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ders mächtig ist und bei dauernd heiterem Himmel zu einer kräftigen Verdunstung Veranlassung wird, während die Ostsee hingegen ihren abkühlenden Einfluss vorzugsweise im Frühjahr geltend macht.

Wie weit sich dieser abkühlende Einfluss der Ostsee nach Süden erstreckt, wird sich ermitteln lassen, wenn die jetzt über das Aufblühen der Pflanzen nach einem gemeinsamen Plane angestellten Beobachtungen eine längere Jahresreihe umfassen werden.

Ist die verhältnissmässig niedrige Temperatur unseres Frühjahrs der Vegetation nicht förderlich, so sind dieser oft noch mehr die häufigen Rückfälle der Kälte verderblich, welche aber allgemeineren Bedingungen ihre Entstehung verdanken.

Der Gegensatz einer festen und flüssigen Grundfläche der Atmosphäre tritt nämlich am entschiedensten unter dem directen Einfluss der Sonne hervor. Es ist daher klar, dass wenn die Sonne sich im Winter über der südlichen Erdhälfte befindet, die Wirkung ihrer mehr oder minder scheitelrechten Strahlen über den weit verbreiteten, von wenigen Ländermassen unterbrochenen Gewässern gleichartiger sein wird, als in unserem Sommer auf der nördlichen Erdhälfte, wo Festes und Flässiges in buntem Wechsel auf einander folgen. Mit zunehmender nördlicher Declination der Sonne erhalten wir daher in Hindostan und Nord-Afrika Temperaturen, wie sie von keinem anderen Orte der Erde bekannt sind. Die Kraft des Nordost-Monsun wird dann vollständig gebrochen und es bildet sich über der compacten Ländermasse Asiens ein grossartiger Courant ascendant, der, begleitet von einem stark verminderten atmosphärischen Druck, mit allen Kennzeichen der Gegend der Windstillen auftritt, den Südost-Passat als Südwest-Monsun bis an den Fuss des Himalaya hinaufzieht und auf die kältere Luft der nebenliegenden Meere in der Art wirkt, dass die des atlantischen Oceans sich erkältend über Europa verbreitet, während Ostwinde an den Küsten von Japan und Nord-Asien hervortreten, hingegen nördliche an den Ufern des sibirischen Eismeeres. Diese enormen Modificationen, welche die unsymmetrische Vertheilung des Festen und Flüssigen während unseres Sommers hervorruft, sind ein Heraustreten aus der natürlichen Einfachheit der Verhältnisse, wie sie eine gleichförmige Wasserbedeckung oder eine symmetrische Landvertheilung erzeugen würde. Der Herbst nun ist eine Rückkehr in diesen normalen Zustand, der Frühling ein mehr gewaltsames Herausreissen aus demselben. Die Natur schlummert im Herbst ruhiger ein, sie erwacht fieberhaft im Frühling und wenn diesem nicht der Winter zur Folie diente, so würde man dem Herbst den Vorzug geben. Die Witterung kämpft im Frühjahr lange, ehe sie sich darüber entscheidet, ob sie in südlicheren Gegenden höhere Temperatur zu suchen habe oder dem neuen Anziehungspunkte folgen soll, der sich für nebenliegende Luftmassen in CentralAsien bildet. Je herrlicher der Frühling bei uns erwachte, als im Moment des Gleichgewichts zwischen Ost und West die Temperatur sich selbstständig steigerte, desto trüber bricht dann plötzlich im Juni unsere Regenzeit mit Nordwest herein, wenn die Luftmassen des atlantischen Wasserbeckens die Lücke auszufüllen suchen, welche durch die Auflockerung der continentalen Atmosphäre über Asien sich zu bilden beginnt, während die durch die dort schnell zunehmende Wärme in Bewegung gesetzten Eismassen des sibirischen Meeres durch Matoschkin Schar und die karische Pforte ihren Ausweg suchen und an der Küste Grönlands herabtreibend sich dort mit den Eismassen vereinigen, welche in der Baffinsbay aus dem Smithsund, Lancastersund und Jonessund herabkommen, so dass der im Winter für Europa in NO. liegende Kältepol nun in NW. liegt, und daher jedes Umschlagen des Windes in diese Richtung die Frühlingswärme plötzlich verscheucht und dann eine so eisige Luft sich verbreitet, dass man meint, Helios sei gealtert, da selbst die hochstehende Sonne ihre wärmende Kraft verloren zu haben scheint.

In dem eben Gesagten sind die Gründe angedeutet, warum wir gerade im Frühjahr so häufige Rückfälle der Kälte wahrnehmen. Diese werden der Vegetation besonders in den Gegenden gefährlich, wo sie noch Nachtfröste veranlassen in einer bereits vorgeschrittenen Entwickelung der Pflanzen. Es ist daher natürlich, dass sie eben deswegen in diesen Gegenden eine besondere Aufmerksamkeit erregen, weil sie oft in einer einzigen Nacht Hoffnungen vernichten, welche für eine gesegnete Ernte bereits begründet erschienen. Verbindet sich mit einer solchen Erscheinung noch die Erinnerung an einen bedeutenden Mann, wie in Beziehung auf Mamertus, Pancratius und Servatius (den 11., 12. und 13. Mai) durch Erfrieren der Orangerie von Sanssouci an Friedrich den Grossen, so erscheint der Glaube an die gestrengen Herren bei uns gerechtfertigt, da selbst ein so grosser Mann sich vor ihnen gebeugt, während man in England sie nie beachtet hat.

Für alle Orte, für welche auf der Nordhälfte der Erde aus längeren Jahresreihen die Temperatur jedes einzelnen Tages sich bestimmen lässt, und es sind deren 23, habe ich die Anzahl der Rückfälle der Kälte bestimmt, welche in den einzelnen Jahren auf die einzelnen Tage des Mai's kommen. Es zeigt sich dabei, dass die Tage, um die es sich handelt, in Beziehung auf Anzahl sich wenig von dem mittleren Werth sämmtlicher Tage unterscheiden. Von bestimmten Tagen als solchen kann also hier nicht die Rede sein, man müsste denn der Natur geradezu einer vorgefassten Meinung zu Liebe Gewalt anthun. Es kann also nur gefragt werden, ob im Allgemeinen um diese Zeit eine Temperaturerniedrigung zu erwarten sei. Um mehr Orte in Betracht ziehen zu können, habe ich daher vom 1. bis 30. Mai 6 fünftägige Temperaturmittel berechnet, wo der 11., 12. und 13. sämmtlich in den dritten Abschnitt fallen, und 43 Stationen auf diese Weise mit einander verglichen. Es zeigt sich hierbei in Russland nirgends ein Rückfall von Irkutzk an bis Petersburg, derselbe tritt aber hervor in Mitau, Arys, Stettin, Berlin, Arnstadt, Erfurt, dem Brocken, Gütersloh, Breslau, Prag, Peissenberg, Paris, Brüssel, Utrecht, Harlem, London, nicht aber in Wien, Carlsruhe, Mannheim, Frankfurt a. M., Bern, St. Gotthard, Udine, ebenso wenig in den Vereinigten Staaten in Albany, Toronto und Salem. Die Erscheinung greift also nicht in das südliche Deutschland hinein, sondern beschränkt sich auf eine Strecke von Curland über das nördliche Deutschland, Holland, Belgien, das südliche England und nördliche Frankreich. In Russland scheint der Rückfall erst später sich geltend zu machen, zwischen dem 18. und 23. Dals aber eine unverhältnissmässige Abkühlung der Ostsee durch Eistreiben, wie behauptet worden, die Ursache sei, widerlegt sich dadurch, dass in den langen Reihen von Königsberg und Danzig die Erscheinung sich nicht zeigt, und dass weder die Temperatur des Meerwassers noch die der Luft bei Copenhagen sie erkennen lassen. Dasselbe Resultat ergiebt sich, wenn man die Anzahl der Rückfälle in den einzelnen Jahrgängen bestimmt. Für 317 verglichene Jahrgänge in Deutschland ergaben sich, wenn man die 5 Differenzen der 6 fünftägigen Abschnitte bestimmt und unter Rückfall das versteht, dass die nachfolgenden fünf Tage im Mittel kälter waren als die fünf vorhergehenden, für 317 Jahrgänge die Zahlen 128, 172, 85, 100, 111, also die grösste Wahrscheinlichkeit für die Epoche der kalten Tage, für Russland hingegen 83, 78, 64, 92, 83, also mehr am Ende des Monats, d. h. die gestrengen Herren nach dem alten Kalender. Schon hieraus geht hervor, dass die Crsache der Erscheinung keine kosmische, sondern tellurische ist, dies wird aber evident, wenn man in denselben Jahren viele Orte unter einander vergleicht, wie ich für 30 Jahrgänge gethan. Sind die Herren dann innerhalb eines bestimmten Gebietes streng, so äussern sie sich mild in einem anderen, die Wirkung verschiedener Luftströme ist daher unverkennbar.

An den Veränderungen der Temperatur des Luftkreises nehmen die oberen Erdschichten Theil, aber in der Weise, dass die Extreme sieh immer mehr abschleifen, je tiefer wir eindringen, bis wir in einer bestimmten Tiefe eine das ganze Jahr hindurch in ihrer Wärme unveränderliche Schicht finden. In Berlin beträgt der Unterschied zwischen dem wärmsten und kältesten Monat an der Oberfläche 15o.1, 1 Fuss unter derselben hier und in Gütersloh in Westphalen 11.6, in

2 Fuss 10.6, in 3 Fuss 9.6, in 4 Fuss 8.4, in 5 Fuss 7.4. Vom September bis März nimmt die Wärme daher zu nach der Tiefe, vom April bis August ab.

Was die Veränderlichkeit der Lufttemperatur betrifft, darunter verstanden die Abweichungen der Temperatur eines bestimmten Jahres von dem aus einer langen Jahresreihe bestimmten mittleren Werthe, so ist diese sehr bedeutend. In Breslau war das Jahr 1834 4°.34 wärmer als 1829, in Berlin das Jahr 1761 4.9 wärmer als 1740. In Berlin war der Januar von 1823 14° kälter als der von 1796, in Breslau der December von 1829 13.9 kälter als der von 1806. Die Veränderlichkeit, sowohl die absolute als die mittlere, nimmt vom Winter nach dem Frühlinge schnell ab, ist im Sommer wieder etwas grösser, aber im September, dem beständigsten Monate unserer Breiten, am unbedeutendsten.

Betrachten wir aber die Erhöhung über den mittleren Werth gesondert von der Erniedrigung unter denselben, so ist jene unbedeutender als diese. Im December 1829 kam in Breslau ein fünftägiges Mittel vor, welches 15.9 zu kalt war, die grösste Erhebung desselben betrug 8.5 im Januar 1834. In Arys waren die grössesten Abweichungen

-13.1 und +7.6, in Stettin -11 und +6.7, in Berlin -13.4 und +7.3, in Gütersloh - 12.1 und +8.3, in Trier – 12.4 und +7.3. In den westlichen Provinzen sind diese Abweichungen geringer als in den östlichen, und steigern sich überall mit der Entfernung von der Küste.

Was die absoluten Extreme betrifft, so werde ich hier nur die Jahre vergleichen, während welcher auf den Stationen des Instituts Beobachtungen angestellt wurden, da diese an verglichenen Instrumenten erhalten worden sind, bei deren Aufstellung ausserdem Rückstrahlung so viel wie möglich vermieden wurde. In Berlin betrug die grösste Kälte im Januar 1850 — 20, die grösste Wärme 27.9 im Juli 1852, der Unterschied also 47.9. Im Jahre 1850 fiel aber die Stelle, wo die Temperaturerniedrigung, die nach allen Seiten hin schnell abnahm, am bedeutendsten war, nach dem Grossherzogthum Posen. In Posen wurden —29.2, in Bromberg — 29.3 beobachtet. In Juni 1848 stieg in Posen das Thermometer auf 27.7, der grösste Unterschied beträgt also dort 56.9. In Ratibor wurden im August 1849 28.4 abgelesen, dies gab mit den — 26.7 im Januar 1848 einen Unterschied von 55.1. Als die weitesten Grenzen der Temperaturveränderungen überhaupt wird man also innerhalb der Grenzen des preussischen Staates etwa 28 — 29 Grade über oder unter dem Frostpunkte annehmen können. Auch hier sind die Extreme in den westlichen Provinzen geringer, denn in Kreuznach und Cöln fand ich als positive Extreme 27.0 und 27.0, in Cöln wegen der Localität wohl etwas zu hoch, die grösste Kälte in Kreuznach — 17.4 im Februar vorigen Jahres, in Cöln — 16.0.

Am 3. Februar 1823, einem Jahre, dessen kalter Winter berühmt ist, schrieb man aus dem Wallis: Schon zum zweiten Male in diesem Winter bestätigen die Beobachtungen eine Meinung unserer Walliser, nämlich dass in dieser Jahreszeit es in der Ebene oft kälter ist, als in der halben Höhe des Gebirges. Dies tritt auch sehr deutlich in unseren Beobachtungen hervor. Am 22. Januar 1850 war die Kälte in Heiligenstadt -22°, auf dem Brocken nur – 10.5. In Schlegel bei Glatz, 1181 Fuss über dem Meere, stieg die Kälte am 22. Januar Morgens auf -27, dagegen hatten die Wünschelburger den bei ihnen sehr angenehmen Wintermorgen ohne besondere winterliche Vorsichtsmassregeln zu einer Fahrt nach Glatz benutzt und konnten die Kälte in Glatz gar nicht begreifen.

Wir wenden uns zu den wässerigen Niederschlägen.

Die Elasticität der in der Luft enthaltenen Wasserdämpfe auf psychrometrischem Wege bestimmt ist im Januar am kleinsten, im Juli am grössesten. In Ostpreussen steigt sie von 1.2 Linien bis 4.9, am Rheine von 2 auf 4.8, so dass sie also in den wärmsten Monaten nahe überall dieselbe ist. Da nun die relative Feuchtigkeit im Sommer geringer ist, als im Winter, so ist klar, dass die Verdunstung des Wassers aus einem doppelten Grunde vom Winter zum Sommer hin zunimmt, weil nämlich die Wärme sich steigert und zu gleicher Zeit mit dieser die Fähigkeit der Luft, Wasser aufzunehmen, oder ihre relative Trockenheit. Nun zeigen aber unsere Beobachtungen, dass die Regenmenge vom Winter zum Sommer hin stätig zunimmt, man könnte daher der Vermuthung Raum geben, dass das bei uns verdunstende Wasser auch die Quelle des Regens ist.

Aber wir verweisen auf unsere frühere Ausführung, S. 24 d. Zeitschrift: „Da der Luftkreis in ununterbrochener Bewegung begriffen ist, 80 sieht man leicht ein, dass das Wasser nicht da herabfällt, wo es verdunstet, dass im Gegentheil die Verdunstung an einer bestimmten Stelle die Veranlassung zum Regen an einer anderen wird. Im Allgemeinen also ist das bei uns herabkommende Wasser fremden Verdunstungsquellen entlehnt, und man braucht nur einen Globus zu betrachten, um sich zu überzeugen, dass gegen das grosse Wasserreservoir, welches wir das Meer nennen, alle übrigen Wasserbehälter verschwinden; es ist also hauptsächlich Meerwasser, welches durch die Destillation, für welche die Sonne die Wärme entwickelt, sich bei späterer Abkühlung in Regen verwandelt. Da aber mit Abnahme der Wärme die Fähigkeit der Luft, Wasser zu enthalten, abnimmt, so wird die günstigste Gelegenheit für den Regen geboten sein, wenn Luft, welche Zeitschr. 1. allg. Erdk, Neue Folge. Bd. I.

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