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Der erste, der Statute der Stadt Braunschweig veröffentlichte, war kein Geringerer als Leibniz. Aber über dem von ihm publicirten Stück Braunschweigschen Rechts hat ein eigenes Mißgeschick gewaltet. In der reichhaltigsten Sammlung der Statuten, die die Wissenschaft dem im März 1904 verstorbenen Archivar der Stadt Braunschweig, Ludwig Hänselmann, verdankt, sucht man es vergebens. Hänselmann hatte schon in dem ersten Bande des Urkundenbuches der Stadt Braunschweig (1873) die Quellen des Stadtrechts vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zum Untergang der Stadtfreiheit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. herausgegeben. Im zweiten 1900 erschienenen Bande waren dann nachgetragen: die Rechtsmittheilung Braunschweigs an Duderstadt von 1279 (n. 294 S. 131 ff.), die dem Ende des 13. Jahrh. angehörige Statutensammlung aus dem ältesten Stadtbuche des Sackes (n. 452 S. 220 ff.) und mancherlei Einzelstatute (vgl. n. 508 S. 260 ff.), darunter das interessante van den underkoperen (n. 876), das ich zum Ausgang einer Untersuchung über den Makler im Hansagebiet machen konnte 1). Aber an der Stadtrechtsedition seines berühmtesten Vorgängers war Hänselmann vorbeigegangen. Nicht weil sie ihm unbekannt geblieben wäre, sondern zunächst aus einem äußern Grunde. Es fehlte für die von Leibniz mitgetheilte Statutenform die handschriftliche Quelle. Weder die Archive in Braunschweig und Wolfenbüttel noch eine auswärtige Sammlung, an die man denken konnte, boten sie dar. Leibniz selbst berief sich bei

1) Festgabe der Göttinger Juristenfacultät für F. Regelsberger 1901 S. 255 ff. Kgl. Ges. d. Wiss. Nachrichten. Philolog.-histor. Klasse 1905. Heft 1.

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seiner Publication in den Scriptores rerum Brunsvicensium III (1711) S. 434 ff. auf eine Pergamenthandschrift, deren Zusendung er dem früheren Rathssecretair Avemann verdankte (Introductio das. S. 14.).

Heinrich Avemann, 1637 in Braunschweig geboren, war 1668 als des Raths und gemeiner Stadt Secretarius1) angestellt worden. Die Dienste seiner Vaterstadt scheint er nach der Unterwerfung Braunschweigs (1671) verlassen zu haben; im nächsten Jahre finden wir ihn in Ostfriesland wieder im Rathe der Fürstin Christiane Charlotte, die nach dem frühen Tode ihres Gemahls Georg Christian († 1665) die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Christian Eberhard bis 1690 führte 2). Avemann war mit Spener befreundet, und die Vermuthung liegt nahe, daß er, der seine Richtung in kirchlichen und politischen Dingen durch die ältere Helmstedter Schule empfangen haben wird, durch Spener, der bei der Fürstin Christiane Charlotte in hohem Ansehen stand, in die Dienste des ostfriesischen Fürstenhauses gelangt ist3). Die im Königlichen Staatsarchiv zu Aurich aufbewahrten Correspondenzen und Berichte Avemanns zeigen seine Thätigkeit als Gesandter in Wien und an anderen deutschen Höfen wie beim Reichstag in Regensburg. Im Jahre 1693 wurde er Geheimer Rath und Vicekanzler als Nachfolger von Petkum, eine Stelle, die er bis zu seinem Tode (17. Juni 1699) inne hatte). Leibniz, der ihn als einen dem Staate und den Wissenschaften gleich ergebenen Mann schätzte3), stand mit ihm in lebhafter Correspondenz. Der Briefwechsel Leibnizens in der Königlichen Bibliothek zu Hannover bewahrt aus der Zeit von 1689 ab

1) Laut der Bestallung vom 4. Aug. 1668 erhielt Heinr. Avemann eine jährliche Besoldung von 200 Gulden, 6 Scheffel Roggen und 20 Thaler WohnungsEntschädigung. Die Anstellung erfolgte für die Zeit von Michaelis 1668 bis dahin 1671. (Mittheilung des Herrn Stadtarchivar Dr. Mack in Braunschweig).

2) Wiarda, Gesch. v. Ostfriesland VI (1796) S. 250 und 382.

3) Bartels, Mittheilungen zur Geschichte des Pietismus in Ostfriesland in der Zeitschr. f. Kirchengeschichte hg. v. Brieger V (1882) S. 387 ff. Der aus den Acten des Auricher Consistoriums geschöpfte Aufsatz enthält interessante Beiträge zu Avemanns Stellung in den Kämpfen zwischen Orthodoxie und Pietismus in Ostfriesland.

4) Mittheilungen, die ich Herrn Archivrath Dr. Wachter zu danken habe, ebenso wie den Hinweis auf den A. 3 citirten Aufsatz von Bartels. Das zu seiner Zeit in der Auricher Stadtkirche befindliche Epitaph Avemanns giebt wieder Bertram, Analecta Ostfries. (1737) S. 97. Danach ist das Geburtsjahr 1637 während Wiarda a. a. O. 1634 angiebt.

5) Leibniz an Avemann 16. Januar 1689 (Werke hg. v. Klopp V 635).

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