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unten S. 226-238 abgedruckte enthält fast nur ziemlich spät zusammengestellte unvollständige Auszüge —, keine bedeutendere Anzahl einzelner Abschriften füllt die Lücken, welche frühzeitige Verluste erzeugt haben. Auch das reiche Magdeburgische Staats-Archiv, das für andere Wernigerödische Stifter sonst überaus wichtige Ergänzungen bietet, weist unter dem Titel Drübeck nur vierzehn Nummern aus späterer Zeit, von 1386 bis 1542, auf. Das Todtenbuch des Klosters ist bis auf einen kleinen, dem Einband eines Buches entnommenen und in der Zeitschr. des Harzvereins f. G. u. A.-K. 3, 381 ---392 mitgetheilten Rest vernichtet. Ein Verzeichniss der im Jahre 1529 noch erhaltenen Kleinodien ist ebendaselbst 4, 208-221 veröffentlicht.

Auch die im Wernigerödischen Archive erhaltenen Drübecker Urkunden geben vielfach in ihrem durch Nässe und sonstige Einflüsse geschädigten Zustande, den häufigen Mangel oder die theilweise Zerstörung der Siegel ein stummes Zeugniss ihrer Schicksale. Während im Jahre 1539 noch 141 Drübecker Originalurkunden nach Wernigerode in Verwahrung gegeben wurden, sind bis dahin noch 94 gegenwärtig daselbst vorhanden, oder vielmehr, da elf nur noch in spätern Abschriften vorliegen, nur 83, so dass 58 erst seit jener Zeit verloren gingen. Jene 141 Diplome dürften dem oder den Verfassern der S. 226-238 mitgetheilten Excerpte noch alle vorgelegen haben. Die Gesammtzahl der bis zur chronologischen Grenze unseres Urkundenbuchs erhaltenen und von Delius abgeschriebenen Urkunden beträgt gerade hundert und befasst die Nummern 1-3, 5—9, 12, 13, 15 — 21, 23-33, 35-39, 41-43, 45, 47-51, 54, 59, 61-64, 68-71, 73, 74, 77, 79, 82, 83, 85-87, 89, 96-98, 100, 104, 105, 108-115, 122, 123, 130, 133, 138, 139, 142-147, 152, 155, 159, 163, 167, 173, 204, 220, 230, 231, 251, 253.

Bei so grossem Verlust erschien es um so mehr als Pflicht, die zerstreuten Blätter von allen Seiten herbeizubringen und nach dieser Seite ist durch unermüdliches Anfragen und eigene Benutzung auswärtiger Archive kein Fleiss gespart worden, so dass es gelungen ist, das Material der Deliusschen Abschriften fast auf das Dreifache zu erhöhen. Manche und theilweise wichtige Ergänzungen wurden noch aus dem Gräflichen Archive selbst gewonnen, andere aus dem auf Gräfl. Bibliothek befindlichen Städtischen und zwei Stiftischen Copialbüchern, das meiste aber aus anderen Archiven, nämlich mit Einschluss der Nachträge 14 Nummern vom 13-15., 10 aus dem 16. Jahrhundert aus dem Königlichen Staats-Archiv in Magdeburg, 10 Diplome saec. 14. u. 15. aus dem Archiv der Oberpfarrkirche in Wernigerode, 14 aus den erwähnten Copialbüchern auf Gräfl. Bibliothek, 6 aus dem

Herzoglichen Landes-Haupt- Archiv zu Wolfenbüttel, 4 aus dem Königlichen Staats-Archiv in Hannover, 4 aus dem Stadt-Archiv in Wernigerode, 2 aus dem Stifts-Archiv zu Dorstadt, 4 aus dem Gräfl. Archiv zu Stolberg, je eine aus dem v. Gadenstedtschen und dem Helmstedter Stadt-Archiv. Aus dem Braunschweiger Stadt - Archiv aber gewann unser Urkundenbuch, ausser 8 dem 14. und 15. Jahrhundert angehörigen Nummern, durch den Schriftwechsel und die Verhandlungen über die in Folge des Bauernkriegs in ihre Vaterstadt Braunschweig geflüchteten Drübecker Klosterjungfrauen ein für die Geschichte der Säcularisation nicht unmerkwürdiges Urkundenthum, das aber auch manche sonstige Aufklärung über die inneren Zustände des Klosters darbietet. Nur die Nrr. 8, 10, 44 und 95 wurden nach Drucken mitgetheilt. Ueberhaupt waren bis auf einige Ausnahmen aus jüngster Zeit bisher fast nur noch die Drübecker Urkunden des Wolfenbüttler Archivs durch den Druck bekannt gemacht. Bei allen nicht dem Gräflichen Haupt- Archiv entstammenden Urkunden ist jedesmal die Herkunft angegeben.

So unvollkommen die als,,Copialbuch" unten mitgetheilten Auszüge auch sind, so bilden sie nebst den S. 238-241 abgedruckten Registraturen und Notizen immerhin eine schätzbare Ergänzung. Und über den Besitzstand des Klosters im 15. Jahrhundert giebt uns das vollständig ausgezogene Zinsregister von 1486 (S. 241-252) eine ziemlich vollständige Vorstellung. Was sich sonst aus den jährlich aufgestellten Zins-, Einnahme- und Ausgaberegistern bis etwas über die Mitte des 16. Jahrhunderts hin für die Klosterwirthschaft und sonst Bemerkenswerthes gewinnen liess, wurde S. 252-258 sorgfältig zusammengetragen. Die weiterhin bis zum Schluss mitgetheilten Nachträge suchen, ausser einigen erst später gewonnenen Klosterurkunden, auch einzelne kürzere Auszüge betreffend das Archidiakonatsverhältniss und die Geschichte des Dorfes Drübeck aufzuheben, die anderswo keine rechte Stelle fanden.

Was sonst die Auswahl des gebotenen Stoffes und die gewählte Zeitgrenze betrifft, so wurden bis zum Ende des 15. Jahrh. alle Urkun den unverkürzt mitgetheilt, ausser solchen, welche das Kloster nur gelegentlich betreffen. Im 16. Jahrhundert aber wurde, zumal in den späteren Jahrzehnten, Unwichtigeres beiseite gelassen und vielfach nur ein kurzer Auszug gegeben. Dass bis 1594 herabgegangen, hier aber auch ein Ziel gesetzt wurde, schien sich dadurch zu empfehlen, dass Drübeck als evangelisches Fräuleinstift noch fortbesteht und, wie Nr. 254 zeigt, damals die Verwaltung des Klosters endgültig in die Hände der Herrschaft gelangt war. Zur Veranschaulichung der bis auf

die Gegenwart fortdauernden Continuität wurde auch das Verzeichniss der Stiftspersonen mit einigen erläuternden Notizen bis heute fortgeführt.

Ueber die bei Wiedergabe des Textes zu befolgenden Grundsätze pflegt die grösste Mannichfaltigkeit der Ansichten zu herrschen. Es wurden in der ganzen Einrichtung die von dem Urkundenausschuss des Harzvereins vereinbarten Grundsätze befolgt, von der Wiedergabe des langen Minuskel-s abgesehen, bei lateinischen Urkunden durchgängig i, bei deutschen der Halbvocal j angewandt, im Uebrigen aber dahin gestrebt, möglichst die wirkliche Gestalt der Urkunden wiederzugeben, daher z. B. das v und u der Vorlagen beibehalten und möglichst selten eine orthographische Verbesserung in den Text aufgenommen, meist eine auffällige oder verkehrte Form kurz durch ein (!) hervorgehoben.

Die schwankende Unterscheidung des i und j nicht beizubehalten empfiehlt sich schon durch den Umstand, dass in vielen Fällen der Inconsequenz nicht zu gedenken -solche Uebergänge vorkommen, dass kaum zu sagen ist, ob das Buchstabenzeichen noch als i oder als j anzusprechen ist; in anderen Fällen so z. B. im Original von Nr. 41 ist durchgängig und an allen Stellen ein Zeichen gewählt, das seiner Gestalt nach als ein j aufzufassen wäre. Die Substituirung von u statt v und umgekehrt hat gewiss in den meisten Fällen gar kein Bedenken; bei Eigennamen und in deutschen Urkunden können aber doch Zweifel entstehen. So möchten wir z. B. S. 9 u. 10 Brunsuic, S. 17 Suanebike (vgl. Nr. 13 Swanebeke), Nr. 139 Claues, Nr. 144 Dreuers nicht zweifellos als durch Brunsvic, Svanebike, Claves, Drevers wiederzugeben, sondern Brunswic, Swanebike, Clawes, Drewers, oder in den letzteren Fällen vielleicht das unveränderte Claues, Dreuers für entsprechender erachten. Im Uebrigen dürfte gewissenhafte Sorgfalt im Einzelnen als das oberste Gesetz auch für die Bearbeitung von Urkunden erkannt werden, hinter welchem einzelne Abweichungen im Princip doch zurücktreten.

Bei der Wichtigkeit der ältesten Urkunden wird die Beigabe der photolithographischen Nachbildung der Diplome von 877, 980 und 1004 nicht als unzweckmässig erscheinen, zumal die älteste noch weiterer kritischer Prüfung bedarf. Sie sind von der Römmler-Jonasschen Anstalt in Dresden mit solcher Meisterschaft ausgeführt, dass sie bei dem Wegfallen der durchaus nicht zum Diplom gehörenden Willkürlichkeiten besonders der Schmutzflecke in gewissem Betracht

deutlicher sind, als die Originale. Erst in Folge dieser technischen Reproduction erschien es kaum zweifelhaft, dass das allerdings etwas missrathene i-Zeichen in dem Namen der heutigen Stadt Hornburg, als i aufzufassen und Horinburg zu lesen sei, was ja sprachgeschicht

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lich auch anzunehmen war. Wir bemerken noch, dass das etwas verkümmerte königliche Monogramm bei dem Vollziehungsstrich keine deutliche Verschiedenheit des Farbentons erkennen lässt. Bei der Urkunde von 980 wurde versuchsweise ein verjüngter Massstab gewählt, weil anderer materieller Rücksichten nicht zu gedenken das häufige Einfalten der Tafeln beim Einbinden und der Benutzung misslich ist. Die gegründete Bestreitung des wissenschaftlichen Werths verjüngter facsimilia dürfte im vorliegenden Fall nicht in Betracht kommen, da die mathematische Präcision des technischen Verfahrens beim Lichtdruck die Willkür ausschliesst und bei der genauen Angabe des Massstabs die Wiederherstellung der wirklichen Grösse gesichert ist. Dass, wo sonst die Umstände es zulassen, die Wiedergabe in Originalgrösse vorzuziehen ist, versteht sich von selbst.

Die beigegebenen Siegel sind bis auf einzelne, bei welchen Herr Archiv - Secretär v. Schmidt-Phiseldeck in Wolfenbüttel und Herr Cabinets - Secretair Schöpwinkel in Wernigerode freundschaftlichst aushalfen, von dem in heraldischen Arbeiten bewährten Herrn Adolf Hildebrandt in Mieste bei Gardelegen gezeichnet und von Herrn Rauchhaus in der lithographischen Anstalt von Angerstein in Wernigerode mit grosser Sorgfalt ausgeführt. Die beschränkte Zahl derselben ist allerdings theilweise durch die erwähnten Schädigungen und Einbussen bedingt, welche das Drübecker Urkundenthum nach dieser Seite ganz besonders erfahren hat. Es wurde aber auch nur eine Auswahl getroffen und wurden besonders solche Siegel ausgeschlossen, welche, wie Königs- und Bischofssiegel, in andern Zusammenhängen zu behandeln, theilweise auch schon veröffentlicht sind. Einen höchst schätzbaren Commentar zu den Drübecker Siegeln verdanken wir einem Meister auf dem Felde sphragistischer Forschungen, meinem theuren Freunde Herrn Archiv- Rath v. Mülverstedt.

Dass die Register Arm und Auge für Urkundenbücher, dass letztere ohne dieselben unfertig und nur höchst mühsam zu benutzen sind, bedarf keiner Hervorhebung, und es schien daher angemessen, möglichsten Fleiss darauf zu verwenden. Wenn ausser den Familiennamen auch die Vornamen nochmals vollständig in alphabetischer Reihenfolge aufgenommen und jede Angabe mit der Jahrzahl begleitet wurde, so geschah dies, um besonders die Benutzung für die heimische Namenund Familienkunde zu erleichtern. Bei der Anordnung wurde darauf Rücksicht genommen, dass das vorliegende Urkundenthum ein fast ausschliesslich auf dem Niederdeutschen beruhendes ist.

Noch bleibt uns die angenehme Pflicht der Danksagung für die vielseitige liebevolle und gütige Förderung, welche dieser Arbeit meist

durch Fachgenossen zu Theil wurde. Die Herren Geheimen ArchivRäthe Dr. Grotefend in Hannover und Schmidt in Wolfenbüttel und am letztern Orte Herr Archiv- Secretair v. Schmidt-Phiseldeck und Herr Archiv-Registrator Ehlers, Herr Stadt - Archivar L. Hänselmann in Braunschweig, Herr Assessor Bode in Vechelde, Herr Archiv - Rath Beyer in Stolberg, Herr Gymnasial-Director Dr. Schmidt in Halberstadt, Herr Archiv-Secretair Dr. Geisheim in Magdeburg, Herr Stadtrath Lichtenstein in Helmstedt, die Herren Bürgermeister Neuss, Dr. Forcke und Custos Parchert in Wernigerode haben nach dem Mass der gebotenen Gelegenheit das Werk gefördert, wofür ich mich zum wärmsten Dank verpflichtet fühle. Wenn jedoch Herz und Gewissen mich drängen, meinem theuern, verehrten Freunde Herrn Archiv - Rath v. Mülverstedt hiermit noch in ganz besonderer Weise Dank für die Förderung zu sagen, welche er dieser Arbeit, sowie auch den vorbereiteten Urkundenbüchern von Ilsenburg und Himmelpforten hat angedeihen lassen, so geschieht es, weil das reiche Magdeburger Staats- Archiv durch seine erfolgreiche unermüdliche Thätigkeit und zahlreiche Register und Repertorien in einer Weise zugänglich gemacht ist, dass Arbeiten, wie die vorliegende aufs äusserste dadurch erleichtert und gefördert werden und weil mein theurer hochverehrter Freund und früherer Chef es nicht bei einfacher amtlicher Bescheidung beliess, sondern mit hingebendem persönlichen und sachlichen Interesse stets Rath und Auskunft gewährte. Gern sei solcher Förderung gegenüber der Misserfolge vergessen, welche die Bemühungen bei Besitzern privater Urkundensammlungen und Familienarchive hatten, denn in den seltensten Fällen ist übler Wille, fast stets dagegen mangelndes Verständniss von der Natur und Bedeutung der Urkunden oder mangelhafte Ordnung und Durchsichtigkeit dieser Archive die Ursache unerfreulicher, ja unterlassener Bescheide.

Besondere dankende Anerkennung verdient auch die Buchhandlung und Buchdruckerei des Hallischen Waisenhauses, welche durch die Herrn Oswald Bertram und Factor Bobardt, in zweckmässiger Einrichtung und grösster Pünktlichkeit die Arbeit förderte und erleichterte. Es ist ein nimmer zu verschweigendes Verdienst der altbewährten Waisenhausbuchhandlung, dass dieselbe nicht nur materiellen Gewinn, sondern die möglichste Förderung ernster wissenschaftlicher Arbeiten im Auge hat und dieselben, soweit die geschäftlichen Rücksichten es nur irgend erlauben, eifrig fördert.

Wernigerode, den 28. März 1874.

Ed. Jacobs.

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