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kommenschaft erzeugt habe; aber genauere Nachforschungen hätten ergeben, dass die vermeintliche Rehkuh ein Weibchen des Moufflon gewesen, und eben so wenig wären andere angebliche Bastardzeugungen constatirt. Wo Thiere verschiedener Art sich paarten, sei die Nachkommenschaft unfruchtbar; es sei z. B. kein Fall constatirt, dass Maulthiere sich unter einander fortpflanzten. Wenn nun der Begriff der Art dieses Kriterium habe, so könne man die verschiedenen Menschenracen nicht für Arten ausgeben; sie vermischten sich unter einander, und die Mischlinge wären unter einander unbeschränkt fortpflanzungsfähig; die Racen wären also, wie Joh. Müller sage, nur Formen einer Art. Zu demselben Resultat gelange man auch vom anatomischen Standpunkte. Schon Blumenbach habe die verschiedenen Menschenracen als zu einer Art gehörig betrachtet, weil die Racenmerkmale unmerklich in einander übergingen; es sei in der That nicht möglich, die Racen scharf von einander abzugrenzen, weil sich zu den Körperformen, die man als charakteristische Merkmale angebe, auch vermittelnde Uebergangsstufen fånden; so bilde der Schädel des Eskimo den Uebergang von dem Schädel des Mongolen zu dem des Amerikaners u. s. f. Ja selbst innerhalb einer und derselben Race könne kein Merkmal namhaft gemacht werden, welches allen zu ihr gehörigen Individuen eigen sei und bei Individuen anderer Race nicht gefunden werde; man finde im Gegentheil solche Merkmale, die man als besonders charakteristisch für eine Race zu betrachten pflege, auch bei einzelnen Individuen anderer Race. Endlich spreche auch die psychologische Constitution für die Zusammengehörigkeit des Menschengeschlechts. Was den Menschen vor allen anderen Geschöpfen auszeichne, seien Sprache und religiöse Anschauungen; und es gebe kein Volk auf der Erde ohne diese beiden Producte des geistigen Lebens. Zum Beweise, dass auch der Neger geistiger und sittlicher Entwickelung fähig sei, beruft sich der Vortragende auf die Berichte über Liberia, welche den Zuständen dieser Neger- Republik und namentlich auch dem religiösen Sinne der Schwarzen ein glänzendes Zeugniss ausstellten.

XVI.

Ueber das Klima des preussischen Staats.

Von H. W. Dove.

Durch die Beobachtungen des preussischen meteorologischen Instituts, an welches sich Mecklenburg, Hannover, Oldenburg und Holstein neuerdings angeschlossen haben, sind die klimatischen Verhältnisse des nördlichen Deutschlands bestimmter festgestellt worden, als früher, wo die Instrumente, durch welche man die Ergebnisse erhielt, nicht verglichen waren, und die Beobachtungen ausserdem nicht nach einem gemeinsamen Plane angestellt wurden. Das Nachfolgende enthält eine kurze Uebersicht der gewonnenen Bestimmungen.

Dass die Wärme eines Ortes nicht allein durch seine geographische Breite und seine Erhebung über die Meeresfläche bestimmt wird, tritt gerade in unsern Breiten höchst auffallend hervor. Während die Jahreswärme in Berlin 7 Grad Réaum. beträgt, erreicht die von Irkutzk in nahe gleicher Breite noch nicht den Frostpunkt, und fällt in Norway House an den Ufern des Winipeg, nur ein wenig nördlicher, fast einen Grad unter denselben. Der Januar ist an beiden Stationen volle 15 Grad kälter als der von Berlin. Bestimmt man aus der gesammten isothermischen Vertheilung die mittlere Wärme des Parallels von Berlin für die einzelnen Monate des Jahres, so findet man, dass die so gewonnene Temperaturcurve sich nahe an die wirkliche von Petersburg anschliesst. Berlin ist daher ungewöhnlich begünstigt; es sollte in Beziehung auf Temperatur Petersburg sein, und ist Berlin. Das will viel sagen; denn in Potersburg ist der für Berlin furchtbar strenge Januar von 1848 die Regel, und im Verlauf eines ganzen

Jahrhunderts ist Berlin nur einmal, nämlich im December 1829, daran erinnert worden, welche barbarische Winterkälte ihm von Rechts wegen zukommt.

Der preussische Staat fällt grösstentheils in den Raum, in welchem die Temperatur im Januarmittel sich unter dem Frostpunkte hält. Die Grenzlinie dieses Raumes nach Süden und Westen bin, also die Iso

therme von Null hat in Europa eine sehr auffallende Gestalt, denn sie läuft von der Mündung der Donau zuerst ziemlich regelmässig nach Strassburg, biegt sich aber dann so plötzlich rechtwinklig um, dass man von Strassburg bis zum 70ten Breitengrade, also fast bis Hammerfest, nördlich hinaufgehen kann, ohne dass sich die Wärme vermindert. Im Januar nimmt also die Temperatur in Preussen mit jedem Schritt nach Osten hin ab, ändert sich hingegen weit unerheblicher, wenn man von Süden nach Norden fortgeht. Daher haben dann Stockholm, Memel und Warschau nahe dieselbe Temperatur. Der Winter von Cleve, Crefeld, Boppard und Trier ist 1o.2 wärmer als der von Berlin, der von Breslau eben so viel kälter, der von Ratibor sogar 2.2, denn hier ist der Winter strenger als in Bromberg und Posen, und nahe eben so streng als in Königsberg, welches wiederum 1; Grad wärmer ist als Tilsit und Arys am Spirdingssee.

Die Temperaturvertheilung, wie sie im Meeresniveau stattfinden würde, wird natürlich wesentlich modificirt durch die verschiedene Erhebung des Landes über dasselbe. Das Brockenhaus ist im Jahresmittel 4.7 kälter als das 2750 Fuss tiefer liegende Wernigerode, denn die isotherme Fläche, welche die Brockenspitze berührt, schneidet erst in der Nähe von Alten in Norwegen die Meeresfläche. Aber auch bei geringeren Höhenunterschieden tritt diese Abnahme der Wärme nach der Höhe deutlich hervor. Die Station Schönberg liegt bei Carthaus in 770 Fuss Höhe auf dem Plateau, auf welchem die Radaune entspringt, unmittelbar am Fusse des über 1000 Fuss aufsteigenden Thurmberges, vom Harz an dem höchsten Punkte des norddeutschen und sarmatischen Flachlandes. Das nur 5 Meilen davon entfernte Danzig ist im Jahresmittel über 1} Grad wärmer als Schöneberg. So ist Neurode in der Grafschaft Glatz 1} Grad kälter als Breslau, Kupferberg fast eben so viel, Ziegenrück im Quellgebiet der Saale, am Fusse des Eckardswaldes höchst romantisch gelegen, fast einen Grad kälter als Erfurt, Neunkirchen bei Saarbrück eben so viel kälter als Trier. Diese Wärmeabnahme ist im Frühlinge am grössesten, 5 Grad zwischen Wernigerode und dem Brocken, am kleinsten im November, wo sie noch nicht 3 Grade erreicht. In analoger Weise tritt dies bei Danzig und Schönberg hervor. Hier ist die Wärmeabnahme im März am grössesten, im October am kleinsten. Der Sommer des Brockens ist der Frühling von Aachen, sein Winter aber einen Grad wärmer als der von Petersburg.

Abgesehen von diesen Niveaudifferenzen nimmt die mittlere Jahreswärme von SW. nach NO. in der Weise ab, dass sie im Rheinthale etwa 7 Grad beträgt, an der russischen Grenze noch nicht ganz 5 Grad erreicht. Diese Wärmeabnahme in horizontaler Richtung ist im Winter am grössesten, denn im Gebiet der masurischen Seen ist der Winter 3 Grad unter dem Frostpunkte, am Rhein etwa 1.2 über demselben, in Ostpreussen fallen 4 Monate unter denselben, am Rhein und in Westphalen kein einziger. Hingegen ist der Sommer von Posen 14.1 gleich dem von Kreuznach, der von Berlin und Breslau 14.2 wärmer als der von Trier 13.9, überhaupt die Sommerwärme so gleichförmig verbreitet, dass sie in der Ebene mit Ausnahme von Memel und Hela, wo die See abkühlend wirkt, nirgends 144 Grad erreicht und nirgends unter 13 Grad herabsinkt. Im Herbst hingegen ist das Rheinland mit 7 Grad entschieden wärmer als die mittleren Provinzen, wo nur in Berlin 7 Grad erreicht werden und in Ostpreussen bereits die Temperatur etwas unter 6 Grad herabsinkt. Aber noch viel erheblicher ist dieser Unterschied im Frühjahr, denn hier hat Trier bereits 7, während in Litthauen die Wärme nur 4.1 beträgt.

Das kalte Frühjahr Preussens, Pommerns und Mecklenburgs im Gegensatz des relativ wärmeren Herbstes ist eine auffallende Erscheinung, darum auffallend, weil das Frühjahr in ganz Deutschland überhaupt unfreundlich ist, zu den allgemeinen Ursachen des Herabdrückens der Temperatur hier also noch eine besondere hinzukommen muss. Ich suche diese Ursache in dem Einflusse der Ostsee auf ihre südlich gelegenen Küsten.

Eine flüssige Grundfläche stumpft beide Extreme ab, sowohl die der Wärme als die der Kälte. Bei einer festen Grundfäche wird nämlich die gesammte auffallende Wärmemenge zur Temperaturerhöhung derselben verwendet, bei einer flüssigen hingegen grossentheils zur Verdunstung, welche eine hohe Wärmemenge beansprucht. Kühlt sich hingegen die Luft ab, so sinken die an der Oberfläche des Wassers in Berührung mit ihr erkalteten Tropfen in die Tiefe und an ihrer Stelle nehmen wärmere aus der Tiefe aufsteigende Platz, wodurch die Kälte der darauf ruhenden Luftschicht vermindert wird. Dies giebt zu den Meeresströmungen Veranlassung, da das in die Tiefe gesunkene schwerere Wasser nach wärmeren Gegenden hin abfliesst. Anders ist es hingegen in einem abgeschlossenen Seebecken wie die Ostsee, wo der Abfluss nach Süden hin versperrt ist, welches ausserdem weit genug nach Norden hinaufreicht, um dort in Winter sich grossentheils mit Eis zu bedecken. Hier wird der nördlich gelegene Theil besonders im Frühjahr lange eine niedrige Temperatur behalten, da das Schmelzen des Eises eine grosse Wärmemenge erheischt, das nach Süden bin in der Tiefe abfliessende Wasser also vorzugsweise die Südküsten abkühlt, bis endlich in dem ganzen Becken die letzte Spur von Eis verschwunden ist und die Sommerwärme nun allein zu directer Temperaturerhöhung des Wassers verwendet werden kann. Es ist daraus ersichtlich, dass der erkältende Einfluss sich im Frühlinge also vorzugsweise an den südlichen Küsten geltend machen wird, und dass die höchste Temperatur des Meerwassers später eintreten wird als die der Luft.

Auf diese Erscheinungen wurde ich aufmerksam, als ich die Temperatur von Danzig mit der gleichzeitigen von Hela verglich, welches auf einer weit hervorspringenden Landzunge gelegen besonders im verflossenen Winter auf eine höchst auffallende Weise den abstumpfenden Einfluss der See auf die auf dem Lande herrschende Kälte zeigte. Ich vermuthete daher, dass eine Vergleichung der Temperaturcurven beider Orte im Winter den grösseren Wärmeüberschuss auf Seite Hela's, im Sommer den grösseren auf Seite Danzigs ergeben würde. Nun zeigte sich aber, dass vom September bis Februar Hela wärmer, vom März bis August kälter als Danzig sei, dass das Maximum des Wärmeüberschusses schon in den November fällt, und die grösste Abkühlung den Zeitraum vom April bis Mai umfasst. Temperaturen des Meerwassers werden in der Regel nur zur Zeit der Seebäder bestimmt, es war daher für mich eine angenehme Ueberraschung, als ich in einem dänischen Journale ein zwölf volle Jahre umfassendes freilich unberechnetes Journal gleichzeitiger Beobachtungen der Luft- und Meereswärme in Copenhagen fand und von Mecklenburg ein zweijähriges schriftliches Journal erhielt für das Meerwasser bei Doberan, welches eine Vergleichung mit der nahe gelegenen Station Rostok gestattet. In Copenhagen steht die Temperatur des Meerwassers im Mai am tiefsten, nämlich 1.25 unter der Luftwärme, am höchsten hingegen im November, 1.63 über derselben, in Doberan fallen die Extreme auf dieselben Monate, nämlich eine Abkühlung von 1.77 im Mai gegen die Luftwärme in Rostok und ein Temperaturüberschuss von 3.46 im November. Dieselben Verhältnisse treten also auch hier hervor, welche sich indirect in der Luftwärme von Danzig und Hela aussprechen, sie werden daher als für die Südküste der Ostsee allgemein giltig angenommen werden dürfen. Es geht daraus unmittelbar hervor, dass der Besuch der Ostseebäder erst im Spätsommer anzurathen ist, denen wenigstens, welche eine zu grosse Kälte des Seewassers zu scheuen haben.

Es sind zwei Meere, welche vorzugsweise tief in den europäischen Continent sich einbuchten, das mittelländische und das baltische, aber die Rolle, welche sie in Beziehung auf die Temperaturverhältnisse übernehmen, ist eine verschiedene. Aus der von mir entworfenen Karte der Isanomalen geht deutlich hervor, dass das mittelländische Meer seinen abkühlenden Einfluss vorzugsweise im Sommer äussert, wahrscheinlich deswegen, weil bei der die Grenze der subtropischen Zone bezeichnenden Vertheilung der Regen hier im Sommer die Insolation beson

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