, Berg folgt auf Berg, Abgrund auf Abgrund; das Klima ist kalt und rauh, Schnee lag allenthalben in Fülle; noch der Berg vor Tatsienlu war (im Juni) tief damit bedeckt. Doch wurde nach Osten zu das Land immer stärker bewohnt. Eine Tagereise Ost von dem grossen Dorfe Makiandsung setzten sie über den breiten und reifsenden Yalungkiang, einen grossen Zufluss des Yangtsekiang, dessen Quellen denen des Hoangho nahe liegen. Bei Tatsienlu hört die tibetische Bevölkerung auf, die chinesische beginnt mit ihrer eigenthümlichen Cultur; die Geistlichen verliessen ihre Pferde und setzten die Reise nach Tschingtufu, der Hauptstadt von Ssetschuen, in Palankinen fort.

Hiermit schliesst ihr Bericht, der trotz seiner Dürftigkeit mindestens schwache Andeutungen von der gewaltigen Grossartigkeit dieser Ilochgebirgslandschaften giebt.

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X. Aus einem Briefe Adolf Schlagintweit's an Alexan

der v. Humboldt.

Kardong in Lah-aul (Kulu), 15. Juni 1856. Wir verliessen Simla Ende Mai, um auf verschiedenen Routen unsere Beobachtungen im westlichen Himalaya von Ladakh fortzusetzen. Mein Bruder Robert begleitete mich durch Kulu bis hierher nach Lahaul, von hier geht er östlich über Para Laçha-Pass nach Ladakh, ich selbst gehe mehr westlich nach Zanskar '). Unsere Reise durch Kula war uns in vieler Beziehung interessant. Der Satelech läuft entlang einer wichtigen geologischen Grenze. Auf der linken östlichen Seite in den kleinen Staaten rings um Simla herrschen metamorphische, aber ursprünglich sedimentäre Gesteine, in denen es uns auch gelungen war, sehr veränderte Petrefacte, marinen Ursprungs, aufzufinden. Auf der rechten westlichen Seite des Satelech-Thales hingegen, in Kulu, treten ganz verschiedene merklich krystallinische Gesteine, Gneiss, wabrer Glimmerschiefer, Chloritschiefer auf, die eine ganz neue Gebirgsgruppe bilden. Das schöne fruchtbare Thal des Bias entlang gingen wir über Sultanpur und über den Rotang-Pass an der Quelle des Bias nach Lahaul in das Längenthal des oberen Chenab. Die Thalbildung hier im westlichen Himalaya ist sehr verschieden von der Thalbildung im Himalaya von Kemaon und Gharwâl. In dem letztern Theile findet man nur ungeheure Querthäler, die sich von der Wasserscheide des Gebirges in Tibet ununterbrochen nach Süden herab fortsetzen. Im westlichen Himalaya hingegen kommen viele grosse Längenthäler vor, mit breiter culturfähiger Thalsohle, und auch die Querthäler sind oft weniger steil und eng, als im östlichen Himalaya. Hier in Lahaul, bei 10—11,000 Fuss Höhe, sind wir so ziemlich ausser dem Bereiche der indischen Regenzeit; das Klima ist hier sehr schön, und das Gebirge so grossartig als irgend ein Theil, den wir bis jetzt zu besuchen Gelegenheit hatten. Die Bevölkerung ist tibetanisch und grossentheils mit Handel beschäftigt. Wir haben hier bereits viele geographische Angaben und Routen gesammelt.

Wir waren Alle fortwährend sehr wohl; von meinem Bruder Hermann habe ich kürzlich sehr gute Nachrichten aus Bissehr (Bissahir) erhalten. Mein Bruder Robert geht morgen nach Ladakh ab.

1) Ueber diese Localitäten vergl. W. Schott's Artikel über Cunningham's Ladakh im sechsten Bande der Zeitschrift, S. 585 ff.

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XI.

Neue Aufnahmen der Engländer in Assyrien.

Von Dr. H. Kiepert.

(Hierzu eine Karte, Taf. V.)

Bekanntlich ist es das unbestrittene Verdienst eines französischen Forschers, des ehemaligen Consuls zu Mosul, Botta, die Blicke des Abendlandes der halbvergessenen, doch unter Jahrtausende langer Zerstörung nicht völlig vernichteten Herrlichkeit der uralten Königssitze am Tigris durch planmässig geleitete Ausgrabungen wieder zugewendet und dadurch der archäologischen Forschung ein neues Feld ältester Cultur eröffnet zu haben. Eben so bekannt ist, dass dieser Terdienstvolle Forscher ausser seinem Landsmanne Place zu fast noch glücklicheren Rivalen auf anderen Ruinenstätten desselben Gebietes britische Forscher, wie Layard und Rawlinson, gehabt hat, und dass wir diesen und anderen britischen Reisenden zugleich Alles verdanken, was wir über die topographischen Verhältnisse dieses historisch so wichtigen Bodens jetzt wissen. Als Vorgänger auf diesem Felde ist vor Allen mit wohlverdientem Ruhme der früh verstorbene Consul zu Baghdad, Claudius Rich, zu nennen, dessen mühsam und sorgfältig ausgeführte Aufnahmen der Ruinenfelder von Niniveh und seinen Umgebungen durch die späteren Untersuchungen von Lynch und Ainsworth nur um Unbedeutendes vervollständigt worden sind '). Gleichwohl blieb eine von sachkundigen Männern durch Zeichnung an Ort und Stelle ausgeführte genauere Aufnahme dieses Bodens eines der Wesentlichsten Desiderate assyrischer Archäologie, und mit einer solchen die gelehrte Welt beschenkt zu haben, ist gewiss kein geringes Verdienst der Vorsteher der reichsten Sammlung assyrischer Alterthümer, der Trustees des britischen Museums. In Folge eines von ihnen ausgegangenen Antrags übertrug die ostindische Compagnie bereits vor vier Jahren die Ausführung einer solchen Vermessung dem Commandeur in der Bombay- Marine, Felix Jones, der sich dazu als Helfer den Arzt des britischen Consulats zu Baghdad, Dr. Hyslop, zugesellte. Die auf der Hin- und Rückreise ausgeführte trigonometrische, auch durch zahlreiche astronomische Beobachtungen gesicherte Auf

') Vergl. den auf den angegebenen Materialien und einzelnen topographischen Notizen der englischen und amerikanischen Reisenden Badger, Fletcher, Grant, Perkins, Smith, Shiel u. A. beruhenden, immer noch sehr unvollständigen Versuch eines Kartenbildes dieser Landschaft in des Verfassers Karte der Euphrat- und Tigrisländer in Atlas zu Ritters Erdkunde Heft 4, 1852.

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nahme der grossen Heerstrasse zwischen Baghdad und Mosul wird nach ihrer bevorstehenden Publication neben den grossen Stromlinien des Euphrat und Tigris die erste geodätisch gesicherte Linie für die Kartographie dieser Länder bilden. Der vor Kurzem im zweiten Theile des Jahrgangs 1855 des Journal of the Royal Asiatic Society veröffentlichte Theil bezieht sich ausschliesslich auf das Centralgebiet der altassyrischen Macht, das Dreieck zwischen dem grossen Zab, dem Tigris bis Mosul und dem Rücken des Djebel Maklûb. Von den drei grossen Kartenblättern, welche das Resultat der trigonometrischen Aufnahmen enthalten, stellt das eine den ganzen bezeichneten Landraum im Massstabe von 1:73,000 dar, jedoch nicht mit weiter eingehender Detaillirung, als dass nicht der ganze Inhalt des Originals in der vorliegenden Reduction auf jenes Längenmassstabes hätte wiedergegeben werden können. Freilich darf eine die Musterblätter europäischer Specialvermessungen erreichende Genauigkeit und Vollständigkeit der Terraindarstellung von einer Arbeit nicht erwartet werden, die über einen Raum von fast 30 deutschen Quadratmeilen ausgedehnt in dem kurzen Zeitraume von nur vier Wochen, noch dazu mit häufigen Unterbrechungen durch die anhaltenden Regenschauer des Frühlings, ausgeführt wurde. Einen nicht unbedeutenden Theil dieser Zeit nahmen noch die specielleren Untersuchungen der zerstörten Hauptstädte Niniveh und Nimrûd in Anspruch, deren Ergebniss in dreifach grösserem Massstabe als die allgemeine Karte auf den beiden anderen Blättern des Originals und danach verkleinert auf den beiden Cartons unseres Blättchens dargestellt ist. Weit weniger inhaltreich als die Zeichnung ist der begleitende ziemlich umfangreiche Text, aus dem wir uns begnügen, die wenigen neuermittelten Resultate der Untersuchung hier kurz zusammenzustellen.

Ein Hauptverdienst der Jones'schen Arbeit ist die genauere Erforschung und Niederlegung der älteren und zum Theil vorhistorischen Strombetten des Tigris, welcher Fluss bei der starken Biegung, die sein Lauf in der bezeichneten Gegend aus der östlichen Richtung des Oberlaufes nach Süden zu erleidet, an vielen Stellen, unter anderen in der heutigen Stadt Mosul selbst, die Neigung zeigt, die aus weichen Gips - und Mergellagern bestehenden westlichen Uferränder zu unterspülen und fortzureissen und somit sein Bett im Allgemeinen nach Westen zu verschieben, während die östlicher gelegenen tieferen Stellen des alten Flussbettes durch die nur von dieser Seite her aus den Vorhügeln der kurdischen Gebirge zuströmenden Nebenflüsse allmählich ausgefüllt werden. So ist, wie die Pläne deutlich zeigen, der Tigris von den einst von ihm unmittelbar bespülten westlichen Wällen der Ruinen

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