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über dem Meere der heissen Gegend gestanden, über kälteren Boden strömt. Wir haben also nach dem Aequator und zwar wo er flüssig ist hinzublicken, wenn wir die Quelle suchen, aus welcher der Luftkreis seinen Wassergehalt schöpft. Da aber wegen der Drehung der Erde die Winde, welche von der heissen Zone wehen, immer westlicher werden, je weiter sie fortschreiten, oder da mit anderen Worten ein Südwestwind ein Südwind ist, welcher weiter von Süden herkommt, als der Südwind selbst, so wird die Südwestseite unsere Wetterseite sein“, die Regenmenge wird daher von den südwestlichen Gegenden des Staats nach den nordöstlichen abnehmen, wie es die Beobachtungen ergeben, da nämlich je weiter die Luft strömt, sie desto mehr den Wasserdampf verliert, den sie in wärmeren Gegenden aufnahm. Jedes von SO. nach NW. sich erstreckende Gebirge, und dies ist ja die Hauptrichtung der norddeutschen Ketten, verdichtet daher an seiner Südwestseite viel mehr Regen, als an der Nordostseite, selbst so unbedeutende, wie der Teutoburger Wald, denn in Paderborn und Gütersloh jenseits fielen in denselben Jahren 28 Zoll, wo in Salzuffeln diesseits nur 21.8 gemessen wurden, Ziegenrück am Südabhange des Thüringer Waldes hat 26, Erfurt nur 20. Die in Prag 14 Zoll betragende Regenmenge steigert sich am Südabhange des Riesengebirges allmählig bis 33, sinkt aber in Neisse schon auf 16 Zoll herab. Das Rheinthal, welches als eine Querspalte das rheinische Gebirge durchsetzt, zeigt daher in seinem ganzen Verlaufe eine sehr gleiche Menge von etwa 26 Zoll, aber in den Querthälern ist sie unbedeutender, so in Kreuznach nur 19. Der isolirt aufsteigende Harz verdichtet hingegen den Wasserdampf zu der grössten Menge, denn in Clausthal und auf dem Brocken erreicht diese 50 Zoll, aber dadurch ist auch der Vorrath erschöpft und daher sinkt an den mecklenburgischen Küsten, der Nähe der Ostsee ungeachtet, auf Poel bei Wismar diese Menge auf 16, in Wustrow sogar bis auf 13 Zoll herab, während sie in Berlin 21 Zoll beträgt. In Ostpreussen ist sie erheblicher als in Westpreussen, denn sie beträgt in Königsberg 28, in Conitz nur 14. Zugleich zeigt sich an der Küste der Ostsee eine Tendenz, das Maximum der Regen vom Sommer in den Herbst zu verlegen, da nämlich das Meer, wie wir früher gesehen, länger die Wärme zurückhält als das Land, so wird hier der Gegensatz der Temperaturen beider im Herbst eine Veranlassung zur Steigerung der dann eintretenden Niederschläge.

Die Vertheilung der Regenmenge in der jährlichen Periode bietet einige bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten dar, welche in allgemeineren Verhältnissen ihre Erledigung finden.

Die in der Gegend der Windstillen in der heissen Zone aufsteigende Luft kann nicht in der Höhe bis zum Pol zurückfliessen, da der Zwischenraum zwischen den Meridianen sich fortwährend verengert, sie muss also früher herabkommen und wird da, wo sie den Boden berührt, ihren Wasserdampf am mächtigsten absetzen. Die Gegend der Windstillen rückt aber mit der Sonne herauf und herunter, sie hat ihre südlichste Lage in unserem Winter, ihre nördlichste in unserem Sommer. Dem analog wird sich natürlich auch die Stelle des Herabkommens rerschieben. Im Winter kommen daher diese obern Ströme schon südlich von den Canaren und Azoren herunter, diese haben daher in den Wintermonaten ihre Regenzeit. So wie die Sonne höher nach Norden hinaufrückt, bewegt sich die Stelle des Aufsteigens mit ihr weiter nach Norden, das Herabkommen findet nun weiter nördlich an den Südküsten von Europa statt. Diesen heissen feuchten Winden stellt sich die Mauer der Alpen entgegen. An ihren kalten mit Schnee bedeckten Scheiteln condensirt sich der Wasserdampf zu furchtbaren Niederschlägen, während die hohe Temperatur, welche sie aus den Tropen mitbringen, zu einer Schneeschmelze Veranlassung giebt, welche das durch den Regen schon erhöhte Niveau der Ströme zu einer Höhe hebt, wodurch Leberschwemmungen erzeugt werden, von denen eben das südliche Frankreich ein so entsetzliches Beispiel gegeben. Aber dadurch erschöpft sich auch der Wassergehalt und wir haben daher im Frühjahr, wo besonders die Lombardei von den heftigsten Ueberschwemmungen heimgesucht wird, im nördlichen Deutschland eine ungewöhnliche Trokkenheit mit sehr hohem Barometerstande und dauernden Ostwinden. Der von Norden herbeiströmenden Luft ist der Weg nach Süden vollkommen durch jene herabkommenden Winde versperrt, daher staut sich die Luftmasse besonders im März zu ungewöhnlicher Höhe, während die abgesperrte Luft seitlich einen Ausweg sucht und daher als Ostwind so weit fliesst, bis sie in ihrem Vordringen nach Süden nicht weiter gehindert wird. Endlich dringt diese Luftmasse auch in Europa im Siden durch, der Ostwind verwandelt sich in Nord und das Barometer fällt ganz gegen die gewöhnliche Regel, weil eben dann ein Abfluss erfolgt. Im Juni endlich ist die Gegend der Windstillen so weit heraufgerückt, dass die oberen Winde die Alpenkette ungehindert überströmen können, jetzt bekommen wir unsere Regenzeit, 7 Brüder und Siebenschläfer sind unsere Loostage; gerade wenn wir die Bäder besuchen wollen, bricht die Regenzeit herein. In dieser Beziehung sind wir daher schlecht gelegen. Aber die Verhältnisse des Frühjahrs kehren im Herbst wieder, der September ist daher unser Reisemonat, erreicht er eine besondere Schönheit, so erhält er den eben nicht poetischen Namen „alter Weiber Sommer“.

Ich habe in einer neuerdings herausgegebenen Arbeit ausführlich gezeigt, dass die barometrischen Maxima eben solche Phänomene des Stauens sind. Die Belagerung von Sebastopol lieferte so viele Nach

richten über die gleichzeitig im mittelländischen Meere entgegenwehenden südlichen Winde, dass ein bisher vollkommen dunkles meteorologisches Phänomen auf eine sehr einfache Weise sich gleichsam von selbst erläuterte.

In die bisherigen Beobachtungen habe ich die electrischen Phänomene und die Verbreitung des Hagels nicht aufgenommen, da ich hierüber noch mehr Material zu sammeln hoffe, als bis jetzt vorliegt. Die Südweststürme des Winters mit niedrigem Barometer habe ich früher sehon auf ihre Geburtsstätte in Westindien zurückgeführt und in neuern Untersuchungen keine Widerlegung früher geltend gemachter Ansichten gefunden. Tromben sind so selten, dass die grossartige Verwüstung, welche im Jahre 1848 eine solche im Forste von Biesenthal bei Neustadt-Eberswalde anrichtete, das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Beispiel ist. Dass zu diesen Formen viele Gewitter und Hagelwetter als stark geneigte Wirbelwinde, deren Rotationsachse zuletzt mehr horizontal wird, gehören, glaube ich als eine sehr wahrscheinliche Vermuthung aussprechen zu dürfen, ohne es beweisen zu können.

Ich habe Licht- und Schattenseiten des Klima's von Preussen einfach darzulegen gesucht, die nach der geographischen Lage günstige Temperatur, den Mangel so heftiger Niederschläge, wie im südlichen Europa, die Compensation eines milden Herbstes für ein rauhes Frühjahr, einen nur nach dem Ende hin ungetrübten Sommer. Betrachten wir aber die letztverflossenen Jahre, so müssen wir sie als besonders ungünstig bezeichnen, weil die häufige Wiederholung eines unverhältnilsmässig kalten Frühjahrs nach einem milden Winter der Entwickelung der Vegetation am verderblichsten ist. Hierzu kommt noch die unglückliche Temperaturvertheilung im Jahre 1855. Im December 1854 und Januar 1855 hatten heftige Regen bei Südwinden das Niveau der Ströme erheblich erhöht, das Verdrängen dieses lange anhaltenden Südstromes durch den in der zweiten Hälfte des Januar ihn überwältigenden polaren hatte ausserdem eine bedeutende Schneemenge geliefert. Die im Februar wiederkehrende Kälte bedingte neue Eisdecken in einem tiefern Niveau, da der auf den Boden gefallene Schnee in der andauernden Frostperiode nicht schmelzen konnte, die Eisdecke erhielt dadurch eine ungewöhnliche Mächtigkeit. Unglücklicher Weise war der März bei niedrigem Barometerstande dauernd trübe. Die Sonne konnte nicht auf die Eisdecke wirken, welche daher so lange Widerstand leistete, bis sie endlich durch den Druck des Wassers gebrochen wurde, das aus dem verspäteten Schneeschmelzen sich dauernd vermehrt hatte. Die Beobachtungen in Oberschlesien zeigen zwischen dem 22. bis 26. März einen Ueberschuss von 4.7 über die normale Wärme, in Brom

berg von 0.6. Im obern Gebiet der Weichsel trat wegen dieser intensiven Wärme daher der Eisgang schon energisch ein, während der Fluss im mittleren Laufe noch gesperrt war. Dem Zusammenwirken dieser Ursachen ist es zuzuschreiben, dass die Ufer der Weichsel von einer Ueberschwemmung heimgesucht wurden, deren Schrecken Alles hinter sich liess, was die Leidensgeschichte dieser unglücklichen Gegenden bisher an Drangsalen aufgezeichnet hat.

In dem ganzen Verlaufe meiner Untersuchungen, und sie umfassen 130 Jahrgänge Monat für Monat, habe ich kein Beispiel gefunden, dass anomale Verhältnisse sich dauernd fixiren. Die gleichzeitige Beobachtung der neben einander liegenden Erscheinungen zeigt eben, dass die Betten der Luftströme veränderliche sind. Der Mangel an einer Stelle compensirt sich durch den Ueberschuss an einer anderen, und die Gegend, welche nach Jahren des Misswachses oft von fern her ihren Bedarf sich holen musste, spendet dann in anderen Jahren reichlich denjenigen Ländern, welche ihr in der Zeit der Noth zu Hilfe gekommen. So erscheint im Leben der Atmosphäre Gewicht und Gegengewicht geregelt, wenn man sich gewöhnt, beide Schaalen zu beachten, d. h. den localen Standpunkt zu verlassen, der nur eine in's Auge fasst.

(Die zu der Abhandlung gehörigen Temperaturtafeln werden einer späteren Tabelle, welche die Wärmeverhältnisse von ganz Deutschland umfasst, einverleibt werden.)

XVII.

Die amerikanische Expedition nach Japan.

(Zweiter Artikel.)

Commodore Perry beschloss, von Shanghai nicht direct nach Japan zu gehen. Er wollte den Japanesen gegenüber völlig unabhängig sein und namentlich für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass bei einer längeren Dauer der Verhandlungen die Schiffsvorräthe an Wasser und Lebensmitteln erschöpft werden sollten, sein Verbleiben in den dortigen Gewässern nicht von dem guten Willen seiner Gegner abhängig machen. Da seine Instructionen ihm die Anwendung von Gewaltmitteln nur zum Zwecke der Selbstvertheidigung gestatteten, wäre ihm nur die Rückkehr zu einem der entlegenen chinesischen Häfen übrig geblieben, 80bald ihn die Japanesen, nach längerem Hinschleppen der Verhandlungen, durch die Verweigerung einer Subvention an Wasser und Lebensmitteln von ihren Küsten zu entfernen gesucht hätten; und eine solche Eventualität wäre in den Augen seiner Gegner ein erster bedeutungsvoller Sieg über ihn, und für den Erfolg der Mission ein übles Prognostikon gewesen. Perry sah sich demnach nach einem näher gelegenen Hafen um, mit dem er durch eines seiner Schiffe eine bequemere Verbindung aufrecht erhalten konnte, und warf sein Auge auf die Liu-Kiu-Inseln.

Diese waren in der That hierzu vorzüglich geeignet. Von der Südspitze Kiusiu's ist Gross-Liu-Kiu nur 4į Breitengrade in südsüdwestlicher Richtung entfernt; es ist wohl bebaut, reich an Quellwasser und Lebensmitteln, und von einem Menschenschlage bewohnt, den Basil Hall als ein Muster idyllischer Einfachheit und harmloser Friedfertigkeit geschildert hatte. Dazu kam, dass sich die Souveränetätsverhältnisse dieser Inseln im Laufe der Zeit verdunkelt hatten; die Wahrscheinlichkeit sprach allerdings dafür, dass die Eilande von Japan und zwar von dem Fürsten Satsuma's, des südlichsten der neun auf der Insel Kiusiu gelegenen Fürstenthümer, abhängig waren; aber es stand auch fest, dass die Bewohner an China einen Tribut entrichteten, und man durfte daraus schliessen, dass weder Japan noch China für eine unzweideutige Feststellung ihrer Oberhoheitsrechte gesorgt hatten, dass die Inseln vielmehr ziemlich unabhängig waren und dass man es bei dem Abschluss einer Convention nur mit den eigenen Behörden derselben zu thun haben würde. Zugleich bot sich die Aussicht dar, hier einen solchen Ankerplatz zu gewinnen, wie ihn der Schiffsverkehr zwischen Californien und China so dringend bedurfte; und wenn es dem Commodore gelang, durch ein wohlwollendes Benehmen das Vertrauen der Eingeborenen zu gewinnen, durfte er erwarten, dass die Nachricht von dem friedfertigen Auftreten der Amerikaner auch nach Japan gelangen und hier die von übelwollender Seite genährten Befürchtungen beschwichtigen würde. Gewannen die Amerikaner auf den Liu-KiuInseln Terrain, so hatten sie auch für ihr Auftreten in Japan in mehr als einer Beziehung die Wege geebnet.

Am 26. Mai ankerte das Geschwader vor Gross-Liu-Kiu, auf der Rhede von Napha.

Es galt nun, die Eingeborenen zu gewinnen, sie für den Umgang, wo möglich für den Tauschhandel mit den Fremden geneigt zu stimmen, und die Behörden aus ihrem mysteriösen Isolirungssystem in die gewöhnlichen Wege des internationalen Verkehrs hineinzuziehen. Die Aufgabe war nicht einfach: zu ihrer Lösung gehörte auf der einen Seite eben so viel Zuvorkommenheit, Discretion und Nachgiebigkeit, wie auf der anderen Festigkeit und Consequenz, - und die Mittel,

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