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region, wo die Schneelinie beträchtlich höher als in der Breite Catamarca's liegen müsste, der Ostabhang der Andes zahlreiche Quellen entsendet, die sich zu den wasserreichsten Strömen vereinigen; während sich selbst noch in den bolivianisch - argentinischen Grenzprovinzen Ströme von einer so beträchtlichen Entwickelung wie der Pilcomayo, Vermejo und Salado bilden, zeigt sich südlich vom 25. Breitengrade eine auffallende und verhängnissvolle Wasserarmuth. Die Gewässer der nordöstlichen Grenzprovinz Tucuman vereinigen sich allerdings noch zum Theil in eine Ader, die aus dem Alpenlande in die Ebene führt; aber ihr Zufluss ist bereits so spärlich, dass sie sich bei dem weiten Laufe durch fast horizontale Ebenen erschöpft, ehe sie den Paraná erreicht. Und die Bäche, die von den Bergen Catamarca's und Rioja's herabrinnen, sind sämmtlich so dürftig, dass sie schon nach kurzem Laufe in den Längenthälern versiegen, ohne sich zu vereinigen oder gar das Gebirge zu durchbrechen. Die Ursache wird nicht in dem Relief des Bodens zu suchen sein, da diese Provinzen wenigstens Seen besitzen würden, wenn sie als vollständige Kesselthäler eine Vereinigung ihrer Gewässer unmöglich machten; sondern in der Trockenheit der Luft, die das Mass der feuchten Niederschläge auf ein Minimum beschränkt und auf den Gebirgen ungeachtet ihrer beträchtlichen Höhe zur Ansammlung und längeren Aufbewahrung bedeutender Schneemassen Nichts beiträgt. Auf den Bergen in der Nähe des Come Caballo-Passes, unter 27° 35', liegt die Grenze des ewigen Schnees nach Gilliss 14,784 engl. Fuss (13,872 Par. Fuss) hoch, nur 948 Par. Fuss niedriger, als unter dem Aequator bei Quito, während sich auf der nördlichen Hemisphäre schon unter dem 19. Breitengrade eine noch etwas grössere Differenz zeigt. Auch südlich von dem genannten Passe scheint die Schneelinie noch mehrere Breitengrade hindurch fast dieselbe Höhe zu behaupten, wenn es auch zweifelhaft erscheinen mag, ob sie am Vulkan von Peuquenes (unter 33°) zwischen 2270 und 2350 Toisen liegt; am Tupungato (33° 22') giebt sie Gillifs auf 10,771 Par. Fuss (11,480 engl. Fuss) an; aber von hier zeigt sich ein so beträchtliches Herabsteigen derselben, dass sie anderthalb Grad südlicher, am Descabezado, schon unter 8000 Fuss erreicht wird. Und in dieser südlichen Region tritt auch wieder die Bildung beträchtlicherer Ströme ein; die am Tupungato entspringenden dringen schon weit in die Pampas ein, die vom Descabezado rinnenden finden ihren Weg zum Meere. In Chile wächst die Feuchtigkeit nach S. hin in gleicher Weise.

Da sich nun in Catamarca und Rioja kein Fluss bildet, der diese Staaten mit dem grossen Stromsysteme verbindet, zu dem sie gehören, und da sich zwischen ihnen und der nahen Küste des stillen Oceans die gewaltige Scheidewand der Cordillere aufthürmt, entbehren sie aller

bequemen Communicationsmittel, die ihr Aufblühen befördern könnten. Und derselbe Grund, der dieses Uebel hervorrief, lastet auch schwer auf dem Ackerbau, der nur auf den quellenreicheren Gehängen, und auch hier nur vermittelst künstlicher Bewässerung möglich ist. In der relativ günstigsten Lage befindet sich noch der nördlichere Theil der Senkung, die zwischen den Sierren von Ambato und Ancaste liegt und durch niedrigere, von N. nach S. laufende Hügelrücken in mehrere Thäler getheilt wird. Sie sind von Bächen durchströmt, die sofort zur Bewässerung der Felder verwerthet werden. Der Bach von Paclin nährt die Landwirthschaft in den noch zum Rectoral gehörigen Annexen Santa Cruz und Guaicama, während Portezuelo Quellwasser besitzt. Valleviejo wird vom Rio del Valle durchflossen, dessen Wasser bereits nahe an seinem Ursprunge in der Schlucht von La Puerta durch zahlreiche Gräben auf die Felder dieser Ortschaft geleitet wird. Der Rio del Tala wird schon nach einem Laufe von 10 Leguas in der Nähe der Hauptstadt durch neun Canäle vollständig erschöpft. Viel übler ist es mit den Landschaften im Westen der Sierra von Ambato bestellt, in denen sich hinsichtlich der Bodenerhebung eine viel grössere Einförmigkeit zeigt. Ein Blick auf das Kärtchen lehrt, dass sich hier die Bevölkerung fast ausschliesslich auf die Gebirgsabhänge verwiesen sieht, und macht folgende Bemerkungen Justo Maeso's über dieses Gebiet anschaulich: „Das Relief des Bodens in demjenigen Theile der Provinz, der westlich (von dem Thale der Hauptstadt) bis zur Cordillera liegt, besteht aus Gebirgsgebängen (faldas ó caidas) und darin eingeschnittenen Schluchten, und aus ebenen Flächen (llanuras) im Thale; diese werden von Nord nach Süd oder Südost durch Gebirgsreihen getrennt, die gleichsam Fächer (oder Einsenkungen, cajones) bilden, unter welchem Namen man Thäler versteht. Die Thalflächen sind mit Gebüsch bedeckt. Die Bäche, welche von der Serrania herabfliessen oder an ihrem Fusse entspringen, dringen nicht weit in die Ebenen vor, da ihr Wasser von dem sandigen Boden absorbirt wird, so dass nur die Abhänge der Serranias bevölkert und cultivirt, die zwischen den Gebirgszügen liegenden Landstriche aber wüst und unbebaut sind.“ Das Thal von Belen hat einen grösseren Bach, der 20 Leguas nördlich von dem Hauptorte des Departements entspringt und auch die Felder von Gualfin und San Fernando bewässert. Ebenso scheint sich die ganze Bevölkerung von Tinogasta um den bei dem Hauptorte vorbeiströmenden Bach concentrirt zu haben; er bildet nicht blos für den Ackerbau die Lebensader, sondern auch für den Handel, da er, wie bemerkt, den Ostabhang der Cordillera der Breite nach durchschneidet und einen Zugang zu ihrem Kamme verstattet.

Für die absolute Erhebung der Thäler Catamarca's über dem

Meeresspiegel fehlt es in der Denkschrift an Angaben, und wir müssen uns deshalb für jetzt damit begnügen, aus den schon anderweitig bekannt gewordenen hypsometrischen Bestimmungen, namentlich aus den älteren für die Strasse von Buenos Aires nach Bolivia und den Angaben Mac Rae's für die Strasse von Mendoza nach Rosario, uns eine ungefähre Vorstellung davon zu bilden. Von dem Flussthale des La Plata und Paraná steigt man auf zwei Stufen zum Fusse der Andes an; die erste enthält die ausgedehnten Tiefländer der Llanos und Pampas, die sich unmittelbar an die genannten Flüsse anlehnen und im Süden eine Erhebung von nicht mehr als 3 — 500 Fuss besitzen; Esquina de Medrano, wo die Strasse von Rosario nach San Luis den Rio Tercero verlässt, liegt 509 engl. Fuss über dem Meere, im Westen von dieser Station steigt man bei El Tortoral (798 F. hoch) zur zweiten Stufe an, die man bei Villa de la Concepcion (33° 6' 37" S. Br., 66° 43' 8' W. L. von Paris) in einer Höhe von 1532 engl. F. erreicht. Das hier beginnende höhere Stufenland liegt im Süden 1000 — 1200 F. über den angrenzenden Pampas: die niedrigsten Punkte, die Lieut. Mac Rae auf der Strasse von Mendoza bestimmt hat, sind (nächst Villa Concepcion) El Balde 1565 F., El Desaguadero 1648 F., Acorocorto 1726 F., was ein sehr schwaches Ansteigen nach Westen verräth. Der Ostrand dieser Stufe zieht sich zwischen dem 66. und 67. Längengrade hin, und die Strasse nach Bolivia, die ihm mehrere Breitengrade hindurch folgt, führt zum Theil durch das Tiefland, zum Theil über die höhere Stufe. Sie geht von der Stadt Córdoba (1558 F. hoch) nordwärts über das Hügelland dieser Provinz, wo sie in San Pedro (2900 F.) ihren höchsten Punkt erreicht, nach Portesuelo (2070 F.) und steigt dann über Ambargasta (1050 F.) wieder in das Tiefland hinab, dessen niedrigste Stelle sie in den Salinen der Wüste von Ambargasta (358 F.) erreicht; von hier geht sie nach Noria (595 F.) an den Rio Dolce und folgt dem Laufe desselben über Santiago nach Tucuman, welche letztere Stadt bereits wieder in einer Gebirgslandschaft, 2490 F. hoch liegt. Die höhere Stufe dehnt sich also ostwärts von der Cordillere über sechs Längengrade aus, ist aber keine einförmige Ebene, sondern von Meridiangebirgen durchschnitten. So führt die Strasse von Mendoza bei San José del Morro über einen Rücken von 3192 engl. F. Erhebung, weiter westwärts am Rio Quinto (2434 engl. F.) und bei San Luis de la Punta (2548 engl. F.) über die südlichen Ausläufer des Gebirgszuges, in welchem, 50 engl. Meilen nördlich von der Stadt, die jetzt fast verlassenen Goldminen La Carolina liegen. Auf der Strasse von Rosario nach Rioja hat man zunächst die beiden Meridiangebirge der Provinz Córdoba, dann die Höhen bei Simbolar und Cienega zu überschreiten, und zwischen der Stadt Rioja und der Cordillere liegen ebenfalls noch zwei Meridiangebirge, die Sierra Velasco und die Sierra de Famatina. In der Breite der Provinz Catamarca zeigen sich, wie wir gesehen haben, mindestens drei von Norden nach Süden streichende Gebirgszüge, die Sierren von Ambato, von Ancaste und der Serro Negro; und es bleibt zweifelhaft, ob sich im Osten nicht noch ein vierter Höhenzug befindet, etwa ein Randgebirge, mit dem das Stufenland zum Rio Dolce abfällt. Von diesen Gebirgen scheint nur dasjenige, welches auf der Strasse von Pomán nach Tinogasta überschritten wird und hier den Namen Serro Negro führt, sich unmittelbar von der Cordillera abzuzweigen, während die andern von den hohen Plateau's ausgehen, die den westlichen Theil der Provinz Salta ausfüllen. Wir können nun annehmen, dass das ausgedehnte Stufenland, welches den grösseren Theil der La Plata-Staaten bildet, wie gegen Westen, so auch gegen Norden ein allmähliches Ansteigen zeigt; für die Provinz Catamarca besitzen wir die Versicherung, dass der Boden derselben sich nach den genannten Himmelsgegenden sehr merklich erhebe, und haben in den klimatischen Angaben eine Bestätigung dieser Notiz gefunden. Da nun, wie bemerkt, Tucuman gegen 2500 F. hoch liegt, und die Bodenanschwellung, auf welcher die Stadt gegründet ist, sich kaum mehr als 100 F. über das Bett des nahen Rio Sali erheben wird, so glauben wir nicht zu hoch zu greifen, wenn wir annehmen, dass die Thäler Catamarca's ungefähr 3000 Fuss über dem Meeresspiegel liegen und nach Norden and Westen bedeutend ansteigen. Das Thal von Santa Maria liegt vollends im Hochgebirge, und die klimatischen Angaben über dasselbe lassen eine ungleich beträchtlichere Bodenerhebung vermuthen.

Bemerkenswerth ist die Analogie zwischen der Bodenanschwellung in den Gegenden, mit denen wir uns hier beschäftigen, und den Districten, die sich in der nördlichen Hemisphäre an die Rocky Mountains anlehnen. Dort zeigt sich westlich vom Fort Laramie am Plattenfluss bis zu den Wasatsch-Bergen, über mehr als sieben Längengrade, ein nach Westen ansteigendes Plateau von 5—7000 Fuss Höhe über dem Meeresspiegel; hier im Süden lehnt sich an den Ostabhang der Andes ebenfalls ein Plateau von gleicher Breite, doch ungleich geringerer Höhe (1500—3000 F.); aber während dort die hebende Kraft so gleichmässig wirkte, dass die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Missouri und denen des Colorado kaum erkennbar ist, hat sie im Süden nicht nur mehrere Meridiangebirge, die dem Verkehr erhebliche Hindernisse entgegenstellen, emporgehoben, sondern ihre Wirksamkeit mit solcher Kraft auf die Hebung der Cordillera concentrirt, dass die Pässe über dieses Gebirge bedeutend höher liegen, als der Gipfel des FremontsPeak, des höchsten Punktes der Wind-River-Mountains. In der nördlichen Hemisphäre liegt zwischen den Wasatsch-Bergen und der KüstenCordillera, der Sierra Nevada, ein zweites Plateau von mindestens 4000 Fuss Höhe, das man als ein großes Längenthal betrachten kann; in der südlichen zeigt sich zwischen der Hauptcordillera und dem Küstengebirge ebenfalls ein Plateau von 3 — 5000 Fuss Höhe, welches, wie A. Petermann a. a. 0. hervorgehoben hat, auch eine longitudinale Art von Senkung“ zwischen den beiden Gebirgszügen bildet. Hier wie dort zeigen sich endlich in beträchtlicher Höhe über dem Meeresspiegel grosse Salzseen und salzgeschwängerte Gründe; der See, an dem die Mormonen sich niedergelassen haben, liegt 3940 Fuss, die Saline von Atacama unter 23° S. Br. über 6900 Fuss, die von Punta Negra unter 24° 15' S. Br. sogar gegen 8000 Fuss hoch. Auf der südlichen Hemisphäre liegen auch östlich von der Cordillera die ausgedehntesten Salzgründe; auf der nördlichen sind sie weniger beträchtlich; doch finden wir auch hier zahlreiche Salzflüsse: den Salado, einen Zufluss des Colorado in Texas, den Salt Fork, Zufluss des Arkansas, den Saline und Great Saline, Zuflüsse des Plattenflusses und des Kansas.

K. N. (Schluss folgt.)

IV.

Besteigung der westlichen Höchsten Spitze des

Monte Rosa im August 1855.

Von J. J. Weilenmann.

Wir waren den 9. August 1855 früh Morgens von Stalden aufgebrochen, wo wir, durch mehrere Erdstösse aufgeschreckt, eine schlaflose unheimliche Nacht zugebracht. Von den Naturschönheiten, die den Wanderer bei hellem Wetter gleich beim Eintritt ins Thal überraschen sollen, gewahrte man leider Nichts; dichter Nebel verhüllte die höheren Bergregionen bis auf etwa 7000 Fuss hinunter. Die dürftig begrasten und auch nur spärlich bewaldeten trockenen Thalgehänge boten dem Auge wenig Erquickendes; überall, am Boden und an Gebäulichkeiten zeigten sich Spuren des am 25. Juli stattgehabten verheerenden Erdbebens und vermehrten den traurigen Eindruck, den das vielgepriesene Thal auf uns machte. Auch in St. Niclaus hatte das Erdbeben schrecklich gehaust; von einem der beiden Wirthshäuser waren die Mauern und Fussböden theilweise und das Dach ganz eingestürzt.

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