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auf dem zur Burg gehörigen Bezirke siedelten sich nun viele Höfe mit den dazu gehörigen Villen um das Kloster Dietkirchen an. Die meisten Höfe gehörten dem Erzbischof selbst. Denn er war der eigentliche Grundherr des zur Burg gehörigen Bezirkes. Indessen waren doch auch noch andere freie Leute und Stifter daselbst angesessen. Ein Bürger von Bonn hatte einen Hof mit der Villa Bacheim, welchen er im Jahre 1142 an das Cassiusstift abtrat 27). Derselbe Bürger besaß daselbst Weinberge und einen Hof in Bonn selbst 26), welchen er ebenfalls an jenes Stift abtrat. Das Cassiusstift besaß außerdem noch zwei andere Höfe in Bonn 20). Auch hatte der freie Sicco 30) und das Frauenkloster Dietkirchen Grundbesig in jenem Bezirk 31). Die meisten und größten Höfe gehörten jedoch dem Erzbischof selbst. Ihm gehörte der Wichelshof 32), die Villa Stoechen 33), die Villa Müllheim 34) und der sehr bedeutende Merhauser Hof, später Margaßer Hof genannt, zu welchem auch das Ueberschiffungsrecht über den Rhein gehört hat 35). Die zu einem jeden Hofe oder Kloster gehörigen Hintersaßen bildeten die Villa. Daher werden jene Höfe auch Villen genannt, welche alle mit einander wieder ein Ganzes, den zur Burg gehörigen Bezirk, die spätere Stadtmark gebildet haben. Jeder Hof hatte seinen eigenen Vorstand, welcher die herrschaftlichen Gefälle einzusammeln und

27) Urk. von 1142 bei Günther, I, 263.

Bacheim que sita est ante ecclesiam.

curiam in uilla que dicitur

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28) Urk. von 1139 bei Günther, I, 255. et vineam unius jornalis et curtim in Bunna.

29) Urk. von 1131 bei Günther, I, 210.

Bunna.

duas uidelicet curtes in

30) Urk. aus 11. sec. bei Lacomblet, Archiv, II, 302.

31) Urf. von 1174 bei Lacomblet, Archiv, II, 303-304.

32) Urk. von 948 bei Lacomblet, Urkb. I, 60. de curte dominicali in bunna Wichingi decimam. Urf. von 1211 bei Lacomblet, Archiv, II, 305. uillicus curie in Wichenshouen, que sita est in oppido Bonnensi.

33) Urf. von 1110 bei Günther, I, 171. in ea parte Bonnensis ville. que dicitur Stoechen.

34) Urk. von 1174 bei Lacomblet, Archiv, II, 303. quem quidem locum quondam curie nostre attinentem.

35) Lacomblet, Archiv, II, 298, 299 u. 309.

das Hofgericht zu präsidiren hatte. Diese Höfe, Villen und Klöster lagen um die alte Burg und um das Cassiusstift herum und bildeten, da sie nicht ummauert waren, einen offenen Ort, welcher daher öfters dem Feinde und feindlicher Gefahr ausgesetzt war, bis Erzbischof Konrad alle diese Höfe und Villen durch eine Mauer und Graben mit der Burg vereinigte und dadurch den bis dahin offenen Ort zu einer Stadt machte 36). Die alten Villen leben aber heute noch in den Namen einiger Stadtthore, als Mülheimer Pförtchen und als Stockerpforte in der Gegend des Coblenzer Thores, fort.

Wahrscheinlich sind auch in Altsachsen und in der Mark Brandenburg die meisten alten Städte, z. B. Arneburg, Brandenburg, Gardeleben, Marienburg, Nienburg, Osterburg, Ruppin, Salzwedel, Stendal, Spandau, Tangermünde, Werben, Wittstock u. a. m. durch landesherrliche Burgen veranlaßt worden 37). Auch die Stadt Königsberg hat sich um die landesherrliche Burg herum gebildet (S. 124). Die Geschichte fast jeden Landes liefert übrigens Beispiele in Menge. Ich brauche daher nicht weiter hiebei zu verweilen.

S. 15.

Auch die kleineren Land- und Grundherren hatten ihre befestigten Fronhöfe oder Burgen und um diese herum ihre grundherrlichen Dörfer 1). So war Brakel ein grundherrliches Dorf der Ritter von Brakel 2). Ihre Burg (castrum) lag in dem Dorfe3). Und seitdem dieses mit Wall und Graben befestiget worden, ward es selbst zu einer Burg oder Stadt 4). Und auch in späteren Zei ten noch wurde die Stadt eine Burg oder auch ein Schloß genannt 5). Eben so lag der Fronhof der Ritter von Lüdinghausen

36) Urk. von 1243 bei Lacomblet, Urkb. I, 148. 37) Riedel, die Mark Brandenburg, II, 290–296. 1) Meine Gesch. der Fronhöfe, II, 143 ff.

2) Pertz, II, 583. villam cui nomen est Brechal.

3) Dipl. von 1281 bei Wigand, Arch. IV, 2.

4) Dipl. von 1244 bei Wigand, V, 156. quod nos fossata circa predictum oppidum in Brakel.

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5) Urk. von 1341 bei Wigand, V, 164. „Borgemestere, Rad unde ghemen

in dem gleichnamigen Dorfe (curtis nostra in Ludinchusen que in eadem villa sita est). Und nachdem die erwähnten Grundherren ihr Dorf mit Mauern umgeben hatten, ward dasselbe eine Stadt®). Eben so hatten die Herren von Bären ihre Burg (arx) in der Stadt Bören und sie verkauften beides, die Burg und die Stadt (arx et civitas) an das Bisthum Paderborn 7). Auch die den Herren von Fleckenstein gehörige Burg Sulz hat bereits vor der Stadt schon bestanden. Denn als im Jahre 1346 das in der Nähe der Burg gelegene Dorf zur Stadt erhoben werden sollte, verordnete Ludwig der Baier, daß das Dorf abgebrochen und um die Burg herum gebaut, sodann aber mit Mauern, Wall und Graben umgeben werden sollte 8).

S. 16.

Was in weltlichen Herrschaften die Fronhöfe und Burgen, das waren in den geistlichen Herrschaften die Domstifte, die Abteien und Klöster. Sie waren daher ebenfalls befestiget1) und von ihren grundherrlichen oder gemischten Dörfern umgeben. Diejenigen Dörfer nun, welche durch Handel und Gewerbe reich) geworden und zu Ansehen gelangt waren, wurden gleichfalls, so oft

„het des slotes to Brakele." Urk. von 1343, eod. p. 164. „alle „de binnen dem slote wonet."

6) Dipl. von 1308 bei Niefert, Münstr. Urkb. I, 2. p. 499. villam nostram munire cupientes decrevimus ibidem oppidum de novo instru

ere et fundare.

7) Dipl. von 1374 u. 1375 bei Schaten, III, 2. p. 278

8) Urk. von 1346 bei Schoepflin, II, 183. „daß sie ein stat buwen u. „machen sullen u. mogen, innewendig den graben, die umbe die burg „gant zu Sulz, u. die vesten mit muren, graben u. mit andern be„vestenungen, als man stete dut. erloubet, daß sie twingen mogent „alle die lute, die seßhafft sind in dem Dorfe, das do lit vor der stat „u. um die stat Sulz, das sie ihr huser in die stat machen u. darin „ziehen u. buen.“ Urk. von 1347, eod p. 183. Ide castro dicto Sultze et opido eidem adjacente, nec non hominibus opidam nunc inhabitantibus, qui olim in villa ante predictum castrum situata constituerant habitare.

1) Meine Einleitung zur Gesch. der Markvrf. p. 35. Meine Gesch. der Fronhöfe, II, 101 ff.

es das Bedürfniß erheischte, befestiget und dadurch zu Städten gemacht. Einige Beispiele werden die Sache klar machen. Ich be= ginne mit jenen Städten, bei welchen das Domstift die Gründung der Stadt veranlaßt hat. Es war dieses unter Anderen bei Münster, Bremen, Verden, Hamburg, Hildesheim und Bamberg der Fall.

Die Altstadt Münster wurde auf dem Grunde eines dem Stifte gehörigen Fronhofes, des Brockhofes, angelegt und frühe schon durch die Beiziehung von noch drei anderen dem Stifte gehörigen Fronhöfen bedeutend erweitert. Ich muß in alle diese Einzelheiten etwas tiefer eingehen, um die oft sehr eomplicirte Entste hung der Städte klar und anschaulich zu machen. Aehnliche, zum Theile sogar noch complicirtere Verhältnisse finden sich übrigens, wie wir gesehen und noch weiter sehen werden, auch noch anderwärts, z. B. in Köln am Rhein, in Bonn u. a. m. Der im Jahre 792 auf dem Brockhofe gegründete alte Tom oder das Münster gab die erste Veranlassung zur Gründung der Stadt Münster. Der Domhof mit den dazu gehörigen Gebäuden war frühe schon, schon im Jahre 1169, mit einer Mauer umgeben. Und noch im 16. Jahrhundert waren Spuren von dieser Mauer vorhanden 2). Wahrscheinlich bildete der ummauerte Domhof die innere Stadt (extra murum interioris urbis), von welcher die Urkunde von 1169 spricht3). Um den Domhof oder um die innere Stadt herum wohnten die hofhörigen Colonen. Sie bildeten zusammen eine Hofgenossenschaft, zu gleicher Zeit aber auch eine Bauerschaft, welche man auch eine Leischaft genannt hat, wohl aus demselben Grunde, aus welchem auch die Genossenschaft der Laten des Fronhofes von Xanten eine gemeine Latschaft oder Laetsch afta) und die Bauerschaft von Horstorp eine Letschaft genannt worden ist (totum collegium, quod vulgo Letscap, hominum Horstorpe circummanentium) 5). Und da die erste Pfarrkirche dem heiligen Lambert geweiht war, so nannte man diese Bauerschaft auch die Lamberti

2) Urf. von 1562 bei Wilkens Gesch. der Stadt Münster, p. 159. „Be"siter des Huises leggende up der olden Domhaves Muren an „der Stege, alse man geit von sunte Egidii nha dem Domhave.“ 3) Dipl. von 1169 bei Niesert, Münster Urkb. I, 2, p. 447 u. 448. 4) Meine Gesch. der Fronhöfe, IV, 2.

5) Dipl. von 1281 bei Kindlinger, M. B. III, 227.

Leischaft). Sie wurde schon im Anfang des 12. Jahrhunderts von dem Bischof Burchard mit Wall und Graben umgeben) und daher eine urbs und civitas 8) und seit dem Jahre 1181 auch schon die Altstadt (urbs vetus) genannt). Diese Leischaft ist offenbar die äußere Stadt (urbs exterior), von welcher die Urkunde von 1169 spricht. Sie wird auch in derselben Urkunde eine mit einer Mauer umgebene Nachbarschaft genannt (canonicorum curia que infra murum et muro viciniorum sita est) 10). Die Leischaft war demnach eine Nachbarschaft oder eine Bauerschaft. Zu den hofhörigen Colonen gesellten sich frühe schon die bischöflichen Dienstleute und die übrigen neuen meistentheils freien Ansiedler, welche die alte Hauptkirche und der durch sie vermehrte Verkehr angezogen hatte. Auch die neuen, wenn auch freien Ansiedler mußten insgemein einen Grund- oder Wortzins von den ihnen eingeräumten Häusern und Höfen entrichten. Die vermehrte Bevölkerung führte zur Bildung einer neuen Bauer- oder Leischaft und im Jahre 1173 zur Erbauung einer neuen Kirche. Da diese dem H. Ludger geweiht war, so nannte man die neue Bauerschaft die Ludgeri-Leischaft. Auch sie wurde alsbald mit Wall und Graben umgeben und mit einem eigenen Thor, dem Ludgerthor (porta S. Ludgeri) versehen 11). Sie war die neue Stadt. Daher ward nun die ältere Stadt, die Lamberti Leischaft, die Altstadt genannt. Späterhin, wahrscheinlich im 13. Jahrhundert, kam zu diesen beiden Leischaften noch eine dritte Leischaft, die Servatii Leischaft hinzu, welche gleichfalls befestiget und mit einem Stadtthore versehen worden ist 12). Diese drei Leischaften lagen sammt und sonders auf dem Grund und Boden des Brockhofes. Die fort

6) Wilkens p. 15.

7) Altes Verzeichniß der Münsterschen Bischöfe bei Wilkens, p. 73. Bor-, circumdedit urbis murum. vergl. p. 15.

chardus

8) Vita S. Liudgeri, c. 1. bei P. II, 424. und mehrere dipl. von 1173

bei Wilkens, p. 83 u. 84.

9) Dipl. von 1181 bei Wilkens, p. 93.

10) Dipl. von 1169 bei Niesert p. 447 u. 448.

11) Dipl. von 1173 bei Wilkens p. 87. vergl. p. 17 u. 18. Vita S. Liudgeri, c. 1. bei P., II, 424.

12) Wilkens p. 20.

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