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III.

Die Provinz Catamarca in der argentinischen

Conföderation.

(Mit einer Karte, Taf. II.)

Die Provinz Catamarca gehörte bisher zu den allerunbekanntesten Theilen der argentinischen Conföderation; nur ein paar Namen von Ortschaften und Gebirgszügen waren zu allgemeinerer Kenntniss gekommen und wechselten auf unseren Karten, Irrlichtern gleich, oftmals den Platz, den ihnen schwach begründete Vermuthung angewiesen hatte, um sie nur überhaupt als geographische Errungenschaften festzuhalten. Vergebens hatte sich Sir Woodbine Parish, dessen Arbeit über die argentinischen Staaten noch immer die vollständigste und lehrreichste ist, während seines Aufenthalts am La Plata bemüht, Nachrichten über das entlegene Gebirgsland einzuziehen: der Gouverneur selbst gestand, dass er über die Ausdehnung und die materiellen Hilfsquellen desselben nicht unterrichtet sei, und noch weniger war es möglich, zuverlässige topographische Angaben zu erhalten. Auch seitdem ist kein Reisender von wissenschaftlicher Bildung in die von allen Hauptverkehrsstrassen entfernte Landschaft gedrungen, weder von der Küste des stillen Oceans durch die erzreichen Districte der Provinz Atacama und den Come Caballo-Pass, der in einer Höhe von 13,625 Par. Fuss, fast 500 F. höher, als der Gipfel des Finsteraarhorns von Copiapó über die Cordillere führt, noch von Osten her aus den salzgeschwängerten und wasserarmen Wüsteneien, in denen oasengleich an den Ufern des Rio Dolce und Rio Salado die Ortschaften der Provinz Santiago liegen. Auf dem schönen Kärtchen, durch welches Herr A. Petermann im zweiten Hefte seiner diesjährigen „Mittheilungen“ den Bericht Philippi's über das Plateau von Atacama erläutert, finden wir deshalb an der Stelle, wo Catamarca liegt, einen leeren Raum; und dass es sogar in den unmittelbar benachbarten Ländern noch vor wenigen Jahren un

möglich war, brauchbare Nachrichten über die abgeschlossene Alpenlandschaft zu erhalten, bemerkt Lieut. Gilliss, Führer der von den Vereinigten Staaten ausgerüsteten Expedition nach Chile: er beschreibt den Zugang zu dem Come Caballo-Pass ausführlich; von dem letzteren aus soll man ostwärts niedrige, einförmige Gebirgszüge mit nur wenigen hervorragenden Spitzen erblicken; aber all beyond is terra incognita, except to the professional mine hunter or smuggler“ ').

Um so erfreulicher ist es, dass jetzt unter den Bewohnern der argentinischen Staaten das Bestreben erwacht ist, die Zustände des eigenen Landes kennen zu lernen, und dass damit der Wunsch, den Herr Petermann am Schlusse des erwähnten Artikels ausspricht, bereits in Erfüllung gegangen ist. Vor zwei Jahren richtete der Director des Museo Nacional, Oberst du Graty, ein Rundschreiben an die Regierungen der einzelnen Staaten, in welchem er sie aufforderte, statistische Berichte über die von ihnen verwalteten Provinzen einzusenden und so das Material für eine allgemeine Landesstatistik herbeizuschaffen; und noch im Laufe des Jahres 1854 hatte Señor Benedicto Ruzo, ein eben so eifriges, wie einsichtsvolles Mitglied der Regierung von Catamarca, eine ausführliche Denkschrift über die physische Beschaffenheit dieses Landes und die wichtigsten Nahrungsquellen seiner Bewohner, sowie eine Uebersicht seines auswärtigen Handelsverkehrs innerhalb des letzten Decenniums dem Museo Nacional eingereicht. Jetzt hat der Nacional Argentino in einer Reihe von Nummern, die uns von dem für die Verbreitung geographischer Kenntnisse rastlos thätigen preuss. Geschäftsträger und General - Consul in den La Plata-Staaten, Herrn v. Gülich, gütigst mitgetheilt sind, beide Arbeiten abgedruckt, die erste vollständig, die zweite in einem übersichtlichen Auszuge. Obgleich sie gerade in den für uns wichtigsten Beziehungen manche Lücken zeigen, liefern sie doch zur Kenntniss jener Landschaft einen sehr erheblichen Beitrag und setzen uns in den Stand, einige grobe Fehler aus unseren Karten zu tilgen.

Leider ist die grössere Denkschrift ausschliesslich vom volkswirthschaftlichen und statistischen Standpunkte entworfen; rein Geographisches erwähnt sie nur beiläufig und an den verschiedensten Punkten unter den weit ausgesponnenen und oft wiederholten Angaben über die landwirthschaftliche und industrielle Thätigkeit der Bewohner; überdies ist sie in ihrer Anordnung so verworren, dass ihre Reproduction ungeachtet des beträchtlichen Raumes, den sie beanspruchen würde, uns dennoch der Mühe nicht überbeben könnte, in einer besonderen Bear

- The U. S. Naval Astronomical Expedition to the Southern Hemisphere during the years 1849 - 1852. Washington 1855. I, p. 9.

beitung durch Combination des reichhaltigen Materials die geographischen Resultate zusammen zu fassen. Sie beginnt mit einem Abschnitt über die Bevölkerung und die Ortschaften der einzelnen Departements, in dem brauchbare Entfernungsangaben vorkommen, handelt dann von den Communicationsmitteln innerhalb der Provinz, darauf von den Grenzen der einzelnen Departements; unerwartet folgen dann ein paar Sätze mit der Aufschrift: „Allgemeiner Ueberblick“ und ein längerer Abschnitt: Flüsse, Bäche und Lagunen, Wälder“, in welchem viel mehr von der Beschaffenheit des Bodens und seinen Producten, als von den genannten Dingen die Rede ist; nichtsdestoweniger schliesst sich daran noch ein besonderer Abschnitt über wildwachsende Pfanzen an, und zum Schluss folgen andere unter den Ueberschriften: „Wild und Jagden“, „kriechende Thiere und Gewürm“, „Kalköfen, Mühlen“,

Handwerker-Innungen“, „Provinzial - Constitution, Einnahmen und Ausgaben“, das sieht so entsetzlich bunt aus, dass, wie wir fürchten, selbst die sieben Weisen des Alterthums vergebens nach dem Eintheilungsgrunde forschen würden, den der Verfasser der Abhandlung im Auge gehabt hat.

Zur Charakteristik des Inhalts bemerken wir, dass die einzelnen Theile der Provinz aus ganz entgegengesetzten Gründen mit ungleicher Genauigkeit behandelt sind. In Bezug auf das Rectoral das Gebiet der Hauptstadt vermissen wir bei vielen Ortschaften Angaben über ihre Lage und Entfernung von einander, wie von der Hauptstadt; der Verfasser hielt diese Punkte vermuthlich für zu bekannt. Am ausführlichsten sind die drei östlichen Departements, Piedra Blanca, Ancaste und del Alto behandelt, während die Nachrichten über die westlichen, Pomán, Belen und Tinogasta, und über die nördlichen, Andalgalá und Santa Maria, ungleich spärlicher fliessen; hier sind verhältnissmässig nur wenige Niederlassungen namhaft gemacht, und die Ortsbeschreibung entbehrt der erforderlichen Anschaulichkeit. Die Regierung selbst ist offenbar mit diesen entlegenen Landschaften noch nicht hinlänglich bekannt; Sgr. Ruzo bezeichnet sie in einem Begleitschreiben als ganz unorganisirt und nimmt seinerseits auch für ihre Statistik nur den Werth approximativer Angaben in Anspruch.

Lage. Im Hinblick auf die Rectification unserer Karten müssen wir namentlich den Mangel an geographischen Ortsbestimmungen bedauern. Die Denkschrift enthält in dieser Hinsicht nur zwei Angaben, dass die Hauptstadt unter 28° südl. Br. und dass Fuerte de Andalgalá um einen Grad nördlicher liegt, während der Reisende in Folge der Krümmungen des Weges 40 Leguas von Catamarca nach Andalgalá zurücklegen müsse, - unvollständige und ungefähre Angaben, die nichtsdestoweniger die einzigen Haltpunkte bilden. Unsere Karten setzen die Hauptstadt zwischen 27° 30' und 27° 45' südl. Br.; Dean Funes rückte sie in einer von Woodbine Parish benutzten handschriftlichen Arbeit noch tiefer südlich, unter 28° 12'. Im Gegensatz zu diesem Extrem setzt Herr Petermann die Stadt sehr weit nach Norden, unter 26° 35', so dass sie nördlicher als Tucuman liegen würde, nicht blos nach den gewöhnlichen Annahmen über die Lage dieser Stadt, sondern auch nach der Vermuthung Petermann's, der sie bereits um mehr als einen Breitengrad nordwärts schiebt. Nach dem uns vorliegenden Material können wir uns dieser Meinung nicht anschliessen, und zwar aus folgenden Gründen.

Das nördöstliche Departement Catamarca's, del Alto, dessen nördlichste Ortschaft Quimilpa, nach den Entfernungsangaben zu schliessen, mindestens einen halben Grad nördlicher als Catamarca liegt, grenzt unserer Denkschrift zufolge im Osten noch an Santiago; Tucuman ist seine nördliche Grenzlandschaft; die Hauptstadt der letzteren liegt also jedenfalls nördlicher als die Stadt Catamarca. Und zwar um ein Beträchtliches. Denn in einer uns ebenfalls vorliegenden Brochüre statistischen Inhalts, die im Jahre 1845 unter Autorität der Regierung von Tucuman gedruckt und von Justo Maeso in seiner spanischen Uebersetzung des Werkes von W. Parish zum Theil reproducirt wurde, wird südlich von Tucuman eine beträchtliche Anzahl von Bächen der Reihe nach namhaft gemacht, ehe der Rio de Marapa, einer der südlichsten, dessen Quelle innerhalb der Provinz Catamarca und zwar im nõrdlichsten Theile des Departements Piedra Blanca liegt, erwähnt wird '). Das von diesen zahlreichen Bächen durchströmte Terrain zwischen der Stadt Tucuman und der Nordgrenze Catamarca's kann auch deswegen keine unbeträchtliche Ausdehnung besitzen, weil von

') Da Justo Maeso die betreffende Stelle nicht mittheilt, rücken wir sie hier ein: Rios que bañan el territorio de la Provincia. Al Sud (de la ciudad): Manan. tial de Marlopa, bastante agua potable, mucho pescado; Rio de Lules; se le sacan muchas asequias para las labranzas y establecimientos de caña, molinos etc.; Arroyo del Rei, tiene su origen en el lugar de la Reduccion; Rio Colorado, de poca agua en invierno; Rio de Famailla de bastante agua; Rio de Aranilla; poca agua, inmediato á este rio hay un arroyo de bastante caudal; Rio de los Romanos; bastante agua, recibe el Arroyo de Monteros; Rio de Monteros, bastante agua; Rio Seco, poca agua; se pierde en unas partes de su cauce y brota en otras; Rio del Conventillo, abundante de agua, yes celebre por las hermosas tinajas para agua que á sus márgenes se fabrican; Rio de Medinas, bastante caudal, y se le sacan muchas asequias; Rio Chico, abundante agua; Arroyo de Mata sambe, mucha agua; Rio de Marapa, mucha agua;

Rio de San Ignacio, poco caudal; Rio de Guacra (Grenzfluss gegen Catamarca), poca agua.

Ein Blick auf die Karte Arrowsmith's lehrt, dass bei Anführung dieser Bäche die Reihenfolge von Norden nach Süden beobachtet ist, dass also Marapa südlich vom Rio de Medidas zu suchen ist, was auch schon daraus folgt, dass der Rio de Marapa bei Singuil in Catamarca vorbeifliesst.

hält,

den 10 Departements, aus denen die Provinz Tucuman besteht, nicht weniger als 5 innerhalb des bezeichneten Zwischenraumes liegen, nämlich die Departements von Famailla, Monteros, Chiquiligasta, Rio Chico und Graneros. Es ist uns also in jedem Falle unmöglich, den Breitenunterschied zwischen den beiden Provinzial- Hauptstädten auf weniger als 50' zu verar

ranschlagen; höchst wahrscheinlich ist er viel beträchtlicher. Nun setzt Arrowsmith die Stadt Tucuman etwa unter 27° südl. Br., Parish in der ersten Ausgabe seines Werkes (S. 264) unter 27° 10', die spanische Brochüre unter 27° 10", woran Justo Maeso fest

Angaben, die uns eher bestimmen könnten, uns hinsichtlich Catamarca’s für die südlichste aller Positionen (Dean Funes 28° 12') zu entscheiden, als die Stadt noch mehr, wie jetzt, nach Norden zu rücken. Gegen das erstere spricht indess die Lage Rioja's und seiner Annexe, da wir den zu Catamarca gehörigen Ort Chumbicha, 21 Leguas südlich von der Hauptstadt gelegen, nicht füglich unter eine südlichere Breite, als die Stadt Rioja, setzen können; und es bleibt daher das Gerathenste, hinsichtlich Catamarca's unter den gewöhnlichen Annahmen eine mittlere, 27° 40', festzuhalten. Auch dann sind wir noch genöthigt, vorauszusetzen, dass Tucuman etwa um einen halben Grad nördlicher liegt, als bisher angenommen wird, während wir, wenn wir in Bezug auf Catamarca der Annahme Petermann's folgen wollten, die Stadt Tucuman um etwa anderthalb Grade nach Norden rücken und das Bild dieser Gegenden in höchst bedenklicher Weise verschieben müssten.

Auch die Prüfung der Angaben in Bezug auf einen westlicheren Meridian ermuthigt uns nicht, Herrn Petermann zu folgen. Wir führten bereits an, dass Andalgalá einen Breitengrad nördlicher, als Catamarca, liegt; von dem ersten Ort bis Santa Maria sind 40 Leguas ebenfalls in nördlicher Richtung. Da der Weg dorthin nur 16 Leguas durch Wüsten, im Uebrigen über Gebirge und durch Thäler führt, wollen wir diese Entfernung ebenfalls auf nicht mehr als einen Breitengrad veranschlagen. Läge nun Catamarca wirklich, wie Herr Petermann meint, unter 26° 35', so würde man Santa Maria unter 24° 35' setzen müssen; und da das Thal, in welchem dieser Ort liegt, sich unserer Denkschrift zufolge 35 Leguas nordwärts erstreckt, ehe sein Fluss sich mit dem von San Carlos vereinigt, um den Rio Pasage (oder Rio Salado) zu bilden, würde das Bett dieses Stromes unter dieser Länge ebenfalls um zwei Breitengrade nördlicher gerückt werden müssen, als bisher. Obgleich wir nun mit Herrn Petermann darin übereinstimmen, dass der obere Lauf des genannten Stromes auf unseren Karten ganz verzeichnet ist und namentlich zu südlich liegt, halten wir doch eine so bedeutende Abweichung von der bisherigen Annahme nicht für

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