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Uebersicht.

Einleitung

Erläuterungen zu den Siegeltafeln. Vom Archiv - Rath v. Mülver

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Ein altes Copialbuch von das Kloster Drübeck angehenden OriginalDocumenten nebst kürzeren Registraturen und Auszügen. Registrum censuum et bonorum monasterii Drubeke conscriptum anno domini m°cccc°lxxxv1° Galli, nebst kürzeren Auszügen aus späteren Registern

Nachträge, kürzere Notizen und Auszüge mit Berücksichtigung auch des Dorfes Drübeck

Verzeichniss der urkundlich nachweisbaren Stiftspersonen

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Einleitung.

Das unmittelbar am Fusse der Harzberge im alten Charudenoder Hardego (Nr. 8) gelegene Jungfrauenkloster Drübeck, Benedictinerordens, ist eine der ältesten geistlichen Stiftungen des Sachsenlandes. Bietet auch die nicht ganz im eigentlichen Sinne so zu nennende Stiftungsurkunde vom 26. Januar 877 verschiedene diplomatische Schwierigkeiten dar, die uns veranlassen, dieselbe als eine etwa 100 Jahre spätere Erneuerung des eigentlichen Originals anzusehen, so giebt doch die innere Gestalt und der Inhalt des Diploms die Gewähr für die Richtigkeit des Thatsächlichen. Die Namen der gräflichen Stifterin, ihrer Brüder, die Ausstattung, die Schutzheiligen und Anderes ist in dieser Weise unerfindbar. Dass Adelbrin die erste aus dem edeln sächsischen Grafengeschlecht war, welche den Schleier nahm, weist uns auf das hohe Alter, aber indem nicht sonderlich gewissenhafte spätere Chronisten das prima in genere suo ad deum conversa falsch deuteten und kritiklos combinirten, liessen sie die Gräfin durch den mit mancher Mythe umwobenen Halberstädter Bischof Bukko mit drei Brüdern als erste Christen taufen und wissen sogar, dass es an einem Osterabend geschah. Immerhin ist es merkwürdig, dass sie sich mehrfach mit ihr zu schaffen machen und dass statt des verlateinten Albina, doch auch die richtig verkürzte Form Albrin oder Albrina vorkommt (Drudens handschr. Chron., Niemann Gesch. v. Halberst. 151 Anm. ). Besonders beachtenswerth ist die gottesdienstliche Verehrung, welche die Stifterin noch in späteren Jahrhunderten mit der Bezeichnung,, die heilige" genoss (vgl. Nr. 108 de hilge juncvrouwe Adelbrin, lampe der hilghen j. A.; S. 236 lampas sancte Albryne; presentien Albrine S. 256).

Gerade die Art, in welcher in jenem ältesten Diplom der später ausschliesslich als solcher genannte Patron S. Vitus zwischen Maria, der Allpatronin der römischen Kirche, und den Heiligen Crispin und Crispinian fast versteckt erscheint, ist ganz analog anderen entsprechenden Erscheinungen. Wir erinnern daran, wie die sonst später nicht mehr vorkommenden Namen jener sonderbaren Heiligen noch ganz spät von der Hand eines offenbar den Zusammenhang nicht ahnenden Schreibers bei den alten Kleinodien des Stifts uns überliefert werden (Zeitschr. d. Harz - Ver. 4, 213).

Dass es nicht gelingt, Zusammenhang in die Genealogie des Geschlechts der Stifter zu bringen, wird bei dem Mangel an so altem Urkundenthum nicht befremden, ebenso nicht die empfindliche Lücke von 83 Jahren bis zur nächsten unzweifelhaft echten Urkunde, denn leider ragen auch später Urkunden der Jahre 1058 und 1130, selbst noch von 1187, 1201, 1231, wie vereinsamte Oasen aus der Wüste der Zerstörung hervor. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass in jener frühen, unsicheren Zeit der erste schwerlich sehr massive Bau durch Feuer oder sonstige Gewalt zerstört und im nächsten Jahrhundert erneut wurde, wodurch sich König Heinrichs II. Ausdruck moderno tempore constructum im Jahre 1004 erklären würde (Nr. 5). Im Jahre 960 war jedenfalls die alte Stiftung in Stand und Wesen (Nr. 2).

Durch die Auftragung der frommen Stifter wurde das Kloster Drübeck in die Hände der deutschen Könige gelegt und trat, an Alter und Würde ihnen ebenbürtig, als drittes zu den beiden altberühmten Königsstiftern am Harz, Quedlinburg und Gandersheim (Nrr. 3 u. 5). Kaiser Heinrich der Heilige nennt es im Jahre 1021,,nostrum insigne monasterium" (Nr. 7; vgl. die unechte Urk. Nr. 6 v. J. 1004). Auch die Königinnen und Kaiserinnen Adelheid und Kunigund wandten der Stiftung ihre Gunst zu (Nr. 2, 5, 6, 7).

Hier im deutschen Königsstift Trobiki war es, dass im Jahre 1025 die königliche Aebtissin Adelheid, Schwester Ottos III., mit den Ihrigen der Königstochter Beatrix, auf die Kunde ihres Eintreffens (wohl von Gandersheim her) entgegenkam, um sie mit Liebe und königlichen Ehren gen Quedlinburg zu führen, weil der Mutter Gisela Sorge sie vor Konrads II. Römerzuge dorthin in eine sichere Zufluchtstätte bringen wollte (ann. Quedlinb. mon. Germ. ss. III, 90).

Mit dem Jahre 1058 ging durch Tausch und Schenkung Heinrichs IV. das königliche Stift an den heil. Stephan und das Bisthum Halberstadt über, in dessen geistlichem Sprengel es lag. Mit diesem Uebergang trat zunächst keine wesentliche Aenderung ein. Eine solche wurde erst 1108-1110 von Bischof Reinhard vorgenommen, der, wie der zuverlässige Chronist sagt,,,in quatuor collegiis" seines Sprengels, darunter „, Drubeke“, sanctimonialium inordinate viventium et ordinem et habitum commutavit, eisque sub arta custodia reclusis, ut sub regula beati Benedicti viverent ordinavit (Chron. Halb. ed. Schatz p. 47). Die Liebe der Halberstädter Bischöfe war der freundlich gelegenen Stiftung lange zugewandt. Bischof Konrad nennt sie 1201 ,, dilectam et semper diligendam nobis Drubecensem ecclesiam" (Nr. 16). Der Ruf heiligen Wandels schmückte aber auch die in stiller Abgeschiedenheit lebende klösterliche Genossenschaft. Zwar die solitaria Sisu vocata in loco Thrubizi dicto, immensae pietatis ac per mihi ineffabilis, von der Bischof Thietmar uns zur Zeit Heinrichs des Heiligen erzählt, wird durch Lappenberg nach Traubitz (Traupitz) bei Zeitz gewiesen (Pertz SS. III, 863), obwohl unzweifelhaft schon der sächsische Annalist bei seinem Kloster Trubike an unser Drübeck

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dachte (1. 1. VI, 671). Aber in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts leuchtete Drübeck als eine Stätte christlicher Sittigung und geistlichen Lebens weithin in deutschen Landen und bis in das dem Christenthum noch kaum gewonnene Wendenland. Als Bischof Udo von Zeitz, das Werk seines Vorgängers Dietrich fortsetzend, zur geistigen Hebung des als nimis admodum rudis bezeichneten Volks im Jahre 1147 das S. Stephanskloster in genannter Stadt als eine Pflanzstätte geistiger Bildung für Jungfrauen stiftete, da berichtet er, wie er kurz vor seinem Zuge nach dem heiligen Lande auf den Rath und treues Zureden der Aebte Bernhard von Clairvaux, Heinrich zu Walkenried und Adalbrecht zu Pforta sich Klosterjungfrauen von Drübeck erbeten und feierlichst mit Ehrerbietung empfangen habe (quorum (abbatum) consilio et fidelissima persuasione virgines deo dicatas, congregationem scilicet sanctimonialium ab abbatissa Thrubecensi petii, quas cum totius ecclesiae nostrae frequentia devote suscepi. Schöttgen, Gesch. Conrads d. Gr. S. 306-309). Und wenn wir hören, wie zwölf Jahre früher bei Kaiser Lothars Umwandlung des alten Jungfrauenstifts zu Königslutter in ein Benedictiner - Mannskloster die Klosterjungfrauen zur Besserung nach Drübeck versetzt worden seien (Meibom rer. Germ. t. III, 299; Leuckf. Walkenr. I, 234), so redet des Königs erhaltener Stiftungsbrief nur im Allgemeinen von den alibi, aliorsum geschickten Religiosen (Scheid origg. Guelf. II, 524), doch hat die Angabe in sich nichts Unwahrscheinliches.

Und zu jener Zeit suchten nicht, wie später, nur aus der näheren Umgegend und dem Halberstädter Sprengel, sondern auch aus weiter Ferne und von jenseit des Harzgebirges Töchter aus edeln und Dynastenfamilien in Drübeck eine Stätte geistiger Ausbildung und geistlichen Lebens, so die Schwester Landgraf Ludwigs von Thüringen (10), die Tochter des Edeln Bezelin von Gladebeck aus der Göttinger Gegend (S. 258 Nr. 1), Luttrud, Tochter Graf Elgers von Honstein (Nr. 22, 32, 37). Noch 1231 redet Bischof Friedrich von Halberstadt, der geistliche Oberhirt, mit besonderer Verehrung von dem venerabile collegium sanctimonialium in Drubeke, deren Lampen unauslöschlich angefüllt seien mit dem Oel der Liebe (18).

Fanden wir ursprünglich stiftungsgemäss nur Frauen von hoher Abkunft an der Spitze des Convents und Adliche unter den Klosterjungfrauen, so treten darin bereits nachweislich seit dem 13. Jahrhundert auch Bürgerliche hervor, und nicht nur als gewöhnliche Klosterjungfrauen, sondern auch in der Würde der Aebtissin, des Propsts und aller übrigen Dignitäten sehen wir die Sprossen hohen und niedern Adels mit Bürgerlichen wechseln. Selbst Töchter des Dorfs Drübeck begegnen uns unter den Klosterjungfrauen. Es giebt sich darin theilweise die mit der allgemeinen geschichtlichen Entwickelung eintretende gesellschaftliche Umwandlung in der Christenheit zu erkennen. Die alten Privilegien und Exemtionen wurden dem Kloster noch im achten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts von Papst Gregor X. bestätigt (S. 226).

In ganz natürlicher Weise musste sich in Folge der besonders seit dem 13. Jahrhundert immer zahlreicheren Klostergründungen das Gebiet beschränken, aus welchem die Jungfrauen des Klosters Drübeck stammten, sowie auch besonders Wernigerode, das vom Kloster aus später als „, die Stadt" schlechthin erschien (vgl. z. B. S. 258), entschieden hervortreten. Trotz der sechs geistlichen Stiftungen in der kleinen Grafschaft herrschen die Wernigeröder Stadtkinder im 15. Jahrh. so sehr vor, dass es z. B. im Jahr 1454 bei sämmtlichen Dignitarien des Klosters höchstens vom Propst Kapelle noch zweifelhaft sein kann, ob er aus Wernigerode war, was indess auch wahrscheinlich ist.

In merkwürdiger Weise können wir schon seit dem 13. Jahrhundert die nahe Beziehung Braunschweigs, jener so hervorragenden Handelsstadt des Sachsenlandes, zu dem nicht ganz benachbarten Kloster am Fusse der Harzberge nachweisen. Freilich dürfen wir die relative Vertretung der Braunschweigerinnen im Drübecker Convent nicht nach dem im vorliegenden Urkundenbuch mitgetheilten Material bemessen, da durch besondere Sorgfalt und glückliche Fügung das Urkundenthum in Testaments-, Degedingbüchern und Correspondenzen hier ausserordentlich vollständig erhalten ist.

Schwer ist es, von dem ehemaligen und ursprünglichen Landbesitz des Klosters eine sichere Vorstellung zu gewinnen, da die Erwerbungsurkunden uns nur zum Theil erhalten sind. Die meisten Stammbesitzungen lagen entschieden, wie noch bis ins 15. und 16. Jahrhundert, innerhalb der Grenzen des alten Harzgaus zwischer Oker und Bode, dem Harz und dem grossen Bruch. Sie reichten aber nach verschiedenen Richtungen darüber hinaus, so bei Gröningen, Eilwardesdorf und Daldorf (beide wüst), Croppenstedt, Heteborn und dem zweifelhaften Erxleben in das Gebiet des alten Schwabengaus, bei Germersleben in den Nordthüringgau. Merkwürdig sind aber die ehemals ansehnlichen und verbreiteten Besitzungen der Harzgrafenstiftung im alten Derlingau vom grossen Bruch nördlich bis auf die Höhen des Elm zu Kissleben, Schöningen, Wobeck in der richterlichen Wirkungssphäre des Wernigerödischen Grafengeschlechts. Nachdem schon früh (1141 Nr. 11) Besitzungen zu Udenheim (Eilum) und Söllingen vertauscht waren, entäusserte sich besonders mit dem Anfang des 14. Jahrhunderts das Stift verschiedener unter veränderten Verhältnissen nicht mehr günstig gelegener Besitzungen, so 1312 der zu Wobeck an Riddagshausen (Nr. 55 u. S. 259, 4), 1314 der zu Volzum an das gleichnamige edle Geschlecht (58), in demselben Jahre der Zinse bei Dorstadt an das gleichnamige Kloster (57); 1323 gab es 6 Hufen zu Winnigstedt an Königslutter, während ihm dafür durch die Grafen von Wernigerode näher gelegenes Land zu Zilly, Waterler, Oldenrode und Langeln zu Theil wurde (66), ebenso wie 1329 durch dasselbe Geschlecht ihrer Erbvögte Land zu Langeln gegen drei Hufen zu Beierstedt (78), ein Jahr darauf ebenfalls Besitzungen an demselben Orte gegen solche zu Lüttgen Lochten (74). Im J. 1334 end

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