Imágenes de páginas
PDF
EPUB

und andererseits vor die Constitution Nikolaus' III, von 1278 fallen dürften; denn letztere kommt der Abfassungszeit der Bologneser Handschrift bereits so nahe, dass eine Einreihung nach 1278 unwahrscheinlich wird. Bei der Reihenfolge der Stücke habe ich mich gegenüber Dietrich von Nieheim an die ältere und verlässlichere Bologneser Handschrift gehalten.

Im einzelnen finden sich doch Anhaltspunkte, die Entstehungszeit auch hier wenigstens annähernd zu begrenzen. 1) Vor allem ergibt sich, dass VI-VIII nicht gleichzeitig sondern später entstanden sind als V; denn einzelne Punkte von V werden in VI und VII wiederholt und ergänzt und zwar in der Weise, dass dasjenige, was in V als in der Gegenwart zu Recht bestehend erscheint, in VI und VII als hergebrachte Gewohnheit wiederkehrt.

V. 4.

Item si curie . . . fiat procuratio in cibis, cancellaria debet recipere pro duobus cardinalibus.

V. 10.

...

VII. 11.

Consuevit autem habere cancellaria in procurationibus et enxenniis, quantum habent duo cardinales.

VI. 3.

Item debent habere unum Et quando curia transferesomarium, quandocunque curia batur de loco ad locum, sumptransfert se de loco ad locum, tibus camere papalis portabatur ad portandum coquinam et alia (sc. suppellex cancellarie). utensilia ad opus mense cancellarie.

[blocks in formation]

Item omnes supplex, que per

Item si aliqua vasa enea sive ferrea necessaria sint coquine can- tinebat ad mensam et coquinam, cellarie, quilibet notarius debet communi contributione e me baponere partem suam tam ad emen- tur.

dum quam ad reparandum illa.

Dass der Schluss nicht trügerisch ist, ersehen wir aus VII. 1 und II. 3, wo dasselbe sprachliche Verhältnis wiederkehrt mit der ausdrücklichen Berufung, dass die eine Bestimmung bereits im Kanzleibuch eingetragen sei.

II. 3.

Nullus (sc. notarius). . . petitio

nes... exhibeat.

VII. 1.

quas legere non debebant, prout in provinciali cancellarie plenius continetur.

1) Vgl. die Datirungsversuche Bresslaus, UL. 1, 256-257 Nr. 18, 19, 30.

Auch wenn in VII. 13 anstelle der in V. 9 festgesetzten Materiallieferung für den Hufbeschlag der Pferde ein Geldpauschale getreten ist, so verweist dies auf spätere Verhältnisse.

In V. 24 und 28 werden als herrschende Münze genannt die solidi und denarii Provisini, in VII. 13 kehren sie als solidi Provisini antiqui wieder; daneben setzt die Erwähnung der parvi Turonenses antiqui die Bekanntschaft mit den grossi Turonenses bereits voraus.

Gelangen wir daher zum Schluss, Nr. V einerseits und Nr. VI bis VIII andererseits bezüglich ihrer Entstehungszeit auseinander zu halten, so gilt es noch, die beiden Gruppen annähernd einzureihen. Die erste feste Handhabe für beide bietet der Vicekanzlertitel; 1216 ist also als sicherer terminus a quo gegeben. Nr. V und in Wiederholung und näherer Ausführung desselben auch VI und VII enthalten eingehende Bestimmungen über Unterkunft, Verpflegung und Versorgung der Kanzlei auf Reisen. Solche Verfügungen waren für die häufige Residenzverlegung der Curie nach Anagni, Ferentino oder Viterbo, Orte die durchaus in einem Tag zu erreichen waren, wohl nicht nöthig. V. 4 erwähnt die Verpflegung der Curie durch einen Erzbischof oder Bischof. Nun gab es von Rom nördlich keinen Erzbischof bis Pisa und Ravenna und südlich nicht bis Capua und Benevent. Es muss sich also um grössere Reisen oder um eine bekannte grosse Reise handeln, die weit über das Gebiet von Rom hinausgieng; und da kommt wohl in erster Linie in Betracht die Verlegung der Curie nach Lyon. In der Nacht des 28. Juni 1244 war Innocenz IV. mit nur 5 Begleitern von Civita Castellana der Meeresküste zugeeilt, wo Genuesische Galeeren seiner harrten. Die Kanzlei folgte damals wohl mit der Mehrzahl der Kardinäle auf dem Landweg nach. In Genua sammelte sich die Curie wieder um den Papst und von dort giengs im gemeinsamen Zug nach Lyon weiter. Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Reise scheinen mir den Consuetudines zunächst zugrunde zu liegen. In Lyon galt es dann, den unterbrochenen und gestörten Geschäftsgang der Kanzlei wieder ins Geleise zu bringen. Durch ein halbes Jahr mangeln aus jener Zeit alle Registereintragungen 1), und der Biograph des Papstes, Nicolaus de Curbio, berichtet, dass damals von langer Zeit her angewachsene Rückstände aufgearbeitet wurden.2) In jener Zeit war ferner, wie wir noch sehen werden, die

1) Das 1. Pontificatsjahr schliesst mit aus Civita Castellana von Ende Juni 1244 datirten Bullen (Berger Nr. 740-747), während die ersten Eintragungen aus dem 2. Pontificatsjahr (Berger Nr. 748 ff.) vom December 1244 und aus Lyon datiren.

2) Muratori SS. 3 rr. Ital. 3 a, Vita Innoc. IV. c. XVI. ,,Ibi ergo curia

im Liber Provincialis enthaltene Formelsammlung bereits zum Abschluss gebracht worden, und auch an den Verhandlungen des Concils selbst hat die Kanzlei regen Antheil genommen. 1) Wir werden daher kaum fehl gehen, wenn wir das ältere Stück der Consuetudines dieser Zeit zuweisen. Dagegen werden Nr. VI-VIII beträchtlich gegen die Zeit Nicolaus' III. und die Constitution von 1278 hinaufzurücken sein. Auf die entscheidenden Gründe hiefür hat bereits Bresslau aufmerksam gemacht.) Wenn in VII. 13 der parvi Turonenses antiqui gedacht. wird, so setzt dies die erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte Prägung der neuen grossi Turonenses bereits voraus. VII. 19 setzt die Zahl der Notare auf 6 statt früher auf 7 fest. Die Herabminderung erfolgte erst unter Alexander IV. Der Aufzeichnung VII. 7 liegt die Verordnung IV. 7-9 bereits zugrunde; dementsprechend spricht VII. 9, 10 schon von der taxatio antiqua. Dass auch Nr. VIII, das an und für sich keine chronologischen Merkmale trägt, in diese Zeit fällt, beweist der ebenfalls schon von Bresslau hervorgehobene Umstand, dass die Vertheilung der Naturalbezüge nur auf 6 Notare berechnet ist, also mit VII. 19 sich deckt.3)

Innerhalb des verfügbaren Spielraumes wird man die Aufzeichnungen Nr. VI-VIII. am ehesten mit der Zeit Gregors X. in Verbindung bringen können, da sich nach der mehr als zweijährigen Sedisvacanz eine Revision der Kanzleiordnung als wünschenswert herausgestellt haben mochte.4)

Verhältnissmäsig schlimm steht es mit der Ueberlieferung der Amtseide aus dem 13. Jahrhundert. Die Bologneser Handschrift enthält nur wenige; dass dabei von Vollständigkeit keine Rede sein kann,

iam quasi castrorum acie ordinata innumeris de cunctis mundi partibus tanquam ad Romam alteram confluentibus coepit apostolatus officium exercere tam viriliter quam prudenter ... Causas enim non solum tempore vacationis exortas verum etiam a longis retro temporibus a suis predecessoribus indecisas sub brevissimo temporis spatio sua industri sapientia terminabat.

1) Mittheil. d. Instituts f. österr. GF. 12, 249 f.

2) UL. 256 Nr. 19.

3) Bresslau, UL. 1, 216 A. 7. Dem Vertheilungsmodus von VIII. 1 entspricht auch vollkommen VII. 12, während eine ähnliche im Reg. Clementis V. Appendix tom. 1, p. 3 mitgetheilte Liste bereits andere Münze und andere Zahlen aufweist. Die Geltung unserer Verfügungen erscheint dadurch auch nach oben hin auf das 13. Jahrhundert beschränkt.

4) Der unter Gregor X. aufgezeichnete Ordo Romanus s. XIII. weist Anklänge mit VI. 8 nnd VIII. 9 auf; Mabillon, Museum Ital. 2, 234: Eodem die (sc. nativitatis domini) omnes penitentiarii cum eorum famulis et elemosinarius hebdomadarius et vicecancellarius cum tota cancellaria veniunt videre papam et papa dat omnibus species et vinum.

Tangl, Päpstl. Kanzleiordnungen.

III

beweist die bedeutende Nachlese, die gerade hiefür das Formelbuch aus dem 2. Band der Papierregister Clemens' VI. bietet. Erst die Kanzleibücher des 14. und 15. Jahrhunderts enthalten reichhaltige Sammlungen. Und doch reicht gerade diese Gruppe neben dem Bisthumsverzeichnis vielleicht am weitesten zurück. Eidesleistung nach bestimmter Formel ist zu Beginn des Pontificats Innocenz' III. bereits gang und gäbe. So leistet am Tag nach der Krönung der Stadtpraefect Petrus den Fidelitätseid, seit Innocenz III, wurde auch den neugewählten Bischöfen der Obödienzeid immer allgemeiner abgefordert; auch der Liber Censuum enthielt bereits einzelne Eidesformeln. Da ist es mehr als wahrscheinlich, dass auch die curialen Beamten ihre Amtseide nach bestimmten Formeln ablegten.

Der Vicekanzlereid hat in der uns überlieferten Form von Johann XXII. bis Martin V. unverändert fortbestanden. 1) Merkel veröffentlichte als Nr. XII seiner Documenta aliquot aus den beiden Cencius-Handschriften der Riccardiana in Florenz einen Zusatz zum Vicekanzlereid, der sich mit dem letzten Theil unseres Textes: Et officiales ac familiares meos iuramento adstringam etc. deckt. Der Zusatz fällt jedenfalls vor Johann XXII. Zum ursprünglichen Bestand des Cencius gehört er nicht, 2) und auch in dem in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenen Cod. Riccard. 228 3) ist er vielleicht erst von späterer Hand eingefügt. Einreihung des Zusatzes in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wird aus diesen Erwägungen wahrscheinlich; der Kern des Eides reicht weiter, vielleicht bis 1216 zurück. Der Eid der familiares vicecancellarii ist mit dem Zusatz zum Vicekanzlereid gleichzeitig und hat wohl die Veranlassung dazu gebildet.

Zwei der wichtigsten Eide, der der Notare und der des Correctors, sind uns erst aus einer Zeit erhalten, zu der die Bedeutung dieser Beamten gegenüber anderen neu emporgekommenen bereits wesentlich zurückgetreten war. Für die ungleich grössere Wichtigkeit der beiden Aemter im 13. Jahrhundert lassen sie sichere Rückschlüsse nicht zu.

Der Scriptoreneid erwähnt in der älteren Fassung noch den Kanzler, ist also vor 1216 entstanden, fortan übrigens mit alleiniger Ersetzung des ,,cancellarii" durch ,,vicecancellarii" unverändert geblieben. 4)

1) Vgl. S. 33 Anm. a.

2) Er fehlt in der Inhaltsangabe bei Fabre, Mélanges 3, 342 A. 4.

8) Fabre, Etude sur le Liber Censuum 180.

4) Bresslau, UL. 1, 255 Nr. 9.

Von einer Reihe älterer Aufzeichnungen, die sich schon formell von den späteren dadurch unterscheiden, dass sie nicht den Wortlaut sondern nur den Inhalt des Eides geben, sind uns nur drei Bruchstücke erhalten: S. 43 Nr. IX.,,Jurabunt breviatores", S. 47 Zusatz zu Nr. XII. „Jurent eciam procuratores" und S. 48 Nr. XIV „Jurabunt examinatores." Die Form,,breviatores" macht Einreihung vor Mitte des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich.

Die Eide für Auditoren und Notare der Rota (Juram. X. XI.) sind durch Johann XXII. angeordnet und von da an unverändert geblieben. Grösseren Wandel weisen die Rescribendareide auf. Das genaue Eingehen auf Tax- und Münzwesen in denselben und der grosse Wechsel, dem diese Dinge im Laufe der Zeit unterworfen waren, haben auch eine Veränderung der Eide mit sich gebracht, und diese bieten dadurch Anhaltspunkte zu engerer zeitlicher Begrenzung. Allem Anscheine nach hat erst die Regelung des Taxwesens die Ausgestaltung dieses Amtes und die Festsetzung seiner Befugnisse zur Folge gehabt. Demgemäss beruft sich bereits die älteste Fassung des Rescribendareides (Juram. VI. a) auf die im Kanzleibuch verzeichnete Taxe; und ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich die Entstehung dieser ältesten Eidesformel mit der Aufrichtung der Taxliste in unmittelbaren Zusammenhang bringe. 1) Das Amt war ursprünglich einheitlich; der Distributor notarum nennt sich gleichzeitig Rescribendar (quousque fuero rescribendarius) und zu seinen Befugnissen zählt die Vertheilung sowohl der Concepte als der litterae rescribendae. Das Recht, den Distributor zu ernennen, theilte der Vicekanzler mit den Notaren. Das Streben desselben, aus seiner Stellung als primus inter pares gegenüber den Notaren hinauszukommen, führte später zur Einschränkung des Amtes auf die Vertheilung der Concepte, während für die Vertheilung der litterae rescribendae eine neue Stelle geschaffen wurde, deren Verleihung dem Vicekanzler allein zustand.") Diesen Verhältnissen entspricht die Fassung von Juram. VI. b und Constit. VII. 10—11. Neuen Wandel erfuhren beide Aemter durch die unter Johann XXII. erfolgte völlige Trennung der Cancellaria iustitiae vom Gratialbureau. Zweitheilung und Namen blieben, aber die Befugnisse änderten sich, so zwar, dass der Rescribendar ausschliesslich im Gratialbureau, der Distributor ausschliesslich im Justizbureau seines Amtes waltete; beiden oblag innerhalb ihres Wirkungskreises sowohl die Vertheilung und Taxirung der Concepte als auch der litterae rescribendae. Beide 1) Vgl. darüber auch meine Ausführungen in Mittheil. d. Instituts f. österr. GF. 13, 10.

2) Vgl. die theilweise abweichende Darstellung bei Bresslau, UL. 1, 223, dem Juram. VI. a noch nicht vorlag.

« AnteriorContinuar »