Imágenes de páginas
PDF
EPUB

dahin, wie dieses Zornius (p. 726) ausdrücklich bemerkt, von dem König aus den Neunern gewählt worden war. Und diesen Bürgermeister nannte man den Bürgermeister von den Neunern 55). Einen direkten Antheil an der Wahl dieses Bürgermeisters hatte demnach der Bischof zwar nicht. Da er ihn aber in sein Amt einzusetzen, ,,das Burgermeister Amt mit dem Stabe zu „befehlen“ — hatte 56), so befand er sich wenigstens in der Lage eine ihm unangenehme Wahl zu hintertreiben. Und jedenfalls hatte der König seinen Einfluß bei den Wahlen gänzlich verloren.

Zur Vornahme dieser Wahlen pflegte der Bischof selbst in die Stadt zu kommen oder zu dem Ende einen Stellvertreter zu senden 57). Nach beendigten Wahlen wurden die Namen der Gewählten in Gegenwart des Bischofs der vor dem Rathhause versammelten Gemeinde auf der Nathhausstiege verkündet. Und den Tag darauf hatte die Beeidigung der neuen Behörden statt 58). Diese Wahlen wurden jedes Jahr auf St. Martini vorgenommen. Die ganze Wahlhandlung ist in einer alten Rathsordnung sehr gut beschrieben. Sie dauerte drei volle Tage und jede Hauptwahlhandlung wurde in ächt Deutscher Weise mit einem Essen beschlossen 59).

Indessen hat doch auch dieser Vergleich von 1366 keinen Frieden gebracht. Der Kampf zwischen der Bürgerschaft mit dem Bischof und mit der Geistlichkeit dauerte vielmehr nach wie vor fort und führte in den Jahren 1386, 1407, 1411, 1424 und 1509 zu neuen Vergleichen 6o). Auch die Zünfte verlangten Zutritt zu dem Stadtrath und erlangten im Jahre 1392 die Zufage, daß die aus der Gemeinde zu nehmenden Sechszehner nicht mehr nach den vier Pfarreien, sondern nach den 24 3ünften gewählt werden sollten, wobei es denn im Wesentlichen auch späterhin geblieben ist 1).

55) Alte Nathsordnung 1. c. p. 440.

56) Alte Nathsordnung p. 440 in f.

57) Nachtung von 1366 §. 12. Urf. von 1462 bei Schannat, II, 442. 58) Alte Nathsordn. 1. c. p. 440 u. 441.

59) Schannat, II, 440 u. 441.

60) Schannat, iI, 200, 218, 226, 232 u. 294. Vergl. Arnold, II, 334 338, 430-483.

61) Urf. von 1392 u. 1393 bet Schannat, II, 207 u. 208. ordn. bei Schannat, II, 439. „Die sechszehen Manne

Alte Raths

pflegent vß

Bei allen diesen Kämpfen der Stadt mit dem Bischof, welcher unter Anwendung aller geistlichen und weltlichen Waffen darnach strebte die Stadt gänzlich seiner Herrschaft zu unterwerfen, standen die Kaiser auf Seiten der Bürgerschaft. Friedrich III. und Marimilian I. kassirten sogar alle der Reichsunmittelbarkeit der Stadt entgegenstehenden Vergleiche 62). Allein kaum hatte Maximilian die Augen geschlossen, so begann der alte Hader von Neuem und führte zu den Nachtungen von 1519 und 1526 63).

S. 156.

Die Rathswahl war ursprünglich sehr einfach. Alle vollberechtigten Bürger, also vor dem Siege der Zünfte die gesammte Altbürgerschaft oder die alten Geschlechter, traten zusammen und wählten nach Mehrheit der Stimmen. So war es nach einem alten Herkommen (antiquitus) in Bremen, eben so in Köln, Straßburg, Bern, Genf, Möllen u. a. m. (§. 153). Eben so insbeson= dere auch in Stendal. Daselbst kämpften im 13. Jahrhundert die Armen (pauperes) mit den Reichen (divites), d. H. die Gemeine nicht vollberechtigte Bürgerschaft mit der alten vollberechtigten Markgemeinde oder mit den alten Geschlechtern 1). Die Markgra= fen von Brandenburg entschieden als Schiedsrichter hinsichtlich der streitigen Nathswahl, daß der Nath auf ein Jahr gewählt werden und dabei niemand mitwirken solle, als wer es von Alters hergebracht habe, also offenbar nur die Neichen, d. h. die Vollbürger oder alten Geschlechter 2). In manchen alten Städten sollten nur

„den vier pfarren in der Stat zu kysen, vnd sonderlich vß den Zunff„ten vier vnd zwanzig Manne.“

[ocr errors]

62) Urk. von 1489 u. 1494 bei Moriz, II, 200 u. 205.

63) Arnold, II, 483-501.

super jura civitatis, dissenEs war offenbar ein Kampf

1) Urf. von 1285 bei Lenz, I, 128. quod cum in civitate nostra Sten-
dal aliqualis mota fuisset discordia
tientibus divitibus ac pauperibus.
um Antheil an dem Stadtregiment.
2) Urf. von 1285 bei Lenz, I, 128 f.
libere eligent juramento prestito
jus, prout patris nostri tempore eligere consueverunt nullius
vocata presencia, nisi quorum de antiqua consuetu-
dine fuerit vocanda.

deinde anno suo finito alios secundum consuetudinem et

die angeseheneren Leute wählen, z. B. in Magdeburg die weisesten Leute 3) und in Ruppin die viri discretiores 4). Allein auch unter ihnen müssen, wie in Stendal und Köln (§. 47) unter den Reichen, die Geschlechter verstanden werden, wenn man nicht lieber in ihnen die ersten Anfänge eines großen Rathes erblicken will. In vielen alten Städten, in denen man die stürmischen Wahlen vermeiden wollte, überließ man es dem Rathe selbst für die Wahlen zu sorgen in der Art, daß entweder ein Rath den anderen wählen oder der Rath das Recht sich selbst zu ergänzen haben sollte. Man pflegte nämlich im Mittelalter lebenskräftige Einrichtungen zu treffen, die ohne einer steten Nachhülfe oder des Eingreifens der öffentlichen Gewalt zu bedürfen dennoch bestehen und, da sie eine gesetzlich begrenzte frcie Bewegung zuließen, sich nur um so kräftiger entwickeln und gedeihen konnten. Darum überließ man schon seit dem 13. Jahrhundert in Augsburg dem alten Rath die Wahl eines neuen 5). Eben so sollte in Lucern ein Rath den anderen wählen ®). Auch in vielen märkischen und schlesischen Städten durfte der abgehende Nath seine Nachfolger oder den neuen Rath wählen, z. B. in Berlin und Köln 1), in Schweidniß o), in Landeshuto), in Hainau 1o) u. a. m. In jenen Städten nun, in welchen dieses Recht mißbraucht ward, fand späterhin gar kein eigentlicher Rathswechsel mehr statt, indem der abgehende Nath allzeit den vorjährigen Nath wieder zu erwählen pflegte und sodann im darauffolgenden Jahre seinerseits wieder von diesem gewählt wark. Dieser Mißbrauch der Gewalt führte aber allenthalben, wie der Mißbrauch so oft, zu

3) Schöffenbrief von 1261 §. 1 bei T. u. St. p. 351.
„sten Lente Rate." Schöffenbrief von 1304, §. 1.
„mit der Wißegesten Rat."

4) Urk. von 1256 bei Buchholz, p. 88.

„mit der wiseeod. p. 449.

5) von Stetten, Geschl. - Gesch. p. 36. Stadtr. von 1276 bei Freyberg, p. 48. Statut von 1340 und Zunftbrief von 1368 in Chronik von Augsburg, I, 130 u. 136.

6) Urk. von 1330 bei Kopp, Urk. p. 154.

7) Urk. von 1432 bei Hercken, cod. Brand. V, 115.

8) Schöffenbrief von 1293 §. 1 und Handfeste von 1328 §. 1 bei T. u.

St. p. 420 u. 519.

9) Stadtr. von 1334 §. 1 bei T. u. St. p. 537.

10) Urk. von 1353 bei T. u. St. p. 570. Vergl. p. 234.

Kämpfen, hin und wieder sogar zu Aufständen und dann erst wieder zu neuen Reformen. In anderen Städten dagegen, in welchen jenes Recht nicht mißbraucht worden war, hat es im Gegentheil vor vielen Stürmen bewahrt. Eben so das Recht des Stadtrathes sich selbst ergänzen zu dürfen, wie es z. B. in Oppenheim bestanden hat (S. 125). Denn erst als auch dieses Recht mißbraucht worden war, trat auch in diesen Städten die Nothwendigkeit einer Reform ein, wenn man es nicht bis zum gewaltsamen Umsturz kommen lassen wollte.

Meistentheils wurde der Rath auf ein Jahr gewählt, z. B. in Köln 12), in Magdeburg und Stendal (S. 145 u. 156), in Bern 13) und in den vorhin erwähnten schlesischen Städten. Auch in Ißni sollte der Rath jedes Jahr gewechselt werden, da jedoch immer nur die Hälfte austrat, nur die Hälfte jedes Jahr neu be= sezt werden 14). In manchen Städten sollte der Rath nur auf ein halbes Jahr gewählt werden, z. B. in Lucern 15), und in Zürich sogar drei Mal im Jahr neu gewählt werden. Je nach der Jahreszeit der Wahl gab es demnach in Zürich einen Fastenrath, einen Sommerrath und einen Herbstrath 16). In Lübeck wurde auf zwei Jahre gewählt 17) und in Mainz frühe schon auf Lebenszeit, so daß nur beim Tode eines Stadtrathes eine neue Wahl eintrat 18). In die lezte Kategorie gehören auch jene Städte, in welchen der Rath das Recht sich selbst zu ergänzen erhalten hatte. Denn die Ergänzung sollte immer nur beim Abgang eines der Mitglieder eintreten. Auch in Freiburg im Breisgau scheint auf Lebenszeit gewählt worden zu sein 19).

Diese ursprünglich sehr einfache Wahlart ward jedoch in vielen Städten nach und nach sehr verwickelt, meistentheils auf Ver

12) Laudum von 1258 bei Securis, p. 75.

13) Handfeste von 1218 §. 7.

14) Urk. von 1365 bei Jäger, reichsst. Mag. III, 228.

15) Altes Stadtr. im Geschichtsfreund, I, 162.

16) Kopp, Gesch. II, 36.

17) Lüb. Urkb. I, 6.

18) Urf. von 1244 Nr. 8 bei Guden, I, 581.

19) Stadtr. von 1120 §. 77. und Verfassungsurk. von 1293 bei Schreiber,

I, 1. p. 23, 131 u. 132.

anlassung innerer Stürme. Wie in Worms während der Kämpfe mit dem Bischof die Rathswahlen immer verwickelter geworden sind, haben wir so eben gesehen. Zu einem ähnlichen Resultate haben in Breslau und Schweidnitz ähnliche Kämpfe geführt 20). Besonders interessant ist aber die Geschichte der Nathswahlen in Basel. Die späteren Handfesten enthalten darüber ausführliche Vorschriften, welche mit Ausnahme desjenigen, was darin von dem Zutritt der Zünfte gesagt wird, wahrscheinlich auch schon nach der alten Handfeste von 1260 gegolten haben. Da wir jedoch aus den Zeiten der Bildung und Umbildung der ersten Stadträthe, aus dem 13. Jahrhundert, keine Nachrichten besigen, so kann davon erst später die Rede sein.

S. 157.

Wahlfähig, aktiv und passiv wahlfähig, wie wir heut zu Tag zu sagen pflegen, waren allenthalben nur die vollberechtigten Bürger. Die Wahlfähigkeit war demnach sehr verschieden in den verschiedenen Zeiten und Städten. Ursprünglich waren in den freien Städten nur Tiejenigen wahlfähig, welche freies Eigen in der Stadtmark besaßen (,,dhe hebbe torfacht egen binnen dher mu„ren besetten bynnen der stat vri torfachtig egen“)1). In den grundherrlichen und gemischten Städten waren aber auch die höri gen Grundbesitzer wahlfähig. Erst seit der Abschaffung der Hörig feit in den Städten war auch die persönliche Freiheit zur Wahlfähigkeit nothwendig. Grundbesig aber war allenthalben und zu allen Zeiten nothwendig, und zwar solcher Grundbesiß, mit welchem auch ein Antheil in der ungetheilten Mark verbunden war, z. B. in Wien 2). Denn die Markgemeinschaft war eigentlich das genossenschaftliche Band, welches alle Vollbürger umschlang, und welches die Gesammtheit erst zu einer Gemeinschaft oder Gemeinde gemacht hat. Ursprünglich hatten nur die Vollbürger die städtischen Abgaben zu entrichten und die bürgerlichen Dienste zu leisten. Da= her haben manche, z. B. Wohlbrück 3) geglaubt, daß die Wählbar

20) T. u. St. p. 235 u. 236.

1) Ordnung um 1163 in Lüb. Urkb. I, 6.

2) Stadtr. von 1296 §. 28 bei Senckenberg, vision. leg. p. 290. „er sei denne in der Stat gesezzen mit hause vnd mit hove."

3) Gesch. von Lebus, III, 58.

-

« AnteriorContinuar »