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Uebersicht der Thätigkeit der Berliner geogr. Gesellschaft 1855–56.

Herr Kiepert sprach unter Vorlegung einer von ihm dazu in grősserem Massstabe handschriftlich ausgearbeiteten ethnographischen Karte über die neue, durch die Wiener Friedenspräliminarien angenommene Grenzlinie durch Bessarabien zur künftigen Begrenzung der Moldau, und setzte die dabei zu beachtenden physikalischen und ethnographischen Verhältnisse der mannigfachen Bevölkerung auseinander.

Herr Polsberw sprach über eine Statistik der Völker des Alterthums nach Moreau de Jonnès' Statistique des peuples de l'antiquite.

Zum Schluss würde noch daran zu erinnern sein, dass die mit Unterstützung unserer Gesellschaft herausgegebene „Zeitschrift für allgemeine Erdkunde“ unter der eifrigen Redaction des Herrn Gumprecht bis zum sechsten Bande gediehen ist, und dass die Gesellschaft für die Verwaltung ihrer Bibliothek an Herrn Koner einen erwünschten Kenner der geographischen Literatur gewonnen hat.

C. Ritter.

II.

Ueber das Klima von Nord-Amerika.

Von H. W. Dove.

So lange der Gesichtskreis der Völker sich auf die unmittelbare Umgebung des Mittelmeeres beschränkte, konnten klimatische Unterschiede nicht in extremem Masse hervortreten. Die Temperaturverhältnisse Griechenlands und Italiens im Gegensatze zu Syrien, Aegypten und der gesammten Nordküste von Afrika bewegten sich innerhalb der Grenzen, welche durch das weitere Vordringen der Macedonier nach Asien bereits bekannt geworden waren, so dass erst durch die Bekanntschaft mit Germanien die Wärmeabnahme nach Norden deutlicher in das Bewusstsein trat. Tacitus Schilderung seines Klima's trägt noch deutlich den Stempel dieses ersten Eindrucks und da allmählig immer nördlichere Stämme in den Völkerverkehr eintraten, so befestigte sich die Ansicht, dass der Abstand vom Aequator das allein Bedingende für die klimatischen Verhältnisse sei, immer mehr. Allerdings sagt schon Caesar, dass das Klima von England gemässigter, als das von Gallien sei, remissioribus frigoribus, und Strabo, dass Britannien mehr durch Regen, als durch Schnee unwirthlich werde, da aber der continentale Charakter des Innern von Nord - Asien unbekannt blieb, so waren die beobachteten Unterschiede der Temperaturvertheilung innerhalb der jährlichen Periode nicht erheblich genug, um auf die in Ost und West vorhandenen grossartigen Gegensätze aufmerksam zu machen. Erst als europäische Ansiedler an den Ostküsten Nord - Amerika's sich niederliessen, eröffnete sich ihrem Blick auch in klimatischer Beziehung eine neue Welt. Schon an den Küsten fanden sie eine Winterkälte ron auffallender Intensität. Der Hudson ist in der Breite von Rom im Mittel jährlich 87 Tage gefroren und diese Kälte steigert sich bei weiterem Vordringen in das Innere, so dass Montreal an den Ufern des Lorenzstromes in der Breite von Mailand im Januar die Temperatur des Bernhardhospizes zeigt, Norway-House am Winipeg 15 Grad kälter ist, als Berlin in gleicher Polhöhe. Auch bietet der Sommer keineswegs eine Compensation für diese auffallende Winterkälte, denn die Temperatur von Norway-House fällt einen Grad unter den Frostpunkt, während die von Berlin sich sieben über denselben erhebt. Auf diese Weise erklärt es sich, dass die Einwanderer der verschiedenen europäischen Völkerstämme, mit Ausnahme der französischen Canadier, in der neuen Welt im Allgemeinen zehn Breitengrade südlicher ihre Wohnsitze aufgeschlagen haben, und dass Amerika in den Ruf einer solchen Kälte kam, dass Halley für ihre Erklärung zu der Annahme die Zuflucht nahm, die Erde habe sich einst um eine Achse gedreht, deren nördliches Ende nach Nord-Amerika fiel, und habe erst durch den Anstoss eines Kometen ihre jetzige Drehungsachse erhalten.

Gegen diese Ansicht, dass Amerika überall viel kälter als Europa unter gleichem Grade der Breite sei, trat 1794 zuerst Georg Forster entschieden auf. „Uns kommt es so vor, sagt er, als ob in dieser allgemeinen Ausdehnung des Satzes einige Uebertreibung liege. Das Innere von Nord-Amerika jenseits der Alleghani -Gebirge geniesst ein ungleich milderes Klima, als die Ostküste unter einerlei Polhöhe. Der wilde Reis, der an dem südlichen Ufer des Sees Superior nicht reifen will, wächst häufig und bringt reifen Samen oberhalb des Winipeg, beinahe 5 Grade weiter nach Norden. Hearne und Macquenzie fanden auf ihren Reisen in das Innere bis zum 68. Grade den Boden mit Wald bedeckt, und weiter erstreckt er sich auch in unserem Welttheile nicht. Die Westküste endlich, oder Neu-Albion, soll nach dem Zeugniss der älteren sowohl, als der neuesten Entdecker ihrer hohen Gebirgsketten ungeachtet ein sanfteres Klima, als die Ostküste geniessen, Diese Verschiedenheit zwischen den zwei entgegengesetzten Küsten eines Welttheils findet auch in dem unsrigen statt. In Ochotsk unter dem 60. Grade der Breite ist keine Art von Anbau möglich, und die Winterkälte, die bis in den Mai fortdauert, bedeckt die Höhen und den ganzen Meerbusen mit Eis. Noch ungleich südlicher bis an die chinesische Mauer gestattet der Himmelsstrich keinen Kornbau, und in Peking selbst, das mit Philadelphia und Toledo im 40. Grade der Breite liegt, ist der Winter ausserordentlich streng. Die Ursache dieses Unterschiedes zwischen der Temperatur der östlichen und westlichen Küsten sei, welche sie wolle, so ist wenigstens das Factum so beschaffen, dass es den anfänglich so auffallenden Unterschied zwischen der Temperatur beider Welttheile bedeutend vermindert.“

Auf ein reicheres Beobachtungsmaterial gestützt, gelangte Alex. v. Humboldt im Jahre 1817 in seiner Abhandlung: Des lignes isothermes et de la distribution de la chaleur sur le globezu allgemeineren,

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auf numerische Werthe gegründeten Resultaten. „Ganz Europa, sagt er '), wenn man es mit den östlichen Theilen von Amerika und Asien vergleicht, hat ein Insel - Klima, und auf gleicher isothermer Linie werden in dem Masse die Sommer heisser und die Winter kälter, als man vom Meridian des Montblanc nach Osten oder Westen vorschreitet. Europa kann als die westliche Verlängerung des alten Continents angesehen werden, und die westlichen Theile aller Festländer sind nicht nur in gleichen geographischen Breiten wärmer, als die östlichen, sondern es sind selbst in den Zonen gleicher Jahrestemperatur auf den Ostküsten beider Continente die Winter strenger und die Sommer heisser, als auf den Westküsten. Der nördliche Theil China's, wie die atlantische Küstenzone der Vereinigten Staaten zeigen übermässige Klimate, während die Küsten von Neu-Californien und die Mündung des Columbia beinahe gleich gemässigte Winter und Sommer haben. Die Witterungsbeschaffenheit dieser Nordwest-Gegenden gleicht bis zum Parallelkreise von 50° bis 52° der von Europa. Wenn man zwei Witterungssysteme, die concaven und convexen Scheitel derselben isothermen Linie vergleicht, so findet man in New-York einen Sommer gleich dem in Rom und einen Winter wie in Kopenhagen, zu Quebec einen Pariser Sommer und einen Petersburger Winter. In China, z. B. in Peking, wo die mittlere Jahrestemperatur die der bretagnischen Küsten ist, sind die Sommer heisser, als in Cairo, und die Winter so streng, wie in Upsala.“

Die folgenden Untersuchungen anderer Naturforscher haben die hier ausgesprochenen Sätze bestätigt; ich will daher hier zunächst auf die Gesichtspunkte aufmerksam machen, welche geltend gemacht werden müssen, wenn es sich darum handelt, den Ursachen nachzuspüren, welche jene auffallenden Gegensätze hervorrufen. Hier sieht man sogleich, dafs mit der Bezeichnung excessives und gemässigtes Klima, welche Buffon gebrauchte, wie mit der von See- und Continental - Klima, die von Humboldt gewählt wurde, um die Grundbedingungen derselben anzudeuten, nicht alle möglichen Fälle erschöpft sind. Rechnen wir einen Ort dem Continentalklima zu, dessen Sommer heiss und dessen Winter kalt sind, dem Seeklima, wenn er milde Winter und kühle Sommer hat, so wird man zugeben müssen, dass es auch Orte mit milden Wintern und warmen Sommern, ebenso welche mit kalten Wintern und kühlen Sommern geben kann, abgesehen davon, dass die zwischenfallenden Jahreszeiten des Frühlings und Herbstes Anomalien zeigen können, welche die Gestalt der Jahrescurve doch wesentlich modificiren, wenn auch die extremen Jahreszeiten gleiche Werthe zeigen,

') Kleinere Schriften I, S. 251.

Endlich muss von vornherein nothwendig erkannt sein, von welchem Normalstande man auszugehen habe, um beurtheilen zu können, ob ein Sommer zu kalt oder zu warm sei. Finde ich z. B. in Amerika in einer 10 Grad südlicheren Breite dieselbe Jahreswärme, als in Europa, so ist damit noch keineswegs gesagt, dass der dort den europäischen Sommer an Wärme übertreffende amerikanische wirklich zu warm sei, denn seine höhere Wärme kann doch noch hinter der zurückbleiben, welche im Mittel seiner geographischen Breite auf der ganzen Erde entspricht.

Die Untersuchungen über die Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche der Erde wurden von Halley, Tobias Mayer und Lambert damit begonnen, dass man sich die Frage zu beantworten suchte, welche Wärme kommt durch die Wirkung der Sonne sowohl im Jahresmittel, als in den einzelnen Abschnitten desselben den einzelnen Breitenkreisen zu.

Diese Aufgabe liess sich natürlich nur annähernd lösen, d. h. unter Voraussetzung einer gleichartigen Grundfläche. Aus der unsymmetrischen Vertheilung des Landes und Meeres, aus den Strömungen dieses und der Atmosphäre folgt nun, dass die wirkliche Vertheilung ganz verschieden ist von der idealen. Diese Unsymmetrie und die daraus resultirenden Bewegungen verhindern überhaupt, eine solche ideale Vertheilung zu finden, da man möglicher Weise wohl eine regelmässigere Vertheilung des Landes sich denken kann, welche die directe Wirkung der Sonne der wirklichen Vertheilung des Landes näher anpasst, aber nicht zu bestimmen vermag, welche Gestalt dann die Strömungen des Meeres und der Luft annehmen würden. Es scheint daher zweckmässiger, auch hier empirisch zu verfahren, d. h. zu bestimmen, wie viel Wärme zeigt sich auf den verschiedenen Parallelkreisen unter der Voraussetzung, dass alle Orte, welche auf ihnen liegen, dieselbe Temperatur haben. Diese mittlere Wärme eines Parallelkreises nenne ich seine normale Wärme, jeder Ort, dessen Temperatur höher ist, ist zu warm, jeder, dessen Temperatur unter sie herabsinkt, zu kalt. Ich nenne ferner die Abweichung der wirklichen Wärme eines Ortes von der mittleren seiner geographischen Breite seine Anomalie und finde z. B., dass die von Berlin 5 Grade beträgt, d. h. dass jeder Tag in Berlin im Jahresmittel 5 Grade wärmer ist, als seiner geographischen Breite zukommt. Verbinden wir die Orte, deren wahre Temperatur der mittleren ihrer respectiven geographischen Breite entspricht, durch eine thermische Normale, so erhalten wir die Scheidelinie der zu kalten und zu warmen Punkte auf der Erde, und verbinden wir die Orte gleicher Anomalie durch Isanomalen, so gelangen wir zuletzt zu den Stellen, welche die relativ kältesten und wärmsten sind, also relative Pole der Kälte und Wärme darstellen. Die Fragen, ob das Klima eines Ortes ein begünstigtes zu nennen sei oder nicht, be

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