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ernannte der Vicekanzler allein; von einem Miternennungsrecht der Notare ist weiter nicht mehr die Rede. 1)

Eine ganz bestimmte Datirung gewinnen wir endlich noch aus dem Obödienzeid des Erzbischofs (Juram. XVIII). Derselbe beginnt im Bologneser Codex:,,Ego R. archiepiscopus Taraconensis . . . fidelis et obediens ero... domino meo pape G." Es ist dies Raimund von Pennafort, der berühmte Compilator der Dekretalensammlung Gregors IX., der nach Fertigstellung des Werkes 1234 mit dem Erzbisthum Taragona belohnt wurde, darauf aber sehr bald wieder verzichtete. 2) Dass gerade die damals für ihn entworfene Eidesformel Eintragung ins Kanzleibuch fand, legt uns den Zusammenhang zwischen der allgemeinen codificatorischen Thätigkeit an der Curie überhaupt und der speciellen in der Kanzlei nahe.3)

Eine umfangreiche Gruppe des älteren Kanzleibuchs bilden die Formeln.4) Hier gilt es zunächst Entstehungszeit der Sammlung und Aufkommen der einzelnen Formeln zu scheiden, das der Formel zugrunde liegende concrete Beispiel zu finden, beziehungsweise festzustellen, seit wann Bullen von gleicher Fassung die päpstliche Kanzlei verlassen haben. Ich gebe diese Vorarbeit in Form einer dem Schlusse der Einleitung angefügten Tabelle, die bei der Mangelhaftigkeit der Ordensbullarien auf Vollständigkeit allerdings keinen Anspruch erhebt.

Viel näher als bei den Formeln des alten Liber Diurnus berühren sich bei denen des neuen Kanzleibuchs Zeit der Entstehung und der Sammlung: beide fallen wesentlich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Von den 74 verschiedenen Formelanfängen sind 48 vor 1198 überhaupt nicht nachweisbar, 12 weitere sind an der Hand der Neubearbeitung der Jaffè'schen Regesten für das 12. Jahrhundert zwar bereits zu belegen - hieher gehören die ganz allgemeinen „,Justis petentium",,,Cum a nobis petitur", ,,Solet annuere" und ,,Pervenit ad nos", der Inhalt der betreffenden Briefe weicht aber von dem der Formeln ganz ab; nur 14 Arengen, beziehungsweise 18 Formeln waren in gleicher oder ähnlicher Fassung seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in der päpstlichen Kanzlei in Gebrauch.

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1) Vgl. die Titel in Juram. VI. c und d: ego rescribendarius, ego distributor und die entsprechende Nebeneinanderstellung beider in der Constitution Johanns XXII. „Qui exacti temporis" (S. 114, Constit. XIII. 19). Die Bezeichnung,,rescribendarius de gratia" und „,de iustitia" dürfte vielleicht erst von Dietrich von Nieheim hinzugefügt sein. Für die spätere Entwicklung vgl. meine Ausführungen in Mittheil. d. Instituts f. österr. GF. 13, 50.

2) Schulte, Gesch. d. Quellen u. Lit. des canon. Rechts 2, 408.

8) Mittheil. d. Instituts 12, 188.

4) unten Nr. I-CI.

Erler hat bereits hervorgehoben, dass die Sammlung nach bestimmtem Plan angelegt ist. 1) Und dieser Plan lässt sich an der auch in der Ausgabe beibehaltenen Reihenfolge der Bologneser Handschrift noch klarer erkennen als am Kanzleibuch von 1380. Die Sammlung gliedert sich folgendermassen: A. Privilegien, und zwar: 1. Cistercienser. 2. Cistercienserinnen. 3. Praemonstratenser, (Einzelklöster), Augustiner, Benedictiner. 4. Praemonstratenser (Mutterkloster). 5. Karthäuser. 6. Franciscanerinnen. 7. Templer. 8. Johanniter. 9. Deutscher Orden. 10. Bischöfe. 10. Bischöfe. 11. Erzbischöfe. 12. Juden. B. Ausführungsbestimmungen und kleinere Schutzbriefe für die exempten Orden,2) und zwar: Nr. 13-29 für die Cistercienser, Nr. 30-55 für die Ritterorden. C. Bullen für die Hospize. Nr. 56-61. D. Schutzbriefe zu Gunsten der Bettelorden und zwar: Nr. 62-89 für die Dominikaner, Nr. 90-100 für die Minoriten.

So geringfügig die Zahl dieser Formeln gegenüber dem ausgebreiteten und vielgestaltigen Geschäftskreis der päpstlichen Kanzlei erscheint, bilden sie doch ein in sich geschlossenes Ganze und unterscheiden sich von den zahlreichen privaten Sammlungen, den Summae oder Artes dictandi noch durch einen besonderen Umstand, der sich aus dem Begriff des Privilegiums herleitet. Privilegien sind vom gemeinen Recht abweichende Rechtsbegünstigungen; sie schaffen neues und zwar Specialrecht.3) Die Sammlung aller Begünstigungen und Vorrechte, welche die Curie in wechselndem Ausmass den verschiedenen Orden gewährte, war dementsprechend mehr als eine blosse Aneinanderreihung von Stilmustern, sie war zugleich Rechtsaufzeichnung, und daraus erklärt sich wohl auch die officielle Form, in der sie erfolgte. Zu einer Codificirung der Privilegien hatte aber das 4. Lateranconcil von 1215 bestimmten Anlass gegeben. Von den Canones des Concils, das sich auch sonst mehrfach mit dem Verhältnis zwischen Weltgeistlichkeit und Orden beschäftigte, kommen hiefür besonders zwei in Betracht:4) § 13, der die Gründung neuer Orden untersagte, und § 55, der die in den Privilegien des 12. Jahrhunderts am meisten schwankende Frage bezüglich der Entrichtung der Zehenten endgiltig regelte.5)

1) Einleitung S. XIX

2) Für die Scheidung von exempten Orden vgl. u. S. 73, Constit. IX. 7, 8. $) Hinschius, Kirchenrecht 3, 805.

4) Mansi 22, 1002, 1042.

5) Vgl. darüber Erler S. XX und meine Ausführungen im Arch. f. österr. Gesch. 76, 293 f.

An letztere Bestimmung knüpft denn auch gleich der Beginn unserer Sammlung an, 1) und der Verweis auf das ,,Concilium generale" kehrt dann im folgenden immer wieder. Auch bei denjenigen Formeln, die wie Nr. IV, VII und VIII sonst wörtlich aus viel früherer Zeit entnommen sind, ist die Zehentklausel gemäss den Satzungen des 4. Lateranconcils umgeändert.

Ein fester Ausgangspunkt für die Entstehung unserer Formelsammlung ist also durch das 4. Lateranconcil gegeben. Es fragt sich nur, wie viele Zeit danach bis zur thatsächlichen Codificirung verstrichen ist. Darüber stehen sich bisher zwei Ansichten gegenüber. Während Erler, der erste Herausgeber dieser Formelsammlung, angenommen hatte, dass sie in der ersten Zeit Innocenz' IV. entstanden sei, 2) setzte sie Simonsfeld erst in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts.") Er wies darauf hin, dass die Formel,,Devotionis vestre 4) einer am 31. Mai 1265 von Clemens IV. erlassenen Bulle entspreche; ausserdem enthalte die Sammlung im Bologneser Codex zwei Privilegien für den Cistercienser- und Prediger-Orden vom 3. und 9. Juni 1265 und überdies eine Reihe undatirter Formeln, deren Entstehung theilweise erst in die Zeit Urbans IV. falle.

Allein Simonsfeld hat dabei übersehen, dass die Fortsetzung unserer Formelsammlung bereits aus den ersten Jahren Alexanders IV. bestimmte Zeugnisse für den Bestand derselben enthält.5) Führt uns dies allein schon dazu, mit Erler die Sammlung im grossen und ganzen und vereinzelte Nachträge auseinanderzuhalten und die Entstehungszeit der ersteren unabhängig von der Datirung der letzteren zu ermitteln, so werden wir darin auch noch durch das handschriftliche Verhältnis bestärkt. In allen von Simonsfeld hervorgehobenen Fällen weichen die beiden Ueberlieferungen unserer Formelsammlung von einander ab. Es zeigt sich, dass die Compilatoren von H und E nur den Grundstock der Sammlung übereinstimmend wiedergaben, während sie bei der Aufnahme späterer Zusätze und Nachträge ihre eigenen Wege giengen. Die beiden Privilegien für Cistercienser und Dominikaner Potth. Nr. 19175 und 19185 es sind übrigens Bullen, nicht Formeln und stehen daher mit der übrigen Sammlung in keinem inneren Zu1) unten S. 223, Ueberschrift von Formel I.

2) S. XXV.

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8),,Beiträge zum päpstl. Kanzleiwesen im Mittelalter", Sitzungsberichte d. k. bair. Akad. d. Wiss. phil. hist. Cl. 1890, S. 221 ff.; vgl. S. 223,,demnach dürfte diese Sammlung von Privilegien nicht früher als in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zu setzen sein."

4) unten S. 275 Anm.

5) unten S. 300 Form. CI. 4 und 6 ff.

sammenhang finden sich nur in H, die Bulle,,Devotionis vestre" und die Fortsetzung, die sich an die Formelsammlung reihte (Nr. CI), nur in E.

Die Beachtung dieses Verhältnisses giebt uns wohl auch den Schlüssel zur Lösung der einzig verwickelten Frage der Cistercienserbriefe, bezüglich deren Simonsfeld allerdings sehr bemerkenswerte Einwände erhoben hat. 1) Sie betrifft die Formeln 13-29, Ausführungsbestimmungen, um die Cistercienser im Genusse einzelner ihnen verliehener Vorrechte zu schützen. Diese theilen sich wieder in zwei Gruppen: 1) Formel 13-20, nur in H in vollem Wortlaut überliefert, in E nur mit den Anfängen und in theilweise abweichender und erweiterter Fassung angeführt. 2) Formel 21-29, in H und E nach Wortlaut und Reihenfolge gleich enthalten.

Diesem Gegensatz in der handschriftlichen Ueberlieferung entspricht nun auch ein bedeutsamer Unterschied in der Entstehungszeit. Von der zweiten Gruppe lassen sich die Formeln Nr. 21-27 aus der Zeit Gregors IX. nachweisen, einzelne davon sind in der ersten Zeit Innocenz' IV. gleichlautend wiederholt. F. 28 und 29 reichen in noch frühere Zeit zurück, die Fassung im Formelbuch entspricht aber späterer Ueberarbeitung. F. 28 ist von Honorius III., Gregor IX. und Innocenz IV. in einer von der Formel stark abweichenden Fassung ausgestellt.2) Eine Bulle aus der späteren Zeit Innocenz' IV. nähert sich zwar der Formel,3) doch fehlt noch die Klausel:,,et si pro monasteriis de novo fundandis tales possessiones pia fidelium devotione collate eis fuerint aut empte, committantur aliis excolende, a quibus ectlesiis decime persolvantur." Erst eine Ausfertigung unter Alexander IV. vom 9. Sept. 1255 deckt sich vollständig mit der Formel. 4)

Schritt für Schritt lässt sich die Ausgestaltung der letzten Formel Nr. 29,,Non absque dolore" verfolgen. 5) Das Incipit taucht zum erstenmal auf in IL. 15356, 1185 Jänner 23, für die Johanniter. 6) Die Formel ist wesentlich bereits dieselbe, Einzelheiten weichen noch stark ab. Näher noch schliesst sich ein Beispiel aus der Zeit Innocenz' III.

1) 1. c. S. 221-222.

2) Honorius III. 1224 Nov. 11 (Henriquez, Priv. ord. Cisterc. 60 Nr. 12) 1225 März 4 (Monuments pour servir à l'histoire des provinces du Namur etc. 2, 27) Gregor IX. 1230 Jan. 7 (Dugdale, Monast. Anglic. 5, 601 Nr. 27) Innocenz IV. 1244 April 8 (Monum. 39 Nr. 32).

3) Innocenz IV. 1250 Okt 7 (Weech Cod. dipl. Salem. 295 Nr. 264.)

4) Wirtemberg. UB. 5, 123.

5) Ich gebe von der sehr häufig ausgefertigten Formel nur einige charakteristische Beispiele.

*) Pflugk-Harttung, Acta pontificum 2, 391.

vom 26. Nov. 1212 an;) weil es aber vor das Lateranconcil fällt, lautet die Zehentclausel,,vel decimas laborum vel nutrimentorum ipsorum", der Zusatz,,de terris habitis ante concilium generale" fehlt, dagegen folgt zum Schluss eine Fortsetzung „de monachis autem et canonicis regularibus id servetur" etc. Eine Bulle Honorius' III. vom 15. Sept. 12162) enthält die Zehentclausel bereits gleich der Formel, zum Schluss aber noch eine Fortsetzung,,Villas autem in quibus bona predictorum fratrum vel hominum suorum per violentiam detenta fuerint, quamdiu ibi sunt, interdicti sententie supponatis." Gleichlautend damit ist eine Urkunde Gregors IX. für das Kloster Bebenhausen; 3) dagegen hat eine wenig spätere Ausfertigung vom 2. Mai 1231 für das Kloster Schönthal4) den erwähnten Schlusssatz bereits abgestossen, nur mangelt gegenüber der Formel noch die Klausel,,ante quod susceperunt eiusdem ordinis instituta". Eine Bulle Innocenz' IV. endlich vom 8. April 1244 für das Kloster Maulbronn stimmt wörtlich mit der Formel überein. 5) Die Formeln 21-29 waren daher unter Gregor IX. um das Jahr 1235 bereits in Geltung und sind auch unverändert geblieben, nur bei F. 28 und 29 wurden unter Innocenz IV. und Alexander IV. noch Klauseln und Zusätze eingefügt.

Anders steht die Sache bei der Gruppe 13-20. Hievon tauchen Nr. 13, 14 und 19 in der ersten Hälfte des Jahres 1244 auf, also gerade zu der Zeit, die wir gleich als die Abschlusszeit der Sammlung im grossen und ganzen kennen lernen werden. Nr. 15-17 kann ich erst aus den Jahren 1245 und 1246, Nr. 20 erst unter Alexander IV. uachweisen. 6)

Ein weiteres Stadium verweist nun in die Zeit Urbans IV. Unter ihm erfolgte eine Reihe von Privilegien bestätigungen für die Cister

1) Monum. 2, 18.

2) ebenda 2, 21 Nr. 13.

3) Wirtemberg. UB. 3, 247.

4) ebenda 2, 283.

5) ebenda 4, 77.

6) S. die Nachweise unten in der Tabelle. Bei Formel 18 dürfte vielleicht ein Irrthum in der Eintragung obwalten. Unter der Arenga,,Solet annuere" wird den Cisterciensern Zehentfreiheit,,de animalium nutrimentis" etc. zugestanden (Diplomatarium Arna-Magnaenum ed. Thorkelin 1, 140 Innocenz IV. 1244 März 1), während ihnen die in der Formel enthaltene allgemeine Privilegienbestätigung unter der ähnlichen Arenga,,Annuere consuevit sedes apostolica piis votis et honestis petentium precibus favorem benivolum impertiri" ertheilt wird (Thorkelin 1, 141, Innocenz IV. 1244 März 2). Bis auf unbedeutende Abweichungen gleichlautend mit der Formel ist die Bulle Alexanders IV. von 1256 Juni 11 für das Benedictinerkloster Komburg (Wirtemberg. UB, 5, 158).

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