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denen er wirken sollte, gründlich genug studirt, um sich sagen zu können, dass Verhandlungen der Holländer schon in Folge der demüthigenden Stellung, in der sie sich den Japanesen gegenüber befanden, nicht die geringste Aussicht auf Erfolg hätten; nachträglich haben wir erfahren, dass sogar ein eigenhändiger Brief des Königs von Holland an den japanesischen Kaiser von 1844, in welchem eine Milderung der Isolirungs-Politik angerathen wurde, einen kurzen abschläglichen Bescheid zur Folge gehabt hat. Ausserdem mochte sich Perry, wenn er sich an die Zähigkeit erinnerte, mit welcher die Holländer ihr Handelsmonopol aufrecht zu erhalten gesucht hatten, auch eines Zweifels an der Aufrichtigkeit holländischer Cooperation nicht erwehren können, und der sonderbare Inhalt des von dem General-Gouverneur an ihn gerichteten Schreibens war nur geeignet, diese Zweifel zu bestärken. Der General - Gouverneur theilte darin mit, dass er schon vor Ankunft des Befehls seiner Regierung, die amerikanische Expedition zu unterstützen, dem Chef der Factorei in Dezima die allgemeine Weisung ertheilt habe, auf eine Erleichterung des Fremdenverkehrs hinzuwirken; jetzt halte er es aber nicht für rathsam, ein Kriegsschiff mit neuen Instructionen für diesen speciellen Fall nach Dezima zu senden, um nicht den Verdacht der japanesischen Regierung zu erregen; er wolle jedoch dem Commodore eine solche Instruction mitgeben, damit er selbst sie dem Chef der Factorei einhändige, falls er dessen Mitwirkung wünsche; sollte der Chef aber bereits Verhandlungen angeknüpft haben, so würde eine Einmischung der Amerikaner den Erfolg derselben ernstlich gefährden. Der Zweck dieser Diplomatie liefs sich errathen und er ist jetzt vollkommen deutlich: die Verhandlungen mit Japan sollten ausschliesslich in die Hände der Holländer gespielt, and wenn dieses nicht möglich war, die amerikanische Diplomatie mindestens in das gefährliche Fahrwasser der holländischen gelenkt und mit dieser zu gleichem Missgeschick verknüpft werden; besonders auffällig war der Versuch, den Commodore nach Dezima zu locken, wo aus den bereits angeführten Gründen alle Verhandlungen aussichtslos waren. Wir wissen nämlich jetzt, dass der Chef der Factorei in Dezima schon vor der Ankunft Perry's in den chinesischen Gewässern als Grundlage seiner Verhandlungen einen den Amerikanern sorgfältig verheimlichten Vertragsentwurf erhalten hatte, der allerdings eine Erleichterung des auswärtigen Handelsverkehrs bezweckte, dessen eigentlicher Kern aber in der Clausel lag, durch welche Japan verpflichtet werden sollte, mit fremden Nationen nur auf den in dem Entwurf genau verzeichneten Grundlagen Verträge zu schliessen; wir wissen ferner, dass der Chef die Verhandlungen mit Japan bereits begonnen und ihren Abschluss, unter Hinweisung auf die amerikanische Expedition Zeitschr. f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. I.

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und die Gefahren, welche dem japanesischen Reiche drohen würden, wenn seine Vorschläge unbeachtet blieben, zu beschleunigen gesucht hatte '). Wenn nun den Commodore schon zu der Zeit, als er noch in den chinesischen Häfen verweilte, das Gerücht erreichte, dass die Japanesen ihre Küsten befestigten, ein Gerücht, welches sich später als begründet erwies; wenn er ferner in dem Schreiben des General-Gouverneurs von Niederländisch-Indien die auffallende Bemerkung las, dass den Japanesen die amerikanische Expedition nicht durchweg als eine vollkommen friedliche dargestellt wäre: so schloss er mit Recht, dass derartige, den Erfolg seiner Mission erschwerende Insinuationen den Japanesen nur durch die Holländer gemacht sein konnten, das einzige europäische Volk, mit dem sie verkehrten ?). So wuchsen die Schwierigkeiten; aber Perry liess sich nicht umstricken; war die materielle Macht, über die er verfügte, auch nicht so ansehnlich, als er es gehofft und gewünscht hatte, so zog er es doch vor, auf eigenen Füssen zu stehen, um nicht in die Irrgänge und Fallstricke der niederländischen Diplomatie zu gerathen.

Andere Schwierigkeiten erhoben sich in Folge des chinesischen Bürgerkrieges und schienen den Commodore zu einer bedenklichen Zersplitterung seiner Streitmacht zwingen zu wollen. Ein Ansuchen des Gouverneurs von Shanghai, ihm Unterstützung zu gewähren, falls er von den Insurgenten angegriffen würde, konnte Perry zwar unbedenklich zurückweisen; aber die in Shanghai lebenden amerikanischen Kaufleute und vor Allen der amerikanische Geschäftsträger, Mr. Marshall, erhoben andere Anforderungen, die nicht so leicht von der Hand gewiesen werden konnten. Inmitten der Verwirrung des Bürgerkrieges

) Der Chef von Dezima setzte dem Gouverneur von Nangasaki auseinander, what he deemed the principles which were for the Japanese interest, and which should predominate in the negotiations which he thought might result from the anticipated propositions of the United States; for both he and the Japanese knew that our squadron was on its way. He concluded his letter as follows: His Majesty, the King of the Netherlands, erpects that the peace of the Japanese Empire can be preserred, if the government of Japan will answer the propositions of the United States in the manner indicated," that is, on the bases set forth in the Dutch draft of a treaty. Hawks p. 84.

2) Das unter den Congress - Vorlagen abgedruckte Schreiben der Holländer trägt das Datum 22. September 1852, ist also zu einer Zeit abgefasst, in welcher die amerikanische Expedition in China noch keine allgemein bekannte Sache sein konnte; Perry langte erst am 7. April 1853 in Hongkong an. Die betreffende Stelle des Schreibens lautet: I beg to remark, in view of the object at present contemplated by both our governments, that in case the Netherlands chief of the factory at Dezima should hare succeeded in opening negotiations with the gorernment of Japan, it is not unlikely, that any proof of co-operation between America and Holland would prejudice these negotiations, as you are aware that the American expedition to Japan has not always been represented to be of a wholly friendly and peaceful character.

war es Mr. Marshall noch nicht möglich gewesen, seine Creditive zu überreichen; er hatte sich schon vor längerer Zeit deshalb schriftlich an den chinesischen Premierminister gewendet und es war ihm Hoffnung gemacht, dass er binnen 4 Wochen eine Antwort erhalten würde. Als diese Frist fruchtlos verstrichen war, vertröstete man ihn damit, dass der Bescheid vor zwei oder drei Monaten nicht eintreffen könne, und Mr. Marshall schloss hieraus, dass sein Schreiben nicht an den Minister befördert sei. Es blieb ihm nun seiner Ansicht nach Nichts übrig, als sich selbst nach Peking zu begeben und seine Creditive persönlich zu überreichen, und um seiner Erscheinung grösseren Nachdruck zu verleihen, verlangte er, auf einem amerikanischen Kriegsschiffe dorthin befördert zu werden. Er machte geltend, dass seine Accreditirung gerade des Bürgerkrieges wegen, durch den amerikanisches Eigenthum gefährdet werden könne, besonders dringlich werde; der Handel Amerika's mit China stehe auf dem Spiel, er könne, wenn die diplomatische Einwirkung auf den Kaiser jetzt, zur Zeit seiner höchsten Bedrängniss, durch ein imposantes Geschwader unterstützt werde, mächtig gefördert werden, aber auch ganz zu Grunde gehen, wenn die amerikanischen Interessen in so verworrener Zeit keinen legitimen und anerkannten Vertreter bätten. Diese Angelegenheit zu einer befriedigenden Erledigung zu bringen, sei wichtiger als die japanesische Expedition; denn die letztere beruhe eben auf der Voraussetzung eines lebhaften Handels zwischen Amerika und China.

Glücklicherweise sah Perry weiter als Mr. Marshall. Seitdem die Insurgenten Nanking besetzt hatten, war der Thron des Kaisers sehr in's Schwanken gerathen und der Sturz der herrschenden Dynastie konnte nicht mehr als ein unmögliches Ereigniss betrachtet werden; in jedem Falle hatten Verhandlungen, die unter so unsichern Verhältnissen abgeschlossen worden, einen zweifelhaften Werth. Dass das Experiment, mit einem Kriegsschiffe an der Mündung des Peiho za erscheinen, das gewünschte Resultat herbeiführen würde, war ungewiss; aber es konnte ernste Verwickelungen verursachen und die Amerikaner einer der beiden streitenden Parteien entfremden, vielleicht gerade derjenigen, die schliesslich den Sieg davon tragen würde. Am wenigsten schien es damals rathsam, mit der zur Zeit noch herrschenden Dynastie in engere Beziehungen zu treten; denn die Insurgenten-Chefs buldigten, allen Nachrichten zufolge, in Bezug auf den Verkehr mit Fremden viel liberaleren Ansichten, als sie je in China zur Geltung gekommen waren, und vom commerciellen Standpunkte aus war dieser Partei der Sieg zu wünschen. Hierauf stützte sich Perry's politische Beurtheilung der chinesischen Wirren, die ihn bestimmte, Mr. Marshall's Gesuch abzulehnen. Er selbst spricht sich noch im Laufe desselben Jahres folgendermassen aus: „Es ist sicherlich die richtige Politik der Vereinigten Staaten und Englands, - der beiden einzigen Mächte, welche ausgedehnte Handelsverbindungen mit China unterhalten, — ruhig zu bleiben, die richtige Zeit zum Eingreifen abzuwarten, und wenn sie kommt, die Lehre von den internationalen Rechten und Freiheiten mit Energie zur Geltung zu bringen, und von einer offenen Anerkennung freierer commercieller und socialer Wechselbeziehungen, wie unseres Rechts, einen Residenten in Peking zu haben, Nichts abzulassen. Die Amerikaner werden mit mehr Gunst betrachtet, als die Engländer, da die Chinesen noch voll Unwillen an die Ereignisse des Opium-Krieges denken, und ich bin überzeugt, dass wir bei den Verhandlungen im Vortheil sein werden, vorausgesetzt, dass wir keinen falschen Schritt thun, so lange das Endresultat des Bürgerkrieges noch nicht vollständig sicher ist. Eine freundliche Annäherung an die eine Partei würde unsere Interessen bei der andern gefährden, wenn wir uns unglücklicherweise der unterliegenden genähert haben sollten. Hierin liegt einer der Gründe, die mich bestimmten, eine Mitwirkung bei dem Versuch Mr. Marshall's, Peking zu erreichen, abzulehnen, — einem Versuch, der meiner Ansicht nach gescheitert sein und nachtheilige Folgen herbeigeführt haben würde. Wenn wir uns nicht einmischen, können unsere Beziehungen zur tatarischen Dynastie, falls sie triumphiren sollte, nicht im Mindesten leiden; siegt aber die revolutionäre Partei, so haben wir doppelten Gewinn. Deshalb ist für jetzt eine „meisterhafte Unthätigkeit“ unsere beste Politik.“ 1)

Dagegen konnten die Wünsche der amerikanischen Kaufleute nicht unberücksichtigt bleiben. In Shanghai allein besassen sie ein Eigenthum im Werthe von 1 Million bis 1,200,000 Dollars, und dieses war nicht mehr sicher, als die Insurgenten so weit vorgerückt waren, dass sie in 35 Stunden vor der Stadt erscheinen konnten. Allerdings hatten die Aufständischen fremdes Eigenthum bisher respectirt und ihre Chefs hatten in dieser Beziehung beruhigende Zusicherungen gegeben; aber alle Nachrichten stimmten darin überein, dass die Disciplin in ihrem Heere nicht die beste sei, und die unausbleiblichen Folgen eines Bürgerkrieges hatten sich auch darin gezeigt, dass die Umgegend der grösseren Städte, namentlich im Süden, von Räubern wimmelte. Es war also immerhin möglich, dass die amerikanischen Kaufleute eines Schutzes bedürftig wurden, und Commodore Perry entschloss sich deshalb, von seinem kleinen Geschwader die Kriegssloop Plymouth unter Commander Kelly in den chinesischen Gewässern so lange zurückzulassen, bis die dringendste Gefahr vorüber war.

') Depesche an den Marinesecretair d. d. Macao 31. Aug. 1853.

Dieses Opfer war nicht unbedeutend; denn acht Tage vor der Abreise Perry's nach dem Schauplatze seiner Thätigkeit waren aus Japan bestimmtere Nachrichten angelangt, dass die dortige Regierung ausgedehnte kriegerische Vorbereitungen treffe, um die amerikanischen Schiffe zu empfangen '); der Commodore musste also bei dem Versuche, in einen der japanesischen Häfen einzulaufen, auf Feindseligkeiten gefasst sein, zu deren kräftiger Abwehr ihn seine Instructionen ermächtigten. Das Geschwader, welches er den ungastlichen Küsten entgegenführte, bestand aus zwei Dampffregatten (Susquehanna und Mississippi), der Kriegssloop Saratoga und dem Transportschiff Supply. Das waren die Mittel, mit denen er eine Aufgabe lösen sollte, welche nach einer zweihundertjährigen Erfahrung durch blosse Verhandlungen nicht erledigt werden konnte.

Die wohlüberlegte und consequente Politik, durch welche Perry dennoch sein Ziel erreichte, werden wir in einem besonderen Artikel auseinander zu setzen versuchen,

K. N.

XV.

Der Mineralreichthum Grönlands.

Von H. Rink.

Aus dem Dänischen von A. v. Etzel.

In dem Küstenlande von Nordgrönland finden sich zwei ganz verschiedene geognostische Gebilde, nämlich Trappmassen, die wol zwei Drittel des Areals bedecken, und ältere krystallinische Gesteine, welche den übrigen Theil des Landes einnehmen und wahrscheinlich auch die Grundlage der ersteren bilden. Die krystallinischen Gesteine sind wol nur eine Fortsetzung derjenigen Massen, die Südgrönland erfüllen, ohne dass sie jedoch im Norden so reich an seltenen Mineralien, besonders Metallen, wie im Süden wären; wenigstens haben sich bisher nur hier und dort Spuren davon gezeigt. Der Trapp hingegen und die mit ihm in Verbindung hervortretenden Kohlenbildungen sind dem nördlichen Theile des Küstenlandes eigenthümlich und kommen in Südgrönland nicht vor. In beiden

') Accounts from Japan state that extensive warlike preparations have been made to meet our ships, which indicate a determination in the government to adhere to its exclusive policy. Depesche vom 16. Mai aus Shanghai.

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