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rika’s relativ trockener, worauf besonders Desor ') aufmerksam gemacht hat. Das schnelle Trocknen der Wäsche setzt alle einwandernden deutschen Frauen in angenehmes Erstaunen, während sie, in Verzweiflung, dass das Brod so rasch altbacken wird, sich endlich zu der Sitte der nativ Americans bequemen, mindestens alle zwei Tage zu backen, aber Früchte und Gemüse sich in den Kellern viel länger erhalten. Im Winter fehlen der strengen Kälte ungeachtet die charakteristischen Eisblumen an den Fenstern, der parketirte Fussboden verlangt eine viel sorgfältigere Construction und der mitgebrachte Wiener Flügel verliert bald durch Austrocknen seinen Klang. Als in Boston in einem frisch gegypsten Zimmer eine Sammlung von Vögeln und Säugethieren ohne austrocknende Mittel aufgestellt wurde und Desor sich darüber verwunderte, antwortete ihm der Aufseher: Sie vergessen, dass wir in Neu-England und nicht in Europa sind.

Erläutert die Configuration des Landes die Erscheinung, dass die in Europa von den Westküsten nach dem Innern allmählige Abnahme des Regens dort eine plötzliche wird, so modificiren sich diese Verhältnisse doch wiederum dadurch, dass vom mexicanischen Meerbusen bis zum Eismeer in der Mitte des Continents sich Ebenen von geringer Erhebung erstrecken. Sowie wir daher von dem Plateau von NeuMexico in die Niederungen des Mississippi hinabsteigen, nimmt die Regenmenge wieder zu und erreicht an der Mündung desselben und in Florida ein Maximum von 60 Zoll. Dieses nimmt, sowie wir nördlich fortgehen, allmählig ab, und sinkt im Gebiet der canadischen Seen auf 30 Zoll herab. Diese Abnahme ist in den Ebenen langsamer, als da, wo südlich die Kette der Alleghani's beginnt, wo sie rasch erfolgt, und da an der atlantischen Küste die Regenmenge geringer ist, als in einiger Entfernung von derselben, so werden wir den mexicanischen Meerbusen als die Quelle für den Regen des Hauptgebietes der Union zu betrachten haben.

Es ist bekannt, dass während innerhalb der heissen Zone die Regen bei höchstem Sonnenstande herabfallen, sie an den äusseren Grenzen derselben bei niedrigstem erfolgen. Leopold v. Buch hat daher die Winterregen an der Nordküste von Afrika subtropische im Gegensatz jener, der tropischen, genannt. Die Winterregenzeit an den Grenzen der Tropen tritt hier, je weiter wir uns von denselben entfernen, immer mehr in zwei, durch schwächere Niederschläge verbundene Maxima im Herbst und Frühling auseinander, welche in Deutschland in einem Summamaximum wieder zusammenfallen, wo also temporaire Regenlosigkeit vollkommen aufhört. Von diesen subtropischen Verhält

') Du climat des États - Unis et de ses effets sur les habitudes et les moeurs de ses habitants.

nissen ist in dem ganzen Gebiet der Vereinigten Staaten diesseits der Felsgebirge keine Spur, wie ich ausführlich gezeigt habe '). Die Vertheilung in Californien erinnert eher daran, während aber in Süd-Europa und Nord-Afrika das Herbstmaximum das Frühlingsmaximum übersteigt, ist hier das Entgegengesetzte der Fall. Von einer subtropischen Zone als solcher kann also überhaupt nicht die Rede sein, da sowohl die indischen Monsuns als die eben erörterten Erscheinungen im westlichen Amerika, den schmalen westlichen Küstensaum abgerechnet, sie entschieden unterbrechen.

Man könnte nach den bisherigen Ergebnissen es vielleicht als einen allgemeinen Satz aussprechen, dass, wo ein wärmeres Meer eine kältere Küste bespült, vorzugsweise mächtige Niederschläge eintreten, wo hingegen eine bedeutende Temperaturdifferenz im Meere selbst hervortritt, der Niederschlag die Form einer Trübung annimmt, welche eine geringe Regenmenge liefert. Die Trübung ist eine Wolke in niederen Schichten; damit der Regen mächtig werde, muss die Wolke, welche ihn verbreitet, hoch sein, damit die ganze Luftschicht zwischen ihr und der Grundfläche zur Vergrösserung der Tropfen mitwirke.

Was die Windesrichtung betrifft, so hat Franklin schon die Bemerkung gemacht, dass die allgemeine westliche Richtung in NordAmerika im Winter mehr nordwestlich ist, im Sommer mehr südwestlich, während in Europa das Umgekehrte stattfindet. Die speciellen Untersuchungen von Kaemtz und mir haben dies bestätigt. Den allmähligen Uebergang dieser Verhältnisse in einander auf dem atlantischen Ocean hat neuerdings Coffin ?) gezeigt. Das Army Register liefert neue Belege für Amerika. Auf diese Weise erklärt sich, dass der Norden vorzugsweise auf den Winter der südlichen Gegenden abkühlend wirkt und dass daher der ganze Continent, den westlichen Küstensaum abgerechnet, eher im Winter den Charakter des Continental-Klima's zeigt.

Der Verlauf der westindischen Stürme ist auf der amerikanischen Seite des Oceans von Redfield in einer grossen Anzahl einzelner Abhandlungen und von Reid :) so ausführlich erörtert worden, dass die Thatsache der Wirbelbewegung und der Uebergang ihrer ursprünglichen Richtung von So. nach NW. in eine Richtung von SW. nach NO. als erwiesen betrachtet werden kann, wenn auch nicht geleugnet werden kann, dass es zu weit gegangen ist, wenn man jeden Sturm als einen Wirbelsturm betrachtet; dies glaube ich um so eher sagen

') Ueber die Vertheilung des Regens in der gemässigten Zone. Poggendorffs Anpalen 94. S. 51.

) Winds of the Northern Hemisphere 1852. 4. 196 9. und Karten.
3) Law of storms.

zu können, da ich zuerst im Jahre 1828 ausgesprochen habe, dass alle grossen Stürme Wirbelstürme sind '), während spätere Untersuchungen mich überzeugt haben, dass durch grosse Differenzen des Luftdruckes auch Stürme hervorgerufen werden, die der Aenderung der Windfahne ungeachtet, die sie hervorrufen, doch nur als stetige Ströme (Gales) anzusehen sind. Warum diese Wirbelstürme grade im atlantischen Ocean als Westindian Hurricanes, in dem indischen als Tyfoons hervortreten, habe ich aus der allgemeinen Vertheilung des Druckes der Atmosphäre später zu erläutern ?) und die dafür gegebene Theorie 3) dadurch zu ergänzen gesucht. Sie entstehen nämlich dadurch, dass die in dem Gebiet der Monsuns stark aufgelockerte Luft in der Höhe der Atmosphäre seitlich abfliesst, wodurch der zurückkehrende obere Passat an den beiden Grenzen des Auflockerungsgebietes früher herabzukommen gezwungen wird und im Conflict mit dem darauf rechtwinkeligen Passat die Wirbelbewegung erzeugt, deren furchtbare zerstörende Kraft Alles übertrifft, was sonst von Wirkungen bewegter Luft bekannt ist. Da aber die Auflockerung eine periodische ist, so ist klar, dass diese Stürme in der Zone der Passate nothwendig ebenfalls in Beziehung auf ihre Häufigkeit eine Periode befolgen müssen, deren Maximum zu der Zeit eintreten muss, wo sich die Sonne in nördlichen Zeichen befindet. Dies zeigt sehr deutlich eine mir eben zugehende Arbeit von Poey in Havanna“). Auf 365 von 1793 bis 1855 beobachtete Stürme fallen nämlich in den 12 Monaten folgende Zahlen: 5, 7, 11, 6, 5, 10, 42, 96, 80, 69, 17, 7.

Ein mit zunehmender Sonnenhöhe sich vermindernder atmosphärischer Druck wird, da er auf den westindischen Inseln nicht sich zeigt, in vermindertem Massstabe vielleicht nur in Californien und den südlichen Theilen des inneren Thales am Mississippi hervortreten, doch fehlen, um darüber zu entscheiden, zuverlässige barometrische Beobachtungen. In den Polargegenden tritt aber als eine vollständig constatirte Thatsache hervor, dass der atmosphärische Druck in den Frühlingsmonaten eine ungewöhnliche Höhe erreicht und dann schnell im Sommer sich erniedrigt. Die Luft häuft sich also hier an der dann am kältesten bleibenden Stelle der Erde ungewöhnlich an. So sind die Aussagen der verschiedenen Instrumente zuletzt übereinstimmende Symptome durch die Temperaturverhältnisse gegebener Grundbedingungen.

) Poggendorfis Annalen 13. S. 579. ?) Observations made at the meteorological Observatory at Hobarton III, p. IX. 3) Gesetz der Stürme, Poggendorffs Annalen 52. S. 1.

1) A chronological table of cyclonic hurricanes, which have occurred in the West Indies and in the North Atlantic.

Aus den vorhergehenden Beobachtungen geht schliesslich hervor, dass die gewöhnliche Vorstellung, dass alle klimatologischen Erscheinungen in bandartigen Streifen die Erde umgeben, eine durchaus irrige ist, und dies gilt für die tropische Zone Amerika's, wenn wir sie mit dem indischen Ocean vergleichen, in gleicher Weise. Was aber auf diese Weise in den mittleren Zuständen hervortritt, zeigt sich ebenso in den Abweichnungen der einzelnen Jahrgänge von denselben, denn ich habe in den „nicht periodischen Veränderungen der Temperatur“ ausführlich gezeigt, dass in der Regel Europa und Amerika entgegengesetzte Witterungsverhältnisse haben, dass ein strenger europäischer Winter durch einen relativ milden in Amerika seitlich begrenzt wird, und umgekehrt ein hier milder dort relativ streng ist, dass also die auf der Erde hervortretenden Extreme sich selbst compensiren, also nicht kosmischen, für die ganze Erde gültigen Ursachen zuzuschreiben sind.

Die Physik der Erde hat lange Zeit den besonderen Charakter ihrer Geburtsstätte, Europa's, verrathen. Seitdem es möglich geworden ist, die Natur unter verschiedenen Himmelsstrichen zu befragen, hat sie denselben immer mehr abgestreift. Sie hat dann eine Zeit lang geglaubt, bei der grossartigen Einförmigkeit tropischer Verhältnisse, die ihr im Gegensatz der verwickelten Erscheinungen höherer Breiten als unmittelbares Gesetz erschienen, sich beruhigen zu können. Aber auch diese Vorstellung musste aufgegeben werden, als sich zeigte, dass an verschiedenen Stellen der tropischen Zone ganz verschiedene Erscheinungen hervortraten. Da ist sie denn zu der Ueberzeugung gelangt, dass in dem bewegten Treiben des Luftkreises kein Punkt sich isoliren kann, dass jedes Phänomen als ein durch andere bedingtes erscheint und ebenso wieder andere hervorruft. Sowie dies erkannt war, so stellte sich das Bedürfniss heraus, dass die Beobachtungspunkte zu vervielfältigen seien, wenn etwas Sicheres gewonnen werden sollte. Diesem Bedürfniss wird von Tag zu Tag mehr entsprochen und wir haben es daher freudig anzuerkennen, dass in neuerer Zeit die Regierung der Vereinigten Staaten und die russische gleichzeitig Amerika und Asien mit einem Beobachtungsnetz umzogen haben, dessen in San Francisco und Peking angeknüpfte Endpunkte durch die in Europa dicht geschlungenen Fäden mit einander vereinigt sind, während die Ausdauer der Engländer in jahrelangen Mühen der Natur das Geständniss abgerungen, dass ein nördliches und südliches Polarland wesentliche Glieder in der Kette der Wirkungen bilden, welche das Leben der Atmosphäre zu einem so bewegten machen, dass das Erkannte immer noch als unbedeutend erscheint den Problemen gegenüber, welche noch zu lösen sind.

Die Isothermen des Jahres und der extremen Monate

in der Polarprojection.

(IIierzu eine Karte, Taf. I.) Die im vorhergehenden Aufsatze hervorgehobenen Eigenthümlichkeiten des Klima's von Nord-Amerika treten in einer graphischen Darstellung, welche das Gleiche verbindet, übersichtlicher hervor, als durch die numerischen Werthe der Tafeln. Ich füge denselben daher eine im vorigen Jahre von mir veröffentlichte Karte hinzu, welche den in der „Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche der Erde“ gegebenen zur Ergänzung dient. Die Karte selbst ist von Herrn Kiepert entworfen und enthält sämmtliche Ergebnisse der in neuester Zeit unternommenen Polarexpeditionen der Engländer und Amerikaner. Die Linien gleicher Jahreswärme habe ich schwarz, die Isothermen des Januar blau, die des Juli roth bezeichnet. Obgleich das die Mitte der Karte einnehmende Polarbecken noch unerforscht ist, indem nur bei Spitzbergen im grönländischen Meere und im Smithsunde der 80. Breitengrad überschritten wurde, so sind doch die continentalen Umrisse desselben vollständig erforscht und wir wissen, dass Grönland und die Westküsten der Baffinsbay von der Hudsonsstrasse an nördlich durch Meeresarme von dem amerikanischen Continent geschieden sind, dessen am weitesten nach Norden hervortretende Punkte das Cap Barrow, das Cap Bathurst und die Nordspitze von Boothia Felix an der Bellotstrasse sind. Die Hauptmündungen des Polarbeckens in die Baffinsbay sind der Smithsund im Norden, Jonessund und Lancastersund im Nordosten derselben, hingegen südlich von der Davisstrasse die Frobisher- und Hudsonsstrasse, während Grönland sich als ein geschlossenes Ganze mit fiordartigen Einbuchtungen zeigt. Der Hauptabfluss der Eismassen des Polarmeeres erfolgt daher im Frühling und Sommer an der Westseite der Baffinsbay und an der Ostseite von Grönland und diese beiden eisführenden Abflüsse vereinigen sich in der Nähe von Neufundland, wo sie den von Süden heraufdringenden warmen Wassern des Golfstroms begegnen, der, indem er sich nun nach dem alten Continent hinüberwendet, die Oberfläche des atlantischen Oceans so erwärmt, dass die Isothermen des Januars an der nördlichen Küste von Norwegen sogar überhängende Scheitel zeigen. Der Satz, dass die Westküsten im Winter eine entschieden höhere Temperatur als die Ostküsten haben, zeigt sich also nicht nur im Grossen an den Continenten selbst, sondern sehr deutlich, freilich in kleinerem Massstabe, in Skandinavien, während hingegen Grönland und Kamtschatka an ihren Westküsten im Winter kälter sind, als an ihren Ostküsten.

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