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Recht der Autonomie selbst 23). Auch wurde erst seit jener Zeit von der Nothwendigkeit der Zustimmung der Landesherrn bei solchen Satzungen in den Reichsgesehen gesprochen 24). Daher ließen sich die Städte seit dem 12., 13. und 14. Jahrhundert, die von ihnen gemachten Willküren von den Landesherrn bestätigen, z. B. Bremen 25) und viele Städte in Schlesien 26), oder sie ließen sich das Recht der Autonomie selbst von den Deutschen Königen oder Landesherrn ausdrücklich ertheilen, z. B. Dortmund und Hörter vom Kaiser und Reich 27). Eben so Lippstadt 28), Stettin 29), Saalfeld, Pösneck, Guben u. a. m. 30), Strehlen und andere Städte in Schlesien von ihrem Landesherrn 31). Auf diese Weise wurde denn das ursprünglich ganz selbständige Recht der Autonomie abhängig gemacht, zuerst von der landesherrlichen Zustimmung und zuleht sogar von einer landesherrlichen Verleihung. Daß übrigens das Recht der Autonomie ursprünglich ganz selbständig gewesen und erst später beschränkt worden ist, geht unter Anderem auch aus der Geschichte der Stadt Frauenfeld im Thurgau hervor.

et sapientiores cum domino suo episcopo in hoc convenerunt, quod. Stadtr. von 1249, pr. bei Mone, Anzeiger von 1837 p. 23. 23) Stadtr. im Geschichtsfreund, I, 162 u. 163. „Es sint ouch die burger „von Lucerron mit dien vögten von rotenburg als so har komen.“ 24) Auf die Autonomie können bezogen werden die Worte: quod nulla

constitutiones

facere possent

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sine domini

civitas sui assensu in sententia von 1231 bei Pertz, IV, 279. 25) Privilegien von 1186 u. 1206 bei Donandt, II, 13 u. 18. 26) T. u. St. p. 230.

27) Statut von Hörter aus 13. sec. bei Wigand, Arch. III, 3. p. 16. quod in civitate nostra de gracia et licencia sa cri romani imperii pro constitucione arbitrio sive consuetudine, que vulgariter Wilkore dicitur. Privilegium Karls IV. für Dortmund bei Lünig, N. A. IV, 1146. civitatis pro honore imperii, utilitate innovandi, augmentandi emendandique et in melius mutandi juxta qualitatem temporum prout eis visum fuerit.

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consuetudines et statuta ejusdem nec non loci ibidem et incolarum

28) Statut aus 13. sec. bei Pufendorf, III, 406.

29) Urk. von 1245 bei Dreger, cod. Pom. I, 251.

30) Tittmann, Gesch. Heinrichs des Erlauchten, I, 338 u. 839.

31) Urk. von 1349 bei T. u. St. p. 230 u. 566.

Das älteste Stadtrecht von 1331 wurde nämlich ganz selbständig von dem Stadtrathe allein verfaßt 32) und erst im Jahre 1368, als dasselbe von den Herzogen von Oesterreich bestätiget werden sollte, nahmen diese das Recht der Gesetzgebung in Anspruch und beschränkten die Autonomie des Stadtrathes auf „kleine und gemeine Prästen" des städtischen Gemeinwesens 33).

Der autonomischen Anordnungen gab es anfangs nur wenige. Denn die markgenossenschaftlichen Angelegenheiten waren sehr einfach und allenthalben nach altem Herkommen geordnet. Neue Sagungen waren demnach ursprünglich nicht nothwendig. Erst mit dem erweiterten Verkehr wurden auch die genossenschaftlichen Angelegenheiten vermehrt und erweitert. Daher entstand auch erst mit den neu sich bildenden Verhältnissen das Bedürfniß neue Anordnungen zu treffen. Dies ist der tiefere Grund warum die Autonomie des Stadtrathes erst seit dem 12. und 13. Jahrhundert mehr und mehr hervortritt. Es geschah nicht weil das Recht der Autonomie damals erst entstanden oder gar erst von den Landesherrn verliehen worden ist, - denn das Recht dazu ist eben so alt als die Genossenschaft selbst —, sondern weil das neu entstandene Bedürfniß die Stadträthe nöthigte mehr und mehr hervorzutreten und sich ihres alt hergebrachten Rechtes mehr als bis dahin zu bedienen. Von einer Zustimmung des Inhabers der öffentlichen Gewalt war ursprünglich keine Rede. Erst die sich mehrenden Uebergriffe führten zu einem Rechte der landesherrlichen Zustimmung, und dieses hat sich sodann nach und nach zu einem Rechte der landesherrlichen Verleihung ausgebildet. Und in sehr vielen Landstädten beruhen die späteren Stadtrechte wirklich auf einer landesherrlichen Verleihung. Nur in den Reichsstädten hat sich das ursprüngliche Recht auch in dieser Beziehung mehr oder weniger vollständig erhalten. Auch befanden sich viele Bischofsstädte in der Lage ihr althergebrachtes Recht der Autonomie wieder herzustellen und dasselbe insbesondere auch wieder von der Nothwendigfeit der Zustimmung ihres Landesherrn zu befreien. So wurde

32) Schauberg, II, 116 ff.

33) Stadtrecht von 1368 art. 13 in Zeitschrift für schweizer. Recht, I, Thurgau. Nechtsqu. p. 59 u. 62.

3. B. in Straßburg das alte Recht der Autonomie schon im Jahre 1263 ganz vollständig wieder von dem Bischof anerkannt 34). Und schon das Stadtrecht von 1322, das sogenannte Stattbuch, wurde von der Stadt allein ohne Beizichung des Bischofs verfaßt 35). Eben so machte in Basel der Stadtrath ganz allein ohne Zuzichung des Bischofs seit dem 14. Jahrhundert eine Menge Verordnungen 36). Und dasselbe war seit jener Zeit mehr oder weniger in allen jenen Bischofsstädten der Fall, welche sich zu Reichsstädten erhoben haben.

S. 159.

Wie die Stadträthe so hängen auch die Vorsteher der Stadträthe, die Bürgermeister, mit den alten Ortsmarkvorstehern zusammen und sind direkt oder indirekt aus denselben hervorgegangen (S. 144). Unmittelbar aus dem alten Ortsmarkvorstande sind die Bürgermeister hervorgegangen in Seligenstadt aus dem Heimburger, in Soest aus dem Bauermeister oder Bauerrichter und in Augsburg aus den alten Pflegern oder Vierern (§. 143, 145, 146). In den meisten Städten hatten jedoch die Stadträthe ursprünglich keinen eigenen Vorstand. Den Vorsiz führte vielmehr entweder Einer der Stadträthe selbst oder in den grundherrlichen Städten und auch in manchen gemischten der herrschaftliche oder öffentliche Beamte des Ortes. In den meisten Städten, in den freien und gemischten eben sowohl wie in den grundherrlichen, hatten nämlich ursprünglich die Stadträthe gar keinen eigentlichen Vorstand. Die Stadträthe besorgten vielmehr, wie die Dorfvorsteher, die genossenschaftlichen Angelegenheiten theils einzeln theils collegialisch mit einander, und im lezteren Falle führte Einer von ihnen den Vorsiz. Dieses war offenbar in Köln, Lübeck, Hamburg, Möllen, Magdeburg, Straßburg, Speier, Worms, Regensburg, Ens, Wien, Zug, Genf, Berlin u. a. m., insbesondere auch in Görlig 1) und

34) Nevers von 1263 §. 8 bei Schilter zu Königshoven, p. 730. „So iji „öch ir recht und gewonheit, swenne ihre Stat not und kumber angat, „daß sie Eynunge und andere Sabunge, umbe ihre Stete not, machen mügent, ane menliches widerrede.“

35) Schilter, p. 622. Grandidier, II, 35.

36) djs, II, 377 ff.

1) Neumann, p. 27.

in Wien 2) der Fall. Denn so oft daselbst der Stadtrath handelnd auftritt wird immer nur der Nathsherren oder des Nathes Erwähnung gethan. Es kann demnach nur Einer der Rathsherren selbst den Vorsitz geführt haben. Es waren zwar die Rathsbeschlüsse öfters an die Zustimmung des öffentlichen oder herrschaftlichen Beamten gebunden, und es mußten sodann, so wie bei allen Verhandlungen mit Auswärtigen, oder wenn sonst die öffentliche oder grundherrliche Gewalt betheiliget war, auch diese Beamten beigezogen werden, z. B. in Lübeck 3), in Soest 4), in Hamburg 5), Worms ®), Regensburg 7), Wien 8), Seligenstadt, Coesfeld u. a. m. (§. 68 u. 69). Auch konnten jene Beamten zu Mitgliedern des Stadtraths gewählt werden, z. B. die Schultheise in Zürich o). Der Stadtrichter in Wien mußte sogar Mitglied des Stadtrathes sein 10). Auch in Neiße u. a. m. hatte der Vogt Zutritt zu dem Stadtrath er halten, um daselbst das Interesse seines Herrn zu vertreten11).

2) Schlager, alterth. Ucberlieferungen von Wien, p. 137.

3) Daselbst handelten die consules in der Regel allein, je nach den Umständen mit der Bürgerschaft oder ohne dieselbe. vergl. Urk. von 1188, 1204, 1229, 1234, 1238 u. 1240 im Lüb. Urkb. I, 10, 18, 55, 73, 86 u. 90. Bei Verhandlungen mit Auswärtigen u. s. w. mußte aber der Vogt beigezogen werden. vergl. oben §. 64.

4) Urk. von 1241 im Lüb. Urkb. I, 94. advocatus, sculthetus, consules et universitas Susaciensis oppidi, während in der Regel die consules allein handelten. Vergl. Stadtr. von 1120, §. 36, 39, 43 u. 44.

5) Dipl. circa 1210 bei Lappenberg, I, 335. advocatus et consules universi et commune civitatis während in der Regel bloß consules et communio civium handelnd auftreten in dipl. circa 1220 u. 1241 eod., I, 427 u. 445.

6) Urk. von 1220 bei Moriß, II, 154. Nos ministeriales, judices et consiliarii, während in der Regel nur consiliarii et universi cives handelnd auftreten z. B. in Urk. von 1232 bei Morig, II, 165. und in Uk. von 1224 u. 1228 bei Guden, syll. p. 132. 156. 7) Urf. von 1244 bei Gemeiner, Chron. I, 351. Urk. von 1256 bei Pertz, IV, 381.

8) Urk. von 1288 bei Hormayr, Wien, I, 2. Urfb. p. 38.

9) Bluntschli, I, 158.

10) Stadtr. von 1296 §. 26 bei Senckenberg, vis. p. 290.

11) Urt. von 1310 bei T. u. St. p. 486. volumus quod advocatus no

Allein den Vorsiz hatten die öffentlichen und herrschaftlichen Beamten in jenen Städten doch nicht. Die Stadtrechte von Wien und Ens schreiben ausdrücklich vor, daß der Stadtrichter den Beschlüssen des Rathes nicht widersprechen dürfe 12). Von einem Vorsiße desselben ist jedoch keine Rede. Daher entstand in jenen Städten schon frühe, meistentheils schon im Laufe des 13. Jahrhunderts, das Be dürfniß einen eigenen Vorstand zu haben. Und man wählte zu dem Ende unter den Stadträthen Einen oder Mehrere, welche sodann den Titel magistri civium oder magistri consulum erhielten, wie heute noch in Bremen die beiden Bürgermeister aus dem Senat gewählt werden 13). So führten in Speier seit dem Jahre 1255 zwei Nathsherren den Titel magistri civium. Sie wurden aber nach wie vor unter den zwölf Rathsherren begriffen 14). Besonders klar tritt aber dieses Verhältniß in Berlin hervor. Auch in Berlin standen nämlich die Rathmannen, seitdem sie überhaupt in der Geschichte hervortreten, an der Spiße der Stadtgemeinde. Und sie allein handelten namens der Gemeinde 15). Aus ihrer Mitte wurden nun seit dem Anfange des 14. Jahrhunderts zwei Nathmannen gewählt, welche Alderleute (Olderlude oder seniores) genannt worden sind 18) und erst später den Titel Burgermeister erhalten haben. Auch in Straßburg sollten ein oder zwei Burger

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consiliis et tractatibus consulum ipsius civitatis nostro nomine de cetero (fünftig —, früher scheint er also keinen Zutritt gehabt zu haben) debeat interesse.

12) Stadtr. von Wien von 1221, §. 56 und von Ens von 1212, §. 25. 13) Verfassung von Bremen von 1849 §. 50 ff.

14) Lehmann, p. 271–273 u. 275. Nau, I, 18 glaubt, daß die magistri civium erst seit 1261 vorkommen.

15) Urk. von 1272, 1280, 1284, 1288, 1289, 1295, 1320 u. 1381 bei Fidicin, 1, 55, 60, III, 187, 188, 189, 190, 192 u. 193.

16) Urk. von 1311 bei Fidicin, I, 63. „Wye Radmanne Henrich Uden „vnd Hans Wiprecht, gekoren olderlude vnd die andern Nadmanne der „stad Berlin." Und der lateinische Tert bei Ludewig, rel. Mpt. XI, 619. Nos consules Henricus Uden, Johannes Wyperti, seniores electi ceterique consules civitatis. Auch in den Jahren 1360 und 1370 führen sie noch den Titel Oldermann. vergl. Fidicin, I, 176, 177, 178 u. 179.

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