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Das Siegel der Aebtissin Christiane Sophie Bierbrauer (1732—36), rund, ist nicht nur mit einer Umschrift versehen (+ Sig ❖ ABBATISSE DE & DRVBEKE), sondern zeigt auch eine etwas archaistische Darstellung, insofern als S. Veit frei im Siegelfelde stehend, nicht nur die doppelthürmige Kirche wieder in der Rechten trägt, sondern auch neben sich den behelmten Wappenschild1 der Siegelführerin hat, gleichwie wir auf den Siegeln der Domherren von Hochstiftern oft den betr. Stiftspatron den Wappenschild der Siegelführer halten sehen. Mit einer Um- (nicht Ueber-) schrift ist auch das jüngere Siegel der genannten Domina Gese Pape (Nr. 15) versehen, sie lautet: GESA. PAPEN. DNA. ZV. DRVBECK. Im Siegelfelde zeigt sich, wie bemerkt, ein ausgeschweifter Schild mit S. Veit in ganzer Figur, wie auch auf ihrem ältern Siegel, das sich an einem Schriftstück vom J. 1602 findet und über dem Schilde die Anfangsbuchstuben G. P. sehen lässt.

3. Propst- und Pfarrersiegel von Drübeck und anderer Geistlicher.

a) Siegel der Pröpste. (Taf. III. Nr. 17 — 20).

Siegel der Pröpste von Jungfrauen- und Mannsklöstern, sowie von regulirten Klöstern sind selbstverständlich zahllos vorhanden. Der grössere Theil zeigt, zumal in den späteren Zeiten des Mittelalters, eine Conformität, nämlich in spitzovaler Form das Bild der betr. Schutzheiligen, fast stets ohne etwaiges Wappenbild des Siegelführers. Selten ist das Bild des Letzteren dargestellt und in diesem Falle stets in ganzer Figur, während die ältesten Propstsiegel der Hoch- und Collegiatstifter, wie schon oben bemerkt ist, das Brustbild des Propstes sehen lassen.

Auch die Propstsiegel zerfallen, wie die anderer Klostervorsteher, in allgemeine, d. h. in solche, die von jedem Propste successive geführt wurden, und in specielle, welche sich jeder einzelne Propst fertigen und mit seinem Namen versehen liess. Sie wurden nach seinem Ableben cassirt, d. h. zerschlagen, vergraben, durch verschiedenartige Verstümmelungen unbrauchbar gemacht oder eingeschmolzen. Die Drübecker Propstsiegel fallen unter beide Kategorien, allein die erstere bildet insofern eine Specialität, als zwar drei verschiedene Propstsigel aus der Zeit von 1311-1435 sich der Umschrift nach als allgemeine, auf keine bestimmte Person gerichtet, darstellen, sie aber dennoch alle von verschiedenen Stempeln herrühren, also beim jedesmaligen Propstwechsel eine Erneuerung des Stempels stattgefunden zu haben scheint.

Die hier abgebildeten vier Propstsigel zeigen alle allein die ganze Figur des h. Veit (die beiden jüngeren auf einem Sockel stehend); das älteste Siegel stellt den Heiligen in einem von zwei schlanken Thürmen mit Lilienornamenten auf den Spitzen beseiteten Spitzportal, die andern Siegel sämmtlich freistehend dar. Auf den drei älteren führt S. Veit allein die Palme in der Rechten, auf den jüngeren, aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, erblicken wir dagegen, wie auf einigen Convents- und Aebtissinnensiegeln, S. Veit mit der Kirche in der Rechten und der Palme in der Linken. Die Grösse aller Siegel ist die gewöhnliche mittlere.

Auf dem ältesten Siegel, dessen sich der Propst Albrecht an zwei Urkunden der Jahre 1311 und 1314 bedient, lautet die Umschrift (in altdeutscher Majuskel): S' PREPOSITI. IN (verkehrt) DRVBEKE, während die Umschrift auf des Propstes Ermbrecht Siegel an einer Urkunde de 1355 das Siegel ist lädirt · (S' PREPOSITI. SCI. VITI. I. DRVB(EKE) gelautet haben wird. Neben dem Haupte des Schutzheiligen auf dem 1429 und 1435 vorkommenden Siegel des Propstes zeigt sich ein Baldachin von drei flachen ornamentirten Bogen, die Umschrift heisst (in altdeutscher Minuskel): s' ppositi....n drvbeke.

1) von bürgerlichem Typus; querliegender Ast mit 3 Rosenstengeln, darüber 3 Rosen neben einander; auf dem Helm 3 Rosenstengel.

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Die Umschrift des Siegels, dessen sich Propst Hermann Boleken 1468 bedient, ist nicht mehr ganz leserlich und scheint nur die ersten vier Buchstaben sind deutlich erkennbar S' her(manni) prepositi de drvbeke gelautet zu haben. Eine der des letzteren Siegels conforme Darstellung zeigen die Siegel der Pröpste Heinrich v. Odfredessen 1461 und Heinrich Wreiden 1484.

b) Siegel der Pfarrer zu Drübeck (Taf. III. Nr. 21. 22). Wenn es heut zu Tage und seit mehr als hundert Jahren „,Kirchen“ - Siegel mit mancherlei Darstellungen giebt, so fehlen solche Siegel der einzelnen Pfarrkirchen (auf Dörfern und in Städten) dem Mittelalter fast ganz, und statt derselben stösst man auf die Siegel der Pfarrer, auf Personalsiegel, welche äusserst verschieden in ihren Bildern sind. Es verlohnte sich eine umfassende Sammlung derartiger Siegel, um eine allgemeine Classification derselben zu versuchen. Einzelne Andeutungen hierüber haben wir bereits gelegentlich der Abbildung und Beschreibung des Siegels eines Pfarrers zu Schneitlingen gemacht.1

Auch die Siegel zweier Pfarrer der Dorfkirche zu Drübeck lassen uns schon die grosse Mannichfaltigkeit wahrnehmen, die auch anderswo sich auf derartigen Siegeln zeigt, und die im Allgemeinen darin besteht, dass entweder - hauptsächlich die Schutzheiligen der betr. Pfarrkirche dargestellt sind, oder (seltener) der persönliche Schutzheilige des Pfarrers oder sein Portrait (gewöhnlich in ganzer Figur) oder sein Wappen oder wappenartiges Emblem oder endlich eine symbolischallegorische Vorstellung, wie sie z. B. das merkwürdige Siegel eines meklenburgischen Dorfgeistlichen erblicken lässt.2 Eine andere Art von Verschiedenheit zeigt sich, wie bei den Siegeln höherer Geistlicher, auch in der Form der Pfarrersiegel, welche gleichfalls bald rund bald parabolisch sind; die beiden hier vorgeführten Pfarrsiegel von Drübeck haben die runde Form, während ein nachher zu erwähnendes Pfarrersiegel von Osterwiek eine spitzovale Gestalt hat.

Die beiden noch erhaltenen Pfarrersiegel von Drübeck, beide der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts angehörig, zeigen sehr verschiedene Bilder. Das ältere, dessen sich Johannes, Pfarrer zu Drübeck, 1453 bedient,s lässt eine Figur sehen, welche nicht ganz leicht zu deuten ist; wir möchten eine in einem Kahn sitzende Figur erkennen (Petri Fischzug?). Die Umschrift des fast 5 Zoll im Durchmesser haltenden Siegels lautet in altdeutscher Majuskel: S' PLEBA ✪ DE DRVBEKE Blumenranken. Einen Hinweis auf den Taufnamen des Pfarrers enthält das Siegel so wenig als auch den Schutzpatron der Pfarrkirche in Drübeck, die dem heil. Bartholomäus geweiht war.

Kleiner ist das Siegel, dessen sich acht Jahre später der Nachfolger des Pfarrers Johannes, der Pfarrer Gerlach Hepe, an einer Urkunde des Jahres 1461 bedient. Es zeigt ein einfaches Bild, ein Quasi- Wappen, als Insigne des Siegelführers, und zwar ein redendes, auf seinen Namen anspielendes, nämlich eine Hippe, ein Weinmesser - Eisen (ohne Stiel), an der linken Seite von 3 zu 2. 1 gesetzten Kugeln begleitet, in einem Dreipasse, die Umschrift in altdeutscher Minuskel heisst: ' Gerlach & hepen & Ranken ✨.

Dass auch sonst, statt eines Heiligenbildes, das Wappen des Siegelführers, besonders wenn er von Adel war, auf Pfarrersiegeln zur Darstellung gelangte · selbst statt des Schildes der Wappenhelm mit seinem Kleinode haben wir schon am oben angeführten Orte erwähnt und mit Beispielen belegt.5

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Die Deutung der drei runden Figuren zur Seite der Weinheppe dünkt uns nicht schwer. Wir erachten sie für die Steine des heil. Stephanus, des Schutzpatrons des Stifts Halberstadt, zu dessen Sprengel Drübeck gehörte. Die Steine

1) S. Zeitschrift des Harz- Vereins III. S. 682 ff. mit Abbild.

2) Das Siegel des Gottschalk Wulf, Pfarrers zu Klüz vom J. 1319. S. Meklenb. Jahrbücher XXXVIII. S. 209 ff.

3) S. unten S. 114.

4) S. unten S. 118. 119.

5) S. Zeitschrift des Harz- Vereins a. a. O.

(durch die er sein Martyrium erlitt) fehlen selten, auch wenn er sie nicht, wie häufig, in einer der Hände hält, dergestalt, dass sie neben ihm frei abgebildet sind. Und so sehen wir sie auch gewöhnlich in der Dreizahl und ebenso, wie auf unserm Siegel, auf Münzen des Hochstifts Halberstadt neben dem Bilde des heil. Stephanus mit angebracht schon im 12. Jahrhundert.1

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c) Siegel der Pfarrer zu Osterwiek (Taf. III. Nr. 23). Das Siegel des Pfarrer B. (so steht unabgekürzt in der Urkunde selbst, während die lädirte Siegelumschrift noch Be.... also Bernardus, Bertoldus u. dgl. erkennen lässt) von Osterwiek, an einer Urkunde des Jahres 1317 hangend, ist eines der ältesten Pfarrersiegel, die wir überhaupt kennen. Parabolisch und klein, hat es doch den Typus eines Probsts- oder Siegels eines höheren Geistlichen. In zwei Spitzbogen-Portalen, die einen Aufsatz mit einer Fensterreihe und darüber einen gothisch verzierten Giebel tragen, erblicken wir zwei Heiligenfiguren und darunter gleichfalls in einer Nische den Siegelführer rechtshin gewendet, mit halb erhobenen, gefalteten Händen knieend, eine im 14. und 15. Jahrhundert sehr gewöhnliche Darstellung.

Von den beiden Heiligenbildern stellt das erstere die Mutter Gottes dar, das andere einen Mann in langem Gewande, die Hände vor sich unter der Brust haltend; es lässt sich der mangelhaften Erhaltung des Siegels wegen aber nicht erkennen, ob und welche Attribute ihm beigegeben sind, und ob die Hände ein solches halten. Der Umstand, dass die Pfarrkirche in Osterwiek dem heil. Stephan (gleich vielen anderen Pfarrkirchen in Städten und ländlichen Ortschaften3) geweiht war, berechtigt uns, zumal da die Darstellung sonst passt und die Hände der Figur, wie sonst sehr gewöhnlich, drei Steine oder ein Buch mit denselben daraufliegend gehalten haben dürften, dies zulässt, die zweite Figur als den heiligen Stephan zu deuten. Die Hinzufügung der h. Maria hat, wie in zahlreichen andern Fällen, ihren Grund in ihrem Vorzug vor allen Heiligen, aber es kann ihre Darstellung auch auf ein geistliches Amt des Siegelführers an einer anderen, dieser Schutzpatronin geweihten geistlichen Anstalt oder Kirche bedeuten. Von der Umschrift ist nur erhalten: S' BE.... TERWIC (Sigillum Be(rnardi ? rtoldi?) plebani in (de) Osterwic).

d) Werner v. Dalem, Domvicar zu Halberstadt (Taf. III. Nr. 28). Bei jeder Kathedralkirche gab es eine grosse Anzahl von Vicarien, d. h. Geistlichen geringerer und geringster Grade, welche an Stelle der Domherren die Functionen im Lesen der Messen und Begehen der Vigilien an den Messaltären bei den kleinen Festen, namentlich der Feier der Anniversarien, ausübten und auch sonst zu andern gottesdienstlichen Verrichtungen gebraucht wurden. Bei ihrer ansehnlichen Zahl traten sie schon früh zu einer Societät zusammen, namentlich um die Verwaltung ihrer ihnen theils von den Kirchen verliehenen, theils von Privaten geschenkten Güter selbständiger zu besorgen und überhaupt ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten einheitlich vertreten zu können. An der Spitze dieser Genossenschaften, die auch Brüderschaften hiessen, stand ein magister vicariorum, der entweder auf Lebenszeit oder für eine bestimmte Zahl von Jahren gewählt wurde.

Die Genossenschaft der Vicarien zu Halberstadt (selbstverständlich gab es deren auch bei den Collegiatstiftern) war die zahlreichste und angesehenste von derartigen Verbrüderungen weit und breit. Sie nannte sich auch fraternitas S. Stephani, zeichnete sich durch nicht ganz unbeträchtlichen Grundbesitz aus, hatte eine eigene Kapelle im Domkreuzgange, ein eigenes Archiv u. s. w.

1) S. Stenzel, der Bracteatenfund von Freckleben S. 21 ff. und Tab. II. Nr. 37a. 42a. 2) S. unten S. 83.

3) Gleichwie auch im Mainzischen Sprengel, aber im Gegensatz zum Magdeburgischen, wo, so viel ich weiss, nur eine einzige Pfarrkirche denselben Schutzheiligen mit der Domkirche gemein hat.

Werner v. Dalem, dessen Siegel hier abgebildet ist, war der Vorsteher (magister) der Halberstädter Domvicarien. Ob er zu der bekannten Braunschweigischen Adelsfamilie gehört, wird zu untersuchen sein; sonst pflegten die Vicarienstellen auch selbst an Hochstiftern nicht von Sprossen adeliger Familien bekleidet zu werden, nur äusserst seltene Ausnahmen kamen hier vor. Ueber die Adelsfamilie v. Dalem enthalten ganz vornehmlich die Urkunden des Klosters Riddagshausen zahlreiches Material; Einiges findet sich auch in den Urkunden der Klöster Stötterlingenburg, Hamersleben und Hadmersleben.

Das kleine runde Siegel des Halberstädter Domvicarius Werner v. Dalem liefert wieder ein Beispiel, dass die bildliche Darstellung auf demselben sich nicht auf die Kirche bezieht, an der der Siegelführer angestellt und thätig war. Das einen Zoll im Durchmesser haltende runde Siegel zeigt die heil. Jungfrau Maria, gekrönt, mit dem Jesuskinde auf dem rechten Arm. Die Umschrift in altdeutscher Minuskel lautet: s' werneri ✪ von (? van?) dalë (d.h. dalem) ✪.

B. Siegel weltlicher Personen.

1) Gebhard, Graf zu Wernigerode, Vogt des Klosters Drübeck.
(Taf. IV. Nr. 24.)

An der unten S. 24 abgedruckten Urkunde des Jahres 1239 hängt das hier abgebildete Siegel, eines der ältesten des Wernigeröder Grafenhauses, von dem, wenn wir nicht irren, Siegel aus dem 12. Jahrhundert noch nicht bekannt geworden sind.

Wir würden hier einiges Allgemeine über dieses wie nunmehr erwiesen ist aus dem Hildesheimischen stammende edle Geschlecht vorausschicken können, wäre nicht schon über den Ursprung und die ersten Generationen desselben die schöne Abhandlung von Bode in der Zeitschrift des Harz- Vereins IV. S. 1 ff. die beste Quelle zur Belehrung, auf die wir verweisen dürfen, gleichwie auch auf das Bezug genommen werden kann, was wir bei Veröffentlichung eines sehr merkwürdigen Siegels des Grafen Conrad v. W. aus dem Jahre 1259 mit einem schräglinken Rautenkranze, ebendaselbst I. S. 334-336, ausgeführt haben.

Siegel der Grafen zu Wernigerode finden sich schon vor längerer Zeit abgebildet auf den Siegeltafeln in v. Erath's Codex diplomaticus des Stifts Quedlinburg und in Harenbergs Geschichte des Stifts Gandersheim; alle zeigen den bekannten Wappenschild mit den nach aussen gebogenen beiden Fischen (Forellen). Ihn lässt auch, in fast dreieckiger Form, das vorliegende grosse runde, 1 Zoll im Durchmesser haltende Siegel des Grafen Gebhard von Wernigerode sehen. Sphragistisch bemerkenswerth ist an dem Siegel sonst nichts; die Umschrift, welche mit Ausnahme eines E noch in altrömischer Majuskel geschrieben ist, lautet: SIGILLVM. COMITIS. GHEVEHARDI. DE. WERNIGROT.

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Ebenso wenig, als über das Gräflich Wernigerödische Geschlecht, scheint es uns nothwendig, hier noch ausführlicher von derjenigen Adelsfamilie zu handeln, welcher der Führer des zweiten hier abgebildeten Siegels

2) Jordan v. Minsleben

(Taf. IV. Nr. 25)

angehörte, da wir bereits ein Siegel dieser Familie mit den nöthigen Erläuterungen, gleichfalls in der Zeitschrift des Harz- Vereins III. S. 223 ff. 229 ff, bekannt gemacht haben. Hier ist von uns das Siegel Aschwins v. M., an einer Urkunde des J. 1316 hangend, commentirt und ein Abriss der Genealogie der v. M. gegeben worden, die dem gleichnamigen Orte an der Holtemme, 12 M. nordöstlich von Wernigerode in der gleichnamigen Grafschaft gelegen, entsprossen sind. Dort ist auch ausgeführt, dass es zwei nach demselben Orte benannte Adelsgeschlechter v. M. gegeben hat, von denen hier das ältere und angesehenere, dessen Schildemblem ein querliegender Lindenast mit 3 Blättern, zwei oben, eins unten, ist, in Betracht kommt. Das von uns früher publicirte Siegel vom J. 1316 ist, gleichwie auch das hier mitgetheilte, nur fragmentarisch vorhanden,

aber auf letzterem ist die Schildfigur vollständig sichtbar. Während jenes Siegel, von ziemlicher Grösse, eine runde Gestalt hatte, ist dieses schildförmig und zeigt im Schilde einen starken knorrigen, querliegenden Ast mit oben 2 und unten 1 Lindenblatte, die sämmtlich linkshin gewendet sind. Die oben links beginnende, zwischen Perlenreihen laufende Umschrift in alter deutscher Majuskel lautet: + S. IORDA.. MINSLEVE und dürfte, dem Raume nach zu urtheilen,

vollständig geheissen haben: S. IORDANI MILITIS DE MINSLEVE.

Abgerissene Aeste mit Linden-, Eichen-, Weiden-, Klee- u. a. Blättern, mit Blumen verschiedener Form, Eicheln u. s. w. finden sich ungemein oft in den Wappen des niedersächsischen Adels, so z. B. auf dem der v. Grieben, Wodenswegen, v. Eikendorf, Dingelstedt, Hohnhorst, Frese, Reyher. Zu den von uns als erste bekannte des Geschlechts aufgeführten, zwischen 1209 — 25 auftretenden Friedrich und Dietmar v. M1 gesellt sich noch Siegfried v. M., dem wir im J. 1200 begegnen, und dessen Taufname nachher mehrmals in der Familie wiederkehrt. Dort ist auch auf die Dunkelheiten, die noch zur Zeit in einigen Partien der Minslebischen Genealogie herrschen, aufmerksam gemacht und eine bedeutende Zahl urkundlicher, mit dem Jahre 1289 beginnender Nachrichten über Jordan v. M., dem unser Siegel angehört, geliefert. Ich trage nur zur Vervollständigung dieses Materials noch einige andere Urkunden hinzu, von denen die vom Jahre 12933 unter den Zeugen ihn und Johannes v. M. neben Basilius und Johannes v. Romsleben, Bernhard v. Olvenstedt, Johann v. Hartesrode und Heinrich v. Jerxheim als milites de Wernigerode" namhaft macht. Von Wichtigkeit für ihn und die Geschichte von Wernigerode selbst ist, dass durch jene Bezeichnung Jordan v. M. als Burgmann zu Wernigerode nachgewiesen wird. Zu untersuchen wird es aber sein, ob er in diesem Verhältniss castrensis der Grafen v. W. war oder im Dienste des Raths dortselbst stand, der, wie auch die Landesherren es mit ihren Städten thaten, die Stadt durch auf Vorwerken und Burghuten wohnende ritterbürtige Personen bewachen und beschützen liess. Diese milites sind diejenigen — sei es in welchem Dienste sie standen die am Stadtregimente Theil nahmen und im 13. Jahrhundert an der Spitze des Raths noch vor den Schöffen stehen, gleichwie auch in verschiedenen andern Städten Sachsens und der Rheinlande. Aber diese Verfassung wurde bekanntlich bald wieder aufgehoben.

Ritter Jordan v. M. tritt ferner auch 1299 als Zeuge auf, aber ein anderer muss derjenige Jordan v. M. sein, der 1305 mit dem Prädicat famulus erscheint.5

Weitere Notizen über die v. M. hier zu geben, liegt keine Veranlassung vor; dass Lindenäste und -Stämme zu beliebten heraldischen Emblemen gehörten, zeigt das folgende Siegel, zu dem wir sogleich übergehen; auch die Schilde der v. Samp

leben und v. Veltheim enthalten Lindenäste.

3) Wolter Spiring (v. Biwenden), Burgmann zu Hornburg 1317.
(Taf. IV. Nr. 26).

V. dictus Spiring, miles in Hornburg, hat einer S. 53 abgedruckten Urkunde, die er, als Schiedsrichter in Gemeinschaft mit einem andern Burgmanne dortselbst, dem Ritter F. dictus Friso, einem Burgmanne zu Osterwiek, Joh. v. Hoym, dem Bürger L. Betkehard, dem Pfarrer daselbst und einem Knappen B. v. Dorstadt hinsichtlich der Beilegung der Streitigkeiten zwischen dem Kloster Drübeck und Rudolf Kotze sein Siegel angehängt, das nur theilweise erhalten und hier abgebildet ist. Rund und von der Grösse eines Achtgroschen

1) S. Zeitschrift des Harz - Vereins III. S. 229.

2) Walkenrieder Urkundenbuch I. p. 42.

3) Delius, Nachrichten zur Geschichte der Landstände in der Grafschaft Wer

nigerode. Quedlinburg 1817. S. 14 Anm. 14.

4) Urkundenbuch des Kl. St. Michaelis in Lüneburg S. 114.

5) S. Braunschweigische Anzeigen de 1746 p. 2033.

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