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Geschichtsquellen

der

PROVINZ SACHSEN

und

angrenzender Gebiete.

Herausgegeben

von den

Geschichtlichen Vereinen der Provinz.

FÜNFTER BAND.

URKUNDENBUCH DES KLOSTERS DRÜBECK.

HALLE,

Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses.

1874.

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Mit vier Siegeltafeln und drei in Lichtsteindruck facsimilirten Urkundenanlagen.

HALLE,

Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses.

1874.

Zum ersten Male tritt mit dem vorliegenden Diplomatarium ein geschlossener Theil des im Gräflichen Haupt- Archiv zu Wernigerode geborgenen Urkundenschatzes an die Oeffentlichkeit. Dieser Umstand scheint uns die Pflicht aufzulegen an dieser Stelle einige Auskunft über jenes geschichtliche Quellenmaterial zu geben.

Die Grafschaft Wernigerode umschloss auf dem für die mittelalterliche Cultur fast allein in Betracht kommenden etwa drei Quadratmeilen grossen Theil ihres Gebiets einst nicht weniger als sechs Klöster und geistliche Stiftungen: die Benedictinerklöster Drübeck und Ilsenburg, das Augustiner - Einsiedlerkloster zur Himmelpforte bei und das Collegiatstift S. Georgii und Silvestri in Wernigerode, das Cistercienserkloster Waterler und die Deutschordenscommende Langeln, ausserdem den nun seit Jahrhunderten von ihr getrennten Walkenrieder Klosterhof Schauen. Die meisten Urkunden dieser Stiftungen beruhen im Gräflichen Hauptarchiv, nur die des Stifts St. Silvestri sind zumeist in der Oberpfarrkirche aufbewahrt. Abgesehen von einem verhältnissmässig gut erhaltenen wohlgeordneten Stadt-Archiv sind in Wernigerode auch die Urkunden des Wernigerödischen und des Stolbergischen Grafengeschlechts wenigstens theilweise erhalten.

Während nun erst gegenwärtig die Veröffentlichung eines Theiles dieser Geschichtsquellen gesichert und die eines weiteren zu hoffen ist, stand das Wernigeröder Archiv schon vor siebenzig Jahren unter der Pflege eines Mannes von ausserordentlicher Sachkenntniss und wissenschaftlichem Beruf, der jenem Urkundenthum eine hingebende und erfolgreiche Thätigkeit zuwandte. Der am 24. Oct. 1778 zu Wernigerode geborene, am 14. April 1840 ebendaselbst verstorbene Christian Heinrich Delius, seit 1802 Archivassistent, 1804 Archivar, durchforschte das archivalische Schatzhaus seiner engern Heimat mit einer so aufopfernden Thätigkeit, wie nur die echte Liebe zur Sache und zur Heimat es vermag. In den Jahren 1806 und 1807 fertigte er mit erstaunlichem Fleiss in einzelnen Bänden die Abschriften der in der Urschrift oder in Abschriften im Gräfl. Archiv vorhandenen Urkunden, zuerst vom Januar bis Mai 1806 vom Kloster Waterler, dann von 1806 bis 1807 nebeneinander die von Drübeck und Ilsenburg, im letzteren Jahre die von Himmelpforten und Schauen. Nur theilweise, und wie es scheint später, wurden die des Wernigeröder Collegiatstifts abgeschrieben, mit dessen diplomatischer Geschichte sich Delius jedoch schon als Knabe beschäftigt hatte. Seine Gräflich Wernigerödischen und Stolbergischen Copialbücher sind mir nie zu Gesicht gekommen.

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Jene Abschriftensammlungen hatten zunächst einen practischen Zweck für die Archivverwaltung, und Delius beschränkte sich daher auf die seiner Sorge befohlenen Urkunden des Gräflichen Archivs; daher fehlte z. B. Langeln ganz, da dessen Urkunden zunächst noch dort in Privatbesitz sich befanden. Er selbst hat über die Tendenz dieser Arbeiten in einer Bemerkung vor dem codex diplomaticus monasterii Wasserler sich erklärt:,, da die hierin befindlichen Abschriften lediglich in Hinsicht auf den Geschäftsgebrauch angefertigt sind, so wird die Nichtbeachtung mehrerer diplomatischen Regeln hoffentlich wohl Verzeihung finden." Weshalb Delius, dessen Thätigkeit für die heimatliche Geschichte durch sein späteres Amt als Regierungsdirector allerdings sehr eingeschränkt wurde, nicht dazu kam, seine verschiedenen Copialbücher für die Herausgabe vorzubereiten und durch umfassendere Sammlung des an anderen Orten befindlichen Materials zu ergänzen, können wir nicht näher bestimmen.

Seitdem im Jahre 1865 durch des gegenwärtig regierenden Grafen zu Stolberg- Wernigerode Erlaucht für die Verwaltung des Gräflichen Haupt- Archivs wieder ein besonderer Archivar bestellt wurde, gehört die Bearbeitung und Herausgabe der Wernigerödischen Geschichtsquellen zu dessen dienstlichen Aufgaben. Während nun hiermit die Drübecker Urkunden ans Licht treten, ist der Druck der Ilsenburger schon vorbereitet und dürften zunächst die Himmelpförtner folgen. Aber schon seit dreissig bis vierzig Jahren werden von dem erlauchten Oheim des regierenden Grafen zu Stolberg- Wernigerode, dem Grafen Botho zu Ilsenburg, in umfassender Weise eifrigst die Sammlungen des älteren Gräflich Stolbergischen Urkundenthums betrieben, während seit mehreren Jahren mein verehrter Freund, Herr Assessor Bode in Vechelde, an einem Urkundenbuche der Grafen von Wernigerode sammelt. So steht durch eine Theilung der Arbeit und Vereinigung der Kräfte die Hebung mindestens eines grossen Theils des verhältnissmässig so ansehnlichen Wernigerödischen Urkundenschatzes in nicht zu ferner Aussicht.

Wenn mit dem Urkundenbuche von Drübeck, als der altehrwürdigen Stammstiftung der Grafschaft, begonnen wurde, so ist zu bedauern, dass gerade das älteste Quellenmaterial die grösste Einbusse erlitten hat, während dies bei den anderen Stiftungen weit weniger der Fall und zum Beispiel von dem viel unbedeutenderen jüngsten Kloster Waterler das Urkundenthum in ziemlicher Vollständigkeit erhalten ist. Aus den vier ältesten Jahrhunderten ragen nur vereinzelte Drübecker Diplome als geschichtliche Marksteine aus der Flut der Vernichtung hervor. Kein eigentliches Copialbuch denn das

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