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zum Kampf gegen die sächsische Herrschaft 1) und in den schlesischen Städten Breslau 2), Ottmachau 3), Kauth 4) u. a. m.; so wie in Frankenberg in Hessen 5) zu Streitigkeiten mit den landesherrlichen Beamten, welche jedoch meistentheils im Wege des Vergleichs wieder beigelegt worden sind. Von einem Streben nach Reichsunmittelbarkeit war aber nirgends die Rede. Denn in Lübeck und Hamburg haben ganz eigenthümliche Umstände zur Freiheit von der Landesherrschaft und zur Reichsunmittelbarkeit geführt.

S. 168.

In einer ähnlichen Lage wie die Vischofsstädte und die in Reichsabteien gelegenen Städte befanden sich auch die Städte der geistlichen und weltlichen Grundherren in den landesherrlichen Territorien. Der auch ihnen gestattete freie Verkehr durchbrach auch in ihnen die engen Schranken des Hofrechtes, führte zur Abschaffung der Hörigkeit und bedrohte sogar die Eristenz der Grundherrschaft selbst. Als daher die Folgen der von ihnen gestatteten Freiheit mehr und mehr hervortraten, traten die Grundherren jenen Bestrebungen entgegen. Dies führte meistentheils zum Kampf. Denn die Einsicht, daß das Aufblühen der Städte auch im Interesse der Grundherren war, gehört erst einer späteren Zeit an (S. 107). Und wie in den Bischofsstädten von den Königen und in Trier von den Pfalzgrafen, so wurden die Bürgerschaften in den grundherrlichen Städten von den Landesherrn geschüßt und unterstüßt. Wie andere Grundherrschaften so standen nämlich auch die grundherrlichen Städte unter der öffentlichen Gewalt. Die Landesherrn hatten demnach als Inhaber der öffentlichen Gewalt das Recht und die Veranlassung sich bei solchen Kämpfen zu betheiligen. Dies thaten z. B. in Brakel die Bischöfe von Paderborn. Die Ritter von Brakel waren daselbst Grund- und Vogteiherren. Die Gaugrafschaft gehörte aber dem Stifte. Daher konnten sich die Bischöfe in die Streitigkeiten der

1) Donandt, I, 45 u. 114.

2) Urk. von 1306 bei T. u. St. p. 479. 3) Urk. von 1478 bei T. u. St. p. 620. 4) Urk. von 1499 bei T. u. St. p. 623.

5) Chron. Francoberg. bei Kuchenbecker, annal. Hass. V, 201 u. 202.

Stadt mit ihrer Grund- und Vogteiherrschaft 1) und mit dem Stadtrath einmischen 2) und die Bürgerschaft gegen ihre Vogtei= herrschaft unterstüßen, die von dieser anerkannten Freiheiten bestä= tigen und den alten noch neue Freiheiten hinzufügen, nach und nach sogar die Vogtei selbst erwerben und auf diese Weise die Stadt direkt unter die Landesherrschaft in ein ähnliches Verhältniß bringen, wie die Reichsstädte zu Kaiser und Reich standen. Nachdem jedoch jener Zweck erreicht war begann der Kampf mit der LandesHerrschaft selbst. Die Stadt bildete ihre eigene Wehrverfassung, welche schon früher von der Landesherrschaft anerkannt worden war, weiter aus 3), und mit ihr stieg auch die Unabhängigkeit der Stadt. Zur gegenseitigen Unterstüßung verbündete sich Brakel zuerst mit der Stadt Wartberg und sodann auch noch mit Paderborn. Es ward unter Anderem verabredet, dem Stifte erst dann die von ihm begehrte Huldigung zu leisten, wenn der Bischof zuvor ihre hergebrachten Freiheiten bestätiget haben würde a). Dies hatte zur Folge, daß die Bischöfe, welche in früheren Zeiten die hergebrachten Freiheiten der Stadt Brakel, um sie gegen ihren Grundherren zu schüßen, zu bestätigen pflegten 5), dieselben von nun an bestätigen mußten, um selbst von der Stadt anerkannt, also gewissermaßen selbst bestätiget zu werden ). So stieg denn Brakel, begünstiget durch den in jenen Gegenden damals sehr bedeutenden Handel, immer höher und höher und war im 14. Jahrhundert sogar nahe daran die Gerichtsbarkeit selbst zu erwerben 7), um sodann seit der veränderten Richtung des Handels, zumal aber seit dem Siege der Landeshoheit über alle Korporationen wieder zu einem kleinen und unbedeutenden Ackerbaustädtchen herabzusinken. Aber auch anderwärts wurden die grundherrlichen Städte von den Landesherrn gegen die Grundherren unterstüßt, z. B. im Stifte Münster im 13. Jahrhundert ) u. a. m. Und dieser Unterstüßung

1) Urk. von 1289 u. 1321 bei Wigand, Arch. IV, 3 μ. 6. 2) Urk. von 1322 u. 1341 bei Wigand, V, 159 ff.

3) Urk. von 1289 bei Wigand, IV, 3 f.

4) Urk. von 1345 u. 1358 bei Wigand, V, 165–168.

5) Urk. von 1289 u. 1321 bei Wigand, IV, 3 u. 6.

6) Urk. von 1361, 1385, 1414 u. 1439 bei Wigand, V, 168-172. 7) Urk. von 1379 bei Wigand, V, 173.

8) Wigand, VI, 268.

verdanken die meisten Landstädte ihr schnelles Emporkommen und ihre wenn auch nur vorübergehende Blüthe. Zwar wurde auch ihnen die Aufnahme von Hörigen ins städtische Bürgerrecht chne die Zustimmung der Grundherren verboten (S. 101). Der Strom der Zeit ließ sich jedoch auch in den grundherrlichen Städten nicht aufhalten. Er wurde vielmehr von den Landesherrn selbst gehegt und gepflegt, bis auch sie den Geist der neuen Freiheit in den Städten zu fürchten begannen. Sie fürchteten nämlich das Beispiel der schweizerischen Eidgenossenschaft! Sie besorgten, daß die Neichsfürsten in derselben Weise von den städtischen Bürgerschaften verschlungen werden könnten, wie das deutsche Reich selbst von den Reichsfürsten verschlungen worden war. Eine Besorgniß, welche schon der Cardinal Nikolaus von Cusa getheilt hatte 9).

S. 169.

Mit diesen Kämpfen mit der Grundherrschaft hängen auch die Kämpfe der Stadtbürger mit der allzeit im Interesse ihrer Dienstherrschaft kämpfenden Dienstmannschaft (§. 142), und mit der übrigen Ritterschaft zusammen. Die übermüthige Ritterschaft in den Städten ward meistentheils zur Auswanderung genöthiget, z. B. in Speier in den Jahren 1330 bis 1349 1) und in Straßburg in den Jahren 1419 und 1420 2), oder sie wurde wenigstens, wie wir sehen werden, in eine einzige Zunft zusammengedrängt. Der Ritterschaft auf dem Lande wurden aber ihre Burgen und Raubschlösser zerstört, von den Bürgerschaften von Straßburg 3), von Basel 4), von Magdeburg, von Görlig und von den übrigen Städten in der Lausiß 5), von München ®), Speier,

9) Nic. de Cusa, de concordant.

cath. III, c. 30. Quoniam

sicut principes imperium devorant, ita populares devorabunt principes.

1) Lehmann, p. 599, 600 u. 615.

2) Die Urkunden bei Schilter zu Königsh. p. 806 ff.

3) Königshoven, p. 314 ff., 328 u. 329.

4) Ochs, II, 220 u. 221.

5) Rathmann, III, 33 u. 271 ff. Neumann, Geschichte von Görlig,

p. 111-113.

6) Bairische Annalen von 1838 p. 418.

Frankfurt, Wien, Bern u. a. m. (§. 101, 128 u. 134). Der durch Handel und Wandel entstandene Geldreichthum hatte nämlich fast allenthalben zu einem Kampfe mit den Grundbesizern, d. H. zu einem Kampfe der den Geldreichthum vertretenden Städte mit der den Grundbesig repräsentirenden Ritterschaft geführt, welcher meistentheils mit der Zerstörung der Ritterburgen geendiget hat. Und auch bei diesen Kämpfen waren die Kaiser und Landesherrn meistentheils wieder auf Seiten der Städte. So wurden die Bürgerschaften von Straßburg, Basel und Frankfurt von den Kaisern und von den kaiserlichen Landvögten, die Bürgerschaften von Wien, Görlig u. a. m. aber von ihren Landesherrn unterstüßt. Im Jahre 1349 wurde die Bürgerschaft von Speier sogar gegen die Pfalzgrafen bei Rhein vom Kaiser Karl IV. unterstüßt, als dieselbe die den Pfalzgrafen gehörigen Raubschlösser Neuhof und Affolterloh zerstörten ").

Die Stadtbürgerschaften kamen nämlich in dieser Beziehung, wenn auch aus einem anderen Grunde, den Bestrebungen der Inhaber der öffentlichen Gewalt gegen die damals fast landesherrliche Gewalt der Ritterschaft entgegen. Sie wurden daher auch ihrerseits wieder von ihnen unterstüßt und gehoben, die Landstädte von den Landesherrn und die Reichsstädte von den Kaisern. Keine Zeit war in Beziehung auf die Bestrebungen der Städte bewegter und größer als die Zeit der nationalsten aller Deutschen Kaiser, der Hohenstaufen. Mit ihrem Falle fiel daher auch die Deutsche Nationalität und mit dieser die Deutsche Freiheit. Die Habsburger strebten nach einer Hausmacht auf großentheils nicht Deutschem Gebiete. Dasselbe thaten etwas später die Kurfürsten von Brandenburg. Von einer Deutschen Politik war daher lange Zeit nicht mehr die Rede.

17. Die Stadtverfassung im 12. und 13. Jahrhundert.

S.170.

Die Städte sind aus Dörfern und die Stadtgemeinden aus Dorfmarkgemeinden hervorgegangen. Die Verfassung der alten

7) Urk. von 1349 bei Lehmann, p. 703.

Städte und die Beschäftigung ihrer Bewohner war demnach von jener der Dörfer und der Dorfbewohner durchaus nicht verschieden. Die Verfassung der alten Städte war daher eine Stadtmarkverfassung und die Beschäftigung der alten Stadtbürger Ackerbau und Viehzucht. Erst seit der Errichtung von Märkten und seit Entstehung des freien Verkehrs ward es anders. Denn diejenigen Freiheiten, durch welche sich die Städte von den Dörfern unterscheiden, beginnen erst seit jener Zeit. Der freie Verkehr und das damit verbundene sichere Geleit und der Marktfrieden wurde zuerst nur den freien Kaufleuten ertheilt und war daher ein Recht der freien Kaufleute. Erst später wurden diese Rechte auch auf die übrigen Stadtbürger ausgedehnt. Dadurch ward der Marktfrieden zu einem Stadtfrieden und das Recht der freien Kaufleute zu einem freien Stadtrecht. Nun erst hörte die Landwirthschaft und Viehzucht auf Hauptbeschäftigung der Stadtbürger zu sein, und das Gewerbswesen wurde zur städtischen Nahrung. Dadurch wurden die Städte Site des Gewerbswesens und des Kapitalvermögens, und zu gleicher Zeit die Vorkämpfer des Geldreichthums gegen die den ländlichen Grundbesig repräsentirende Ritterschaft. Der Charakter des Städtewesens war aber dadurch von Grund aus verändert (§. 82, 108, 112, 144 u. 169).

Der freie Verkehr mit den damit verbundenen Freiheiten hat zuerst in den Königsstädten begonnen, wurde aber frühe schon nach ihrem Vorbilde auch den Bischofsstädten verliehen. Und schon seit dem 10. Jahrhundert hatten bereits alle größeren Königs- und Bischofsstädte das Recht der freien Kaufleutel, z. B. Mainz, Köln, Magdeburg, Goslar, Quedlinburg, Bremen u. a. m. 1). Mit dem freien Verkehr war allzeit der Königsschuß und daher öffentliche

1) Urk. von 993 bei Kettner, p. 34. mercatum erigere decernimus monetis theloneis omnique in mercatorio jure quod antecessorum nostrorum regum et imperatorum industria Coloniae Moguntiae Magdeburgo, similibusque nostrae ditionis in locis antea videbitur esse concessum. Vergl. noch Urk. von 1038, eod. p. 164. Urk. von 966 bei Lindenbrog, p. 131. negotiatores potiantur jure, quali caeterarum regalium institores urbium. Vergl. noch Urk. von 1003, 1014 u. 1158, eod. p. 135, 136 u. 162.

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