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Fiedler freie Hauspläge (liberas areas) und Marknußungen in der ungetheilten Mark erhalten 46). Daher entstanden nun rasch nach einander in der Neustadt zuerst das St. Nikolaus Kirchspiel, sodann das St. Katharinen Kirchspiel und etwas später noch das St. Jakobi Kirchspiel. Und seit dem Ende des 12ten oder im Anfang des 13ten Jahrhunderts wurden alle diese Bestandtheile der Neustadt und die Neustadt selbst mit der Altstadt zu einer Stadt vereiniget, was um so leichter geschehen konnte, da die Erzbischöfe ihre Rechte in der Altstadt geltend zu machen etwas vernachlässiget hatten. Beide Städte, welche bis dahin zwei Nathhäuser, eines in der Altstadt und eines in der Neustadt, zwei Gerichtsstäten (Dingbänke), zwei Weinkeller, zwei Märkte, einen Alt- und einen Neumarkt, und zwei Schlachthäuser gehabt hatten, bildeten daher seit dem 13ten Jahrhundert eine einzige Stadt mit einem einzigen Rathhaus und mit einer Dingbank, wie dieses aus dem alten Stadtrecht selbst hervorgeht 47).

Auch in Hildesheim hat sich die Stadt um das Domstift herum nach und nach gebildet. Die alte Burg (urbs) bestand aus dem Dom mit dem bischöflichen Hofe (curia episcopalis) und aus den Wohnungen der Canoniker. Sie war mit Mauern umgeben und mit drei Thoren versehen. Um diese Burg herum wohnten die Burgmannen und Ministerialen des Bischofs und andere Leute, welche mit dem Domstifte zu thun hatten. Im 11ten Jahrhundert ward auch diese Ansiedelung mit Mauern umgeben. Und sie bildete sodann die Altstadt. Um die Altstadt herum bildete sich die Neustadt und im 14ten Jahrhundert wurde damit auch noch der vor dem Dammthore liegende Dammflecken mit der Stadt vereiniget und mit Mauern, Graben, Thoren und Brücken befestiget. Die Stadt bestand demnach im 14ten Jahrhundert aus der Burg, aus der Altstadt und Neustadt und aus dem sogenannten Damm, also aus vier mit einander zusammenhängenden, aber durch Mauern

46) Dipl. circa 1189 bei Lappenber, I, 252. vrgl. noch die Freiheitsbriefe von 1189 u. 1190, eod. p. 253 u. 258.

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47) Lappenberg, I, Einleitung p. 7-20. Stadtrecht von 1292. A. art. 1. Ein raes „dat Hamborch ein is, unde ein bliuen scal iummermeir. „thus seal man och hebben, unde anderes nein, unde eine dincbanc „dorbi. Unde dhe markete scolen bliuen also she eir weren." v. Maurer, Städteverfassung I.

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und Thore getrennten Theilen, von denen die drei Weichbilde gesonderte Stadträthe und Verwaltungen hatten 48).

Eben so hat sich die Stadt Bamberg um das Donstift herum gebildet. Die Burg bestand aus der Domkirche, aus dem bischöflichen Hofe und aus den Wohnungen der St. Georgen Brüder. Dieser mit einer Mauer umgebene und mit zwei Thoren versehene Raum wurde, wie er heute noch heißt, die Burg und zwar, zum Unterschiede von der auf dem Berge liegenden, von den Grafen von Babenberg bewohnten alten Burg (Altenburg) die neue Burg genannt. Und um diese Burg herum hat sich sodann die Stadt selbst gebildet 40).

S. 17.

Was von den Domstiftern gilt in derselben Weise auch von den Abteien und Klöstern. Auch um sie hernm siedelten sich ihre hörigen Colonen und ihre übrigen Angehörigen, später auch freie Leute an. Und das ursprüngliche Dorf ward durch Ummauerung später zu einer Stadt. So war z. B. Neu-Korvei, welches sich um die Abtei Korvei herum angesiedelt hatte, im Jahre 940 schon eine Stadt 1). Eben so lag das Kloster Eichstädt in dem Dorfe (locus) Eichstädt. Denn erst im Jahre 908 wurde das Dorf nebst dem Kloster ummauert und dadurch zu einer Stadt 2). Auch Selz, eine ehemals römische Stadt 3), war, da die römischen Stadtmauern nicht wieder aufgebaut worden waren, ein bloßes Dorf 4), als die Königin Adelheid daselbst ein Kloster errichtete 5). Denn erst im Jahre 993 machte die H. Adelheid mit

48) Havemann, Geschichte von Braunschweig und Lüneburg, I, 619, 622 u. 624. Grupen, antiquit. Hannov. p. 164.

49) Schuberth, Staats- u. Gerichtsverfassung von Bamberg p. 92. Roppelt, Beschreibung des Fürstenthums Bamberg, I, 126.

1) Dipl. von 940 bei Falke, p. 209. homines, qui ad prefatum coenobium ct ad civitatem circa illud constructam confugere debent.

2) Dipl. von 908 bei Falckenstein, p. 18. Vrgl. oben §. 8.

3) Ammian. Marcell. XVI, 2. §. 12.

4) Dipl. von 993 bei Schoepflin, I, 138. Nr. 172. cus, in marca antiquitus constitutus.

quod ipse lo

5) Dipl. von 993 bei Schoepflin, I, 138. Nr. 173. Es geht aus dieser

Erlaubniß des Königs das Dorf zu einer Stadt. Zwar könnte aus den Worten der Urkunde: in loco, Salsa nominato, quem ipsa pro Dei amore aedificavit 6), geschlossen werden, daß die Königin keine Stadt, vielmehr nur ein Dorf angelegt habe. Da jedoch das aedificare locum mehr von dem Bau der Stadtmauern, als von der Anlegung des Ortes selbst gebraucht wird (S. 7) und das Dorf, wie bemerkt, schon vor dem Jahre 993 bestanden hat, so muß hier um so mehr eine Stadtanlage angenommen werden, als auch die berühmte Stelle in der Lebensbeschreibung der H. Adelheid von einer Stadtanlage spricht (urbem decrevit fieri sub libertate Romana). Auch die Stadt Buxtehude ist im Jahre 1273 aus einer Ummauerung der um das Kloster herumliegenden Wohnungen hervorgegangen 8). Eben so haben sich die Städte Et. Gallen, Fulda, Hersfeld, Schaffhausen u. a. m. um ein Kloster herum gebildet. Endlich wurde auch die Stadt Ens, um noch ein Beispiel anzuführen, hauptsächlich zum Schuße des Klosters Et. Florian, großentheils auf dessen Grund und Boden angelegt, und auf die Bitte des Bischofs von Passau auch jenem Kloster übergeben).

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Sehr viele Stadtanlagen wurden indessen weder durch Palatien oder andere befestigte Fronhöfe, noch durch geistliche Stiftungen veranlaßt. Sie hatten vielmehr die Sicherung der Gegend gegen feindliche Einfälle oder die Sicherung des an einem Orte befindlichen Marktes und des dadurch entstandenen Handels und

Urkunde selbst hervor, daß das Kloster damals schon gebaut war, womit auch noch mehrere Urkunden von 992 bei Schoepflin, I, 134, 135 u. 136 übereinstimmen.

6) Dipl. von 993. Nr. 172. 1. c.

7) Leibnitz, script. rer. Brunsv. I, 165.

8) Havemann, I, 635.

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9) Dipl. von 900 bei Hund, I, 234. deprecans, ut civitatem illam quam fideles nostri noviter in ripa Onasi fluminis, in proprio jam dicti martyris, partimque in terra praefecturae terminalis statuentes construxerunt, ad supradictum sacrosanctum locum traderemus. Vergl. §. 5.

.Gewerbswesens zum Zweck, oder sie hatten auch andere theils po litische, theils finanzielle Zwecke vor Augen. Bloß zur Sicherung der Gegend gegen feindliche Einfälle wurden schon zur Zeit Karls des Großen die Städte Heresburg, Magdeburg, Halle und Izehoe erbaut (§. 4). Späterhin blieb zwar die Sicherung des Ortes gegen feindliche Einfälle immer noch eine Hauptrücksicht bei der Ummauerung, auch noch bei der Aufführung von Stadtmauern zu Basel um das Jahr 1100 1), bei der Ummauerung von Haltern im Jahre 1288 2), von Lüdinghausen im Jahre 1308 3) u. a. m., insbesondere auch bei der Befestigung der Städte in Mähren 4). Es tritt jedoch mehr und mehr auch die Rücksicht für den freien Verkehr und den Handel hervor. Daher wurde so oft mit der Erlaubniß zur Ummauerung eines Ortes zu gleicher Zeit auch das Recht einen Markt und eine Münze und Zölle anzulegen ér theilt, z. B. als Eichstädt im Jahre 908 gegen die Einfälle der Ungarn befestiget werden sollte 5). Eben so als Passau gegen die Einfälle der Ungarn im Jahre 963 befestiget werden sollte ®). Denn die Worte negotia constituere sind offenbar von der Er-· richtung eines Marktes zu verstehen. Auch die Rechtsbücher verbinden die Anlagen von Märkten mit den Städteanlagen 1). Die Ummauerung von Freiburg im Breisgau hatte hauptsächlich die Gründung eines Handelsplages (forum constitui) und die Herbeiziehung von Handelsleuten zum Zweck 8). Dasselbe gilt von München. Denn München, das wahrscheinlich von Heinrich dem Löwen ummauert worden ist 9), hat seine Mauern offenbar

1) Ochs, I, 244.

2) Kindlinger, M. B. I, 2. p. 1.

3) Niesert, M. U. B. I, 2. p. 499.

4) Rößler, die Stadtrechte von Brünn, Einleitung, p. V.

5) Dipl. von 908 bei Falkenstein, p. 20. mercatum et monetam haurbemque construere.

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6) Dipl. von 963 bei Meibom, 1, 747. Concedimus castella cum turribus et propugnaculis eringere, negotia constituere. 7) Sächs. Lr. III, 66. Schwäb. Lr. W. c. 123. Ruprecht v. Freising I, 103.

8) Stadtrecht von 1120 bei Dümge, p. 122.

9) Farrago hist. rer. Ratispon. ad an 1175 bei Oefele II, 503. hoc anno urbs Monacensis aedificari coepta est. Urf. von 1287 in

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nur zur Sicherung seines Marktes (forum) und seiner Salzniederlage erhalten, um den Verkehr von dem benachbarten Freisingischen Marktplaße Veringen, dem heutigen Oberföhring, nach München zu ziehen 10). Zwar hat auch die landesherrliche Burg zur Erweiterung der Stadt wesentlich beigetragen. Denn ein großer Theil der Stadt hat sich um die Burg, den heutigen sogenannten alten Hof herum angesiedelt. Allein erst Herzog Ludwig der Strenge hat um das Jahr 1255 seine ständige Residenz nach München verlegt und innerhalb der bereits schon bestehenden Stadt seine Burg angelegt 11). Auf die erste Gründung der Stadt konnte demnach die Burg keinen Einfluß haben. Die herzogliche Burg war übrigens, wie die Burgen in Nürnberg, Ulm und Wien, mit Wall und Graben umgeben 12). Und heute noch führt die mitten in der Stadt gelegene Burggasse nach dem alten Hof, der ehemaligen herzoglichen Burg. Auch Bern wurde zum Theile wenigstens zur Sicherung seines Handels und um fremde Kaufleute anzuziehen, zum Theile aber auch um einen festen Punkt gegen den unruhigen Burgundischen Adel zu erhalten, angelegt 13). Die Herzoge von Zäringen besaßen zwar eine feste Burg in der Stadt 14). Diese war jedoch für die Bildung und Erweiterung der Stadt ohne allen Einfluß, da die Herzoge nicht Grundherren der Stadt waren, vielmehr nur in ihrer Eigenschaft als Reichsstatthalter, als Rectoren von Burgund, und zwar auf Reichsboden (in fundo et allodio imperii in nostro et imperii dominio) die Stadt angelegt hatten 15).

Im späteren Mittelalter tritt mehr und mehr die politische und finanzielle Rücksicht bei den Städteanlagen hervor. Die Städte waren allenthalben wegen des von den Bürgern zu erhebenden

Urf.

M. B., 18. p. 5. infra muros civitatis Monacensis. zwischen 1164 bis 1200 in M. B. VIII, 410. Ortolf qui preest muro. 10) Dipl. von 1158 bei Meichelbeck, I, 337 und Hund, I, 77 u. 78. 11) Bergmann, Gesch. von München, I, 10 u.. 11.

12) Urk. von 1322 bei Bergmann, II, 4. „vnsern Graben bei vnser Burge "ze München."

13) Handfeste von 1218, c. 1 u. 5. Stettler, Staats- u. Rechtsgesch.

von Bern, p. 20 f.

14) Handfeste, c. 8. De domo 15) Handfeste, c. 1 u. 2.

quam Dux

firmavit,

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