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städte Niniveh und Nimrûd immer weiter und weiter zurückgewichen und hat an der Stelle seines ehemaligen Laufes nur sumpfige Wiesenstrecken hinterlassen, welche nur ab und zu durch die Fluthen hoher Frühjahrsüberschwemmungen unter Wasser gesetzt werden.

Da das Tigriswasser nicht wie das des Euphrat und Nil zum Trinken geeignet ist, so war es die vorzüglichste Sorge der alten Bewohner Assyriens, die kleineren Süsswasserbäche ihres Landes in geregeltem Laufe ihren Hauptstädten zuzuführen. Am leichtesten war dies Geschäft bei der Hauptstadt Niniveh selbst, deren Boden seiner Breite nach heutzutage wie in vorhistorischer Zeit von dem perennirenden Flüsschen Khôser durchströmt wird, dessen Gewässer zugleich, wie die jetzt aufgefundenen Reste alter hydraulischer Bauten zeigen, zur Füllung des die Stadt umgebenden, theilweise in Stein gehauenen Grabens benutzt und in einzelnen Canälen durch die Stadt verbreitet wurden. Schwieriger war die Zuleitung von Wasser in die südlicher gelegene Stadt, die von den heutigen Arabern mit dem Namen Nimrûd bezeichnet wird, da das unmittelbar anstossende kurze Thal Schôr Deré nur im Winter und Frühjahr Wasser enthält. Frischeres Gebirgswasser boten hier in nicht grosser Entfernung der grosse Zab und sein nördlicher Nebenfluss Ghâzir; aus beiden wurde es mittelst eines über 6 deutsche Meilen langen, an einzelnen Stellen bis zu 40 Fuss Tiefe durch den harten Muschelkalkstein gehauenen Canals in sehr gewundenen, von der geschicktesten Benutzung des Terrains zeugenden Curven zur Stadt geleitet, ein Werk, das durch Jones' Aufnahme zum ersten Male aufgedeckt worden ist.

Zu den bereits mit grosser Sorgfalt ausgeführten Messungen älterer Beobachter, besonders Richs, über die Massverhältnisse der bedeutendsten Ruinenhügel fügt die neue Untersuchung nichts Wesentliches hinzu; als definitiv festgestellte Zahlen durchaus in englischem Mass geben wir hier die Höhe des grössten, unter dem Namen des Dorfes von Koyundjyk bekannten Hügels von 96 Fuss über dem Spiegel des vorbeifiessenden Khôser, während die des kleineren Hügels Nebi Jûnus nur wenig dahinter zurücksteht ') und die des Hügels von Nimrůd nur 73 Fuss über dem niedrigsten Wasserstande des Tigris beträgt.

Die Höhe der Stadtmauer gegen den durchschnittlich 200 Fuss

) Interessant ist die von Jones angestellte Berechnung des kubischen Inhalts dieser beiden, wie alle alten Nachgrabungen zu bestätigen scheinen, durchaus künstlich aufgeführten Hügel zu resp. 141 und 64 Millionen Tonnen, woraus er den Schluss zieht, dass die Ausführung derselben durch eine Arbeiterzahl von nicht mehr als 1000 Mann die Zeiträume von resp. 120 und 54 Jahren erfordert haben würde. Zeitschr, f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. I.

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breiten, in den harten Sandstein gehauenen Graben beträgt, wo sie am vollständigsten erhalten ist, 46 Fuss, ihr Gesammtumfang 39,600 Fuss (= 38,500 rhein. Fuss oder etwa 16,000 Schritt, etwas über 1} deutsche Meilen), der Flächeninhalt des so umschlossenen Raumes 1800 englische Acres (513,000 Ruthen), ein Flächenraum, der, um eine bequeme Vergleichung mit dem Umfange bekannter Städte des Orients und Occidents zu ermöglichen, fast genau dem des heutigen Kahirah mit seiner auf 300,000 Einwohner geschätzten Bevölkerung gleichkommt, oder { des Umfanges von Rom innerhalb der aurelianischen Mauern oder der Hälfte des Areals, welches jetzt Berlin mit seinen Vorstädten einnimmt.

Wir schliessen diesen kurzen Auszügen aus dem englischen Original einige Bemerkungen an, die sich auf die Wahrscheinlichkeit der Angaben über die Grösse Ninivehs beziehen. Bei der, wie aus den angeführten Beispielen und anderen hervorgeht, durchaus nicht sehr ungleichartigen Gedrängtheit der Bevölkerung orientalischer und europäischer Hauptstädte lässt sich somit für den mit Wällen umgebenen Umfang des alten Niniveh keine grössere Bevölkerung als die des heutigen Kahirah voraussetzen, womit jedoch die traditionellen Angaben über die ungeheure Ausdehnung und Menschenmasse der assyrischen Hauptstadt in grellem Widerspruch stehen. Am leichtesten lässt sich jedoch derselbe beseitigen in der einen Zahlenangabe, welche die unter dem Namen des Propheten Jonas unrerdienter Weise in den Kanon gekommene spät jüdische, doch gewiss auf diesem Boden des Tigrislandes entstandene Legende uns liefert. Aus der in den Schlusssätzen derselben enthaltenen Angabe von 120,000 Menschen in Niniveh, die nicht rechts und links zu unterscheiden wissen, das heisst von unmündigen Kindern, die das göttliche Strafgericht nicht verdienten, hat man wohl nicht mit Unrecht auf eine Gesammtzahl von 6—800,000 Einwohnern geschlossen. Gewiss wird eine solche auch ausserhalb der erhaltenen Stadtmauern in den weitläuftigen Vorstädten Platz gefunden haben, die sich in der Blüthezeit des assyrischen Reiches sicher länge des Tigris auf- und abwärts, so wie in dem Thale des Khôser ausbreiten mussten, ohne noch bei der weiten Entfernung eines äussern Feindes eine künstliche Schutzwehr durch Wall und Graben zu bedürfen. Auf diese lange Erstreckung des bebauten, zur Stadt gehörigen Raumes, wie sie namentlich längs der grossen Verkehrsader des Stromes nach vielfältiger Analogie natürlich ist, wird man ohne Zwang die drei Tagemärsche deuten dürfen, welche eben jener angebliche Prophet Jonas innerhalb Niniveh zurücklegt. Nichts beweist gegen diese Annahme das Beispiel der ungeheuren, durch Fresnel's und Oppert's jüngste Lokaluntersuchungen vollkommen bestätigten Umwallungen von Babylon. Denn

diese kolossalen Werke gehören der letzten Blüthezeit jenes südlichen Euphratreiches unter Nebukadnezar an, wo die schon drohende Nähe der feindlichen Meder die Befestigung der Hauptstadt gegen ihre Angriffe erheischte. Wenn nun aber als einziger Zeuge für eine an Grösse den Umfang von Babylon noch übertreffende, die Länge von 480 Stadien (12 deutsche Meilen) erreichende Ummauerung der alten Ninos der von Strabon und anderen angeführte Ktesias auftritt, ohnehin ein Schriftsteller von zweifelhafter Glaubwürdigkeit und einer Zeit angehörig, in welcher der Glanz jener assyrischen Vorzeit nur noch als dunkle Sage fortlebte: so waren wir in der Ungewissheit, ob dieser Grieche je mit eigenen Augen den Schauplatz jener Geschichten erblickte, wohl berechtigt, die ganze Angabe für eine der zahllosen Uebertreibungen griechischer Neigung zum Wunderbaren zu rechnen. In der That ist die vollkommene Bestätigung dieses Zweifels eins der erheblichsten, wenn auch nur negativen Ergebnisse der genaueren Durchforschung jener Gegend durch unsere öfter angeführten Gewährsmänner, bei welcher in der weit ausgedehnten, nur leicht welligen Ebene auch nicht die geringsten Spuren weiterer Wälle oder Stadtmauern ausser den oben erwähnten der einzelnen Ruinenstädte Niniveh, Selâmiêh, Nimrûd, Khorsabâd ') aufgefunden werden konnten. Als einzige Denkmäler assyrischen Alterthums in jenem weiten Umfange wurde eine Fülle vereinzelter Ruinenhügel von konischer Gestalt und sehr verschiedener Höhe (von 20 bis 80 Fuss wechselnd) ermittelt, die sich bei genauerer Durchsuchung als ursprüngliche Backsteinpyramiden ergaben, welche dem Einfluss der Regen von Jahrtausenden ihre jetzige Verwitterung und abgerundete Gestalt verdanken ).

Wir haben somit die Befriedigung, die Träumereien der orthodoxen Rabbiner der englischen Hochkirche von einem über die ganze Ebene bis zum Djebel Maklûb 3) ausgedehnten Areal der alten assyrischen Hauptstadt, in welcher sie ihren Pseudo-Jonas beliebige Tagereisen weit spazieren führen können, durch des wackern Jones handgreifliche Gründe auf ihr eitles Nichts zurückgeführt zu sehen.

*) Die letzten beiden zeigen, wie auch von Jones richtig bemerkt worden ist, darch ihre regelmässig viereckige Gestalt die jüngere Zeit ihrer Entstehung.

3) Sie sind über 60 an der Zahl auf der Karte eingetragen, zu deren trigonometrischer Grundlegung sie als bequeme Signale gedient haben.

3) Diese Kalksteinkette von 2000 Fuss Höhe wird von einem dieser Schwärmer allen Ernstes für den östlichen Wall von Niniveh ausgegeben.

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XII.

Geschichtliche und geographische Notizen über

Californien.

Von Karl Andree.

Zweiter Artikel.

Fremont hat in seiner geographischen Beschreibung Californiens das Land im Westen der Sierra Nevada mit Italien verglichen, mit dem es allerdings in Bezug auf Flächenraum, Klima und Erzeugnisse manche Aehnlichkeit darbietet; aber es ist keine auf drei Seiten vom Meere umflossene Halbinsel und hat auch im Binnenlande eine ganz verschiedenartige Gebirgs- und Stromentwickelung. Der Ocean bespült den Staat vom 42. Grade N. Br., von der Pelicanbay, bis zum 32° 28' N. Br., wo etwas südlich von San Diego und der Lomaspitze sich der Tafelberg erhebt. Die Ausdehnung von der Küste bis zur Ostgrenze ist, wie ein Blick auf die Karte zeigt, verschieden. Man hat nicht etwa die Kammhöhe der Sierra Nevada als Grenze angenommen, sondern dem Staate einen Theil des grossen Binnenbeckens und des Colorado-Stromgebietes einverleibt. So erhielt er einen Flächeninhalt von 188,982 englischen Geviertmiles, oder beinahe 8,900 deutschen Quadratmeilen. Das californische Culturland liegt jedoch westlich von der Sierra Nevada, und auch hier ist nur etwa der dritte Theil für den Ackerbau geeignet, der freilich dort überall reichlich lohnt und namentlich auch in den südlichen Theilen wunderbar ergiebig ist, sobald man den Boden bewässert. Die bunte Mannigfaltigkeit des Landes, die Abwechselung von Hügel, Thal und Ebene, die malerische Landschaft, die Menge kleiner Flüsse und Bäche, und der kräftige Baumwuchs am Abhange der Gebirge, besonders aber in dem Lande nördlich von San Francisco, wird von allen Reisenden hervorgehoben; sie erstaunten insbesondere über die gewaltigen Fichten, welche sich bis zu einer Höhe von 300 Fuss erheben. Der ganzen Küste entlang, von Santa Barbara nach Norden hin bis zur Grenze von Oregon, laufen Höhenzüge, welche das innere californische Thal von dem Gestade trennen, und dem durch seine eigenthümliche Configuration höchst bemerkenswerthen Stromsysteme des San Joaquin ) und San Sacramento nur eine einzige Verbindung mit dem Ocean frei lassen, vermittelst der nicht minder merkwürdig gestalteten Bay von San Francisco, welche von Süden wie von Norden her den grössten Theil der californischen

) Die Schreibart San Joaquim ist unrichtig.

Wasser aufnimmt. Beide Ströme fliessen einander entgegen und vereinigen sich in einer Deltamündung, bevor sie in die Suisunbucht fallen; der Sacramento kommt von Norden, wo sich im obersten Theile seines Gebiets der Schastaberg bis zu 14,000 Fufs Meereshöhe erhebt; der San Joaquin fliesst von Süden her; beide empfangen eine unzählige Menge Zuflüsse sowohl von der Küstenkette wie von der Sierra Nevada und sind auf einem beträchtlichen Theile ihres Laufes schiffhar auch für grössere Dampfschiffe.

Dieses etwa 100 deutsche Meilen lange Thal bildet zugleich die berühmte californische Goldregion, die von 40 bis zu 50 englischen Meilen breit ist und den Windungen der Sierra folgt. Die zahlreichen Gefliesse, welche von den schneebedeckten Höhen herabfallen, und die Regenbäche, die gleichfalls tiefe Schluchten in das Gestein gerissen und gewaschen haben, lagern eine grosse Masse fester Bestandtheile an den Hügeln ab, welche sich am Fusse des Gebirges gebildet haben. In diesen, und am Ufer wie im Bette der Flüsse und Bäche, liegen die ungeheuren Goldschätze, welche seit Februar 1848 zu Tage gefördert werden; nicht minder kommt das Gold in den Quarz eingesprengt vor. Dieser letztere wird nachhaltigeren Ertrag geben, als die „Placeres“ in den „Cañones“ und „Barrancas“, wo man das Gold aus dem Schlamme und Sande wäscht. Nach Blake's Mittheilungen läuft das goldführende Quarzgestein der ganzen Sierra Nevada entlang in einer Breite von mindestens 10 englischen Meilen; es kann auch bei sehr gesteigertem Betriebe und unter Anwendung der besten Maschinen auf Jahrhunderte hinaus eine jährliche Ausbeute geben, welche der seitherigen allermindestens gleich kommt. Schon seit vier Jahren wird auf der ganzen Strecke vom Mariposafluss im Süden bis zum Klamath an der Grenze von Oregon im Norden, also auf einer Strecke von etwa 500 englischen Meilen, Gold zu Tage gefördert, und alljährlich, ja allmonatlich werden neue ,Adern“ entdeckt, neue „Placeres“ gefunden.

Die Production ergab vom Februar 1848 bis Ende des Jahres 1850 laut einem Bericht der Münzstätte zu Philadelphia 63,915,376 Doll. laut den Manifesten der Dampfschiffe 1851

34,492,642 1852

45,559,177 1853

56,560,569 1854

51,282,595 Depositen in der Münze zu San Francisco vor dem 30. November 1854

5,122,535 Daselbst für November und December 1854

1,310,662 Dazu für 4 Jahre Gold in den Händen der Passagiere, zusammen mindestens

40,000,000 298,243,538 Doll.

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