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ron der Hauptstrasse entfernt gewahrten wir bereits die Anzeichen, dass hier die Bergleute wohnten; roh gebaute Strohhütten standen an den Abhängen der Berge and bewiesen, wo die Gruben lagen, da sie den Arbeitern zum Aufenthalte dienten. Wir besuchten zwei der nächstgelegenen Gruben und ich bedauere, dass ich nicht die Kohlenminen in England gesehen habe, ich würde sonst im Stande sein, Vergleichungen anzustellen und eine genauere Beschreibung zu liefern. Die Gruben waren zwischen 400 und 500 Fuss tief und hatten etwa 10 unterirdische Stockwerke, deren erstes wir besuchten. Man stieg ungefähr 40 bis 50 Fuss auf einmal hinunter; dann befand man sich auf einer Plattform, von welcher eine Winde bis zu der nächsten hinabreichte; so ging es bis zur untersten fort. Von jeder Plattform ans waren 6 Fuss breite Gänge in der Richtung des Kohlenlagers eingesprengt. Die Arbeiter fuhren nicht in einem Korbe in die Grube, wie ich meine, dass es in England geschieht, sondern sie kletterten auf Balken, die in die Seitenwände eingelegt waren, hinab. Die Weite der Gruben betrug 4 bis 6 Fuss, und eben so weit schienen überhaupt sämmtliche nach unten führende Einfahrten zu sein. Es ward den Arbeitern daher sehr leicht, hinunter zu gelangen und konnten sie dies ohne Gefahr ausführen: sie schwangen sich von einer Seite zur anderen, wie wenn sie in einen Schornstein hinabglitten. In jeder Grube waren ungefähr 40 Menschen beschäftigt, ausser denen, welche die Kohlen sortirten und zu Tage förderten. Das Product ist sehr glänzend und sieht der canal-coal ähnlich, ist aber nicht bituminös. An der Grube kostete eine Last ron 130 Catties 200 bis 500 Cash, was 1 Dollar 62 Cts. bis 4 Dollars für die Tonne (englisch) ausmacht. Die beste Sorte schien sehr gut zu sein und beim Verladen ward sie sehr sorgfältig behandelt. Wer eine neue Grube öffnet, muss an die Regierung eine gewisse Abgabe entrichten. Die nächstgelegene Ortschaft von einiger Wichtigkeit ist die Stadt E-ü, ein Ort ohne Mauern, obwohl eine Stadt dritten Ranges (oder Hiin) in dem Bezirk (Fu) der Stadt Kinhwa, von welcher sie zu Wasser 120 Li oder 40 engl. Meilen entfernt ist. Bei mässigem Regen gestattet die Wasserverbindung die Fahrt mit grossen Booten. Bei unserem Besuche hatte längere Zeit Dürre geherrscht und wahrscheinlich hätte damals kein Boot eine grössere Fracht als circa 1000 Catties oder eine Tonne (englisch) tragen können. Von Kinhwa führt directe Wasserverbindung über Lantschi, Yentschau (29° 37' 12" nördl. Br. und 119° 32' 47" östl Länge), Fuyang nach Hangtschau (30° 20' 20" nördl. Br. und 120° 7' 34" östl. Länge), eine Reise von etwa 2 Tagen.“ (Vergl. China Mail. Hongkong. Febr. 28. 1856.)

Die besonders für den Weitertransport der Kohlen vortheilhafte Lage dieser Gruben wird ersichtlich, wenn man sich die geographische Lage der genannten Städte Lantschi, Yentschau, Fuyang und Hangtschau vergegenwärtigt. Diese liegen nämlich in der Richtung von Süden nach Norden an dem Ufer des Hwuytschau oder grünen Flusses '), welcher unweit Hangtschau mündet, und zwar Lantschi am rechten, die übrigen drei am linken Ufer. Fuyang und Ilangtschau sind, weil näher der Küste zu gelegen, die bekanntesten; über die beiden anderen findet sich in Robert Fortunc's „A Journey to the Sea Countries of China. Lon

') Bei Wells Williams , The Middle Kingdom. New York & London 1848. Vol. I. p. 94" führt dieser Fluss den Namen Tsientang; ebenso auf der diesem Werke beigegebenen Karte.

don 1852“ folgende Beschreibung: „Nantschi oder, wie es bisweilen auf den Karten heisst, Lantschi ist ungefähr 120 Li (40 engl. Meilen) von Yentschau entfernt. Es ist eine der schönsten Städte in China, die ich je gesehen habe, und erinnerte mich weit mehr an eine englische, als an eine chinesische Stadt. Die Häuser sind meistens zweistöckig und haben ein nettes sauberes Ansehen. Sie ist an dem Ufer des Flusses entlang gebaut und lehnt an einen pittoresken Hügel, der sich hinter ihr erhebt; eine alte Thurm- oder Pagodenruine erhöht den allgemeinen Effect, den die Landschaft macht. Die Stadt hat einen Umfang von 21 bis 3 engl. Meilen und enthält wahrscheinlich 200,000 Einwohner. Der Fluss, welcher an ihr vorüberströmt, ist mit Booten bedeckt, die beständig zwischen hier und Yentschau, Hangtschau und vielen anderen östlich und westlich gelegenen Städten hin- und herfahren.“ Ueber Yentschau schreibt derselbe Reisende, es sei eine grosse Stadt und 380 Li von Hangtschau entfernt. „Sie ist in derselben Weise, wie alle chinesischen Städte, mit Mauern umgeben und befestigt; die Mauern haben reichlich 4 Meilen im Umfange. Es scheint eine alte Stadt zu sein, aber nach der geringen Anzahl von Booten zu urtheilen, welche gegenüber auf dem Flusse vor Anker lagen, möchte ich glauben, dass es kein für den Handel sehr wichtiger Platz sei. Hier wird eine beträchtliche Menge groblackirter Waaren verfertigt und wohlfeiler als in den der See näher gelegenen Städten verkauft. Es ist ein Landungsplatz für alle Boote, welche den Hwuytschau - Fluss befahren, und der Handel mit allen gewöhnlichen Lebensbedürfnissen ist hier sehr lebhaft. Nach ihrer Grösse zu urtheilen, muss die Stadt circa 200,000 Einwohner haben. Diese scheinen aber nicht reich zu sein, wenigstens gehen sic keineswegs so gut gekleidet, wie ihre Nachbarn in Hangtschau. Ein wenig unterhalb der Stadt liegen zwei niedliche Pagoden; eine derselben ist auf cinem merkwürdig kegelförmig gestalteten Hügel erbaut und führt den Namen Hu-lung-ta. Hicr theilt sich der Fluss oder, wie ich lieber sagen sollte, hier vereinigen sich zwei Ströme, von denen der eine von Süden herabkommt und theils an den Grenzen von Kiangsi und Kiangnan, theils an der Nordseite der grossen Bohea - Berge hinfliesst. Der andere kommt vom Norden her aus den Grünthee - Districten am Ilwuytschau. Die Berge bei Yangtschau sind unfruchtbar, aber die Thüler und das niedrig gelegene Land ist üppig und fruchtbar.“

B.

Neuere Literatur.

Kolonien, Kolonialpolitik und Auswanderung. Von W. Roscher. Zweite

verb. und stark verm. Auflage. Leipzig und Heidelberg, Winter'sche Verlagshandlung, 1856.

Die Aufsätze, die hier in einer neuen Ueberarbeitung dem Publicum vorgelegt werden, erschienen zuerst 1847 im 6. und 7. Bande neuer Folge des Archivs der politischen Oeconomie von Rau und Ilansen, und haben jetzt durch zwei neue Artikel über die deutsche Auswanderung und über politische Handelsgesellschaften einen dankenswerthen Zuwachs erhalten. Das Werkchen bespricht zuerst die Natur der Colonien und handelt hier in 7 Kapiteln über die Hauptarten der Colonien (Eroberungs- und Militär-C., Handels- und Fischerei-C., Ackerbauund Viehzuchts-C., Pflanzer-C.), über die Hauptursachen der Colonisation (Ueberrölkerung; Ueberfluss an Capital; politische Unzufriedenheit und das Bestreben, die der Gesellschaft gefährlichen Elemente aus dem Mutterlande zu entfernen; religiöse Begeisterung), über das Verhältniss zum Mutterlande, welches schon ursprünglich verschieden ist, je nachdem die Colonie von Privaten oder von der Regierung begründet wird, über das materielle Wachsthum der Colonien an Volksmenge und Reichthum, über den geistigen Charakter des Coloniallebens (rege Erfindsamkeit, Selbstständigkeit des Individuums, rastlose Thätigkeit, Uebergewicht materieller Tendenzen), über den wirthschaftlichen Charakter desselben und über Colonialrevolutionen. Die zweite Abtheilung giebt einen Abriss der spanischen und englischen Colonialpolitik, und bespricht in einem Abschnitt unter der Ueberschrift „Freies Colonialsystem“ die Bildung der Territorien in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika und die verschiedenen Projecte, eine gesicherte Verbindung von Capitalien und Arbeitern bei der Auswanderung zu erzielen (Neger sclaverei, Colonisation von Verbrechern, intended servants, System Wakefield’s). In dem sehr beherzigenswerthen Abschnitt über die deutsche Auswanderung widerlegt der Verfasser zunächst die Illusionen derer, die in der Auswanderung eine Sicherung gegen Vebervölkerung erblicken, durch den Hinweis auf die relativ sehr geringe Zahl von Auswanderern und durch die triftige Bemerkung, dass die Volksvermehrung immer die Tendenz habe, bis an die äusserste Grenze der Ernährungsfähigkeit vorzugehen, dass sie also durch übertriebene Hoffnungen über die Erleichterung, welche die letztere in Folge einer regelmässigen Auswanderung finden müsse, einen bedenklichen Impuls erlange und binnen Kurzem den durch die Emigration erfolgten Abgang wieder ersetze. Der Verfasser warnt ferner vor der Täuschung, dass diejenigen, die bei uns ihr Fortkommen nicht finden, in den Colonien leicht ihr Glück machen könnten, hebt die hohen Ansprüche hervor, die in der neuen Welt an den Arbeiter gestellt werden, so dass im Allgemeinen nur starke Feldarbeiter und tüchtige Handwerker mit einiger Sicherheit auf eine befriedigende Zukunft rechnen dürfen, und setzt dann die Kosten der Auswanderung und den Capital - Verlust auseinander, den das Mutterland durch die Emigration erleidet. Der letztere Verlust würde allerdings reichlich ersetzt werden, wenn die Colonisten in einer innigen Verbindung mit dem Mutterlande blieben; das sei aber bei den deutschen Emigranten bisher nicht der Fall gewesen, und aller Wahrscheinlichkeit nach jetzt nur dann zu erreichen, wenn der Strom der deutschen Auswanderung sich nach unseren östlichen Nachbarländern lenke, wo eine Verwischung der Nationalität unter Stämmen von geringerer Cultur und geringerer Regsamkeit weniger zu besorgen und die Aufrechthaltung einer Verbindung mit dem Mutterlande leichter sei. Der Verfasser ist deshalb der Ansicht, dass die Auswanderung in überseeische Länder aus volkswirthschaftlichen Gesichtspunkten nur dann befördert zu werden verdiene, wenn sie sich nicht planlos zerstreue, sondern dergestalt auf bestimmte Punkte concentrirt werde, dass die Colonisten ihre Nationalität behaupten könnten und in ihrer Sprache, wie in Zeitschr. f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. I.

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der Nachwirkung ihrer früheren Verhältnisse einen Antrieb behielten, die Beziehungen zum Mutterlande fortzusetzen und zu pflegen. Der letzte Abschnitt des Buches bespricht die grossen politischen Handelsgesellschaften, die Gründe ihres Entstehens, sowie ihre commerciellen und politischen Resultate für die Unternehmer, das Mutterland und die Colonien selbst. Aus dieser Inhaltsangabe erhellt, dass das Werk die Spuren seiner Entstehung nicht vollkommen hat beseitigen können, da es sich nicht als ein aus einem Gusse gearbeitetes Ganze darstellt; auch wird man die erschöpfende Erörterung so wichtiger und überaus mannichfaltiger Materien in dem verhältnissmässig sehr beschränkten Raume nicht erwarten dürfen. Gleichwol hat es der Verfasser verstanden, die wichtigsten Gesichtspunkte klar und scharf hervorzuheben und eine Arbeit zu liefern, die sowol durch die Reichhaltigkeit des Inhalts, wie durch die leichte, ansprechende Form eine sehr anregende Lecture bildet und wesentlich dazu beitragen wird, das Crtheil über die Natur eines der wirkungsreichsten Culturmittel zu bilden und zu berichtigen.

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Aus Dänemark. Bornholm und die Bornholmer. Dr. Sören Kierkegaard:

Wider die dänische Staatskirche; mit einem Hinblick auf Preussen. Von
R. Quehl, Königl. Preuss. General-Consul für die dänische Monarchie etc.

Mit 3 Abbildungen und einer Karte. Berlin, bei Decker, 1856.

Da diese Schrift, wie der Verf. in der Vorrede bemerkt, dazu beitragen soll, die politischen Antipathien zwischen Deutschen und Dänen zu beschwichtigen, ist sie überwiegend politischen Inhalts und behandelt die verschiedenartig. sten Materien. Unter die zahlreichen politischen und polemischen Abhandlungen, die für den Geographen von untergeordnetem Interesse sind, hat der Verf. einen Bericht über Ausflüge durch die Insel Bornholm eingestreut, der höchst detaillirt ist, so detaillirt, dass wir sogar erfahren, wo der Verf. den Anfangsbuchstaben seines werthen Namens eingeschnitzt hat; gleichwol kann man nicht sagen, dass er uns das Wesentliche mit der wünschenswerthen Anschaulichkeit vorführt, vielleicht weil die zahlreichen Abschweifungen den nicht-politischen Leser stören, vielleicht auch weil die Beschwichtigungstendenz des Verf. es nicht rathsam erscheinen liess, mit markigeren Zügen zu zeichnen. Am meisten dürften noch die Bemerkungen über das interessante Bornholmer Erbrecht und die Angaben über die dortigen landwirthschaftlichen Verhältnisse Beachtung verdienen. Da der Verf. weitere Mittheilungen aus Dänemark, zu denen ihn seine Stellung so sehr qualificirt, in Aussicht stellt, glauben wir bemerken zu müssen, dass die vorliegende Schrift ohne Frage gewonnen haben würde, wenn der Verf. die politischen Abhandlungen für eine besondere Brochüre, und den Lebenslaut eines fünfjährigen Töchterchens, das ihm nach der Bornholmer Reise durch den Tod entrissen worden (S. 250 — 260), für seine Autobiographie ausgeschieden hätte: die übersichtliche Zusammenstellung des geographischen Materials würde ihn vielleicht veranlasst haben, dasselbe schärfer zu sichten und nachdrucksvoller zu gruppiren, auch dem Styl, der jetzt bei der Verschiedenartigkeit der Materien vom Salbungsvollen und Gesuchten bis zum Nachlässigen durch alle Nuancen schwankt, eine festere, den gebildeten Leser ansprechendere Haltung zu verleihen. Eine kleine Karte der Insel Bornholm gereicht dem Werk zur Zierde.

Narrative of the Expedition of an American Squadron to the China Seas and

Japan, performed in the years 1852, 1853 and 1854, under the Command of Commodore M. C. Perry, United States Navy, by order of the Government of the United States. Compiled from the original notes and journals of Commodore Perry and his Officers, at his request and under his supervision, by Francis L. Hawks, D. D. L. L. D.

With numerous illustrations. New York 1856. The Japan Expedition. Japan, and around the World. An Account of Three

Visits to the Japanese Empire. With sketches of Madeira, St. Helena,
Cape of Good Hope, Mauritius, Ceylon, Singapore, China, and. Loo-Choo.
By J. W. Spalding, of the U. S. Steam- Frigate Mississippi, flag-ship

of the expedition. With eight illustrations in tint. London 1856. 8. Reise um die Erde nach Japan an Bord der Expeditions - Escadre unter Com

modore M C. Perry in den Jahren 1853, 1854 und 1855 unternommen im Auftrage der Regierung der Vereinigten Staaten. Deutsche OriginalAusgabe von Wilhelm Heine. Zwei Bände mit 10 vom Verfasser nach der Natur aufgenommenen Ansichten in Tondruck, ausgeführt in Holzschnitt von Eduard Kretschmar. Leipzig bei Costenoble, New-York bei Günther. 1856. 8.

Es ist hier in dem literärischen Theile der Zeitschrift nicht unsere Absicht, die auf Befehl des Präsidenten der Vereinigten Staaten unter der Leitung des Commodore Perry ausgeführte Expedition nach Japan in ihrer politischen und commerciellen Bedeutung zu würdigen oder einen Blick auf den Nutzen zu werfen, den die Folgen dieses wichtigen Ereignisses in Zukunft auch für die geographische Wissenschaft herbeiführen können. Wir haben es hier nur mit den literarischen Erscheinungen zu thun, welche über die Expedition berichten, um unseren Lesern mitzutheilen, was sie in den angeführten Schriften erwarten dürfen, und da auch über eine grosse That mangelhaft geschrieben werden kann, dürfen wir kaum bemerken, dass das Urtheil über die Unternehmung selbst und das Geschick, mit dem sie ausgeführt wurde, und das Urtheil über die daran sich knüpfenden schriftstellerischen Erzeugnisse zwei vollständig gesonderte Dinge sind. Was die letzteren betrifft, so können wir in der That nicht sagen, dass sie der Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechen; von Heine und Spalding durften wir ein umfassendes, vollständiges Gemälde nicht erwarten, da ihnen das Gesammt - Material nicht zu Gebote stand und ihnen selbst in der Benutzung ihrer persönlichen Aufzeichnungen manche Beschränkung auferlegt zu sein scheint; und Hawks, der unter den Augen des Commodore sämmtliche vorhandene Schriftstücke verarbeitete, war der schwierigen Aufgabe nicht so gewachsen, wie wir es wünschen möchten, und entbehrte ausserdem noch der Autopsie, die den Schriften Heine's und Spalding's ein überaus frisches Colorit verliehen hat.

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