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jenen Doppelzweck zu erreichen, schienen sich oft durchkreuzen zu müssen.

Aus leicht ersichtlichen Gründen hatte der Commodore beschlossen, hier wie in Japan nur mit den höchsten Würdenträgern Unterhandlungen anzuknüpfen: bei diesen orientalischen Völkern mit ihrer weit verzweigten Beamtenhierarchie, ihren scharf gesonderten Rangklassen musste er unter allen Umständen der Quelle der Entscheidung so nahe als möglich zu treten suchen und dadurch die Gefahr vermeiden, dass der Strom der Verhandlungen in den weitläuftigen Canälen des Beamtenthums kläglich versiegte. Um diese für den Erfolg der Mission sehr wesentliche Forderung auf eine den ceremoniösen Nationen des Orients verständliche Weise zu motiviren, hüllte er sich selbst in ein strenges Ceremoniell, und liess darauf verweisen, dass er der Vertreter eines sehr mächtigen Reiches sei und zur höchsten Rangstufe desselben gehöre. Das war in den Augen eines Volkes, bei welchem jeder Beamte vor Männern der nächsthöheren Rangstufe auf die Knie sinkt, ein überzengender Grund, der jeden Versuch untergeordneter Behörden, zu dem mächtigen Mandarin der Vereinigten Staaten zu gelangen, als unbillig und thöricht erscheinen liefs. In der That ist weder hier noch in Japan gegen dieses Argument ein Einwand erhoben worden.

Zweifelhafter war es, wie man in Bezug auf die Geschenke verfahren sollte, welche die Eingeborenen den Schiffen zuführten, — mochten sie nun damit das Wohlwollen der fremden Nation, die mit so ehrfurchtgebietender Macht an ihren Küsten erschien, erkaufen wollen oder den Pflichten der Gastfreundschaft, wie sie von den meisten Naturvölkern aufgefasst werden, Folge zu leisten meinen. Perry sagte sich indess, dass es, um die Gunst der Eingeborenen zu gewinnen, ein schlechter Weg gewesen sein würde, wenn man von ihnen gewissermassen 8opa rīs napódov angenommen hätte; sollten sie dem Handelsverkehr zugänglicher werden, so waren überdies die orientalischen Ideen über die den Fremden schuldigen Pflichten unhaltbar; erneuerte Besuche wären dann den Insulanern als ein Anlass zu neuen Contributionen, als eine Plage erschienen, während den Amerikanern viel daran gelegen sein musste, die gerade entgegengesetzte Vorstellung anzuregen, dass der Besuch der Fremden für die Landeseinwohner mit Vortheilen verknüpft sei. Die freundlichst dargebotenen Geschenke wurden also abgelehnt. Dies erregte Bestürzung und Besorgnisse; aber der Commodore benutzte die erste sich darbietende Gelegenheit, sie durch die Versicherung zu beschwichtigen, dass er, von jeder Missachtung weit entfernt, hierin nur den Gebräuchen seines Vaterlandes gefolgt wäre, welche den Kriegsschiffen die Annahme von Geschenken untersagten.

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Die bestimmte Erklärung Perry's, nur mit den höchsten Würdenträgern verhandeln zu wollen, hatte zur Folge, dass schon am 30sten der Regent der Liu-Kiu-Inseln, ein ehrwürdiger alter Mann, mit zahlreichem Gefolge an Bord der Susquehanna erschien: es war warten gewesen, dass die höchsten Behörden des Landes bei den Besorgnissen, welche die Erscheinung einer Kriegsflotte den Insulanern einflössen musste, bald aus ihrer orientalischen Indolenz heraustreten würden, um eine Aufklärung und beruhigende Zusicherungen zu erlangen. Der Commodore hatte alle Anordnungen getroffen, den Eingeborenen durch Entfaltung seiner überlegenen Macht zu imponiren: die Mannschaft war in voller Uniform; der Regent und sein Gefolge wurden von den Capitains Buchanan und Adams empfangen, und als sie an Bord des Schiffes waren, durch drei Salutschüsse begrüsst, wobei einige dieser Naturkinder vor Schreck zu Boden sanken; demnächst führte man sie auf dem Schiffe umher, zu den furchtbaren Geschützen, der grossartigen Maschine, die sie mit Staunen betrachteten, und eröffnete ihnen endlich, dass man sie nun zu dem Commodore geleiten würde, der sich bisher nicht hatte blicken lassen. Nicht ohne Unruhe, und überwältigt von dem Eindruck des Wunderbaren, das sie gesehen hatten, doch mit grosser Gravität und in dem Bewusstsein, dass sie in eine ganz singuläre Begebenheit verwickelt wären, stiegen sie zur Cajüte hinab. Auf eine solche Gemüthsstimmung musste Perry's Freundlichkeit besonders wohlthuend wirken; die Mienen der Insulaner klärten sich auf, sobald er sie seiner Freundschaft und seiner friedlichen Absichten versicherte, und umdüsterten sich erst dann wieder, als er seinen Entschluss zu erkennen gab, dem Regenten in dem Palaste der Residenzstadt Shui einen Gegenbesuch abzustatten. Dieses war das nächste Ziel, welches Perry erreichen musste: neben einem lebhaften internationalen Verkehr konnte das Mysterium, in welches sich orientalische Monarchen einzuhüllen lieben, nicht bestehen bleiben, und es war wünschenswerth, den geheimnissvollen Schleier so zeitig als möglich zu lüften und dadurch zu zeigen, dass das Verderben noch nicht hereinbreche, wenn der himmlische Sitz der höchsten Autorität nicht mehr unnahbar sei. Dem Regenten freilich war die Forderung höchst bedenklich; er berieth mit seinen Begleitern; aber der Commodore machte ihrem Gespräch durch die Versicherung ein Ende, dass seine Pflicht den Besuch erheische und dass er erwarte, mit allen Ehren empfangen zu werden, die dem Vertreter einer so grossen Nation gebührten. Der Regent erhob zunächst keinen weiteren Einwand. Mit denselben Ehrenbezeugungen, die ihm bei seiner Ankunft zu Theil geworden, wurde er zu seinem Boote zurückgeleitet.

Nachdem auf diese Weise der Verkehr mit den Behörden angeknüpft war und der Commodore auch einigen Abtheilungen der Schiffsmannschaft die Erlaubniss ertheilt hatte, an’s Land zu gehen, natürlich mit der gemessenen Ordre, jeden Conflict mit den Eingeborenen zu vermeiden und sich namentlich nicht an Orte zu drängen, wo ihre Gegenwart unangenehm schiene, – erhielt man Gelegenheit, ein Vorspiel des japanesischen Wesens kennen zu lernen. Anfangs freilich sammelte sich das Volk neugierig um die ersten Amerikaner, die sich in den Strassen Napha's blicken liessen; es wich mit ehrerbietiger Scheu vor ihnen zurück, sobald sie sich näherten, und folgte ihnen wieder von ferne; aber bald bemerkten die Fremden eine ausserordentliche Thätigkeit von Beamten und Spionen, die ihnen auf Stegen und Wegen folgten und das Volk, namentlich Weiber und Kinder, aus allen Strassen verscheuchten, welche die Amerikaner betreten zu wollen schienen. Die auffallendste Probe dieser ängstlichen Leberwachung erlebte die Expedition, welche Perry beauftragt batte, in 5 bis 6 Tagen das Innere der Insel zu erforschen; zahlreiche Spione eilten ihr stets voraus; wenn die Gesellschaft plötzlich die Richtung änderte, sah man die Späher querfeldein laufen, um wieder die Spitze zu gewinnen und die Insulaner von den Feldern und Wegen in ihre Häuser zu treiben; trennte sich die Expedition, so folgten Spione jeder Abtheilung, ja jedem Einzelnen über Stock und Stein mit unglaublicher Unverdrossenheit. Dabei waren diese Polizeibeamten gegen die Amerikaner selbst ausserordentlich höflich, wollten auch die Eingeborenen aus keinem anderen Grunde entfernt haben, als um den Fremden jede Belästigung zu ersparen. Sie bedeuteten die Expedition am ersten Abend, dass es Zeit zur Rückkehr sei, und waren sehr betroffen, als ihnen eröffnet wurde, dass man einen Marsch von mehreren Tagen beabsichtige; aber bald fūgten sie sich mit Resignation in ihre traurige Pflicht, eine so beschwerliche Reise mitmachen zu müssen, behaupteten selbst bei grossen Strapazen ihren guten Humor, führten die Fremden zu Kungqua's, den öffentlichen Rastplätzen für reisende Beamte, wo sie mit Thee bewirthet wurden, und sorgten auch dafür, dass die Insulaner, welche das Gepäck trugen, an jedem Morgen durch andere abgelöst wurden. Auffallend war es, dass die Eingeborenen, wo man ihnen trotz aller polizeilichen Vorsichtsmassregeln dennoch begegnete, die Fremden mit freundlicher Neugier grüssten, dabei aber einige Aengstlichkeit zeigten, die in der Anwesenheit der Beamten eine Erklärung zu finden schien; diesen leisteten sie willigen, unbedingten Gehorsam; sie waren wie schwache Kinder, die am Gängelbande eines sehr ausgebildeten, aber auf ganz anderem Boden entstandenen Polizeisystems geleitet wurden. Vorerst konnten die Amerikaner gegen diese lästige Ueberwachung Nichts thun: es galt zunächst, durch ihr Benehmen den praktischen Beweis zu führen, wie überflüssig sie wäre.

In dem weiteren Verkehr mit den Behörden trat inzwischen auch eine Probe der ränkevollen und unaufrichtigen Politik zu Tage, deren Urbild Perry später in Japan kennen lernen sollte. Nur mit Mühe verstand sich der Regent dazu, den Amerikanern ein Gebäude an der Küste zu überlassen, und den Besuch Perry's in der Hauptstadt suchte er durch alle Mittel zu hintertreiben. In einem larmoyanten Schreiben bat er den Commodore inständigst, diese Absicht aufzugeben; vor einem Jahre sei ein britischer General mit einem Staatsschreiben wider den Willen der Behörden in den Palast eingedrungen, die Königin Wittwe sei vor Schreck krank geworden und befinde sich noch in dem bedenklichsten Zustande; alle Unterthanen müssten an die Wiederkehr eines solchen Ereignisses die schlimmsten Befürchtungen knüpfen; aus Mitleiden mit der kranken Dame und dem zarten zwölfjährigen Fürsten möge der Commodore, wenn er einen Gegenbesuch durchaus für nöthig halte, denselben in der Wohnung des Regenten abstatten. Da merkwürdiger Weise auch zur Zeit Hall's eine Königin Wittwe und ein unerwachsener Prinz auf Liu-Kiu geherrscht hatten, mochten die Amerikaner an die reale Existenz dieser beiden Personen nicht recht glauben; der Commodore entgegnete, seine friedfertigen Absichten könnten die kranke Königin unmöglich erschrecken, das neue und glänzende Schauspiel einer Ambassade würde sie vielmehr erheitern, und die geschickten Aerzte des Geschwaders würden sich glücklich fühlen, ihre Wissenschaft zur Herstellung der schätzbaren Gesundheit Ihrer Majestät verwenden zu können. Als der Regent auf diesem Wege nicht zum Ziele gelangte, suchte der Bürgermeister von Napha durch das Arrangement eines Festmahls, zu welchem der Commodore eine Einladung erhielt, eine Zusammenkunft des letzteren mit dem Regenten zu Stande zu bringen, vermuthlich um dieselbe als ein ausreichendes Aequivalent für den beabsichtigten Gegenbesuch bezeichnen zu können; Perry liefs sich aber durch Geschäfte entschuldigen. Einen letzten Versuch machte man noch in den Strassen der Hauptstadt Shui, als die Amerikaner in feierlicher Procession dem Schlosse zuschritten: man suchte sie in eine Nebenstrasse zu führen, in welcher die Wohnung des Regenten lag; indess stand der hoch gelegene Palast den Amerikanern vor Augen, sie liessen sich also nicht irre leiten; die Pforten des Schlosses wurden ihnen geöffnet, und nach dem Austausch gegenseitiger Höflichkeiten begab man sich in die Wohnung des Regenten, wo ein splendides Mahl die Fremdlinge erwartete. Zur grossen Genugthuung des Regenten brachte der Commodore cinen Toast auf

das Wohl der Liu-Kiu - Inseln und ihre beständige Freundschaft mit den Amerikanern, und einen zweiten auf das Wohl des Regenten aus; dieser antwortete mit einem Toast auf den Commodore und die Offiziere des Geschwaders; die geistigen Getränke, denen die Insulaner fleissig zusprachen, trugen dazu bei, das Misstrauen allmäblich zu verscheuchen; man verabredete, dass der Commodore nach seiner Rückkehr von einer kleinen Excursion seinen jetzigen Wirthen eine Festlichkeit an Bord des Flaggenschiffs nach seiner Landessitte veranstalten werde, und schied von einander mit sichtlicher Befriedigung.

Vor seiner Abfahrt sandte der Commodore verschiedene Geschenke an die angebliche Königin Wittwe und den jungen Fürsten, an den Regenten, den Bürgermeister von Napha und andere höhere Beamte, die mit den Offizieren des Geschwaders zusammengekommen waren, und bewirkte auch die Bezahlung der Lebensmittel, welche der Erforschungs-Expedition oder den Schiffen geliefert waren. Er hatte dadurch die Insulaner und die Fremden auf den Fuss gegenseitiger Gleichheit gestellt, wie er die unerlässliche Vorbedingung eines dauernden Verkehrs ist, und, soweit es während der kurzen Zeit möglich war, den Behörden der Insel gezeigt, dass ein Heraustreten aus ihrer mysteriösen Isolirung kein Unheil herbeiführe, sondern im Gegentheil die freundschaftlichen Beziehungen zu pflegen geeignet sei. Für die Zukunft hatte er indess am Meisten durch die Festigkeit gewonnen,

mit der er bei seinen einmal ausgesprochenen Absichten beharrte: es musste jede künftige Verhandlung erleichtern, wenn die Behörden der Insel davon überzeugt waren, dass die Taktik der Ränke und Winkelzüge, in der sie so geübt zu sein schienen, ihm gegenüber nicht verfing.

Um den freundschaftlichen Verkehr mit den Insulanern weiter auszubilden und sie an den Umgang mit den Fremden mehr zu gewöhnen, liels der Commodore die Fregatte Mississippi und das Transportschiff Supply vor Gross-Liu-Kiu zurück, mit der Weisung, dass nur die ordentlichsten Personen Erlaubniss erhalten sollten, an die Küste zu gehen, und fuhr selbst mit der Susquehanna und Saratoga nach den BoninEilanden, da er vor der Ankunft eines schon längere Zeit von Shanghai erwarteten Kohlenschiffs die Reise nach Japan nicht antreten konnte.

Die Untersuchung der Bonin-Inseln hatte Perry schon vor längerer Zeit beschlossen, da sie in Folge ihrer Lage, ungefähr 14 Längengrade östlich von Gross - Liu-Kiu, für die von Californien nach China gehenden Schiffe einen noch geeigneteren Anlegepunkt als der Hafen von Napha darbieten konnten. Waren sie productionsfähig und bewohnt, und besassen sie einen sicheren Hafen, gewannen jene Schiffe auf ihrer Fahrt von den Sandwich-Inseln nach Shanghai oder Hongkong einen Zufluchtsort, der von Honolulu 3301, von Shanghai 1081

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