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fentlichsten Einfluß auf die weitere Fortbildung der städtischen Verfassung. Klar und deutlich tritt dieses zumal in jenen Ländern hervor, in welchen die Immunität sich nicht auf alle Bewohner einer Stadt erstreckt hat. In Ungarn z. B., wo bis auf unsere Tage noch die in einer Stadt oder in einem städtischen Gebiete liegenden Edelhöfe oder Curien von der Gerichtsbarkeit der städtischen Behörden erimirt und nur der Comitatsbehörde unterworfen, wo demnach bis auf unsere Tage noch in den Städten nicht bloß einzelne Häuser, die sogenannten Comitatshäuser und Höfe —, sondern sogar ganze Straßen von der Stadtbehörde befreit und der Comitatsbehörde unterworfen waren, — in Ungarn konnte sich darum auch kein eigener Bürgerstand in den Städten bilden. Ohne Bürgerstand konnten sich aber die Ungarischen Städte eben so wenig wie die Polnischen zu jener Höhe erheben, zu welcher sich die Städte im übrigen Europa allenthalben erhoben haben, wo es Germanische Ansiedelungen gegeben hat. Denn die Kraft des Bürgerstandes bestand gerade in der erwähnten Verschmelzung der alten und neuen Freiheit und in der Stellung der alten und neuen Freien unter dasselbe bürgerliche Recht und Gericht.

Die Immunität der Städte von den öffentlichen Gerichten macht demnach in der Geschichte der städtischen Verfassung gewissermassen Epoche. Denn jede der vielen in den alten Städten befindlichen Immunitäten und Genossenschaften hatte ursprünglich ihr eigenes Gericht. Daher die vielen Gerichte in den alten Städten, welche zwar sammt und sonders der öffentlichen Gewalt untergeorduet, in ihrem eigenen Bereiche aber sehr unabhängig und selb= ständig waren. Erst die Immunität von den öffentlichen Gerichten und die Abschaffung der Hörigkeit hat zu einem einzigen Gerichte, zu dem Stadtgerichte geführt, welchem sodann alle Bürger und die übrigen Bewohner der Stadt unterworfen waren.

Die Stadtgerichte sind zwar im Grunde genommen nur an die Stelle der öffentlichen Gerichte, der Gau- Cent- und Landgerichte getreten. Die Art ihrer Bildung war aber dennoch von zweierlei wesentlich verschiedener Art. In jenen Städten nämlich, in welchen der Landes- oder Immunitätsherr zu gleicher Zeit Grundherr, wenn auch nur über einen kleinen Theil der Stadt war, pflegte die öffentliche Gerichtsbarkeit mit der grundherrlichen v. Maurer, Städteverfassung. I.

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verbunden und die eine mit der anderen dem grundherrlichen Gerichte übertragen zu werden. In diesem Falle befanden sich die reichsgrundherrlichen Königsstädte und viele landesherrliche Städte. In jenen Städten wurden demnach die freien Reichsleute und die freien Landsassen gleich von Anfang an den Reichs-Hintersassen und den landesherrlichen Hintersassen gleich und die Einen wie die Anderen unter dieselben Gerichte gestellt. In jenen Städten dagegen, in welchen die Landes- oder Immunitätsherrn keine Grundherrschaft hatten, wie dieses in den reichsfreien Städten und in sehr vielen landesherrlichen Städten, insbesondere auch in vielen Bischofsstädten der Fall war, in jenen Städten mußten nun natürlicher Weise eigene Stadtgerichte errichtet werden zur Handhabung der öffentlichen Gewalt in der Stadt. Im einen wie in dem anderen Falle blieben jedoch nach wie vor die Fronhof- oder grundherrlichen Gerichte, welche anderen Grundherren gehörten, bis die durch die Abschaffung aller Hörigkeit bewirkte veränderte Stellung der Hörigen und Unfreien auch jenen Gerichten den Untergang gebracht hat, und sodann nur ein einziges Gericht, das Stadtgericht, für alle Stadtbürger geblieben ist.

13. Einfluß der Befestigung der Städte.

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Die alten Städte waren, wie wir gesehen, befestigte Orte. Bei dieser Befestigung sind aber zwei wesentlich verschiedene Theile von einander zu unterscheiden, die Befestigung der Stadt selbst und die in oder bei der Stadt gelegene königliche, landesherrliche oder grundherrliche Burg. In oder in der Nähe der meisten alten Städte hatten nämlich die Könige einen Königshof und die spä= teren Landesherrn und die Grundherren einen ihrer Fronhöfe. Wie andere Königs- und Fronhöfe waren nun auch die in oder bei einer Stadt liegenden Höfe befestiget. Sie waren und hießen daher auch Burgen 1).

Diese königlichen und landes- oder grundherrlichen Burgen

1) Urk. von 1252 bei Guden, I, 625. Mehrere Beispiele bei Mone, Zeitschr. VI, 41-42.

lagen öfters in der Stadt selbst in der Art, daß entweder die Städte um die Burg herum angesiedelt waren oder die Burg in den bereits bestehenden Dörfern oder Städten angelegt worden ist. Im cinen wie in dem anderen Fall waren die Burgen mit Mauern und Graben umgeben, öfters auch noch mit Thürmen und anderen Festungswerken versehen. Manche von ihnen reichen schon in die Karolingischen Zeiten hinauf, z. B. die Königsburgen in Aachen, Ingelheim, Zürich, Frankfurt, Ulm u. a. m. (§. 2 u. 4), wahrscheinlich auch schon die Königsburg in Regensburg. Andere wurden später erst angelegt. So die Reichsburgen zu Nürnberg, Gelnhausen, Kaiserslautern u. a. m.2). Eben so die Burgen der geist= lichen und weltlichen Landesherrn und der Grundherren. So war z. B. in Münster der Dombezirk, die sogenannte Domfreiheit, nebst dem darauf erbauten bischöflichen Hofe (der Burg) mit einer Mauer umgeben und dadurch von dem außerhalb der Dom- oder Burgmauer liegenden unbefestigten Theile der Stadt geschieden, bis später auch der unbefestigte Stadttheil mit Mauern und Graben umgeben und dadurch selbst zur Burg gemacht worden ist3). Auch in Basel bildete die Burg einen mit Mauern und Thürmen umgebenen befreiten Bezirk oder eine Freiheit, in welcher außer dem Palatium oder der Pfalz des Bischofs auch noch die Domkirche und die Wohnungen der bischöflichen Hofbeamten und Dienstmannen und der Domherren standen. Und um diese Burg herum hat sich bereits vor dem 11. Jahrhundert die Altstadt innerhalb des Birsigs gebildet 4). Eben so hatte der Erzbischof von Hamburg seine wohl befestigte Burg in der Altstadt Hamburg3). In gleicher Weise befestigte der Bischof von Worms um das Jahr 1000 seinen in der Stadt liegenden Fronhof®). Auch der Erzbischof von Köln hatte

2) Meine Gesch. der Fronhöfe. II, 153 ff., 167 ff. und oben §. 13. 3) Vergl. oben §. 16 und Kindlinger, M. B. II, 206 ff.

4) Basel im 14. Jahrhundert, p. 5 ff.

5) Vergl. oben §. 16 und Adam Brem. II, 68.

6) Chron. Worm. bei Ludewig, II, 51. Episcopus Burchardus, cum potentium viribus aliter resistere desperasset, curtim suam muro ad instar castelli circumdedit, et interius turribus et habitaculis ad pugnandum idoneis non segniter excitatis, munitionem satis firmam construxit.

nicht bloß in Köln selbst sondern auch in Soest seine Burg (§. 14), und der Erzbischof von Mainz baute noch im 15. Jahrhundert eine Burg, die Martinsburg, für seine ständige Residenz in der Stadt Mainz). Endlich hatte der Bischof von Münster auch noch in Meppen eine mit Mauern und Graben umgebene Burg, die sogenannte Paulsburg. Sie bildete daher, da auch die Stadt um= mauert war, eine Burg in der Burg 8). Aber auch die weltlichen Landes- und Grundherren hatten ihre Burgen in ihren landesherrlichen und grundherrlichen Städten. Frühe schon die Grafen von Holstein in der Neustadt Hamburg (§. 16) und in Lübecko), die Herzoge von Desterreich in Wien ihre mit Wall und Graben umgebene Burg 10), wo die jetzt noch bestehende Hofburg mit dem daran stoßenden Graben an frühere Zeiten erinnert, die Herzoge von Baiern in München, wo heute noch die alte herzogliche Burg, der sogenannte alte Hof, existirt (§. 18), die Herzoge von Wirtemberg in Stuttgardt, wo bis auf die jcßige Stunde noch die sogenannte alte Residenz in der Nähe der neuen zu sehen ist, u. a. m. Eben so hatten die Herren von Fleckenstein zu Sulz ihre Burg in der Stadt, und die Ritter von Brakel, von Lüdinghausen, von Büren u. a. m. ihre Burgen in den gleichnamigen Städten (§. 15).

Sehr häufig lagen aber die königlichen, landesherrlichen und grundherrlichen Burgen nicht in der Stadt selbst, aber doch in ihrer Nähe. So lagen die Königsburgen in Worms und in Straßburg in der Vorstadt, die bischöflichen Burgen und Pfalzen aber in der Stadt selbst, also in der Altstadt (§. 23 u. 52). In Regensburg bildete die Königsburg ein eigenes Stadtviertel, die sogenannte Königsstadt (§. 120). Meistentheils lag aber die Burg oben auf dem Berge und die Stadt unten im Thale, z. B. in Heidelberg, Baden-Baden, Landshut, Oppenheim, Weinheim u. a. m., insbe= sondere auch in den dem berühmten Reichsritter Franz von Sickin

7) Bedmann, I, 22 u. 154 f.

8) Diepenbrock, Gesch. von Meppen, p. 184-185.

9) Deecke, Grundlage zur Gesch. Lübecks, p. 2 ff. und 22.

10) Urk. von 1158 bei Hormayr, Wiens Gesch. I, 1. Urkb. p. 18. fossato curiae nostrae usque ad.

gen gehörenden Städten Landstuhl, dem alten Nannenstuhl11) und Ebernburg 12).

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In einem wie in dem anderen Falle hatte die Burg ihre eigenen Bewohner, ihre eigene Verwaltung und ihr eigenes von dem städtischen verschiedenes Gebiet mit einer eigenen Freiheit oder Imunität, was besser als alles andere die ursprüngliche Verschiedenheit der Hofverfassung von der Stadtverfassung beweist, sintemal die Burgen nichts anderes als befestigte Fronhöfe waren. Die eigentlichen Bewohner der Burg waren die Burgmannen (castrenses 1), castellani 2) oder Hutmannne3), zuweilen auch burgwardici ministeriales genannt) 4). Solche Burgmannen findet man auf allen Burgen in mehr oder weniger größer Anzahl, auf den Reichsburgen Nürnberg, Friedberg, Gelnhausen, Oppenheim u. a. m. eben sowohl wie auf den Burgen der größeren Grundund Landesherrn, z. B. der Herren von Hanau, von Münzenberg, von Ziegenhain u. a. m. auf ihren Burgen Windecken, Buchen, Münzenberg, Gießen, Marburg und Grünberg. Auf der Burg Friedberg waren öfters 60, 80 bis 88 Burgmannen anwesend 5). Und auf der Burg Gelnhausen waren sogar mächtige Dynasten, die Herren von Hanau, von Bolanden, von Falkenstein u. a. m. Burgmannen ®). Den Burgmannen war die Bewachung und Vertheidigung der Burg übertragen entweder auf eine Reihe von Jahren, z. B. auf 6 Jahre) oder erblich als erblichen Burgmannen (castrenses here

11) Dipl. im Codex Lauresham. III, 217.

12) Nach einem ungedruckten Weisthum von 1567 waren die Sickingen „Herren über Burg und über Thal zu Ebernburg."

1) Dipl. von 1309 bei Guden, III, 54. Stadtrecht von Lechnich von 1279, §. 32 u. 33. wo die castrenses von den opidani unterschieden werden. Vgl. oben §. 33.

2) Dipl. von 1261 bei Meichelbeck, II, 2.

p. 28.

3) Urf. von 1297 bei Kremer, Gesch. der Ardennisch. Geschl. II, 151. „die Hutmanne, ist also so viel als Burgmanne."

4) Dipl. von 1193 bei Rathmann, I, 388.

5) Mader, I, 230 u. 240.

6) Wippermann, Gesch. der Centen p. 74.

7) Dipl. von 1282 bei Schannat, fuldisch. Lehnhof p. 196.

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