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Städten hat sich jedoch aus den alten Stadtmarkvorstehern ein Stadtrath gebildet, z. B. in Köln aus den Vorstehern der Richerzeche (S. 56), in Lübeck aus den vier Dorfvorstehern (§. 64). In vielen Städten aber, meistentheils in jenen Städten, welche aus der Vereinigung mehrerer Bauerschaften oder Heimschaften hervorgegangen sind, ist an die Stelle der früher getrennten Ortsmarkvorstcher eine gemeinschaftliche Behörde getreten oder auch von dem Grund- oder Landesherrn oder wie z. B. in Worms von dem Kaiser selbst gesezt worden. Und dann sind die alten Ortsmarkvorsteher entweder zu untergeordncten Lokalbeamten oder zu bloßen Boten herabgesunken, oder sie sind mit den alten Bauerschaften selbst gänzlich verschwunden. Das Erste war z. B. in Köln und in Soest der Fall, indem daselbst die alten Amtleute, officiati, magistri vicinorum und Burrichter in den mit der Stadt vereinigten Bauerschaften ganz unbedeutende Lokalbeamte geworden sind. Das Zweite geschah z. B. in Straßburg, Speier, Worms und Mainz, denn die Heimburger sind daselbst zu bloßen Boten herabgesunken, sodann in Trier, wo der Centner, in Braunschweig, wo der Bauermeister und in Halle, wo der Burmeister zu einem Boten herabgesunken ist, während die tribuni in Speier, Mainz und Regensburg Schultheiße geworden sind. Dem Namen nach gänzlich ver- . schwunden sind aber die alten Ortsvorsteher z. B. in Magdeburg, Hamburg u. a. m. In vielen anderen zumal grundherrlichen Städten endlich hat sich an der Seite des herrschaftlichen Beamten ein Stadtrath gebildet, aus welchem später der herrschaftliche Beamte selbst verdrängt worden und ihm sodann meistentheils nur noch der Vorsiß beim Stadtgerichte geblieben ist. Dies war, wie wir sehen werden, in Ulm und in anderen reichsgrundherrlichen Städten der Fall. Eben so in Erfurt, wo der villicus civitatis als Schultheis nur noch den Vorsiß beim Stadtgericht behalten hat 29).

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Allenthalben hängen jedoch die ersten Anfänge der neuen Stadträthe und Bürgermeister mit den alten Ortsmarkvorstehern zusammen in der Art, daß dieselben entweder unmittelbar aus ihnen

29) Falckenstein, Hist. von Erf. p. 1015 ff.

-hervorgegangen oder wenigstens vollständig an ihre Stelle getreten sind. Die Stadträthe und Bürgermeister hatten nämlich ursprünglich dieselbe Stellung wie die alten Dorfmarkvorsteher. Die Einen wie die Anderen waren, wie wir sogleich sehen werden, genossenschaftliche Behörden. Sie waren daher wesentlich von den öffentlichen Behörden und meistentheils auch von den grundherrlichen Behörden verschieden. Ueberhaupt haben, wie wir gesehen, die alten freien und gemischten Städte und auch die meisten grundherrlichen keine andere Verfassung und kein anderes Recht als die freien, gemischten und grundherrlichen Dorfmarkgemeinden gehabt (§. 66). Mehr als Alles Andere beweißt dieses die Kompetenz der Gemeindevorsteher und des Stadtrathes. Wie die Dorfmarkvorsteher, so hatten nämlich auch die Stadträthe und Bürgermeister die Angelegenheiten der Stadtmark zu besorgen. Dazu gehörte aber, bei den Einen wie bei den Anderen, die Besorgung der Feldangelegen heiten, die Handhabung der Wege und Stege, sodann Alles was die Benutzung des Wassers zur Bewässerung, zum Waschen und zum Flößen betraf, die Verfügung über die gemeine Mark und über die Almenden, die gesammte Orts- und Feldpolizei, also insbesondere auch die Markt- und Victualienpolizei mit dem Rechte über das unrichtige Maß und Gewicht, über Speise- und andere Käufe und über andere Marktangelegenheiten zu erkennen, die Aburtheilung der sogenannten Polizeifrevel und der anderen unbedeutenden Händel, kurz die vollständige Ortsmarkgerichtsbarkeit und die Aufsicht über die städtischen Abgaben und deren Beitreibung. Diese Kompetenz hatten, wie wir gesehen, die Stadträthe und Bürgermeister von Magdeburg, Lübeck, Soest, Dortmund, Medebach, Köln, Münster, Trier, Mongingen, Seligenstadt, Regensburg, Basel, Zug u. a. m. Und im Laufe dieser Untersuchungen wird es sich mehr und mehr herausstellen, daß die Stadträthe und Bürgermeister ursprünglich keine andere Kompetenz als jene der Dorfmarkvorsteher gehabt haben 1). Erst seit dem Entstehen des freien Verkehrs und der Marktfreiheit und der damit zusammenhängenden städtischen Einrichtungen und Freiheiten hat sich auch die Kompe

1) Meine Gesch. der Dorfverf. II, 44-60 u. 63-70. vergl. oben §. 52, 54, 56, 57, 63-65, 68 u. 70.

tenz der Stadträthe und Bürgermeister wesentlich verändert. Sie ward allenthalben sehr bedeutend vermehrt und erweitert und in vielfacher Beziehung auch ganz neu gestaltet. Die städtischen Angelegenheiten, früher Stadtmarkangelegenheiten, wurden nämlich nun mehr und mehr Gewerbs- und Verkehrs-Angelegenheiten (§. 108), und dieses konnte auch hinsichtlich der Kompetenz der städtischen Behörden nicht ohne Einfluß bleiben. Nichts desto weniger hat sich doch auch in dieser Beziehung, wie wir sehen werden, der alte markgenossenschaftliche Grundcharakter mehr oder weniger erhalten.

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Ungeachtet des Zusammenhangs der städtischen Behörden mit den alten Dorfmarkvorstehern und ungeachtet der Gleichheit ihrer Stellung und Kompetenz erscheinen die Stadträthe bei ihrem ersten Auftreten in der Geschichte dennoch als etwas ganz Neues. Und meistentheils waren sie auch wirklich etwas Neues. Nicht als ob es früher an denselben Orten noch keine Gemeindevorsteher ge= geben hätte, denn die alte Stadtverfassung war ja von der Dorfverfassung durchaus nicht verschieden, sondern weil die Stadträthe ihrer Zusammenseßung und Anzahl nach meistentheils wirk lich neu waren. Die alten Städte waren nämlich sammt und sonders sehr klein. Die Torfmarkvorsteher genügten daher um so mehr, als die Gemeinde-Bedürfnisse ursprünglich sehr gering waren. Seitdem jedoch die Ummauerung Burgmannen und die Hofhaltung Ministerialen nothwendig gemacht hatte, seitdem ferner der vermehrte Verkehr viele Fremde angezogen, die vermehrte Bevölkerung aber die Erweiterung der Stadt nothwendig gemacht hatte, seitdem reichten natürlicher Weise die alten Gemeinde-Vorsteher nicht mehr hin. Die neu in der Stadt angesiedelten und ins Bürgerrecht aufgenommenen Burgmannen, Ministerialen und anderen neuen Bürger verlangten nun gleichfalls Antheil an dem Stadtmarkregiment. Das vermehrte Bedürfniß machte auch einen vermehrten Gemeindevorstand nothwendig. Dies führte zur Bildung eines neuen Vorstandes oder wenigstens zur Umbildung des alten. Und da derselbe Grund in allen aufblühenden Städten vorhanden war, so führte das gleiche Bedürfniß allenthalben zu gleichen Bestrebungen.

Es ist schwer die erste Gestaltung oder Umgestaltung des

Stadtraths im Allgemeinen zu bestimmen oder sie auch nur auf gewisse allgemeine Regel zurückzuführen. Denn jede Stadt hat ihre eigene Geschichte, welche je nach dem Lokalbedürfnisse an den verschiedenen Orten zu einer verschiedenen Verfassung geführt hat. Allenthalben ist zwar dieselbe Wurzel zu erkennen, aus welcher die Verfassung der Stadt nach und nach hervorgewachsen ist. So wenig indessen die aus derselben Wurzel entsproßenen Bäume einander völlig gleich sind, eben so wenig die Verfassungen der einzelnen Städte, wiewohl sie sammt und sonders aus einer und derselben Wurzel, aus der Markenverfassung, hervorgegangen und zu erklären sind. Dennoch können aus der Geschichte der einzelnen Städte und nach Analogie der großen Marken und der Dorfschaften 1) etwa folgende Regeln hinsichtlich der Bildung und Umbildung des Stadtrathes abstrahirt werden.

In sehr vielen Städten ist nämlich der Stadtrath oder wenigstens der Bürgermeister unmittelbar aus dem alten Ort 8markvorstande hervorgegangen. Dies geschah jedoch in sehr verschiedener Weise. In vielen Städten ist nämlich der Stadtrath unmittelbar aus den alten genossenschaftlichen Ortsmarkvorstehern hervorgegangen. Dieses war zumal in den freien Städten, z. B. in Köln, Lübeck u. a. m. der Fall, öfters aber auch in gemischten Städten z. B. in Dürkheim und Hamburg, zuweilen auch wiewohl seltener in grundherrlichen Orten, z. B. in Dehringen und Wesel. In Köln ist nämlich der Stadtrath, wie wir gesehen, aus den alten zwölf Vorstehern der Ortsmarkgemeinde, welche man daselbst Richerzechheit genannt hat, hervorgegangen. Daher hießen die Stadträthe ursprünglich Amtleute der Richerzechheit, oder officiales und rectores officii Richerzechheit, vielleicht auch rectores ohne allen Beisaß und Meister (magistri), oder Bauermeister und Bürgermeister, seit der Erhebung des Ortes zu einer Stadt aber Bürgermeister (magistri civium), Rathmannen (consules) und zuweilen auch rectores civitatis 2). Eben dieses war offenbar auch in Landshut der

1) Meine Gesch. der Markenverfassung, p. 280 u. 284 ff. Meine Gesch. der Dorfverf., II, 70-75.

2) Magnum chron. Belgicum bei Pistorius, III, 260. Multos ex sca

Fall. Daher werden die zwölf Stadträthe ebenfalls rectores civitatis genannt 3). In Lübeck ist der Stadtrath aus den alten Dorfvierern hervorgegangen. Er bestand daher ursprünglich aus bloß vier Personen. Erst Heinrich der Löwe hat die Anzahl der Nathmanner vermehrt und die Nathswahl geordnet (S. 64). In anderen Städten ist der Stadtrath aus den alten Dorfachtern hervorgegangen z. B. in Dürkheim 4) oder aus den Dorfdreiern, z. B. in Elgg, weßhalb daselbst der kleine Nath bloß aus drei Räthen bestanden hat 5) oder aus den Dorfvierern 3. B. in Genf ) und in der Stadt Möllen, wo jedoch bei wichtigeren Angelegenheiten, welche das ut oder Blut betrafen, noch sechs alte Bürger beigezogen werden sollten, aus denen später der weite oder große Rath hervorgegangen ist 7). Aus den alten Dorfsechsern sind offenbar hervorgegangen der Stadtrath zu Meldorf,

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binis et rectoribus civitatis condemnavit. Da hier von rectores im Plural die Rede ist, Köln' aber ursprünglich nur einen Bür germeister im engeren Sinne des Wortes gehabt hat, so müssen darun: ter nothwendiger Weise consules verstanden werden, was auch zu der Benennung magistri civium sehr gut paßt. Vergl. oben §. 56. 3) Stadtr. von 1279 §. 4, 7 u. 12 bei Gaupp, I, 152.

4) Meine Gesch. der Markenverfassung, p. 297 fj.

5) Meine Gesch. der Dorfverf. II, 68.

6) Stadtr. von 1397, art. 23 bei Schauberg, I, 100. quod dicti cives, burgenses et jurati dicte civitatis possint quolibet anno, constituere creare facere et ordinare, quatuor ex ipsis procuratores et sindicos dicte civitatis, et ipsis quatuor omnimodam potestatem suam concedere.

7) Urk. von 1254 in der Gründlichen Nachricht von dem an die Stadt Lübeck an. 1359 verpfändeten dominio et advocatia Möllen, p. 5. „Od begnade wy unse Börger mit den Wickboldrechte in und buten der „Statt to weldigen, des scholen ze jahrlickes veer frame Börger weelen, de ene und der Stadt, met Rade vorwesen, men ane Nutte, noch Steete, wen de Datt jahr weldedigten hebben, so schall „de olde Raad in sine borgerlicke stede stahn, und veer nye Börger to Vorstande der Statt weelen, und dat schal ein so „jährlick holdende wesen ane benetinge were den Sade de to Blode „effte Gode drepede de veer to raade nicht entschlichten kun„den, so scholen ze noch VI olde Börger mit Rade bevragen "

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