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Zur metrischen Vita s. Galli confessoris.

Von Paul v. Winterfeld.

Noch wenige Wochen vor seinem Tode forderte mich Dümmler auf, mir die junge St. Galler Hs. n. 587 anzusehn, woraus er vor Jahren im zweiten Bande der Poetae die metrische Vita s. Galli confessoris von 849 oder 850 herausgegeben hatte. Durch die stets bereite Gefälligkeit des Stiftsbibliothekars Herrn Dr. Fäh durfte ich denn auch bald die Hs. in Berlin benutzen, und ich theile hier das Ergebnis mit. Zwar die Glossen sind jung und wertlos: darin bestätigt sich durchaus Dümmlers mit guten Gründen belegtes Urtheil. Es kann sein, dass sie vielleicht hier oder da eine Lesart gerettet haben, wie v. 38 'fana': 'vana' G, i. e. templa' gl. Aber dergleichen brauchbare Körner verschwinden in der Spreu des Werthlosen. habe ich darauf verzichtet, die Glossen ganz durchzuarbeiten, dafür aber den Text nachverglichen. Es ist nicht ganz wenig, was sich dabei ergeben hat: umsomehr geziemt es sich hervorzuheben, dass in Dümmlers Ausgabe alles geleistet ist, was in einer ersten Ausgabe nach der schwer lesbaren Hs. geleistet werden konnte; ein anderer würde sicher noch weit mehr versehn haben, wie einmal die Ueberlieferung beschaffen ist. Zu den Lesarten der Hs. füge ich ein paar weitere Bemerkungen über den Text, die mir gerade eingefallen sind. Werthloses übergeh ich. 39 vgl. v. 1489, wo sepelliri überliefert ist.

56 lacus in latus corr.

63 intra] ce i. e. circa; ebenso v. 1649.

65 ipsius i i. e. illius; ebenso v. 302. 938. 1316.

89 viell. Verbigena nach Prudenz; quoniam verbo genitus existit gl.

91 e add. m. 2; zu verbessern Dixit et e templi d. y. s. 135 zu verbessern Veneratio.

148 die Hs. interpungiert richtig erst nach fratres.

211 solo in soli corr.

214 viell. doch eher mgr in mgro zu verbessern.

Neues Archiv etc. XXVIII,

3833

285 quaequae] q i. e. qu(a)edam.

290 mit Umstellungszeichen; also praebebit forte.

305 Ac richtig; vgl. meine Hrotsvit S. 545 (monosyllaba). 354 tantum] tn i. e. tamen; tantum immer als tm abgekürzt.

360 ni i. e. ni(c)hil; ebenso v. 511.

443 gl. a verbo linio is -ire.

497 state parat in statu reparat corr.

525 parantur] prani i. e. pr(a)estantur,

532 e richtig.

534 famulo] famulos G; aber i. e. dei, Gallo gl.

544 confsum i. e. consensum.

558 vincto in iuncto corr.

593 spiritu] fsu i. e. sensu.

701 ipse] i i. e. idem.

713 inopi richtig; Bibellatein.

725 Exce uncorrigiert.

726 m (angefangenes mente), nicht in, getilgt. 747 Regis.

781 dominus] do i. e. donec.

790 honores hore; i. e. honorem.

798 honoris] hris i. e. haberis.

1078 inquit überliefert.

1080 apt i. e. aptis.

1130 ppis i. e. properis.

1146 amat i. e. amatis, uncorrigiert.

1200 mit Umstellungszeichen.

1212 in en zu verbessern.

1281 merito] nuo i. e. numero.

1313 aptae ut] aptoyc i. e. äotovs.

1334 på bedeutet doch passivo; also viell. Famine zu ver

bessern.

1417 Omnibus] Qts i. e. Quatenus; ebenso v. 1608 (Cunctis); 1702 Qts instruês i. e. Quatenus instrueres.

1444 eines der seltenen Beispiele für heü in metrischen Versen. 1477 vielmehr vt in q (i. e. quam) corr.

1551 viell. doch Terrea.

1553 deum] diu; nach aevum ist nicht zu interpungieren. 1565 non] n i. e. nec.

1567 cladesque.

1574 besser fidelis zu lesen.

1716 wenn die 'siebenfüssigen Bestien' (v. 1665. 1666. 1780) überhaupt abcorrigiert werden dürften, müsste auch hier geändert werden.

1745 dikearchon.

1755 iclar i. e. iclaris überliefert.

1759 quod geht auf mellis. 1773 sancta facta.

1781 normal i. e. nulla.

Dass Hrotsvit diese Vita s. Galli zu kennen scheint, habe ich zu Theoph. 7 ff. bemerkt. Jetzt füge ich folgendes hinzu:

450 'meme': vgl. Mar. 132. Bas. 108.

501 'His ita transactis': vgl. Mar. 474.

1020 'Invitus trahitur': vgl. Theoph. 47, und dort den ganzen Zusammenhang.

1733 visu attonito' ('ac tonico' G): vgl. meine Register. Sie wird ihr über St. Emmeram zugekommen sein: vgl. S. XII N. 39.

Die Aufhebung des Herzogthums Franken.

Von Paul v. Winterfeld.

Es ist die allgemeine1 Annahme, dass nach dem Untergang des Empörers Eberhard im Jahre 940 sein Herzogthum Franken von Otto dem Grossen nicht wieder verliehen, sondern zur Krone eingezogen worden sei, ohne dass dafür ein bestimmtes gleichzeitiges Zeugnis vorzuliegen scheint. Wohl aber hat man übersehn, dass Hrotsvit mit dürren Worten das Gegentheil behauptet, wenn sie in einem Athem folgendes berichtet 2:

So

Utque suo subdi nato faceret Liudulfo Multum devotae perfecto mentis amore Francorum gentis dominos praenobilis almos, Necnon primates Suevorum scilicet omnes, Ipsi legali praepulchram foedere iungi Idam iussit, Herimanni natam ducis almi, Qui fuit illustris princeps in partibus illis. Das ist confus: aber es ist klar, dass die Franci neben den Suevi hier das Stammesherzogthum bezeichnen müssen, Wenn Ludolf mit Hermanns Tochter verlobt wird, kann ihm das freilich nur die Nachfolge im Herzogthum Schwaben sichern, nicht die im Herzogthum Franken. Aber da er gleichzeitig, unmittelbar nach Eberhards Tode, zum Herzog von Franken ernannt, dazu mit der Erbtochter von Schwaben verlobt und zum künftigen Schwabenherzog designiert wird, fasst die Dichterin hier das alles in so ungeschickter Weise zusammen. Hrotsvit war über die Verhältnisse des ottonischen Hauses vorzüglich unterrichtet, und die Verlobung Ludolfs und Idas fällt in dasselbe Jahr 940, wie die angebliche Einziehung des Herzogthums Franken. So kann kein Zweifel bestehn bleiben.

Dazu kommt ein anderes. Der Aufstand Ludolfs vom Jahre 953 stützt sich nicht auf Schwaben, sondern

1) Giesebrecht, Gesch. der deutschen Kaiserzeit I, 272; Dümmler, Otto der Grosse S. 101. 2) Gesta Oddonis v. 450 ff.

auf Franken. Das macht, er war Herzog von Schwaben und Franken zugleich. Aber in Schwaben hätte er den königstreuen Bischof Ulrich von Augsburg gegen sich gehabt in Franken kam ihm die moralische Unterstützung des alten Aufrührers Friedrich von Mainz zu gute; das Volk hielt es in beiden Landen mit dem Herzog gegen seinen königlichen Vater. So zog Ludolf es vor, nicht Schwaben, sondern Franken zur Operationsbasis zu machen, und warf sich nach Mainz, wo er im Bunde mit dem Volk und dem Erzbischof unbesiegbar war. Auch daran wird man erinnern dürfen, dass Ludolf nach seinem frühen Tode in Mainz zu St. Alban begraben worden ist.

Es bleibt die letzte Instanz, die Urkunden. In ihnen aber erscheint Ludolf immer nur als Sohn des Königs ohne jede Bezeichnung seiner Herzogswürde; und wenigstens eine Schenkung Ottos, bei der Ludolf interveniert (DD. OI n. 125), vergabt Königsgut gerade in Franken. Wir werden also, ohne dadurch mit dem Zeugnis Ekkeharts in Conflict zu kommen, das mindestens ganz allgemein gehalten ist und eher überhaupt einen anderen Sinn hat, annehmen dürfen, dass Ludolf 940 Herzog von Franken geworden und es bis zu seinem Sturz geblieben ist, und dass Otto dann erst Franken unmittelbar der Krone untergeordnet hat.

1

Ich will bei dieser Gelegenheit nachholen, dass gegen Gundlachs Abgrenzung der Gesta vor allem auch die Stelle der Primordien spricht, wo Hrotsvit v. 81 sagt, dass die Gesta bis zur Kaiserkrönung gingen. Ich hätte diese Stelle in meiner Vorrede 2 nicht übersehn dürfen.

1) Casus s. Galli c. 11, zu verwerthen nicht mit Dümmler a. a O. für das 10. Jh., sondern mit Bresslau und Meyer von Knonau n. 155 für Ekkeharts IV. eigene Zeit. 2) S. X N. 30.

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