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Vorwort.

Das vorliegende Buch umfasst die Urkunden der grösseren
geistlichen Archive der Werralandschaft. Die Begrenzung der
Werralandschaft ist dabei im alten kurhessischen Sinne aufgefasst.
Von der Aufnahme der Urkunden des Klosters Kornberg wurde
abgesehen, da deren Inhalt zumeist über das Gebiet der Werraland-
schaft hinausgeht. Mit dem Übergang der geistlichen Archive in
weltliche Hand im Zeitalter der Reformation war deren Leben im
wesentlichen abgeschlossen. Über diese Zeit hinaus sind nur solche
Urkunden aufgenommen, die an die Stelle von Urkunden des
Klosterarchivs getreten sind oder die die letzten Schicksale der
Ordenshäuser und ihrer Bewohner erläutern. Allgemein sind auch
für die frühere Zeit alle Urkunden aufgenommen worden, welche die
Klöster betreffen, ohne dass sie dem betreffenden Archiv angehörten.
Die Nummern dieser Urkunden sind durch ein Sternchen bezeichnet.
Irgend eine Vollständigkeit wurde dabei entsprechend dem Plan
dieser Veröffentlichung nicht erstrebt.

Der Plan dieser Reihe von Veröffentlichungen, den Archiv-
direktor Dr. Küch in Marburg entwarf und den der unterzeichnete
Bearbeiter zuerst verwirklichen sollte, ging nämlich dahin, für die
Veröffentlichung des Urkundenmaterials namentlich des späteren Mittel-
alters eine möglichst kurze, aber doch für alle Zwecke ausreichende
Form zu gewinnen, ein Mittelding zwischen Inventar und Urkunden-
buch. Jedes Regest gibt vollständig alle Namen und Orte und alle
wesentliche Angaben des Rechtsvorganges. Zu grösserer Sicherheit
des Benutzers sind vielfach die Angaben der Urkunden wörtlich in
runder Klammer hinzugesetzt, Ergänzungen und Zusätze in eckige
Klammer eingeschlossen worden. Einige besonders wichtige Urkunden
sind in einem besonderen Anhang von Texten wörtlich abgedruckt.
Der Aufbewahrungsort der Urkunden ist stets, wo das nicht besonders
angegeben ist, das Staatsarchiv zu Marburg.

Die Siegel sollten zuerst genau beschrieben werden, zugunsten
eines geplanten hessischen Siegelwerkes wurde jedoch später davon ab-
gesehen. Die Inhaber vorkommender Siegel sind jedoch im Register

durch ein Sternchen vor der betreffenden Regestennummer ersichtlich. Die im Buche vorkommende Literatur ist in einem Literaturverzeichnis zusammengestellt.

Die Arbeit ist in ihrem Fortschreiten ganz mit meinen persönlichen Schicksalen verknüpft. Sie war im Druck bis auf das Register vollendet, als ich 1911 die Verwaltung des Stadtarchivs in Aachen übernahm. Die neuen Verpflichtungen, welche mein Amt mir auferlegte, liessen mir aber nicht genügend Zeit, das Register druckfertig zu machen. Diese mühsame Arbeit und die Vollendung des Ganzen übernahm mein Mitarbeiter am Stadtarchiv Dr. Wilh. Mummenhoff, dem ich dafür herzlichst danke. In dem Augenblick, wo ich selbst von dem Werke Abschied nehme, um bescheidenen Anteil zu nehmen an dem grossen Völkerkriege, drängt es mich, auch allen anderen, die mich bei dieser Arbeit amtlich oder privat unterstützt haben, aufrichtig zu danken, insbesondere dem Kgl. Allgem. Reichsarchiv in München, den Kgl. Staatsarchiven in Magdeburg und Wiesbaden, dem k. Kreisarchiv in Würzburg, dem General-Landesarchiv in Karlsruhe, Generalleutnant z. D. C. Freiherrn von Hanstein. Ganz besonderen Dank aber schulde ich Herrn Geh. Regierungsrat Freiherrn G. von der Ropp in Marburg, der dem Werke bis zur Stunde seine unermüdliche Fürsorge widmete, und den Herrn Kollegen des Marburger Staatsarchivs, vor allem Herrn Archivdirektor Dr. Küch.

Aachen, den 1. Nov. 1915.

Albert Huyskens.

Einleitung.

Die geistlichen Archive der Landschaft an der Werra, wie sie in den vorliegenden Regesten dargeboten werden, sind gleichzeitig mit der Einziehung der geistlichen Güter durch Landgraf Philipp von Hessen in landesherrliche Verwaltung übergegangen. Die Verzeichnung des in den Klöstern und Stiftern ruhenden urkundlichen Materials wurde damals durch Beauftragte des Landgrafen vorgenommen, um alle Besitztitel der Klöster in die Hand zu bekommen und dadurch auch einen möglichst vollständigen Überblick über den einzuziehenden kirchlichen Besitz zu gewinnen. Das Ergebnis dieser 1527 vorgenommenen Registrierungsarbeit liegt noch vor in einem starken Bande. Die einschlägigen Stellen sind unten im Regest wiedergegeben, in Nr. 457 die Aufzeichnungen über St. Cyriaxberg zu Eschwege, in Nr. 832 die über die Eschweger Augustiner, in Nr. 1402 die über Kloster Germerode und in Nr. 1670 die über das Wilhelmitenkloster zu Witzenhausen. Der praktische Zweck der Vermögensaufnahme, das Forschen nach Besitztiteln, Rentverschreibungen und nutzbaren Rechten, hat fast ausschliesslich das Werk der Verzeichnung beherrscht. Durchweg wurden nur die Urkunden genauer verzeichnet und mit einer Signatur und zwar einer fortlaufenden römischen Zahl versehen, an denen ein Vermögensinteresse bestand. Andere Stücke, wie Ablassbriefe, geistliche Privilegien u. ä., und mögen sie heute für uns noch so grosses wissenschaftliches Interesse haben, sind entweder gar nicht, oder nur kurz und summarisch, oft mit anderen zusammen als Bündel oder Paket verzeichnet worden. Auf die unversehrte Erhaltung dieser keinen unmittelbaren Nutzen versprechenden, im Hinblick auf den Zweck der Verzeichnung also wertlosen Urkunden ist wohl von vornherein weniger Gewicht gelegt worden, da sie ja nicht, wie die anderen, inventarisiert worden waren. Unter diesen Umständen ist es fast zu verwundern, dass noch so viel von ihnen erhalten ist.

Die inventarisierten eigentlichen Besitztitel haben für die Folgezeit das Schicksal des Besitzes geteilt. Bei Ablösung von Renten wurden die Urkunden ausgehändigt [vgl. Nr. 8329, 8329], bei Ver

änderungen hinsichtlich der Rente die neue Verpflichtungsurkunde oder ein Nachweis über den Verbleib der alten Urkunde an die Stelle der alten in den Kasten" gelegt [vgl. Nr. 14023, 14026, 14027, 14028, 140211, 1402 12, 1402 183, 16701, 16703, 16703]. Längere Zeit scheinen die Urkunden auch noch weiter in den einzelnen Klöstern verwahrt worden zu sein, bis sie in das hessische Archiv gelangten [vgl. Nr 8321, 140211]. 8321, 140211]. Die Urkunden des Klosters Witzenhausen wurden 1530 im Beisein des Schultheissen und einiger der dortigen Ratspersonen revidiert [Nr. 1670 Z.]. Im Jahre 1555 befanden sich die Urkunden dieses Klosters unter der Obhut des landgräflichen Registrators Georg Pergamenter und zwar vermutlich schon in Cassel [vgl. Nr. 1670 3]. Die Urkunden der Eschweger Klöster befanden sich 1538 noch unter der gemeinsamen Obhut des Bürgermeisters und des Klostervogts Mangold zu Eschwege [Nr. 8321, 8323]. Die Urkunden des Klosters Germerode sind offenbar auch zuerst im Kloster an ihrer alten Aufbewahrungsstätte im Kasten [vgl. Nr. 14028, 1402 11] verblieben. Der jeweilige Klostervogt 1528 Valtin Tholde hielt sie dort unter seiner Obhut [vgl. Nr. 14028]. Im Jahre 1567 scheinen sich diese Urkunden aber auch schon in Kassel befunden zu haben, wo sie der Registrator Mag. Johann Uloth verwaltete [vgl. Nr. 14027]. In der Mitte des 18. Jahrhunderts befanden sich die Klosterarchive im Hessen-Kasselschen Hofarchiv [vgl. Nr. 28 Z.]. Hier wurden sie unter dem Hofarchivar Friedrich Christoph Schmincke jedes für sich in Repertorien neu verzeichnet, die heute noch im Staatsarchiv zu Marburg in Gebrauch sind.

Sehr dürftig sind die Nachrichten über die einzelnen Klosterarchive vor ihrem Übergang in weltliche Hand. Das Stift St. Cyriaxberg zu Eschwege allein hat ein älteres Urkundenverzeichnis aufzuweisen, das indessen keineswegs den Charakter eines für Nachforschungen dienlichen Repertoriums oder eines Kopiars trägt. Es ist vielmehr eine Art Quittung [vom 28. Juni 1504], mit der der alten Äbtissin Agnes von Boyneburg vor Notar und Zeugen bescheinigt werden sollte, dass sie 106 Urkunden des Klosters an die Verwalterin und den Konvent desselben abgeliefert habe. Das unter den Texten als Nr. 20 abgedruckte Verzeichnis ist äusserst knapp in seinen Angaben über die einzelnen Urkunden; sie genügen kaum, um sie danach aus den anderen herauszufinden. Für besonders wichtig zur Unterscheidung sah der Schreiber wohl die Siegel an, deren Vorhandensein und Zahl er selten hinzuzufügen unterlässt. Das Verzeichnis gibt im wesentlichen wohl das ganze Urkundenarchiv, das damals im Stift vorhanden war. Von Interesse ist es, dass die Äbtissin es

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