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allgemeinen Werken über Dalmatien bieten, lässt nur die Oberfläche der Erscheinungen erkennen.

Die wahre und wirkliche Geschichte dieser Epoche muss in jenen handschriftlichen Aufzeichnungen erforscht werden, die sich im Besitze einzelner ragusinischer Familien oder da und dort in Localarchiven bergen. So beschrieb z. B. Stulli in einer unendlich detaillirten Weise den verwüstenden Einfall der Russen und Montenegriner und die. Vorgänge im Schoosse des Freistaates. Eine Relation über die Besitzergreifung von Ragusa durch die Franzosen und die Folgeereignisse wird dem Patricier Sorgo zugeschrieben und befindet sich in der ragusinischen Franziskanerbibliothek (Handschr. Nr. 256, 4o). Auf eine dritte und vor Allem den conservativen Geist des patricischen Ragusa abspiegelnde, sehr unterrichtete Quelle kommen wir gleich zu sprechen, sie bildet den Gegenstand unserer Publication. Zuvor mögen einige orientirende Vorbemerkungen hier ihren Platz finden.

Die Franzosen waren im Juni 1806 als Helfer Ragusas gegen die ringsum vandalisch hausenden Russen und Montenegriner erschienen, verstanden es jedoch begreiflicher Weise nicht, sich die Sympathien des Clerus und der Bürgerschaft zu erwerben. Als sie jedoch (den 27. Mai 1807) in der Stärke von 1500 Mann die Stadt betraten, mit der Gewährung hierortiger 24stündiger Rast, erklärten sie sich sogleich als Herren Ragusas, forderten den nächsten Tag alsbald Geld, Nahrungsmittel und Quartier, die Schlüssel der Stadt und Festung, besetzten diese auch thatsächlich und pflanzten überall das französische Banner neben der ragusinischen Flagge auf. Allerdings bezeichnete General Lauriston die Occupation als transitorisch, durch die Bewegungen der Russen veranlasst; man werde die Unabhängigkeit der Republik achten u. s. w. Aber die Zusagen in seiner Proclamation hatten wenig Verführerisches, wie viel darin auch von Interessengemeinschaft, Freundschaft u. dgl. die Rede war, und die Ragusiner ahnten bald, in einer Falle zu stecken. Als die Russen zur Belagerung und Blokade Ragusas schritten, bot dies den Franzosen den willkommenen Anlass, sich für immer des Banners der Republik, der Fahne des heiligen Blasius auf den Forts der Stadt zu entschlagen. Als dann der Friede von Tilsit geschlossen wurde, drückte das französische Kaiserthum seinen Massregeln bald das Siegel

auf. General Marmont spielte den Sieger und entsandte den 31. Jänner 1808 einen Adjutanten an den ohnmächtigen Senat mit einer Proclamation, deren erster Absatz verkündigte: „die Republik von Ragusa hat aufgehört zu existiren‘.

Neun Monate nach dem officiellen Ableben des Freistaates, am 10. October 1808, forderte der Generaladministrator von Ragusa und Cattaro, Garagnini, den Eid der Treue für den Kaiser der Franzosen und König Italiens, sowie das Gelöbniss zu Gunsten der neuen Verfassung. Wenn aber der damalige Erzbischof von Ragusa voll Entgegenkommens war und im Palazzo dei rettori erklärte, es gebe für ihn und seinen gesammten Clerus nichts Erfreulicheres als die Gelegenheit. dem grössten aller Souveräne, Napoleon dem Grossen, dessen weise, fromme und christliche Verfassungsgesetze Jedweden gefügig machen müssten, die schuldige Treue und Ergebenheit zu beweisen, so fehlte es doch nicht an angesehenen Priestern im Gebiete Ragusas, welche der französischen Gewaltherrschaft beharrlich widerstrebten. Es waren dies die Weltgeistlichen Michele Caraman, Giovanni Mitrovič und die Brüder Giorgio und Pietro Gallich; vom Regular clerus die Franziskaner: Tommaso da Slano, Vincenzo da Sabioncello, Luigi da Kučište, Silvestro Ilič und der namhafte Anton Aghie, der noch auf dem Sterbelager die feste Hoffnung auf das Wiedererstehen der Republik nährte; ausserdem die Dominikaner: Vincenzo Ciukič, Vincenzo Giaimè (Vicar), Giovanni B. Rosaver und der Cleriker Fra Agostino. Von diesen wurden Einzelne des Landes verwiesen; Rosaver schiffte sich ein, der Vicar Giaimè starb in Popovo. ! Ihren Widerstand rechtfertigte bald darauf das Schicksal des Papstes und die Wirthschaft der Franzosen in Ragusa, welche Kirchen und Klöster in Casernen und Arsenale verwandelten und die Schätze der Gotteshäuser zu Geld machten, um den Soldaten die Löhnungen zu bezahlen.

Wenngleich ein Zeitgenosse und Beamter des französischen Gouvernements, Carlo Nodier, den Despotismus Frankreichs in Ragusa,gefällig und formgewandt' (affabile ed ele

1 Wir verdanken die Kenntniss des Wortlautes der erzbischöflichen Haldigung einem Originalmemoire des Jahres 1808, das uns Herr Luca Pavlovič in der gefälligsten Weise mittheilte.

gante) nennt, gesteht doch der Franzose Joubert bei Besprechung des Marmont'schen Decretes vom 31. Jänner 1808, dass damit eine grosse Unbilligkeit besiegelt wurde. ' Dies bekamen wohl auch im Ragusinischen die Franzosen oft genug zu hören.

Das Gefühl, vergewaltigt worden zu sein, wirkte in den Ragusinern ungeschwächt nach und hielt den Wunsch nach Wiedergewinnung der alten Selbständigkeit aufrecht. Wie dieser Wunsch 1813-1814 sich in That umzusetzen suchte, erzählt uns ein Memoire jener Zeit, dessen Verfasser zweifellos der ragusinische Patricier Marchese Francesco Bona ist. Das ganze Detail der Erzählung spricht dafür, überdies noch die Initialen des Autornamens: F. m. d. B., welche einer der zeitgenössischen Patrioten Ragusas, ausserdem einer der gewissenhaftesten und fleissigsten Copisten und Sammler ragusinischer Manuscripte, der Ammanuensis Marco Marinovič, auf einer von ihm angefertigten Abschrift, gegenwärtig im Besitze des Doctors Kaznačič, anbrachte. Von diesen Memoiren Bona's waren bis gegen das Jahr 1867 so viel ich weiss etwa sechs Abschriften oder handschriftliche Exemplare vorfindlich. Alle stammen von Einer Hand, in der Stärke von 50 Seiten, kl. 4° zu 22-25 Zeilen. Gegenwärtig dürften höchstens die beiden Exemplare vorhanden sein, deren eines Dr. Kaznačič, das andere der Herausgeber besitzt. Die Ueberschrift beider Manuscripte lautet: Memorie riguardanti l'insurrezione seguita a Ragusa nel 1813 a 1814 sotto la Direzione del conte Biagio Bernardo Caboga comandante in capo l'insorgenza e fine allora Vice Console del rè di Napoli Giacchino I. Das Exemplar des Herausgebers enthält überdies einen Anhang poetischer Natur, die,Versi' des Marino Slatarich ,in lode di Marco Marinovich' sammt der Widmungsepistel, und den slavischen Hymnus zum Lobe jener Ragusiner, welche sich den 27. Jänner 1814 am meisten auszeichneten der Feder des bereits oben erwähnten Geistlichen Michele Caraman. Wir finden darin ausser Marinovich den Biagio Sylav und Giovanni Koprivizza gepriesen, welcher Letztere

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1 In der Illustration', (Paris) 4 Avril 1857: une grande iniquité . . .

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den Commandanten des italienischen Regimentes, Fagioni, festgehalten habe in dem Augenblicke, als dieser sich anschickte, vom Sergiusberge Ragusa zu bombardiren.

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Ueber Inhalt, Gliederung und Tendenz unsers Memoires bedarf es nur weniger einleitungsweiser Bemerkungen. Die Erzählung beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Jahre 1806-1809, die Zeiten der französischen Occupation, um dann vom Frühjahre 1813 ab eine ausführliche Gedenkschrift der ragusinischen Selbstbefreiungsversuche und deren Zusammenhanges mit der englischen und österreichischen Interventionspolitik zu werden. Vom Februar 1813 an, da sich der erste Flügelschlag der patricischen Hoffnungen auf Wiederherstellung republikanischer Selbständigkeit und Selbstherrlichkeit regen beginnt, bis zum 15. Februar 1814, der an die Stelle französischer Occupation die Herrschaft Oesterreichs setzt und jene Hoffnungen als Anachronismus, als ohnmächtiges Streben nach Restauration eines morsch gewordenen Miniatur-Freistaates inmitten der Conflicte grosser Potenzen kennzeichnet, wird der Gang der letzten ragusinischen Staatskrise bis in die kleinsten Züge ausführlich gezeichnet. Der Erzähler gehört zu den eifrigsten Autonomisten altpatricischen Schlages, spielte selbst eine Rolle bei diesem Restaurations versuche und verleiht seinem Memoire die bestimmteste Färbung. Die Hauptperson des kurzen Dramas, Caboga, und der Mann, dem wir die Erhaltung dieser Aufzeichnungen verdanken, Marco Marinovich, thätig dabei wie kein zweiter, sind charakteristische Typen der Nobilität und der Cittadinanza Ragusas, welchen wir unsere Achtung nicht versagen können, wenngleich ihr Streben bald der Macht der Verhältnisse unterlag, ihr Hoffen das Bereich der Mittel weit überschätzte.

Anmerkung. Die wenigen erläuternden Noten zum Texte des Memoires hat der Verfasser der Gleichförmigkeit wegen in seiner Muttersprache beigefügt.

Le truppe francesi, condotte dal generale di Divisione Lauriston, sotto pretesto di un breve riposo nel loro passaggio dalla Dalmazia alle Bocche di Cattaro, occuparono militarmente tutto lo stato di Ragusa (27 Maggio 1806). Quindi lo stesso generale pubblicò un proclama a nome del suo imperatore Napoleone, con cui dichiarava che le armi francesi avrebbero abbandonato Ragusa, quando si sarebbero impadronite delle Bocche di Cattaro, e delle isole Jonie; ma che intanto sarebbero conservati il governo, le leggi e le relazioni politiche di Ragusa con tutte le potenze amiche della Francia.

I comandanti francesi, sempre attaccati al loro rivoluzionario sistema, cominciarono tosto a macchinare delle seduzioni ed intrighi contro l'antico governo di Ragusa, si nell'interno di quell' istesso paese, che negli esteri stati.

Nel mese di Dicembre del 1807 si venne a sapere che il signor Federico di Chirico, console generale della repubblica di Ragusa, residente appresso la Sublime Porta a Costantinopoli, istigato dal ministro francese Sebastiani, avesse già sottomesso gli archivî e la cancelleria del suo consolato al detto ministro di Francia. Decise tosto il senato di dover agire con fermezza e senza riguardo; e con la maggiore sollecitudine fu spedito il conte Carlo di Natali, senatore, in qualità d'inviato presso la Sublime Porta, onde riclamarvi i diritti della nostra repubblica contro l'ambasciatore di Francia, e farsi rendere gli archivî e cancellerie del nostro consolato.

In Adrianopoli s'incontrò il conte di Natali con S. E. il Gran Vizir; ivi si trattenne in conferenze, espose allo stesso Vizir l'oggetto della sua missione, abbenchè avesse dovuto rendersi direttamente a Costantinopoli. L'ambasciatore di Francia ebbe tempo di risaperlo, interpose intrighi e minaccie presso la Porta Ottomana; onde il conte di Natali, per ordine espresso di quella Corte, dovette ritornare a Ragusa. In tale epoca Ragusa non era più repubblica ed il conte di Natali non ebbe a chi rendere conto e giustificare la sua dimora in Adrianopoli. Di fatti il generale in capo Marmont, che comandava in Dalmazia, ingelosito della spedizione del conte di Natali, ac

Archiv. Bd. LXIV. II. Hälfte.

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