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auch hier erwähnt werden, weil wir in folge desselben trotz aller auf die durchsicht des aktenarchivs verwendeten sorgfalt durchaus nicht zu behaupten vermögen, dass uns nicht das eine oder das andere wichtigere aktenstück entgangen sein könnte. Vieles ist hier schon zum Vorschein gekommen, von dem man früher keine ahnung hatte, sogar originalurkunden und einzelne aus amtsbüchern des 15. iahrhunderts ausgerissene blätter, und die hoffnuug ist nicht ganz ausgeschlossen, dass bei durchgreifender ordnung und repertorisirung der aktenmasse, von der iedoch ein beträchtlicher theil unbedenklich auszuscheiden sein wird, auch anderes sich finden kann, was schon als verloren gilt.

Aus diesen nachforschungen in Heidelberg selbst und an den oben genannten auswärtigen stellen und als ausbeute der ziemlich umfänglichen gedruckten literatur ergab sich für unser urkundenbuch ein material von solcher fülle, dass von vorneherein die grösste selbstbeschränkung eine unerlässliche nothwendigkeit für den bearbeiter war. Man musste auswählen und zwar nicht blos das minder wichtige zu gunsten des wichtigeren bei seite lassen, sondern auch, da des letzteren noch immer mehr war, als die zur verfügung stehende bogenzahl aufzunehmen erlaubte, unter dem an sich wohl zur aufnahme geeigneten eine weitere scheidung vornehmen, nämlich dessen, was vollständig zu drucken war, und dessen, was sich ohne schaden für die sache, mit einem auszuge oder regest begnügen konnte. Mit fug und recht hatte schon die fassung meines auftrages mich gerade auf regesten hingewiesen, als auf das geeignetste mittel, einen überreichen stoff, ohne dass er von seinem wesentlichen inhalte einbüsst, auf einen angemessenen umfang zu komprimiren.

Dem subiektiven ermessen blieb da allerdings bei der auswahl der urkunden für den ersten, vollständige texte bietenden band des urkundenbuchs ein weiter spielraum; aber ich meine, bei derselben doch nicht ganz willkürlich vorgegangen zu sein, sondern nach gewissen gesichtspunkten, welche vielleicht auf billigung rechnen dürfen. Welchen zweck würde es zum beispiel gehabt haben, solche stücke, die längst in ausreichender weise und an leicht zugänglichen orten gedruckt waren, hier nochmals zum abdrucke zu bringen und dadurch den raum für andere noch nicht veröffentlichte zu verkürzen, welche vielleicht ebenso bedeutungsvoll sind? Oder: wenn es sich um urkunden handelte, welche auf organisation und methode des unterrichts an der universität helles licht zu werfen im stande sind, verstand

es sich nicht von selbst, dass diesen unbedingt der vorzug vor solchen gebührte, welche die äusseren verhältnisse der universität, ihre güterverwaltung und ähnliches betreffen? Aber allzu ängstlich bin ich in der beobachtung dieser regeln doch nicht gewesen: ich habe urkunden aufgenommen, die längst ausreichend gedruckt waren

was sich

von den durch Hautz veröffentlichten allerdings meist nicht sagen lässt wenn sie entweder grundlagen des ganzen akademischen lebens waren oder so entscheidende wendepunkte in seiner geschichte bezeichneten, dass man ihr fehlen als einen empfindlichen mangel des urkundenbuchs hätte betrachten müssen. Ich bedachte mich ebenso wenig, gelegentlich auch urkunden über die finanzen und das güterwesen einen platz einzuräumen, wenn sie von solcher tragweite waren, wie die grossen inkorporations- und lokationsurkunden von 1551, 1553 und 1563, auf welchen der äussere bestand der univer sität bis zum ausgange der Wittelsbachischen zeit hauptsächlich beruhte. Ob ich dabei überall das richtige getroffen, darüber wird man verschiedener meinung sein können, und ich selbst bin mir sehr wohl bewusst, dass noch viele andere stücke, die nothgedrungen zurückgelegt werden mussten, an sich einen abdruck verdienen, vor allen die wichtigen, aber überaus umfänglichen reformationen oder statuten des 16., 17. und 18. iahrhunderts. Ich habe mich in dieser beziehung begnügen müssen, die ältesten autonomen statuten der fakultäten, die erste landesherrliche universitätsreform durch Friedrich den siegreichen und dann erst wieder die letzte durch Karl Friedrich zu geben, welcher die fast abgestorbene alte Rupertinische universität zu neuem und fruchtreicherem leben erweckte.

Während also der erste band unsers urkundenbuchs ausgewählte urkunden und aktenstücke meist in ihrem vollen wortlaute bringt, wurde der zweite nach der zeitfolge geordneten regesten bestimmt, welche bei möglichster knappheit doch den wesentlichen inhalt der urkunden und akten erkennen lassen sollten. Kam es bei dem ganzen unternehmen darauf an, die für die entwicklungsgeschichte sowohl der universität überhaupt als auch der einzelnen bildungen und institute innerhalb derselben vorhandenen urkundlichen quellen, so weit sie irgendwie bedeutung beanspruchen können, auch wirklich zugänglich zu machen, so musste eben diese form der abgekürzten wiedergabe, wie das auch schon in meinem auftrage ausgesprochen war, iener andern des vollständigen abdrucks ergänzend zur seite treten. Aber das gesammte material vorzuführen würde bei seiner massenhaftig

keit auch die form der regesten nicht gestattet haben: auch hier war um eine auswahl nicht herumzukommen. Aus langwierigen verhandlungen konnte oft nur eine stufe gekennzeichnet werden und rücksichtlich der übrigen dient dann das zitat dieser einen wenigstens als fingerzeig, wo sie zu suchen und zu finden sein mögen. Aber ich habe durchweg darnach getrachtet, dass keine seite des akademischen lebens, soweit das mir zugängliche material es erlaubte, in diesen regesten ganz unvertreten bleibe, wenn gleich dem geschichtlichen verlaufe entsprechend bald die eine bald die andere mehr in den vordergrund tritt, und ich glaube im ganzen und grossen das ziel erreicht zu haben, dass die regesten in ihrem zusammenhange die wechselnden schicksale der universität, für welche sie die urkundliche begründung bringen, getreu wiederspiegeln.

Man wird leicht bemerken, dass der erste band mehr den älteren, der zweite band dagegen mehr den letzten iahrhunderten zu statten kommt. Das ist nicht zufällig, hängt vielmehr damit zusammen, dass die urkunden im engeren sinne sich an bedeutung als geschichtsquellen für die letzten iahrhunderte auch nicht von ferne mit den akten messen können, mit deren hülfe wir die verhandlungen meist schritt für schritt zu begleiten vermögen. Während aber die verhältnissmässig kleine zahl der älteren urkunden und ihr geringerer umfang leichter an ihren abdruck denken lässt, sind die urkunden und noch mehr die akten der späteren zeit erstens in einer masse auf uns gekommen, welche von vorneherein ihre wörtliche wiedergabe ausschliesst, und sie sind zweitens der tummelplatz ienes berüchtigten kurialstils, dessen weitschweifigkeiten unter allen umständen durch den druck verewigen zu wollen vollkommen zwecklos und thöricht wäre. Hier, namentlich auf dem gebiete der akten, wird das regest, das aus dem wuste den kern heraushebt, ganz besonders erspriessliche dienste zu leisten vermögen. Weil nun die akten, mit einschluss der erlasse, briefe und dergleichen, die hauptquellen für die geschichte der universität in den letzten iahrhunderten sind, mit deren reichhaltigkeit keine andere überlieferungsform sich vergleichen lässt, ihr inhalt aber nicht gut anders als durch regesten wiedergegeben werden konnte, darum sind in unserm regestenband die mittheilungen aus den letzten iahrhunderten reichlicher ausgefallen als die aus den früheren, für welche umgekehrt die weniger zahlreichen urkunden mehr in betracht kommen.

Dazu kam ein zweites. Die geschichte unserer universität ist ia häufig genug gegenstand geschichtlicher forschung und darstellung

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geworden, aber die der letzten iahrhunderte, vor allem des achtzehnten, wurde stets nur sehr stiefmütterlich behandelt, vielleicht gerade weil die bequem benutzbaren Annales universitatis für diesen zeitraum sehr mager sind, das gewaltige, iedoch ungeordnete aktenarchiv aber, welches einiger massen ersatz bieten kann, die forscher mehr abschreckte als anlockte. Keine periode der langen universitätsgeschichte etwa mit ausnahme der des dreissigiährigen krieges und des sitzes der universität in Frankfurt am ende des 17. iahrhunderts, für welche hier ebenfalls zum ersten male in grösserem umfange beigebracht worden ist, was sich irgend beibringen liess keine periode hatte also grösseren anspruch darauf, durch erschliessung des vorhandenen materials erst der forschung zugänglich gemacht zu werden als gerade das vernachlässigte 18. iahrhundert, und es war schon aus diesem grunde gerechtfertigt, ihm in den regesten einen grösseren raum zu gewähren als den unvergleichlich mehr durchforschten früheren iahrhunderten. Man wird sehen, dass es besser war als sein ruf. Denn obwohl es genug des unerquicklichen zu verzeichnen gab, so entbehrt es doch nicht ganz beachtenswerther ansätze und impulse, welche zum theil bis auf den heutigen tag nachwirken.

Lange war ich im zweifel, bis zu welcher zeitgrenze die sammlung zu erstrecken sei. Sie bis auf den augenblick herabzuführen, schien aus verschiedenen gründen unthunlich; sie schon mit dem übergange der Pfalz an das Badische fürstenhaus im iahre 1802 abzuschliessen, hatte auch seine bedenken, da dann gerade die hochwichtige neugründung der universität durch Karl Friedrich nicht zu ihrem rechte gekommen wäre. Weil jedoch letztere beim tode des grossen fürsten noch lange nicht fertig war, konnte auch dieser nicht. als sachlich begründeter endpunkt der arbeit angesehen werden. Auch die regierung seines nachfolgers, des grossherzogs Karl, war also nothwendig in ihren rahmen hineinzuziehen, und erst gegen das ende derselben, beim iahre 1818, glaubte ich halt machen zu dürfen, weil organisation und ausstattung der universität ietzt zu festen verhältnissen gelangt waren, welche bis gegen die mitte des iahrhunderts. sich im allgemeinen unverändert erhielten.

Wer sich mit der geschichte des höheren unterrichts in Deutschland beschäftigt, wird gegen Heidelberg überhaupt nicht den vorwurf erheben können, dass es der forschung spärliches material geliefert habe. Es ist nun nicht meine sache, hier zu erörtern, inwiefern es

durch die vorliegende veröffentlichung noch vermehrt worden ist. Aber wie sie schon während ihres entstehens zweien in diesen iahren erschienenen abhandlungen aus der geschichte unserer universität zu statten kommen konnte und wie sie der umfassenden erforschung und darstellung dieser geschichte, welche dr. August Thorbecke unternommen, einige förderung zu gewähren vermochte eine förderung, die vollständig durch die vielfache belehrung aufgewogen wird, welche ich seinem reichen wissen verdanke, so darf wohl auch die hoffnung nicht zu kühu erscheinen, dass diese arbeit zu weiteren untersuchungen, welche durch ihre register ia sehr erleichtert sind, anregen und somit dieienige wirkung erzielen werde, welche die staats- und universitätsbehörden im auge hatten, als sie den auftrag zu derselben ertheilten.

Sie lenkt I wie überhaupt die feier, zu welcher sie ans licht tritt den blick zurück in die vergangenheit und der rückblick wird unwillkürlich zum vergleich mit der gegenwart. Und das ergebniss eines solchen vergleichs? Die universität Heidelberg sah in ihrem langen leben zeiten des glanzes und zeiten des niedergangs; aber niemals vorher war ihr eine so stetige entwicklung, eine so freie entfaltung der wissenschaftlichen kräfte und eine so vielseitige wirksamkeit beschieden, als ihr der schutz und die pflege Karl Friedrichs und seiner nachkommen ermöglicht hat.

Heidelberg, am 24. ianuar 1886.

Winkelmann.

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