Imágenes de páginas
PDF
EPUB

nun der freie Verkehr und die Marktfreiheit zuerst in den Königsstädten und sodann in den Bischofsstädten entstanden ist, so finden wir auch in ihnen die ersten Immunitäten und die ersten Stadtgerichte.

S. 90.

Schon zur fränkischen Zeit (im 9. Jahrhundert) hatten die Städte Köln, Mainz und Trier, sowie Rheims und mehrere andere französische Städte ihren eigenen Grafen (comes)1). Jm 10. Jahrhundert müssen aber schon alle Königsstädte einen eigenen Stadtrichter gehabt haben, indem nach einer Urkunde von 993 gleichzeitig mit dem Rechte der freien Kaufleute auch das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit auf Quedlinburg übertragen worden ist, wie dieses fchon vorher in Köln, Mainz und in den übrigen Königsstädten bestanden habe 2). Was insbesondere Köln betrifft, so wird auch noch im Jahre 849 eines Stadtgrafen Erwähnung gethan 3), und aus dem uralten Privilegium, welches im Jahre 1169 vorgelegt worden ist, geht hervor, daß die Stadt schon im 10. Jahrhuudert ihren eigenen Burggrafen oder Stadtgrafen, den späteren Greven, und einen Vogt oder Schultheiß gehabt haben muß, und daß die Bürger schon damals vor kein Gericht ausser der Stadt vorgeladen werden durften (extra civitatem coloniensem ad judicium evocare) 4). Auch enthält schon eine Urkunde von 1155 eine sehr interessante Verhandlung vor dem Stadtgerichte zu Köln (civitatis senatus) 5). Auch das Stadtgericht von Regensburg reicht sehr wahrscheinlich schon in die Carolingischen Zeiten hinauf (§.36). Eben so hatte auch Hamburg schon im Jahre 837 einen eigenen Stadtgrafen (comes, qui praefecturam loci illius tenebat)").

1) Capit. von 823, c. 25. bei Baluz, I, 640. Ansegisi cap. II, c. 25. 2) Dipl. von 993 bei Kettner, p. 34. Vergl. noch dipl. von 966 bei Lindenbrog, p. 181.

3) Annales Coloniens. ad 849 bei Pertz, I, 97 und Eckhart, reb. Fr. II, 918. Werinarius comes Coloniae. 4) Weisthum von 1169 bei Lacomblet, I, 302. non evocando wurde öfters bestätigt. Urk. Quellen, II, 192, 195, u. 519.

Dieses privilegium de von 1239 u. 1265 in

5) Dipl. von 1155 bei Martene et Durand, I, 829. 6) Vita Anskarii, c. 16 bei Pertz, II, 700.

Magdeburg hatte schon vor dem Jahre 965 sein eigenes Stadtgericht. Denn in diesem Jahre wurde es schon dem St. Moritstifte übertragen 7). Und im 12. Jahrhundert sehen wir daselbst einen Burggrafen (urbanus comes 8), praefectus urbis ), comes urbis 10) oder burggravius)11) neben und über dem Schultheiß (schultetus und scultetus civitatis) 12), welcher gleichfalls zuweilen praefectus urbis genannt worden ist. (In Urkunden des 12. sec. wird Siegfried bald scultetus bald praefectus Magdeburgensis civitatis ge nannt) 13). Meppen erhielt im Jahre 94614), Minden im Jahre 96115) und Bremen im Jahre 966 einen eigenen Vogt 16). Straßburg hat vielleicht schon im 8. Jahrhundert (§. 22), jedenfalls aber seit dem Jahre 982 einen eigenen Vogt erhalten 17), sodann aber auch noch einen Burggrafen, welcher auch urbis prefectus genannt worden ist, und neben diesem noch einen Schultheiß, welcher auch causidicus, judex civitatis und der „Stete Richtere" genannt wor den ist. Und kein Bürger durfte vor einem anderen als dem Stadtrichter belangt werden 18). Dasselbe gilt von der Stadt Worms, welche bereits im Jahre 985 einen eigenen Vogt 19) und seit 1156

7) Dipl. von 965 u. 973 bei Rathmann, I, 381 f. u. 388.

8) Dipl. aus 12. sec. bei Leuckfeld, antiqu. Praemonstr. Magdeburg. p. 95, 103, 105, 107 u. 109.

9) Dipl. von 1016 bei Leuckfeld, p. 5.

10) Dipl. von 1164 bei Leuckfeld, p. 99.

11) Stadtrecht von 1188 §. 6 u. 7 bei T. u. St. p. 268. Urk. aus 12. sec. bei Leucfeld, p. 107. in placito burggravii Magdeburg. Irrthümlich heißt es daselbst Burchardi statt burggravii.

12) Urk. aus 12. sec. circa 1150 bei Leuckfeld, p. 64 u. 107. dipl. von 1173 bei Gercken, cod. dipl. Brand, VII, 17. Stadtr. von 1188. §. 6 น. 7.

13) Urk. aus 12. sec. bei Leuckfeld, p. 64 u. 79.

14) Schaten, I, 196.

15) Dipl. bei Baluz, I, 879.

16) Dipl. von 966 bci Lindenbrog, p. 131.

17) Dipl. von 982 bei Grandidier, II, 41. u. Schoepflin, I, 131. 18) Stadtr. c. 7, 11 u. 31 bei Grandidier, II, 45. dipl. von 1129, eod. II, 95. u. Schoepflin, I, 207. advocates ejusdem civitatis H., S. urbis prefectus, R. causidicus.

19) Dipl. von 985 bei Schannat, II, 27. vergl. I, 203. u. Moriß, I, 259.

auch noch einen Schultheiß erhalten hat 20). Der Vogt führte zuweilen auch in späteren Zeiten noch den Titel advocatus 21), insgemein wurde er jedoch Stadtgraf (comes civitatis 22) oder praefectus) 23) und später Greve genannt. Auch die Stadt Speier hat schon im Jahre 969 und 989 Immunität von den öffentlichen Landgerichten, aber noch keinen eigenen Vogt für die Stadt 24), wohl aber einen Schultheiß erhalten 25). Indessen brauchte kein Bürger mehr das bischöfliche Vogteigericht außerhalb der Stadt zu besuchen 25a). Der Vogt mußte demnach sein Gericht für die Bürger in der Stadt selbst halten. Der erste Reichsvogt der Stadt Zürich war der Burgvogt Burchard (Turegiensis castri advocatus). Es wird seiner in einer Urkunde von 972 Erwähnung ge= than. Nach derselben Urkunde war er zu gleicher Zeit Kirchenvogt der Abtei Frauenmünster in Zürich und nach einer anderen Urkunde von 964 auch noch Gaugraf 26). Der eigentliche Stadtrichter war demnach der Schultheiß, welcher jedenfalls schon seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts existirt hat 27). Die Stadt Goslar hatte schon vor dem Jahre 1038 ihr eigenes Gericht 28), Basel je= denfalls schon seit 1083 29), Augsburg in jedem Falle seit 1156 30), Soest seit 112031), in Lübeck jedenfalls schon seit 1161, offenbar aber schon viel früher 32) u. s. w.

20) Dipl. von 1156, 1220 u. 1236 bei Moriß, II, 147, 148, 157, 171 u. 172.

21) Dipl. von 1114, 1156, 1220 u. 1236 bei Moriz, II, 144, 147, 157 น. 171.

22) Zwei dipl. von 1106 u. 1016 bei Schannat, II, 41, 61 u. 62.

23) Dipl. von 1156, 1220 u. 1236 bei Moriß, II, 148, 158 u. 172.

24) Urf. von 969 u. 989 bei Remling, p. 15 u. 19. Urf. von 989 bei Lehmann, p. 236 f.

25) Lehmann, p. 283.

25a) Urk. von 1111 u. 1182 bei Lehmann, p. 307 u. 466. und Remling, p. 89 u. 122. ut nullus civium nostrorum extra urbis ambitum advocati sui placitum cogatur requirere.

26) Dipl. von 964 u. 972 bei Neugart, I, 609, II, 19.

27) Blunischli, I, 130 u. 173 ff.

28) Dipl. von 1038 bei Kettner, I, 164 f.

29) Urk. von 1083 u. 1179 bei Ochs, I, 236, 264 u. 265.

30) Stadtr. bei M. B. 29, p. 330 u. 331. vergl. oben §. 22. 31) Etadtr. von 1120 §. 2, 7, 16 u. 17.

S. 91.

Sehr häufig fann nun auch der historische Zusammenhang der Stadtgerichte mit der Marktfreiheit und mit dem freien Verkehr nachgewiesen werden, z. B. in Meppen 1), Magdeburg 2), Bre men 3), Quedlinburg 4), Seligenstadt ), insbesondere auch in Stendal und in den in Schlesien nach Deutscher Art angelegten Städten Trebnik, Schawoine, Lahse und Perschnig ®), und in Freiburg. Denn einen eigenen selbständigen Stadtrichter (scultetus, causidicus oder judex civitatis) erhielt auch Freiburg erst durch das Stadtrecht von 1120. Dieses war aber ursprünglich, wie wir gesehen, nichts als ein Recht der Kaufleute (§. 80). Darum sollten auch die Streitigkeiten unter den Bürgern nach dem Nechte der Kaufleute, insbesondere nach jenem der Kaufleute von Köln entschieden werden.

Aus demselben Grunde nun, weil die Märkte nicht unter den Gau- und Landgerichten standen, konnte auch das an cinem Marktorte oder in einer Stadt gefundene Urtheil nicht an das Gau- oder Landgericht gezogen werden. Das gescholtene Urtheil mußte vielmehr an das Gericht eines anderen Marktortes, z. B. nach Halle oder Magdeburg oder nach Köln u. s. w. gezogen werden 7). Denn für das alte Stadtrecht, welches im Grunde genommen, wie wir gesehen, ein bloßes Marktrecht war, konnte der Oberhof nur eine andere Stadt sein. Woher es sich denn auch erklärt, warum die meisten alten Städte bei einer anderen Stadt ihren Oberhef hat ten, und warum manche Städte der Oberhof so vieler anderer Städte und Städtchen geworden sind (S. 51).

32) Deece, p. 31.

1) Dipl. von 946 bei Schaten, I, 196.

2) Dipl. von 965 u. 973 bei Rathmann, I, 382 u. 383.
3) Dipl. von 966 u. 1003 bei Lindenbrog, p. 131 u. 135.
4) Dipl. von 993 u. 1038 bei Kettner, p. 34 u. 164 f.

5) Dipl. von 1045 bei Steiner, p. 343.

6) Urk. von 1250 u. 1341 bei T. u. St. p. 321 u. 549. vergl. oben §.51. 7) Altes Weichbild bei Senckenberg, vis. p. 162. „so schullen alle di zu „dem marcht zu meizzen fint ir reht zu halle pringen u. s. w.“ Sächs. Weichb. art. 10. Stadtr. von Freiburg von 1120 §. 40.

S. 92.

Wie die Kaufleute und später alle Stadtbürger, so standen auch die Marktorte selbst und die Städte unter einem doppelten Frieden, unter einem Gottes- oder St. Petersfrieden und unter einem Königsfrieden, welcher nun ein Stadt- oder Burgfrieden geworden war (§. 86). Das Zeichen des Königsfriedens, also nun auch das Zeichen des Markt- und Stadtfriedens, war, wie wir gesehen, ein Handschuh (§. 84), das Zeichen des Gottesfriedens aber ein Kreuz 1). Als Staffelstein im Anfang des 12. Jahrhunderts einen Markt und das Marktrecht erhielt, ertheilte der Kaiser Lothar das Recht selbst in gewohnter Weise (more solito per gravatonem), also mittelst Uebersendung eines Handschuhes, und dann erst errichtete die Kirche ein Kreuß 2). Daher sezte man ursprünglich ein Kreuz auf den Markt und hängte daran des Königs Handschuh, zum Zeichen der unter göttlichem und weltlichem Schuße stehenden Marktfreiheit 3). Und man nannte dieses Zeichen insgemein das Marktzeichen (signum forense) 4). In Bremen hängte man den Handschuh an den Ro

"

1) Glosse zum Sächs. Weichbild, art. 9. Wo man ein Kirchhoff weihet „das der in der weihung begrieffen wirdet mit Gottesfried, vnd „darumb zeichnet man den Kirchhoff mit einem Creuß, das be: zeichnet den Fried."

2) Urk. von 1165 in Mon. Boic. 29, II p. 375. quod (mercatum) eis praedecessor, noster Lotharius Imperator tradiderat more solito per gravatonem publica donatione et priuilegii sui confirmatione. vt uidelicet crucem in suo erigerent. et mercatum publice instituerent. Das Wort gravato habe ich in keinen Glossar gefunden. Da jedoch die Ertheilung des Marktrechtes in ge wohnter Weise also durch Uebersendung eines Handschuhes ge= schehen ist, so scheint dieses Wort irgend eine Beziehung auf die bei Uebersendung des Handschuhes zu entrichtenden Abgaben zu haben. vergl. die Worte gravaria und gravaringus bei Du Cange ed Henschel.

3) Sächs. Weichb. art 9. „Das man da ein creuß feßet auff den marckt, durch das man sehe, das weichfried da sey. Vnd man „hendet auch da des Königs hentschuch daran, durch das, das „man dar bey fche, das es des Königs wille sey."

4) Dipl. von 1234 bei Leuckfeld, antiqu. Poeldens. P 258.

« AnteriorContinuar »