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Städten, zumal in jenen, in welchen Bischöfe oder Erzbischöfe ihren Siz hatten.

Auf die Ausbildung der städtischen Verfassung war jedoch weniger der Aufenthalt des Hofes, als die Einrichtung der Hofhaltung selbst von Einfluß.

Schon seit Karl dem Großen sollte nämlich jeder Hauptfronhof oder jedes Palatium, in welchem die Könige oder größeren Grund- oder Landesherrn von Zeit zu Zeit einzukehren und einen kürzeren oder längeren Aufenthalt zu nehmen pflegten, für den Empfang der Herrschaft gehörig eingerichtet und mit der nöthigen Anzahl von Ministerialen, Handwerkern und anderen hörigen und unfreien Hofdienern versehen sein. So war es in Aachen, Frankfurt, Nürnberg, Ulm und in anderen königlichen Pfalzen, wie in Soest, in der Abtei Prüm, im Erzstifte Mainz und in anderen landesherrlichen Burgen und Palatien 7). An vielen Orten wohnten die Hofbeamten in den Palatien selbst oder in eigens für sie in der Nähe der Pfalz aufgeführten Gebäuden. So frühe schon in Aachen und in Straßburg 8). Eben so auch in Frankfurt noch im 10. Jahrhundert. Otto II. schenkte nämlich dem Bischof von Worms, seinem Kanzler, in der Nähe des Reichspalastes einen Bogengang mit einem freien Plaß, um daselbst für sich und seine Amtsnach= folger eine Wohnung zu bauen zum bequemeren Dienste während der Anwesenheit des königlichen Hofes 9). Meistentheils erhielten jedoch die Ministerialen Beneficien oder Hoflehen in der Nähe der Pfalz oder auch in der Stadt selbst, so daß sie öfters in der Stadtmark angeseßen waren So war es in Frankfurt. Die Ministerialen der königlichen Pfalz, welche den König mit seinem Gefolge,

7) Meine Gesch. der Fronhöfe, II, 137, 337 ff.

8) Meine Einleitung, p. 25 u. 26. Meine Gesch. der Fronhöfe, I, 124. 9) Urk. von 979 bei Boehmer, Frankf. Urkb. I, 10 u. 11. Ea videlicet ratione ut quotiescumque loco nominato regia vel imperialis collocutio aut solemnium dierum celebratio contingat, ipse praefanoster fidelis cancellarius, ob frequens ministerium commodam sibi suique successores perpetuam ibi mansionem in memoriam nostri nominis habeant.

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10) In einer Urf. von 977 bei Boehmer, Franks. U. I, 9. werden die Förster ministeriales, und in einer Urk. von 1291 cod.; p. 260 u. 261. officiati nec non forestarii genannt.

so oft er dahin kam zu empfangen und zu bedienen, die Münze, Zölle und die zum Palatium gehörigen Ländereien zu verwalten und die übrigen Hofangelegenheiten zu besorgen, insbesondere auch über den Königsforst Dreieich als Förster die Oberaufsicht hatten 1o), waren sammt und sonders in der Nähe des Palatiums auf ReichsBoden, mehrere in Sachsenhausen selbst ansäßig. Sie gehörten daher mit zu den ältesten Grundbesißern in der Stadt "). Eben so waren in Ulm viele bei dem königlichen Palatum angestellte Reichsministerialen in der Stadt selbst begütert, und daselbst angeseßen. Andere hatten aber ihre Dienstgüter in der Nähe 12). Auch wohnten in Ulm Ministerialen und andere Hofdiener der Abtei Reichenau, welche daselbst begütert war. Mit dem Fronhofe der Abtei haben aber auch sie sich später wieder verloren 13). Eben so waren in Nürnberg und in anderen alten Königsstädten Reichsministerialen angestellt und diese in der Stadt selbst oder in ihrer Nähe angeseßen. Aber auch in jenen Städten, welche späterhin Bischofs= städte oder Sie einer anderen landesherrlichen Hofhal: tung geworden sind, war es nicht anders. In Worms z. B., wo die Könige ebenfalls ein Palatium mit den dazu gehörigen Lände reien besaßen, hatten die königlichen Ministerialen (nostri servitores und fideles nostri) ihre Beneficien in der Stadt selbst (res quas nostri servitores infra Wormaciensem urbem per praeceptum nostrum diebus vitae videntur habere in proprium). Diese Ländereien mit dem dazu gehörigen Antheile an der ungetheilten Mark trat nun aber der König an den Bischof von Worms ab (tradidimus quicquid jam fati viri hactenus in ipsa urbe in curtilibus, aedificiis, territoriis, vineis, seu universis causis cum omni integritate agrorum, praediorum, seu etiam molendinorum) 14). Die königlichen Ministerialen wurden daher nun bischöfliche Ministerialen. Dazu kamen nun noch diejenigen Ministerialen, welche die Bischöfe aus ihren

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11) von Fichard, die Entstehung der Reichsstadt Frankfurt, p. 15, 19, 20, 29, 32 u. 33.

12) Jäger, Ulm, p. 88, 89 u. 753.

13) Jäger, p. 36 u. 37.

14) Urk. von 897 bei Schannat, II, 12 Vergl. noch Urk. von 897 u. 898, eod. II, 14 u. 15.

eigenen Fiscalinen zu jener Würde erhoben hatten. Darum findet man so viele bischöfliche Ministerialen, welche in der Stadt selbst angefeßen waren 15). In ähnlicher Weise scheinen in Magdeburg die Reichsministerialen auf den Bischof übergegangen zu sein. Jedenfalls waren auch dort viele Ministerialen in der Stadt selbst angeseßen (§. 22). Eben so in Regensburg 16), in Augsburg 17), in Basel 18), in Mainz 19), in Bremen 20), in Soest u. a. m, insbesondere auch in Straßburg. Daselbst waren nicht bloß die eigentlichen Hofdiener Gotteshausdienstmänner, sondern auch die Burggrafen, Schultheise, Zöllner und Münzer. Sie gehörten daher sammt und sonders zu dem Gesinde des Gotteshauses 21).

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Oefters wurden die bei einer königlichen oder landesherrlichen Hofhaltung verwendeten Ministerialen aus der Ferne in die Stadt gezogen und daselbst erst neu angesiedelt. Dann kam natürlicher Weise durch die neue Ansiedelung ein ganz neues Element in die Stadt. Defters wurden aber auch, wo es nicht wie z. B. in Lindau 1) und in Speier 2) verboten war, einheimische in der Stadt bereits angesessene Geschlechter mit irgend einem Hofamte belehnt, wie z. B. in Augsburg die Stolzhirsche, Volkwein, Riederer, Jmhof, Langenmantel, Remen, Baumgarten u. a. m. 3), in Ulm die

15) Leges St. Petri von 1024, c. 29 u. 30.

16) Dipl. von 1156 u. 1157 bei Ried, I, 226 u. 227. 17) Stadtr. von 1156 in M. Boic. 29, p. 329 f.

18) Rudolf von Ems Weltchronik in Diutiska, I, 63. „in Basil`sint och „ellinthaft. mit huse gisezzin. zi allir zit vermezzin. fuinszic „riter oder mer." Viele Ministerialen hatten Häuser oder Höfe in der Stadt zu Lehen, nach Ochs, I, 460.

19) Urk. von 1354, 1357 u. 1386 bet Wohlbrück, Alvensleben, I, 374. 20) Donandt, I, 112. Note.

21) Stadtr. c. 6 u. 7 bei Grandidier, II, 44. Revers von 1263, c. 2, 3, 4 u. 5 bei Schilter, p. 729.

1) Rathsbeschluß bei Heider, p. 636. ez sol auch dehain vnser ingesessener „Burger dehains Herrn in Landes weder Hofgesinde noch Diener „nit fin."

2) Bürgereid bei Lehmann, p. 280.

3) Von Stetten, Geschl.-Gesch. p. 17 u. 18.

Hafner, Krafte u. a. m. 4), in Worms das Geschlecht der Nitterchen (Militellus) 5), in Köln ®). Dann kam zwar durch sie kein ncues Element in die Stadt. Es wurde jedoch diesen Geschlechtern die Gelegenheit gegeben, sich über die anderen zu erheben. Denn, wiewohl auch die anderen Geschlechter sich zum Nitterstande erheben konnten und in fast allen Städten viele Geschlechter sich auch wirklich zur Ritterschaft erhoben haben, so war und blieb dennoch die Tienstmannschaft der Kern der sich in den Städten bildenden Ritterschaft. Darum wurden die Dienstmannen öfters geradezu Ritter genannt, z. B. in Basel 7), Worms 8) u. a. m. Eben da rum hat sich eine Nitterschaft meistentheils nur in jenen Städten gebildet, in welchen eine Hofhaltung bestanden hat. Denn die Ritter in den Städten sind, wie bemerkt, zunächst aus den königlichen und landesherrlichen Ministerialen hervorgegangen, z. B. in Basel, Straßburg, Speier, Worms, Weißenburg, Bremen u. a. m. Zu ihnen kamen zwar in vielen Städten noch alte Geschlechter, sodann Burgmannen und andere ritterbürtige Geschlechter hinzu, welche sich in den Städten niedergelassen hatten, wie dieses z. B. in Münster der Fall war 9). Der Kern der Ritterschaft in den Städten blieb aber nach wie vor die Dienstmannschaft. Daher hat sich auch in jenen Städten, welche keine Hofhaltung und darum keine Dienstmannen hatten, z. B. in Hamburg und Lübeck, keine Ritterschaft gebildet. Es ist zwar auch in jenen Städten ein Patriciat oder wenigstens eine höhere nicht zu den Zünften gehörige Bürgerschaft aus den alten Geschlechtern hervorgegangen. Eine eigentliche Nitterschaft hat sich aber daselbst keineswegs gebildet. Und da auch in späteren Zeiten noch keine Nitter in jenen Städten wohnen durften 10), so ist daselbst der Handel zu jeder Zeit ein

4) Jäger, p. 91.

5) Annal. Worm. ad 1238 bei Boehmer, fontes, II, 166. Urk. von 1213 bei Schannat, II, 99. vergl. Arnold, Freistädte, II, 185.

6) Ennen, Gesch. II, 421-425.

7) Ochs, 1, 367, 376 . 377. Wackernagel, Dienstmannrecht, p. 11,

18 u. 20.

8) Annal. Worm. ad 1238 bei Boehmer, fontes, II, 166.

9) Wilkens, p. 26.

10) Hamburg. Stadtr. von 1270, I, art. 4. „it ne schal nen riddere wonen „bynnen desseme wycbelde." vergl. oben §. 64.

ehrenhaftes Geschäft geblieben, welches jeder Bürger, Patricier wie Plebejer, treiben durfte und auch zu treiben pflegte.

Die in einer Stadt angesessenen Dienstmannen hatten außer ihrem Hause und Hofe in der Stadt und außer ihren Besißungen in der Feldmark meistentheils auch noch ihren Antheil an der ungetheilten Mark z. B. zu Schwaney im Stifte Paderborn 11). Sie waren demnach wirkliche Stadtmarkgenossen, und wurden auch zur Bürgerschaft gerechnet. So frühe schon in Soest 12). Eben so seit dem 13. Jahrhundert in Basel 13) und in Straßburg 14). Sie mußten daher, wie andere Bürger, den Bürgereid leisten 15), und die städtischen Lasten tragen. Zum städtischen Kriegsdienst sollten sie und ihr Gesinde jedoch ursprünglich nur dann aufgeboten werden, wenn es der Bischof erlaubte 16). Auch in Mainz waren die in der Stadt angesessenen Dienstmannen noch das ganze 14. Jahrhundert hindurch bis ins 15., so lange es überhaupt noch daselbst Ministerialen gab, Stadtbürger 17). Eben so waren die Ministe= riaten in Straßburg, Speier, Worms, Boppard, Ulm, Frankfurt, Nürnberg und Bremen Bürger. Als es daher in jenen Städten zur Bildung eines neuen Stadtrathes kam, wurden auch Ministerialen in den Stadtrath gezogen. So in Straßburg schon im

11) Urk. von 1344 bei Wigand, Archiv, I, 4. p. 101.

alii tamen nostri familiares bona municipalia in dicto opido, vel ad opidum pertinentia habentes jus municipale, pro ut alii opidani ibidem de illis tantum bonis facere tenebuntur. Damus eis eciam licentiam resecandi ligna.

12) Stadtr. von 1120 §. 53, vergl. oben §. 19.

13) Urf. von 1225 bei Ochs, I, 299. de consensu ministerialium omniumque civium nostrorum.

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14) Stadtr., art. 19 bei Strobel, I, 556. Ein ieglicher unser burger er "sie goßhus dienstman, oder nüt."

15) Urk. von 1286 bei Ochs, I, 436. „Duch han wir gesezet, welche Gotteshußdienste mannen, Burger, oder wer zu Basele seßhaft „wäre, nit geschworen hant, daß die noch schwören sollen, wenn „ein Rat es an sie gevordert, und wer das nit thun wollte, derselbe hat sin Burgerrecht verlohren."

16) Wackernagel, Dienstmannrecht, p. 8 u. 17.

17) Urk. von 1357, 1381, 1386 u. 1405 bei Heusser (Bodmann) von den Hofämtern in Mainz, p. 12, 13, 14 u. 26. Wohlbrück, Alvensleben, I, 374-376.

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